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Was ist für dich Hochwertig?
Magazin

Wir haben Kollegen befragt, was sie mit »Hochwertig« verbinden. Herausgekommen sind 39 sehr unterschiedliche Statements.

„Hochwertigkeit liegt für mich ganz klar in der Rarität der Dinge. Etwas Hochwertiges kann man weder einfach noch schnell bekommen. Hochwertigkeit hat für mich auch weniger mit Geld als mit ideellem Wert zu tun. Natürlich kann ich in einen Laden gehen und mit ganz viel Geld teure Dinge kaufen und mir damit einen hochwertigen Status erkaufen. Für mich beginnt Hochwertigkeit jedoch schon bei Kauf einer guten Kartoffel, bei dem Fund einer 80 Jahre alten Kamera, die noch die gleichen Fotos wie früher macht oder einfach in einem Moment auf der Straße, wo etwas schönes passiert und die Zeit stehen bleibt. Den Wert der Dinge bestimmt jeder selbst und was man vom Leben erwartet bestimmt wie hoch dieser anzusetzen ist.“

Ailine Liefeld (BCaptured – Photography Ailine Liefeld)
http://www.ailineliefeld.com

„So ein richtig deutsches Wort. Fast ungewöhnlich, dass gerade dieser Begriff deutsch geblieben ist, im Differenzierungssprachkrieg noch nicht auf „high valuey“ aufgerüstet wurde. Hätte man ja machen können, man sagt ja auch „opinion leaders“ zu Großmäulern, oder „stakeholder „zu Steakhalter. Aber „hochwertig“ ist für das was es aussagt, das alleroptimalste. Es wird nie durch ein nichtdeutsches Wort aufgepimpt werden, denn was es ausdrücken soll, ist so im Selbstverständnis des Deutschen und seinem Verhältnis zu seiner Arbeit und den Dingen mit denen er sich umgeben soll, verwachsen, dass man es nicht einfach verdenglischen kann. „Hochwertig!“ ist der große deutsche Fetisch und, das hört man ja auch von überall, unsere letzte Chance. Deutsche Wertarbeit also, was der Chinese halt noch nicht kann. Wenn der Chinese Deutsche Wertarbeit kann, können wir immer noch auf Deutsche Hochwertarbeit upgraden.

Obwohl ich hier eigentlich für das Weglassen des „Hoch“ plädieren möchte. Wertig, das klingt doch viel sympathischer und hat ohne diesen elitären Prefix eine viel selbstbewußtere Authorität. Hochwertig bleibt ja letztlich immer eine Behauptung. Wertig ist eine nüchterne Feststellung. Zudem ist das Wort gut zu exportieren. Ich kann schon den hippen New Yorker rufen hören: „Hey, nice new hat. It looks very werty!““

Alexander Gellner (Regisseur & Animator, bitteschön.tv)
http://www.bitteschoen.tv, http://www.gellnerism.com

„Unsere Kunden erwarten von uns die bestmögliche Lösung. Das Problem dabei: Bestmöglich ist äußerst subjektiv und organisationslastig zu betrachten. Von „in time & in budget“ bis hin zu KPIs und ROI reicht dabei die Spannbreite der (betriebswirtschaftlichen) Blickwinkel.

Dies sind unbestreitbar wichtige Aspekte. Eine hochwertige Lösung geht aber darüber hinaus. Sie entsteht auf dem Weg zur Vereinbarkeit von Unvereinbarkeiten. Eine solche Unvereinbarkeit stellen oftmals die Einzelinteressen von Unternehmen und ihren Kunden dar. Eine gute Agentur vermittelt dabei nicht zwischen den Bedürfnissen der beiden Parteien und sucht den Kompromiss. Sie baut vielmehr auf den vordergründig divergierenden Bedürfnissen auf und schafft etwas neues, etwas für beide Seiten wertvolles, eben höher wertig als das bisher bekannte.

