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Fragen an Illustratoren: Judith Drews

Wie war dein Einstieg in die Branche und was war dein erster Job?

Im Studium habe ich ab dem 2. Semester in einer Werbeagentur gearbeitet und hier die ersten Illustrationen gemacht. Die Illustrationen, die dann weitere Jobs nach sich gezogen haben waren meine Illustrationen für die damaligen Kinderseiten der Berliner Zeitung. Dem Bildredakteur habe ich einiges zu verdanken, nur leider gibt es diese schöne Seite schon lange nicht mehr. Im Kinderbuchbereich ist David Bennett von Boxerbooks Ltd. der erste Verleger gewesen, der an mich geglaubt hat. Danach waren es französische Verlage und dann erst erschienen die ersten Bücher von mir in Deutschland.

Arbeitest du hauptsächlich als Illustrator oder hast du noch andere Schwerpunkte und falls ja, welche?

Gerne übernehme ich die gesamte Gestaltung meiner Bücher, soweit es möglich ist – das ist das einzige neben meinen Illustrationen.

Auf welchen Themenbereich hast du dich spezialisiert? Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Mit welchen Techniken arbeitest du?

Den eigenen Stil zu beschreiben finde ich sehr schwierig, da greife ich gerne auf die Beschreibung von Dritten zurück: naiv, kindlich, klar konturiert, fröhlich. Überwiegend arbeite ich im Kinderbuchbereich, bin aber immer auch daran interessiert mit meinen Illustrationen ganz andere Bereiche zu erkunden. Ganz egal ob CD Cover, Teller, Lampenschirme oder Aufblastiere.

Die Technik ist nicht immer gleich aber meistens mit dem Pinsel gezeichnete Konturen zu einer Kolorierung am Computer. Neruedings arbeite ich gerne auch mal ganz analog in Buntstift.

Digital oder Analog?

Beides.

Gibt es ein Objekt, ein Thema, das für dich besonders schwer zu zeichnen ist?

Hmmm. Ein Thema muss mich irgendwie berühren ansonsten kostet es mich viel Kraft und es fällt mir schwer es zu bebildern. Je mehr ich mir die Jobs aussuchen kann, desto weniger komme ich zum Glück in eine solche Situation.

Wie ist dein Arbeitsprozess für eine Illustration?

Das kommt ganz darauf an wofür die Illustrationen sind. Bei meinen Büchern scribbel ich immer so nebenbei mal die Figuren bis mir eine gefällt, die dann ausgebaut wird. Dann folgt ein Ministoryboard nach dem ich dann die Konturen zeichne. Ein ganzes Buch in groß skizzieren tue ich nie. Das ist für einige Lektoren neu, aber es klappt immer sehr gut.

Was passiert, wenn einem Kunden deine Illustration überhaupt nicht gefällt?

Dann frage ich mich, weshalb er mit mir arbeiten wollte…

Welche Tipps kannst du jemandem geben der Illustrator werden möchte?

Zu dem Beruf eines Illustrators, wie ich ihn ausübe, gehört neben dem authentischen Stil ganz viel Ausdauer, Energie und ein fester Wille. Dann noch die Kontaktpflege, Büroarbeit, Werbemassnahmen usw. Es gibt zwar wenige Illustratoren, die einen Praktikanten/Assistentin annehmen – aber diese Chance ist großartig für Studenten, die kurz vor dem Abschluss stehen!

Wie gewinnt man als Illustrator Kunden?

PDF Portfolios kann man sicher gar nicht genug herausschicken in der ersten Zeit. Auf die ersten guten/großen Kunden folgen dann oft ganz schnell weitere – vorausgesetzt die Zusammenarbeit war gut. Die Branche ist sehr überschaubar und Empfehlungen sind goldwert.

Wie siehst du den Stand der Illustration in Deutschland?

Das kommt wieder ganz darauf an über welchen Bereich wir sprechen. Im Ganzen gesehen, kann man sicher noch einiges für eine bessere Anerkennung der Illustration tun. Ein Blick auf Amerika, England oder Frankreich zeigt wie groß der Unterschied in der Wertschätzung ist.

Wo ist für dich der Unterschied zwischen Kunst und Illustration?

Hier finde ich schon eine Gegenüberstellung wie sie diese Frage in den Raum stellt unpassend. Wo ist die Grenze? Wer sagt was Kunst ist? Ist etwas das »angewandt« ist deshalb keine Kunst mehr? Gerne werden bei Vorträgen über bekannte Illustratoren deren Verbundenheit zur Kunst dargestellt, Vorbilder herangezogen aus der Kunstgeschichte und Ähnliches, um der Arbeit des Illustrators Bedeutung zu geben, sie aufzuwerten und sozusagen salonfähiger zu machen. Fürchterlich unnötig.

Ein Tag im Mehrgenerationenhaus, Scholz & Friends Berlin für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Judith Drews & Andrea Peter

Judith Drews
http://www.judithdrews.de

Interviewserie mit Fragen von Nadine Roßa und Patrick Marc Sommer.