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Markus Nebel – Psychogramm des Selbstständigen

Markus Nebel untersucht in seiner Diplomarbeit »Psychogramm des Selbständigen« welche Faktoren für das erfolgreiche Gründen und Führen eines (Kreativ-) Unternehmens eine Rolle spielen. Dafür unterhält er sich mit bekannten Namen aus Deutschlands Design-Szene und dokumentiert diese Interviews. Er stellt Fragen nach Haltungen und Positionen und nach dem was Kreative antreibt und sie erfolgreich macht.

Die Arbeit soll im Anschluss jungen Gestaltern als Entscheidungshilfe und Orientierung in der Zeit nach dem Studium dienen. Wir haben Markus Nebel zum Gespräch gebeten.


Johannes Erler im Interview für das Psychogramm

Stell dich bitte kurz vor.

Geboren vor fast 30 Jahren in Köln und aufgewachsen im beschaulichen Mainz, habe ich vor drei Jahren den berühmten Lebensmittelpunkt nach Berlin verlegt. Eigentlich wollte ich im Jahr 2008 nur mein Praxissemester in Berlin machen, aber nach einem Jahr in Berlin war es schwer in Mainz wieder glücklich zu werden. Momentan befinde ich mich gerade in den letzten Zügen meines Diploms, das Ende November fertig sein muss. Zwischen Abitur und Studienbeginn habe ich eine Lehre zum Automobilmechaniker absolviert, anschließend ein Jahr in Montpellier gelebt und schließlich im Jahr 2006 mein Studium an der Fachhochschule in Mainz begonnen. Da ich besagtes Diplom auch an besagter Hochschule mache, habe ich in den vergangenen zwei Jahren knapp 40000 km (in Zeit: fast einen Monat) auf den Autobahnen A10,9,4,7,5 und 66, sowie A66, 5, 7, 4, 9 und 10 verbracht. Das hat dann am 23. November 2011 mit meinem Kolloquium endlich ein Ende.

Mit welcher Intention bist du an deine Diplomarbeit herangegangen?

Genau genommen gab es verschiedene Beweggründe für mich. Die ursprüngliche Idee war es als Designer auf die Walz zu gehen und so von den »alten Hasen« zu lernen. Ein zugegeben nicht ganz taufrischer Ansatz für ein Diplom, wie meine Recherchen ergaben. Diese Idee bildete dennoch das Grundgerüst für die jetzige Ausformung meiner Arbeit, ist der Kern doch derselbe geblieben: Lernen durch beobachten. Eine Grundmotivation war sicherlich auch mein Wunsch mich im Anschluss an das Diplom selbständig zu machen und so durch den Dialog mit anderen, bereits selbständigen Designern herauszufinden, ob ich hierzu die nötige Eignung mitbringe. Zu dem, was das Diplom dann letztendlich geworden ist und noch werden wird, hat es die Zeit gemacht: das ständige Probieren, Scheitern und Justieren.

Was hast Du im Laufe deiner Diplomarbeit »Psychogramm des Selbständigen« gelernt?

Zu allererst, dass es sehr viel zu lernen gibt. Die Selbständigkeit und gerade die Gründung eines eigenen Büros oder der eigenen Agentur im weiten Feld des Designs, ist sehr facettenreich. Im Laufe der Zeit habe ich mich mit 28 selbständigen GestalternInnen unterhalten und versucht Gesetzmäßigkeiten zu erkennen. Eine Frage während der Interviews war immer: »Welche Faktoren waren für deinen Erfolg verantwortlich?« Davon abgesehen, dass jeder Mensch Erfolg anders definiert, führten die Interviews zu einer Aufstellung von zehn Regeln und 25 Stichworten. Ich meine damit Begriffe, über die man immer wieder stolpert, wenn man sich über das Gründen und Führen von Unternehmen unterhält. Es ist also nicht leicht zu sagen, was ich genau dabei gelernt habe. Rückblickend ist es eher die Summe an Eindrücken, die auf mich gewirkt hat und mich so letztendlich in meinem Vorhaben für die eigene Selbständigkeit bestärkt.


Raban Ruddigkeit im Interview für das Psychogramm

Warum können vielleicht gerade Kreative nicht so gut zwischen Arbeit und Freizeit trennen?