Zugegeben: Diese Königsdisziplin kreativen Auftragsschaffens findet nicht oft statt in Deutschland. Umso mehr ein Grund in diese Richtung zu arbeiten. Denn hochwertig bedeutet immer auch mehrwertig – und zwar für beide Seiten!“

Alexander Kamphorst (Stratege, Pixelpark Berlin)
http://www.pixelpark.com

„In dem Wort Hochwertigkeit steckt zu allererst einmal das Wort “Wert”. Und Wert wird oft monetär verstanden. In diesem Sinne ist “hoch”-wertig das Gegenteil von billig. Ich persönlich verbinde mit dem Wort Attribute wie edel, nobel, schön, schöngeistig, kostbar, ausgewählt, Sorgfalt, mit Liebe zum Detail und Begehrlichkeit. Ich denke an die guten alten Manufakturen, wo “kostbare” Gegenstände in Handarbeit produziert werden. Es geht um Perfektion, lange Haltbarkeit und die besten Materialien; um Gegenstände, die man nur einmal im Leben kauft – zeitlos im Design.

Im Hinblick auf mein Geschäftsfeld, dem Sound Branding übertrage ich das Wort hochwertig auf echte Instrumente, ausgefeilte Kompositionen, clevere, einzigartige und auf die entsprechende Marke abgestimmte, passgenaue Arrangements, die überraschen und sich auch nach langer Zeit noch behaupten können.“

Alexander Wodrich (Geschäftsführer, Alexander Wodrich Sound Branding)
http://www.alexanderwodrich.de

„Hochwertig = Der in Form gebrachte, höchste Anspruch.“

André Kura (Creative Director, Designair)
http://www.designair.org

Hochwertig bedeutet für mich: einmalig, selten, unbezahlbar, unersetzbar, rar, brillant, ausgezeichnet, Aufsehen erregend, aufwändig, vortrefflich, vorbildlich, großartig, bedeutsam, überragend, auffällig, erstrangig, einzigartig, glänzend, delikat, kostspielig, stabil, wertbeständig, stark, unverfälscht, unverwüstlich, dauerhaft, exquisit, solide, luxuriös, gediegen, achtbar, unzerstörbar, bewundert, strapazierfähig, echt, massiv, widerstandsfähig, geschätzt, nützlich, geliebt, vollkommen, schön, vollendet, fein, nobel, erstklassig, kostbar, unschätzbar, edel, geschmackvoll, auserlesen, exzellent, kultiviert, elitär, hervorragend, schmackhaft, erste Wahl, begnadet, vornehm, gepflegt, anmutig, gehoben, apart, mustergütig, attraktiv, überdurchschnittlich, exemplarisch, außergewöhnlich, sagenhaft, beeindruckend, famos, klassisch, überzeugend, nachhaltig, unübertrefflich, interessant, beispielgebend, nacheifernswert, beachtlich, klasse, bestmöglich, perfekt, grandios, leistungsfähig, überwältigend, makellos, meisterhaft, genial, außerordentlich, erstaunlich, optimal, herrlich, wundervoll.

Boris Kahl (Art Director bei MAGMA Brand Design)
http://www.magmabranddesign.de

Für mich ist etwas hochwertig, wenn ich es entweder nicht pflegen muss, weil es von sich aus gut ist oder wenn es so gut ist, dass ich es unbedingt pflegen will. Ich versuche, nur diejenigen Dinge zu kaufen, die eins von beiden erfüllen, was mir leider nicht immer gelingt.

Christian Büning (Büro Büning | Informationsgestalter)
http://www.christianbuening.de

„Besonders hochwertig ist für mich z. B. ein Geschenk, das so persönlich ist, dass ich es niemand anderem schenken könnte. Den allergrößten Coup nach jahrelanger Geschenkepleite, habe ich letztes Weihnachten bei meinem Vater gelandet. Ich schenkte ihm „Das große Laufbuch“. Dieses Buch wird nie einen Designpreis gewinnen. Es gleicht eher einer Gebrauchsanweisung für eine hoch komplexe Rechenanlage, als einer Motivationshilfe. Immerhin motiviert diese Sammlung von Pulswerten und Ernährungsplänen den ehemaliger Maschinenbauingenieur so sehr, dass er sich nach
jahrelanger Trainingspause wieder auf den Marathon vorbereitet.
Ein hochwertiges Geschenk sagt nicht ich bin teuer, gut verarbeitet und gut designed, sondern, Du wurdest wahrgenommen! Im Grunde kann man diese Erkenntnis auf alle Geschäftsbeziehungen übertragen: Konsumenten, Kunden, Mitarbeitern, Patienten etc. Wir alle werden gerne wahrgenommen. Das ist hochwertig.“

Daniela Hensel (Professorin für Corporate Design und Editorial Design, HTW Berlin)
http://www.htw-berlin.de

„Das Edelmetall Gold ist für mich hochwertig. Bei den aktuellen Kursen gerade in Form von ADC-Nägeln und Cannes-Löwen eine wertstabile Anlage.“

Detlef Wildermuth (European School of Design)
http://www.europeanschoolofdesign.eu

„hochwertig“ sind für mich die dinge die man nicht für geld bekommt.

