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Farbe studieren
Magazin

Die HAWK Hildesheim bietet einen deutschlandweit einmaligen Studiengang an: Farbdesign. Worin sich das von einem normalen Design-Studium unterscheidet und warum man Farbdesign studieren kann, erzählt Markus Schlegel.

Bitte stellen Sie sich kurz vor.


Markus Schlegel, seit 2003 Professor an der HAWK Hildesheim, Studiendekan der Fakultät Gestaltung, Leiter des Institut international Trendscouting IIT der HAWK. Kurator des Deutschen Farbenzentrums/Zentralinstitunt für Farbe

Wie unterscheidet sich das Studium zum Farbdesigner zu dem eines Kommunikationsdesigners? Was sind die Studieninhalte?

Das Studium unterscheidet sich durch breiter gefächerte Gestaltungsaufgaben, da Farbdesign immer fachübergreifend ist und in nahezu alle Design- und Architekturaufgaben hinein wirkt. Die Bereiche Architektur Stadt, Innenarchitektur, Licht-, Produkt-, Transportation-, Corporatedesign sowie Digital Media können in Hildesheim Kernthemen im Farbdesignstudium sein. Farbe, Oberfläche, Trend (Zukunftsforschung) sowie Farb- und Emotionspsychologie, Wirkungsweisen, Farbsemiotik und Farbmarketing sowie das Colourmanagemnet und die Grundregeln der Farbmetrik werden als strategisch- methodische Planungsprozesse im Vollstudium vertiefend gelehrt. Die Studierenden bekommen durch die forschungsbezogene Lehre Kompetenzen zur Farbforschung wie z.B. der Zukunftsforschung Farbe, Material und Licht oder zur Farb- und Emotionspsychologie vermittelt. Die theoretisch- wissenschaftlichen Erkenntnisse werden in interdisziplinäre und praxisorientierte Projektarbeit – oft in Kooperation mit der Industrie, dem Handel oder auch Agenturen – überführt. Die Beschreibung von Farbtypologien und Farbprofilen sowie die Argumentation für oder gegen Farbentscheidungen werden trainiert. Interaktionen von Licht- Material und Farbe im Raum und am Produkt werden experimentell und analytisch getestet und angewendet. Farbe wird bei uns als planbare Größe und Instrument jeglicher Gestaltentwicklung verstanden.

Wird das Studium zum Diplom-Farbdesigner nur an der HAWK Hildesheim angeboten? Falls ja, warum gibt es das Studium nicht flächendeckend?

Das Studium, mittlerweile als BA- und MA-Studiengang, wird als Vollstudium Farbdesign europaweit einzigartig gelehrt. Die Frage ist berechtigt und wird auch in unterschiedlichen Gremien wie z.B. dem DFZ (Deutsches Farbenzentrum) immer wieder diskutiert. Farbe hat z.B. als »dünnste Schicht« auf dem Architekturparkett bisher nicht die Bedeutung. Das mag sich langsam ändern, da funktionsorientierte Gestaltungen nicht mehr ausreichen und Kunden, Nutzer oder Auftraggeber bzw. die Gesellschaft grundsätzlich zunehmend gefühlsorientierte und strategisch planbare Gestaltungsprozesse verlangen.

In welchem Beruf arbeiten Diplom-Farbdesigner nach dem Studium? 

Farbdesigner arbeiten in unterschiedlichen Berufsbereichen.

  • Color & Trim Studios
  • Industrie Design Studios: von Modelabels über Transportation Industrie bis zu Herstellerfirmen von Architekturprodukten sowie klassische Produkthersteller
  • Grafik- Kommunikationsbereich/Werbeagenturen
  • Zukunfts- und Zeichenforscher, Trendagenturen
Architekturbüros (Interior/Exterior), Denkmalpflege
Color & Trim Studios etc. oder als Selbständige sowie in interdisziplinären Design Teams.

Wie stehen Sie den verschiedenen Farbtheorien gegenüber?


Farbtheorien sind wesentlicher Bestandteil der Kommunikation und des Grundverständnisses von Farbe. Ohne theoretisches Grundwissen sind Prozesse der Interaktion, der Phänomenologie, der Physiologie oder der Psychologie nicht zu erklären. Ohne die Codierung und Decodierung von Farbe über Farbordnungssysteme ist eine wertfreie Verständigung über Farbe nicht möglich. Das Colourmanagement greift in nahezu alle Gestaltungsprozesse über die Digicam zum Scanner zu diversen Druckverfahren bis zur Produktion eines Produktes hinein. Für die unterschiedlichen industriellen und gestalterischen Anwendungen sind unterschiedliche theoretische Ansätze sinnvoll, wie z.B. die psychologisch- physiologische oder physikalisch-physiologische Betrachtung der zwei bestehenden Metasysteme NCS und RAL Design. Die Schultheorien nach Küppers und Itten sind für das tägliche Design hinfällig und dienen höchstens als erste Näherung und für ein künstlerisches Farbmisch-Grundverständnis.
Unser gesamter Wahrnehmungsraum ist dreidimensional und farbig organisiert. Die Prägung von Bedeutungsmuster oder die Motivsysteme der Stilwelten sind ohne theoretische Auseinandersetzung kaum möglich. Farbe bleibt sonst eine intuitive Größe.

Wie wichtig ist Farbe in der Gestaltung?

Farbe ist fundamentaler Bestandteil jeder Gestaltung und muss daher mit Wissen untermauert und strategisch planbar sein. Farbe wirkt primär und offensichtlich. Der Farbapell ist bei jeglicher Gestaltung der stärkste- es ist erstaunlich wie subjektiv und intuitiv das Thema auch bei Experten der Gestaltung meist behandelt wird.
Die HAWK Hildesheim ist neben dem DFZ die einzige deutschsprachige Institution, die sich wissenschaftlich mit der Farbforschung auseinandersetzt und die Erkenntnisse in die Gestaltung zurückspiegelt.

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Das Interview wurde geführt von Patrick Marc Sommer