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Informations- und Orientierungssystem der staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten des Landes Sachsen
Magazin

Interview mit Michael Blomeier, Christian Lessing und Fritjof Wild.
http://blomeier-lessing-wild.de

Ein neues Informations- und Orientierungssystem für die staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten des Landes Sachsen, das zur Zeit nach und nach realisiert wird. Wir sprachen mit den drei Designern über die Hintergründe.

Bitte stellt Euch kurz vor. Wer seid ihr und wo habt ihr drei euch kennen gelernt?

Wir alle haben zur selben Zeit an der FH Düsseldorf studiert. Je zwei kannten sich und irgendwann lernten sich dann alle drei kennen. Deshalb steht auch einer immer am Rande. Zwei besitzen ein Smartphone – einer nicht. Zwei sind katholisch – einer nicht. Zwei fahren Fahrrad – einer nicht. Aber eines haben alle drei gemeinsam: Sie sind kurzsichtig und tragen Brillen.

Ihr kommt aus drei unterschiedlichen Bereichen: Architektur, Produkt- und Informationsdesign.
Liegt dabei eine Zusammenarbeit besonders nahe? Und wie funktionierte die Zusammenarbeit in diesem speziellen Projekt?

Jeder kann alles und wirklich ALLES besser. Der Architekt gestaltet die Grafik natürlich selber, der Informationsdesigner sagt dem Architekten, was er zu tun hat und der Produktgestalter weiß nichts, erklärt es aber trotzdem.

Der Kreis ist das vielleicht einfachste aber doch ausdrucksstärkste Gestaltungselement. Warum eignet es sich so gut als Ausgangspunkt für das Leitsystem?

Wenn der Gestalter nichts weiß, macht er einen Kreis… In diesem Fall passte er. Wir formulierten es für uns so: ein Punkt ist ein Kreis, ist eine Fläche. Der Punkt ist ein gelerntes Orientierungszeichen – wie der an den Weg gelegte Stein oder der gemalte Punkt an Bäumen und Felsen. Wird der Kreis dreidimensional, entsteht ein Zylinder. Die zylindrische Form zeigt keine Richtung an, sondern ist sich selbst genug. Ortsspezifische Informationen und Orientierung erfolgen ausschließlich über die grafische Gestaltung.

Ist die optische Ähnlichkeit gelber Punkt = Sonne Zufall oder Intention?

Die Farben sind Teil des sächsischen Wappens und die Verwendung war Vorgabe im Wettbewerb. Natürlich kann der Punkt auch als Sonne interpretiert werden, aber auch als Zentrum einer Blüte oder als Markierung für die Biene…

Das Thema Schlösser, Burgen und Gärten klingt nach Schnörkel, Märchen, Prinzessinnen. Das Leitsystem aber ist sehr modern. Ist der Kontrast bewusst gewählt?

Die Orte, an denen das Informations- und Orientierungssystem aufgebaut wird, könnten unterschiedlicher nicht sein. Es sind Burgen auf Bergspitzen darunter und Schlösser, innerstädtische Parkanlagen und Schlossgärten. Unser Motto war: Wer sucht, wird aufmerksam – wir geben dem Besucher eine Hilfestellung zum Orientieren, aber wir leiten ihn nicht. Wir nutzen zur Informationsvermittlung die vorhandenen Flächen, denn wir verstellen mit unserem System keine Blickachsen.

Diesen Widerspruch zwischen Informations- und Orientierungsauftrag bei geringem Eingriff in die Bausubstanz und Gartenkompositionen versuchten wir durch ein modulares, auf die Informationsvermittlung gerichtetes System zu lösen. Wir gaben den Objekten bestimmte Proportionen, so dass sie auch als Sitzmöbel nutzbar sind. Und wir wollten auf keinen Fall den vorhandenen Stil der jeweiligen Schlösser, Burgen oder Gärten nachahmen. Intern bezeichneten wir unsere Entwürfe in diese Richtung als »Asbach-Uralt-Assmannshausen-Design«. Trotz aller formalen Zurückhaltung hatten wir einen Gestaltungswillen, so entstanden letztendlich diese modern anmutenden Formen.

Das Orientierungssystem ist Wettbewerbssieger beim Orientierungs- und Informationssystem für das Schlösserland Sachsen. Ist es bisher nur ein Entwurf oder wird es auch umgesetzt?

Die Ergebnisse werden Stück für Stück umgesetzt. Letztendlich wird das System an 19 Orten, wie der Albrechtsburg Meißen, dem Großen Garten in Dresden oder am Schloss Pillnitz aufgestellt werden.

Das Interview führten Nadine Roßa & Patrick Marc Sommer.

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