Eike König (HORT)
http://www.hort.org.uk

„Der Fokus bei hochwertigen Ergebnissen liegt gar nicht nur auf der Qualität der Ausarbeitung, sondern vielmehr auf der Bedeutungsebene: Die Idee, die zu mir passt, die mich tief berührt, die eine Reaktion auf das Zeitgeschehen ist und Angebote macht. Hochwertig ist etwas, wenn es Bedeutung schaffen kann.“

Elias Barrasch (Innovation Strategist, The Disruption Consultancy – a unit of TBWA) http://www.thedisruptionconsultancy.com

„Hochwertig sind für mich alle die Dinge, die mir beim Erstkontakt das Gefühl vermitteln: „Du und ich, wir haben noch viel zusammen vor.“

Felix Görmann (Comiczeichner & – autor, flix)
http://www.der-flix.de

HOCHWERTIG bedeutet für mich, daß das Endprodukt optisch & haptisch einen bleibenden Eindruck hinterläßt. Es freut mich immer wahnsinnig, wenn sich jemand wirklich WAS GETRAUT hat, was nicht allen Regeln oder dem ewigen LESS IS MORE entspricht, aber trotzdem prima funktioniert. HOCHWERTIGKEIT braucht – neben aller Kreativität – vor allem Zeit, ein angemessenes Budget, ganz viel Vertrauen durch den Kunden und manchmal auch ein bißchen Mut, sich den zerpflückenden Kommentaren der lieben Kollegen zu stellen…denn irgendjemand findet ganz sicher ein Haar in der Suppe, obwohl man alles auf mindestens 5 verschiedene Arten genau richtig machen kann.

Finna Leibenguth (freiberufliche Illustratorin)
http://www.wg-atelier.de

Hochwertig = Das, was bleibt.

HD Schellnack (Nodesign)
http://www.hdschellnack.de

Hochwertig ist für mich alles, was mir ein Erlebnis, eine Problemlösung, einen Genuss bietet, der qualitativ weit über dem liegt, was üblich ist – ohne dadurch anderen Menschen zu schaden.

Henning Horn (Initiator, Gründer und Vorsitzender Face to Face e.V.)
http://www.face-to-face.eu

„Hochwertig sind für mich alle Dinge, denen bei ihrer Erstellung ein hoher Wert beigemessen wurde.

Wenn ein Autor länger, als vielleicht nötig, an seinen Sätzen feilt, wenn ein Designer seinen Entwurf immer wieder verbessert, obwohl der Auftraggeber schon längst zufrieden ist, wenn eine Firma ihr Produkt trotz großem Erfolg immer weiterentwickelt, dann entsteht etwas hochwertiges.

Denn das Gegenteil von hochwertig ist für mich Mittelmaß. Also nicht mit der ersten Idee zufrieden sein, nicht mit dem ersten Entwurf zufrieden sein und vor allem nie aufhören, unzufrieden zu sein!“

Holger Eggert (User Experience Designer, level green)
http://www.levelgreen.de

Eine Sache ist hochwertig, wenn ihr Verlust schmerzt.

Ivo Gabrowitsch (Marketing Director bei FSI FontShop International)
http://www.fontfont.com

versuch einer allgemeingültigen definition. hochwertig bedeutet, dass etwas einen hohen wert hat. objektiv ist dies in der währung »geld« messbar. subjektiv ist dies in der währung »bedeutung« messbar. meistens steht das, was man so bewertet, dabei in relation zu vergleichbaren gütern.

Johannes Erler (Factordesign)
http://www.factordesign.com

„Liebe zum Detail.“

Johannes Pauen (Managing Director, kleiner und bold)
http://www.kleinerundbold.com

„Hochwertig“ ist dann möglich, wenn der Spaß an der Arbeit bis zum letzten Strich anhält.

