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Fragen an Illustratoren: Katrin Rodegast

Wie war dein Einstieg in die Branche und was war dein erster Job?

Während des Design-Studiums bin ich nach Berlin gegangen und habe als Praktikantin und Assistentin für Sarah Illenberger gearbeitet. Ich habe dann mehr und mehr eigene Projekte illustriert, die recht schnell in Blogs gefeatured wurden. Irgendwann riefen dann die ersten Magazine, wie z.B. WIRED, an.

Arbeitest du hauptsächlich als Illustratorin oder hast du noch andere Schwerpunkte. Falls ja, welche?

Ja, ich arbeite mittlerweile hauptsächlich als Illustratorin, meist für Editorials von Magazinen. Im vergangenen Jahr hat sich auch viel um meinen Quilt »Soft Cover« gedreht: Er wurde in der »Neonchocolate Gallery« in Berlin und auf der Art.Fair Cologne ausgestellt. Und ich durfte mich über einige Preise für »Soft Cover«, wie den Adobe Design Achievement Award und den Red Dot Award freuen. Zusätzlich mache ich freie Projekte mit befreundeten Fotografen und arbeite als Grafikdesignerin für Agenturen.

Auf welchen Themenbereich hast du dich spezialisiert? Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Mit welchen Techniken arbeitest du?

Ich habe mich auf taktile Illustrationen spezialisiert. Dabei versuche ich viele Facetten zu zeigen und verschiedene Materialien zu verwenden. Daraus entstehen dann Objekte, Collagen, Stillleben und auch ganze Szenarien. Im Moment arbeite ich viel mit Papier, Metallteilen, Draht, Stoff, Knete, Spielzeug, Büchern und Lebensmitteln. In einigen aktuellen Arbeiten für das Deutsche Bahn-Magazin, Men’s Health und Impulse habe ich z.B. ausschließlich mit Papier gearbeitet. Prinzipiell kommt aber jedes Material infrage, das irgendwie durch meine Bürotür passt.

Digital oder analog?

Ich arbeite komplett analog. Den Mac benutze ich quasi zur Unterstützung, um dem Kunden kurz zu skizzieren, wie das Ergebnis in etwa aussehen wird. Ich habe lange, wie ja die meisten Grafikdesigner, digital gearbeitet. Das Analoge bietet aber ganz andere Freiheiten.

Gibt es ein Objekt, ein Thema, das für dich besonders schwer zu illustrieren ist?

Eigentlich nicht. Manche Materialien sind natürlich eine Herausforderung – wenn ich einen ganzen Tag Draht biege oder mit Sekundenkleber arbeite, bedanken sich abends dann die Hände. Es kommt auch vor, dass ich mir neue Techniken beibringe, die ich noch nie vorher ausprobiert habe. Und für komplizierte Papierobjekte muss man viel rechnen, fast wie bei einem Architekturmodell.

Wie ist dein Arbeitsprozess für eine Illustration?

Ich bekomme vom Kunden das Thema. Dann erstelle ich eine grobe Skizze, wähle Farben und Material und bespreche das mit dem Kunden. Danach wird das Material besorgt, gebaut und zum Schluss fotografiert. Fertig.

Was passiert, wenn einem Kunden deine Illustration überhaupt nicht gefällt?

Zum Glück haben mir die Kunden da immer vertraut. Man spricht ja viel darüber, wie alles aussehen soll, der Kunde sieht auch Skizzen. Wir besprechen das auch deshalb sehr genau, weil eine Korrektur an einem Objekt manchmal aufwändiger ist. Das sollte man vermeiden, vor allem bei den meist engen Zeitrahmen. Kleine Korrekturen, wie etwa eine andere Hintergrundfarbe, kann man schneller umsetzten.

Welche Tipps kannst du jemandem geben der Illustrator werden möchte?

Ich finde, dass ein eigener Stil dabei das Wichtigste ist. Und man sollte machen, worauf man am meisten Lust hat. Wenn sich beides verbindet, bekommt die Arbeit das gewisse Etwas. Und danach suchen die Kunden.

Wie gewinnt man als Illustrator Kunden?

Zunächst kann man seine Arbeiten auf einer schönen, simplen Website präsentieren. Man sollte generell keine Scheu haben seine Arbeiten zu zeigen – auch wenn man noch nicht so viele Referenzen hat. Ausstellungen und Publikationen bringen auch viel Aufmerksamkeit.

Wie siehst du den Stand der Illustration in Deutschland?

Ich freue mich, dass der Trend immer mehr zur analogen Illustration geht. Mittlerweile gibt es ja auch eigene Publikationen, Festivals und Blogs, die sich ausschließlich mit Illustratoren beschäftigen und ihre Arbeitsstile vorstellen. Generell kann man sagen: Die Magazine und Unternehmen trauen sich immer mehr. Das ist toll, weil es einen besonderen Charme in die Magazine bringt. WIRED hat zum Beispiel meine taktilen Illustrationen für ihre iPad-App animiert – und plötzlich bewegen sich Räder, Häuser wachsen und die Arbeit erhält eine neue Dimension.

Wo ist für dich der Unterschied zwischen Kunst und Illustration?

Ich würde sagen, dass die Illustration auf ihre Art ein Stück Kunst in die Magazine bringt. Genau deshalb ist sie ein Blickfang und ragt aus der Masse heraus. Eine Illustration ist zwar meist funktional, das heißt, sie vermittelt in Kombination mit Text oder Statistiken ein bestimmtes Thema. Allerdings arbeitet man oft mit künstlerischen Techniken. Zur thematischen Vorgabe kommt auch der enge Zeitrahmen – ein Künstler hat meist mehr Zeit für sein Werk. In einer Illustration werden beide Welten kombiniert. Illus, die ich toll finde, schneide ich mir aus und hänge sie an die Wand – wie ein Kunstwerk.

Katrin Rodegast
www.katrinrodegast.de

Interviewserie mit Fragen von Nadine Roßa und Patrick Marc Sommer. Fotos von Ben Fuchs, Katrin Rodegast, Anne Deppe, Peter Langer, Andreas Reeg

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