Abbildung und Realität haben manchmal nicht viel miteinander zu tun. Das weiß jeder, der schon mal eine Dosensuppe zubereitet hat und deren Optik meist ein anderes Gericht verspricht, als das was man am Ende auf seinem Teller vor sich hat. Es muss nicht gleich so drastisch sein, wie in diesen Fällen.
Das Produktetikett verspricht »Haute Cuisine«, das Innenleben verspricht Magenschmerzen. Auf Werbung und deren Versprechen gehen wir hier nichtallzu sehr ein. Aber warum »low cost« wie »high cost« aussieht, kann uns Frank Weymann erklären.
Interview mit Frank Weymann
http://www.foodstyling-weymann.com

Ich verändere Lebensmittel so, dass sie vor der Kamera haltbarer sind. — Ich verwandle Konsistenzen von Lebensmitteln, um das Fliessverhalten so zu verändern, dass es vor der Kamera lecker aussieht. — Ich baue Bilder vor der Kamera
Durch Zufall. — Während meines Oecotrophologiestudiums sprach mich eine Freundin an, die einen Foodstylisten kannte, ob ich nicht Lust hätte, ihm zu assistieren. Daraus ergaben sich nach einiger Zeit die ersten kleinen eigenen Jobs, die sich dann sehr schnell vervielfältigten.
Lebensmittel sind sehr heterogene Stoffe, die vor der Kamera (zum Teil) nicht gut aussehen. Zudem »sieht« eine Kamera im Gegensatz zum Auge nur zweidimensional. Diese eine fehlende Dimension muss ausgeglichen werden.
Lebensmittel einkaufen. Mit dem Storyboard (Drehbuch) auseinandersetzen um zu verstehen, was vom Kunden gewünscht ist. Layoutfilme drehen oder Fotos schießen (falls vorab gewünscht). — Bei Bedarf müssen die Lebensmittel vorweg verarbeitet werden. — Nach dem Vorbereiten die Originalprodukte nachbauen. — Vor der Kamera das gewünschte Bild aufbauen.
Manchmal koche ich das Essen auch selber, ansonsten kümmert sich eine Assistenz darum, damit ich mich zu 100% auf das Stylen und den Aufbau konzentrieren kann. Um das Einkaufen kümmere ich mich in Deutschland aber ausschließlich selber, im Ausland lasse ich die einheimische Assistenz die Einkäufe erledigen.

In den meisten Fällen ja. Vor allen Dingen wenn die Darsteller die Produkte vor der Kamera essen müssen, müssen diese zumindest halbwegs schmackhaft sein. Die Zeiten der artifiziellen Produkte sind Vergangenheit.
Der Trend geht weiterhin in Richtung natürlicher Produktfotografie. Nichts desto trotz werden Produkte nach wie vor für die Kamera geschönt und aufgearbeitet.
Wenn es geht, bis an die Grenze. Das ist das was die Kunden an mir schätzen.
Ja, ständig. Leider ist es mittlerweile so, dass teuer essen gehen nicht immer mit höchster Qualität verbunden ist. Meist bezahlt man einen bekannten Namen und erhält dafür aber mindere Qualität, einen schlechten Service und nicht das, was einem versprochen wird.
Ja, durchaus wird die ein oder andere Nudel auch gefärbt.
Vor allem die Molekularküche hat sich dadurch ausgezeichnet. Der Trend dazu ist aber schon wieder vorbei und es bewegt sich alles mehr in Richtung natürlichen Produkten und natürliches Aussehen.
Nein, die Einstellung zum Essen hat sich bereits in meiner Ausbildung und Tätigkeit als Koch verändert und geprägt. Ein »Feintuning« wird es dennoch immer wieder geben.
Das Interview führten Pascal Jeschke & Nadine Roßa. Fotografie & Fooddesign von Frank Weymann
Das Interview führten Pascal Jeschke & Nadine Roßa.
Fotografie & Fooddesign von Frank Weymann