Judith Drews (Illustration)
http://www.judithdrews.de

Gibt es eine bessere Übersetzung für hochwertig als … Made In Germany? Das soll auf keinen Fall heißen, dass in anderen Industrieregionen keine hochwertigen Produkte hergestellt werden. Das iPhone 4 zum Beispiel ist Made in China, wie übrigens die gesamte Apple Hardware, und weist eine Verarbeitungsqualität auf, wie man sie im Bereich der Smartphones noch nie gesehen hat. Nein, Made in Germany ist mehr, als nur eine Herkunftsbezeichnung. Seine Geschichte geht zurück ins 19. Jahrhundert

Im April 1887 verabschiedet das britische Parlament zum Schutz seiner Stahlwaren-Industrie eine Neufassung des 25 Jahre alten »Merchandise Marks Act«: Ob aus Frankreich, aus den USA oder aus dem Deutschen Reich … auf allen Importartikeln, die aufgrund ihrer Namen und Warenzeichen mit englischen Fabrikaten verwechselt werden konnten, musste künftig ein Hinweis auf das Urheberland stehen, mit den Worten »Made in…«. Das Siegel sollte Kunden vor billigen Fälschungen warnen und den Kauf heimischer Produkte fördern.

Die deutschen Hersteller reagieren zunächst empört auf das Gesetz. Doch die Sorge, ihr Geschäft könne Schaden nehmen, war unbegründet. Weil viele auf Export ausgerichtete Unternehmen seit der Weltausstellung 1976 in Philadelphia die neue Strategie »Konkurrenz durch Qualität« befolgten, wandelt sich das neue Zeichen binnen weniger Jahre vom Herkunftssiegel zum Qualitätssigel. Ob Messer, Klaviere, Spielzeug oder Bier: bald greifen Menschen in aller Welt bewusst zu Waren Made in Germany, weil sich deren Qualität schnell herumgesprochen hat und die Produkte jetzt klar gekennzeichnet sind.

Niemand kann heute vorhersagen, ob Made in China das Made in Germany des 21. Jahrhunderts werden wird. Im Moment steuern die deutschen Exporte Rekordzahlen an, und nach wie vor gelten Marken wie Miele, BMW, Siemens oder Zwilling als der Inbegriff für hochwertige Qualität.

Jürgen Siebert (Fontshop Vorstand & Betreiber des Fontblogs)
http://www.fontblog.de, http://www.fontshop.de

Hochwertige Dinge sollten das, wofür sie gemacht werden besonders gut können – und eine gewisse Raffinesse bei der Konzeption oder Herstellung gehört vielleicht auch dazu. Man merkt ihnen an, dass ihr Hersteller den Zweck dem sie dienen wirklich verstanden hat. Mehr als durchschnittliche Produkte sagen sie etwas über den Designer/Erfinder/Hersteller aber auch den Nutzer aus. Nicht die Kosten stehen im Mittelpunkt, sondern das Produkt und im Besonderen der Zweck dem es dient.

Kai Vermehr (Eboy)
http://www.eboy.com

Was ist für uns hochwertig? Wir sehen zwei Ansätze: Einen herstellerischen, der misst in Kriterien wie Verarbeitungs- und Gestaltungsqualität bis ins Detail sowie Haltbarkeit.

Das andere ist der persönliche Wert. Sie ziehen um: welche Gegenstände, welche Bücher, welche Kleidungsstücke packen Sie sicher ein? Diejenigen, die es Ihnen wert sind, gepackt, getragen, ausgepackt, wieder eingeräumt und zwischendurch noch abgestaubt oder gewaschen zu werden. Hochwertiges. Darunter sind bei uns ebenso alte und neue Schriftmuster- und andere Bücher (klar!) wie alte Schallplatten (Sound ist besser), Kleidungsstücke, die auch nach vielem Tragen nicht oll aussehen und deshalb die Zeit hatten, uns ans Herz zu wachsen wie die Tizio-Lampe, die Bertram mir von dem Honorar seines ersten Vortrags schenkte. Zeitloses, das die Qualität hat, alt zu werden, ohne alt auszusehen.