Diese weit verbreitete Annahme kann ich nur in Teilen bestätigen. Man muss eingangs zwischen den verschiedenen Auslösern für das Fehlen dieser Trennung unterscheiden. Ein Faktor, der sicher im Zuge dieser Frage erwähnt werden muss, ist die Leidenschaft. Erfolgreiche Gestalter habe immer eine irgendwie geartete Form der Leidenschaft für ihre Arbeit entwickelt und diese lässt sich nun einmal nicht nach Feierabend abschalten. Der leidenschaftliche Typograf ist auch in seiner Freizeit an Schrift in jeglicher Form interessiert und von ihr umgeben. Dennoch haben vor allem die älteren Gestalter Wege gefunden, diese Trennung von Beruf und Freizeit wieder herzustellen. Leidenschaft ist sicherlich ein angenehmeres Motiv, als der zweite davon zu unterscheidende Faktor: Der wirtschaftlichen Not, die meiner Meinung nach viel zu häufig der eigentliche Auslöser für das Fehlen dieser Trennung ist. Lässt sich die Arbeit eben nicht in der eigentlichen Arbeitszeit bewältigen, muss sie eben mit in die so genannte Freizeit übernommen werden. Somit ist es nicht die fehlende Fähigkeit zu trennen, als viel mehr das Fehlen der Möglichkeit einer Trennung.

Warum liegt der Fokus deiner Interviews auf der Kreativbranche und nicht auf anderen Bereichen?

Der Fokus liegt eigentlich ausschließlich auf Designern, die ihr eigenes Unternehmen, in welcher Form auch immer, gegründet haben. Aus dem einfachen Grund, dass ich das ebenfalls anstrebe und eine meiner selbst verfassten Regeln besagt: »Lerne von den Anderen.« Diese Regel leitet sich aus einem Ausspruch von Prof. Dr.-Ing. Dieter Wissussek ab, der damals das Diplom meines Vaters betreut hat: »Meine Herren, konstruieren Sie nicht wild drauf los, sondern schauen Sie, was die anderen bereits gemacht haben.«

Wie wählst Du deine Interviewpartner aus?

Anfänglich sah mein Konzept vor eine möglichst große Bandbreite an Designern zu befragen, um anschließend einen repräsentativen Querschnitt darstellen zu können: vom jungen Start Up bis zur lebenden Legende. Von dieser Strategie bin ich aber recht schnell abgekommen, da sich gezeigt hat, dass ein gewisses Maß an Erfahrungen nötig ist, um zu überzeugenden Ergebnissen zu kommen. Rückblickend lässt sich feststellen: Je erfolgreicher die Gestalter waren, um so spannender wurden die Interviews. Darüber hinaus lässt sich sagen, dass es leichter ist als man vermutet, auch bekannte Designer zu einem Interview zu bewegen. Das liegt vermutlich am Beruf dieser Menschen; ist ein Interview auch nur eine bestimmte Form von Kommunikation, aber gleichzeitig PR in eigener Sache. Später mit einem Erik, Eike und Co. im Portfolio wurde die Akquise anderer Interviewpartner zusehend einfacher. Zum einen lag es vermutlich wirklich an den Namen der Designer, die ich bereits getroffen hatte, zum anderen ist es einfach Hartnäckigkeit. Wenn man nach der dritten Anfrage keine Antwort bekommt, muss man eben einen vierten Anlauf starten.


Andreas Uebele im Interview für das Psychogramm

Sind Kreative gute Geschäftsführer/Unternehmer?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Von denen, die ich getroffen habe, hatte ich den Eindruck, dass es zutrifft. So wie ich die Zahlen, die dazu vom BDG und anderen Berufsverbänden regelmäßig veröffentlicht werden, interpretiere, ist häufig auch das Gegenteil der Fall. Grundsätzlich ist das Gründen und Führen eines Unternehmens ein kreativer Prozess und hat im Gegensatz zur landläufigen Meinung nichts mit Betriebswirtschaftslehre zu tun. Ob und in wie weit ein Designer sich auch zum Unternehmer eignet, hat weniger mit seiner Ausbildung zu tun, als viel mehr mit seiner Persönlichkeit. Am Anfang muss immer der absolute Wunsch stehen, sich auf das Wagnis der eigenen Selbständigkeit einzulassen, denn nur dann kann man auch den Ehrgeiz und die Hartnäckigkeit entwickeln, ohne die es nicht möglich ist dieses Ziel zu erreichen. Wer während seines Studiums in größeren oder kleineren Projektgruppen gearbeitet hat, kann sich jetzt rückblickend die Frage stellen, welche Positionen er in diesen Abläufen eingenommen hat. War man der Typ, der versucht hat die Führung zu übernehmen oder hat man sich schnell mit Aufgaben eingedeckt, um wieder alleine und in Ruhe zu arbeiten? Zusammenfassend kann man sage: Im Kern ist es immer eine Charakterfrage, aber das Rüstzeug, das uns die Ausbildung mitgibt, ist auf jeden Fall das Richtige.