Interessanterweise erfüllen bei uns all die einpackenswerten Gegenstände die Kriterien des ersten Ansatzes. Danach arbeiten wir dementsprechend auch im Verlag.

Karin Schmidt-Friderichs (Verlag Hermann Schmidt Mainz)
http://www.typografie.de

„Hochwertig“ ist nix wert. Ein verbrauchtes Wort, altersschwach und ausgenutzt. Ausgenutzt vor allem von der Werbung für Dinge, die nicht so sind, wie sie eigentlich sein sollten: Der „Kaschmirpullover mit hochwertiger Paillettenapplikation“ ist eben ein Billigteil für 49,90€.

Ein Auto mit „hochwertiger Lederausstattung“ kostet garantiert weniger als eines mit Connolly-Leder. Ein „hochwertiges Designsofa“ kommt vom Möbeldiscounter und nicht von Minotti.

Und das ist der Punkt: Was wirklich etwas wert ist, ist auch ein eigenes Adjektiv wert. Dann sagt man zum Beispiel: „handgearbeitet“ oder „rahmengenäht“, „selbstgestrickt“, „mundgeblasen“ – oder von mir aus auch „customized“, für die Englischfreunde unter uns. Alles Worte, die mir mehr über den tatsächlichen Wert eines Dinges sagen als das Wort mit „h“. Und wenn man’s ganz einfach mag, kann man auch „gut“ sagen. Denn schließlich heißt es bei Manufactum ja auch nicht „Es gibt sie noch, die hochwertigen Dinge.“

Mathias Jahn (Chief Creative Officer Heye, Group)
http://www.heye.de

Für mich ist ein Objekt, ein Bild oder ein System dann hochwertig, wenn es trotz der Erfüllung komplexer oder smpler Aufgaben einfach strukturiert bleibt. Wenn es seine Aufgaben erfüllt und die optimale Form sich nach seinem Zweck richtet. Das geht am besten, wenn es geschaffen wird, ohne Gedanken oder Volumina von Material zu verschlingen, die nicht der Sache dienen — sondern Investitionen stattdessen in das Erreichen einer nachhaltigen Simplizität gemacht werden.

Mareen Fischinger (freiberufliche Fotografin und Gründerin von lum.io)
http://www.mareenfischinger.de

Hochwertig, also von hohem Wert, ist eine recht schwammige Bezeichnung. Ergibt sich „hochwertig“ im Gegensatz zu „minderwertig“? Und wer legt dann eigentlich den Wert fest? Oder hat das nur was mit meinem persönlichen Kontext zu tun? Für mich persönlich ist “Etwas” hochwertig:
• wo sehr smart die Aufgabe oder Funktion eines “Etwas” herausentwickelt wurde (Idee)
• dies mit großer Liebe zum Detail und gestalterischer Sicherheit bei der formalen Lösung dieses “Etwas” geschehen ist (Umsetzung)
• und dadurch dieses “Etwas” mir sehr lange Freude, Wohlgefallen und Nutzen (und zwar genau in dieser Kombination und Reihenfolge) bereiten wird. (Haltbarkeit)

Martin Gassner (Executive Creative Director)
https://www.xing.com/profile/Martin_Gassner

HOCHWERTIG bedeutet für mich:
H aben wollen.
O hne Bedenken.
C ooles Design.
H ält was aus.
W ertbeständig.
E inzigartig.
R espektabel.
T olles Produkt.
I mage geladen.
G eht so geht garnicht.

Martin Besl (Creative Director, SERVICEPLAN München, Haus der Kommunikation)
http://www.serviceplan.com

Für mich ist etwas hochwertig, wenn es mir lange Freude bereitet. Grund hierfür ist in den meisten Fällen, wenn Folgendes zusammenkommt: hervorragende Verarbeitung, sinnvolle Gestaltung, beste Materialien und Technik. Je mehr Gründe es gibt mit einem Möbelstück, Gerät oder Druckwerk zufrieden zu sein, desto hochwertiger ist es. Muss ich mich ständig über etwas ärgern, wurde ich übers Ohr gehauen!

Martin Wenzel (Typografie und Kommunikationsdesign)
http://www.martinplus.com

Hochwertig bedeutet für mich, das etwas mit aller liebe und perfekt bis ins detail, sorgfältigst angefertigt wurde.

Mirko Borsche (Bureau Mirko Borsche)
http://mirkoborsche.com

Von hohem Wert ist…für mich eine persönliche Sache.

Was für jemanden von „hohem Wert“ ist, entscheidet jeder meist subjektiv und hat meist mit der persönlichen Erfahrung und dem eigenen Werteverständnis zu tun.

Der „hochwertige“ Sonntagsbraten zum Beispiel wird für viele jener sein, der so schmeckt als hätte ihn die eigene Großmutter mit viel Liebe zubereitet – ungeachtet dessen, aus welchem Stall das Tier, woher die Beilagen oder die Gewürze stammten.

Für mich ist Gestaltung von hohem Wert, wenn man die Seele in der Arbeit spürt, Herzblut darin steckt, wenn sie ideengetrieben ist. Hinzu kommen die handwerkliche Exzellenz, eine Prise Überraschung durch Innovatives sowie das Geschick das Ganze möglichst klar und einfach zu servieren.

Nicoletta Gerlach (Scholz & Volkmer, Creative Direction)
http://www.s-v.de

Hochwertig: Dieses Wort irritiert mich, je mehr ich darüber nachdenke. Es hat im Nachklang etwas altmodisches, es erinnert an Zeiten als bei mir zu Hause noch der Tisch zwischendurch mit dem „guten Leinen“ und dem „guten Porzellan“ eingedeckt wurde. Das waren die 60er. Die nächste sich aufdrängende Erinnerung ist verbunden mit der Inflation des Designbegriffes in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Möbeldesign bis Nageldesign … Danach gab es dann plötzlich nicht mehr nur hochwertige Drucksachen und hochwertige Küchenmöbel im Angebot, sondern auch noch hochwertiges Design. Was soll das eigentlich sein?
Und der dritte Gedanke ist eher linguistischer Art – Das Gegenteil von hochwertig ist minderwertig. In Spanien stehen überall Parkschilder auf denen steht: Minusvalidos oder auch menos válidos . Ich habe eine Zeitlang gebraucht, bis mir klar war, dass es sich um Behindertenparkplätze handelt. Wörtlich übersetzt heißt das dann: weniger Wert. Aber so ist das bestimmt nicht gemeint.

Nora Gummert-Hauser (Professur Typografie + Editorial Design an der Hochschule Niederrhein)
http://www.gummert-hauser.de

»Hochwertig« ist ein seltsamer Begriff, er wird gerne als Qualitätsbeschreibung verwendet, aber kaum jemand kann so recht sagen, was genau damit gemeint ist. Worin liegt der Unterschied zwischen »wertig« und »hochwertig«? Und leider ist »hochwertig« häufig ein verkaufsförderndes Adjektiv, um Mittelmäßiges verbal, aber nicht real aufzuwerten.
Stattdessen könnte es auch lauten: erlesen, ausgezeichnet, exquisit, exzellent, fein, hervorragend, kostbar, vortrefflich, vorzüglich, ausgewählt, edel, wertvoll, bestmöglich, perfekt, bewundernswert, prächtig, makellos, unübertroffen, beispielhaft, bedeutend, meisterhaft, einwandfrei, genial, außerordentlich, erstaunlich, optimal, wundervoll, mustergültig, überdurchschnittlich, exemplarisch, außergewöhnlich, beeindruckend, überzeugend, unübertrefflich, fantastisch, geschmackvoll, kultiviert, hervorragend, nobel, erstklassig, unschätzbar, …
Synonyme zu verwenden ändert nichts an der Augenwischerei mit Begrifflichkeiten, erweitert aber die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten.

Peter Reichard (TYPOSITION. Botschaft für Typografie und Gestaltung)
http://www.typosition.de

Haste Ohne Concept Hantiert, Wird Es Richtig Teuer. Ich Gelobe.

Raban Ruddigkeit (Ruddigkeit Corporate Ideas)
http://www.ruddigkeit.de

Ich benutze das Wort „hochwertig“ gern als verbalen Entspannungstee. Zum Beispiel, wenn ich einem Premiumhersteller die Idee für ein Mailing oder ein Give-away vorstelle. Der Kunde versteht dann, dass die Umsetzung zu seinem Premiumanspruch passt und ist entsprechend beruhigt. Allerdings kann der Entspannungstee manchmal auch einen etwas herben Beigeschmack haben. Denn je hochwertiger etwas produziert wird, desto teurer ist es auch.