Welche Tipps kannst Du selbständigen Designern geben?

Hier muss ich zuvor zwischen selbstständigen Designern, die als Freelancer arbeiten und solchen, die ein eigenes Unternehmen planen oder bereits führen, unterscheiden. Der ersten Gruppe, mit der ich mich während meines Diploms nicht beschäftigt habe, kann ich höchstens raten, dass sie überprüfen sollten, in wie weit sie wirklich selbstbestimmt arbeiten. Mit möglichen Tipps, die ich der zweiten Gruppe geben kann, bin ich ebenfalls sehr vorsichtig, da sie sich bis jetzt nur in meinem Kopf bewährt haben. Eine Sache kann ich aber uneingeschränkt empfehlen: Man muss sich seine eigenen Gedanken zu diesem Thema machen, mit anderen Unternehmern reden und das ein oder andere Buch lesen, bevor man anfängt teure Räume zu mieten oder noch viel schlimmer, einen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen. Denn was ich, auch ohne die Erfahrung selber gemacht zu haben, als hinderlich für das Gründen eines eignen Unternehmens ausgemacht habe, ist das Angestelltenverhältnis. Denn einmal eingegangen ist es schwer, sich wieder davon zu lösen. Andererseits sind mir auf meiner Reise ebenso viele Designer begegnet, die eine gegenteilige Position vertreten. Für sie war es sehr wichtig und vorteilhaft zuvor als Angestellter Erfahrungen gesammelt zu haben. Abgesehen von dieser Grundsätzlichkeit, ob eine Anstellung als Vorbereitung nun richtig, wichtig oder falsch ist, rate ich allen, die sich mit dem Gedanken tragen eine eigene Unternehmung zu starten, ehrlich mit sich selbst ins Gericht zu gehen und wenn der Entschluss gefallen ist, dieses Ziel mit großer Beharrlichkeit zu verfolgen.

Was wirst du mit den Interviews machen? Wie wird das Ergebnis deiner Diplomarbeit aussehen?

Wie bereits in den vorangegangenen Fragen angerissen, habe ich aus der Summe der Eindrücke und Erkenntnisse, zehn einfache Regeln abgeleitet. Diese werden durch entsprechende Auszüge aus den Interviews belegt und diskutiert. Zusätzlich versuche ich immer den Gestalter, der mich zur entsprechenden Regel inspiriert hat, dazu zu bewegen einen Text zu verfassen. Darüber hinaus gibt es eine Sammlung von 25 Begriffen (Bsp. Begriff: Partner), die immer wieder gefallen sind und denen daher ein Relevanz zukommt. Diese Begriffe verweben sich mit den zehn Regeln und den Interviewtexten zu einem Teppich an Informationen, Positionen und Geschichten: dem Psychogramm des Selbständigen. Als Endprodukt entsteht aus diesem Material ein Taschenbuch, das durch ein iPhone-basiertes Interface mit den angefallenen digitalen Medien vernetzt wird. Da das inhaltliche Rückgrat der gesamten Publikation über 30 Stunden Interviewmaterial ist, war es mein Wunsch, diese sehr persönlichen Eindrücke, auch in ihrer ursprünglichen Form, dem Leser zur Verfügung zu stellen. Auf der Suche nach geeigneten Möglichkeiten weitere digitale Inhalte neben den Tonspuren an das gedruckte Wort zu koppeln, habe ich mich mit der Entwicklung eines digitalen Quellenverzeichnisses in Form einer iPhone App auseinandergesetzt. Auf gestalterischer Ebene setze ich mich während meines Diploms mit dem klassischen Printmedium und dessen Zukunft in einer zunehmend digitaler werdenden Welt, auseinander. Meiner festen Überzeugung nach, wird es das gedruckte Buch auch noch in ferner Zukunft geben, nur die Art wie es sich zur digitalen Wirklichkeit verhält, wird sich schon in naher Zukunft radikal verändern. Inhaltlich soll die Arbeit GestalterInnen, die der Wunsch nach Selbständigkeit verbindet, als Entscheidungshilfe und Orientierung dienen.

Das Interview führten Nadine Roßa & Patrick Marc Sommer. Fotos von Saskia Friedrich

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