Philipp Barth (Creative Director bei Jung von Matt/Neckar)
http://www.jvm.com

„Hochwertig verstehe ich als die Wahl von erstklassigen Lösungen bei der Umsetzung einer Produktidee. Das direkte Gegenteil ist minderwertig. Ist etwas von minderem Wert, wurde bei der Herstellung gegeizt, geschlampt, gehetzt oder absichtlich schlecht gearbeitet. Konkret als hochwertig empfinde ich meine Uhr, mein Mobiltelefon, meine Axt und meine Schuhe. Allesammt Gegenstände von Firmen, die Ihren Namen pflegen und deren Güter über dem Durchschnittspreis liegen.“

Roland Brückner (Autor & Illustrator, bitteschön.tv)
http://www.bitteschoen.tv, http://www.mumpelmonster.de

„Hochwertig ist für mich ein Attribut, das die Güte von Rohstoffen, Halbzeugen, fertigen Produkten aber auch Prozessen (der Be-/Verarbeitung) beschreibt. Hochwertig definiert für mich dabei eine Relation – kein absolutes Maß. So sehe ich die Eigenschaft hochwertig unabhängig vom absoluten Preis einer Sache. In der Regel kennzeichnet es für mich eine Kombination von qualitätvollen Ausgangsstoffen oder -materialien und deren ebenso erstklassiger und angemessener Be- oder Verarbeitung. Auch beide Komponenten an sich können dabei bereits hochwertig sein.“

Sebastian Pilzner (Creative Director, Use Idendity & Design Network)
http://www.use-id.de

»das hat keinen wert.« diese aussage von martin hess, student der hochschule für gestaltung in ulm und ehemaliger professor an der fachhochschule düsseldorf, hat mich während meines studiums geprägt.

hochwertig wird oft mit überteuert, luxuriös oder exquisit in verbindung gebracht – das ist es aber nicht. wertigkeit erlangt man nicht durch hohe geldmittel, kostspieligen schnickschnack oder schillerndes beiwerk.

es ist die arbeit, das entwickeln und entwerfen, das ausschließen, der austausch, der spaß und die immer wieder neue herausforderung durch den inhalt.

ein klarer blick und mit dem ziel vor augen, eine bessere und funktional schöne lösung für ein problem zu finden, zu gestalten, zu überraschen.

design als schein, systeme die nicht laufen und produkte die nicht nützen – sie sind wie brezln ohne butter. das hat keinen wert.

Tino Grass (büro für visuelle kommunikation)
http://www.tinograss.de

„Hochwertig ist für mich alles Stoffliche/Anfassbare, was eine sehr hohe Wertigkeit im Sinne einer sehr hohen Qualität besitzt. Das kann alles mögliche sein: ein Kühlschrank genau so wie eine Torte, eine Stereoanlage, eine Zigarre, eine Küche, ein Buch, … Allen
gemeinsam ist, dass zum einen sehr gute „Zutaten“ die Grundlage bilden und diese zum anderen mit viel Liebe zum Detail und sinn-formend gestaltet und „verarbeitet“ werden. Damit haben solche Produkte auch einen hohen Preis – aber sie sind normalerweise eben auch haltbarer, wenn nicht sogar für die Ewigkeit gemacht. Na gut, bis auf die Genussmittel. Aber bei denen ist dann einfach mehr drin, vor allem Geschmack. Und auf den kommt es ja letzten Endes an. Auch wenn sich darüber trefflich streiten lässt.“

Torsten Sørensen (Senior Berater & Senior Account Manager, Designair)
http://www.designair.org

„Handwerkliche und schöpferische Leistungen, die ich unabhängig von meinem persönlichen Geschmack und Bedarf als außergewöhnliche, authentische, meisterhaft durchdachte und beeindruckende Spitzenleistungen akzeptieren kann“.

Wolfgang Beinert (Atelier Beinert | Berlin)
http://www.beinert.net

Zusammengetragen von Patrick Marc Sommer, Daniela Kleint und Nadine Roßa