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Design Thinking – Gespräch mit Johannes Comeau Milke

Bitte stell dich kurz vor

Mein Name ist Johannes Comeau Milke, ich bin 26 Jahre alt und wohne mit meiner Familie in Berlin. Aufgewachsen bin ich in Essen.

Ich bin als Jugendlicher viel gereist und habe dann ein sehr internationales Studium in Holland, Spanien und Dänemark absolviert. Nach meinem Bachelor in International Leisure Management habe ich eine Zeitlang beim Theater und vor der Kamera gearbeitet, bevor ich für zwei Semester als Student an der d.school in Potsdam war. Heute arbeite ich als Berater und Coach und fahre im September für ein Researchprojekt zur Earthship Biotecture Academy nach Taos, New Mexico.

Was genau ist Design Thinking?

Interdisziplinäre Teams entwickeln Ideen, setzen diese prototypisch um und testen ihre Ideen mit realen ‘Nutzern’. Design Thinker entwickeln eine besondere Arbeitshaltung, welche es ihnen ermöglicht den Menschen und seine Bedürfnisse, Werte und Eigenschaften in das Zentrum ihrer Arbeit zu setzen. Design Thinking bietet die Möglichkeit Prozesse ganz neu zu denken. Technische sowie wirtschaftliche Machbarkeit sollten erstmal hinten angestellt werden. Was entsteht, ist ein Freiraum für Ideen, in dem erstmal alles erlaubt ist. Das hat ein besonderes Potential und bietet für viele Probleme eine neue Herangehensweise!


Wie kamst du zum Design Thinking? 


Ich habe von meiner ehemaligen Chefin von dem Programm an der d.school in Potsdam erfahren. Damals habe ich für Mariposa in Stuttgart und auf Teneriffa gearbeitet. Die Idee der Mariposa Zukunftserkstatt ist eigentlich eine ganz ähnliche wie die ursprüngliche Idee von Design Thinking: Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammen zu bringen, um in inspirierender Atmosphäre Konzepte und Startegien für die Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln.

Du machst Workshops mit Schülern und berätst Start-ups. Wie läuft so etwas normalerweise ab?

Ich arbeite als unabhängiger Berater in Innovationsprozessen für Firmen, aber auch für Vereine und Non-Profit Organisationen. Mein Fokus liegt immer auf dem Erlebnis von Arbeitsgruppen in dynamischen Prozessen und darauf, die perfekten Rahmenbedingungen für eine inspirierende Atmosphäre zu schaffen.

Am Anfang eines Design Thinking Projekts steht immer eine »design challenge«. Mit dieser Frage wird ein Raum geöffnet, in dem ein Team navigiert und Lösungen entwickelt. Es ist wichtig, dass diese Frage nicht zu eng, aber auch nicht zu weit gesteckt ist, um eine klare Richtung zu setzen. Die Teams entwickeln Research-Fragen und führen Tiefeninterviews mit potentiellen Nutzern. Die Ergebnisse aus der Research-Phase werden gesammelt, synthetisiert und dann in einer ‘Persona’ zusammengestellt. Diese repräsentiert den Nutzer, seine/ihre Eigenschaften und Werte und beschreibt das eigentliche Problem, welches gelöst werden soll. Danach werden viele Ideen entwickelt und visualisiert. Dafür bietet Design Thinking viele Herangehensweisen und Methoden, zum Beispiel in Form von Storyboards, Mock.-ups oder auch Rollenspielen. Das Bauen von Prototypen ist eine gute Möglichkeit um Ideen greifbar und erlebbar zu machen und um diese mit Nutzern zu testen. Dabei gilt das Motto, »mit den Händen denken« und es macht Spaß gemeinsam etwas zu basteln.

Als Coach begleite ich Projektteams in ihren Prozessen.Mit Schülergruppen arbeite ich an echten »design challenges«. Mit Jugendlichen zu arbeiten finde ich besonders spannend, weil die noch nicht wissen, dass etwas »nicht geht« und sie haben keine Angst davor, etwas Neues auszuprobieren. Mit gestandenen Managern ist das häufig leider anders. Sie sind oft zu sehr in ihren firmeninternen Strukturen gefangen um Lösungen ganz neu zu denken. Das macht aber nichts, denn auch innerhalb eines Systems ist immer Platz zum Navigieren und gute Unternehmen wissen, dass Innovation das größte Potential ist, was ihre Mitarbeiter ihnen bieten können. Ich habe auch schon einige Workshops mit Start-ups gemacht, die ihre Ideen testen wollen, besseres Verständnis für ihre Nutzer entwickeln wollen, oder einfach Interesse an Design thinking für ihr eigenes Unternehmen haben.

Welche Möglichkeiten empfiehlst du Personen, die sich mit Design Thinking auseinandersetzen möchten? 


Mit einigen Freunden habe ich den Verein, deople network e.V. gegründet. Alle Gründungsmitglieder sind Alumni der School of Design Thinking und unser Ziel ist die gegenseitige Weiterbildung, Ausbildung in Design Thinking und die aktive Projektarbeit in sozialen oder ökologischen Problemfeldern. Wir bieten auch öffentliche Workshops und Projektbegleitung an. Unser größtes Potential ist unser Netzwerk zur kultur-kreativen Szene in Berlin, sowie zu Unternehmen und Institutionen Weltweit, um Lösungen für Menschen (und unseren Planeten) zu designen. Daher der Name deople: Design for People.
Es gibt in Deutschland, vor allem in Berlin, mittlerweile ganz viele Möglichkeiten um sich mit Design Thinking auseinander zu setzen. Viele Alumni der d.school haben sich in Agenturen oder Beraterteams zusammen geschlossen. Gute Beispiele dafür sind vielleicht »Dark Horse« und die Initiative »Service-Design-Berlin«. Darüber hinaus gibt es aber auch diverse LinkedIn Gruppen und neue Eventformate zum Vernetzen und kennenlernen der Methode und zum gegenseitigen Austausch. Ich war letztes Jahr auf der BetterBeta Konferenz in Lüneburg, der ersten unabhängigen Konferenz für die deutschsprachige Design Thinking Community. 


Kannst Du uns Buchtipps zum Design Thinking geben?

In ihrem Buch, Business Model Box- der 7. Shritt von Design Thinking erklärt Pauline Tonhauser wie der menschen-zentrierte Designansatz mit einem wirtschaftlichen Blickwinkel ergänzt wird. »Wie ein moderierter Workshop führt die Business Model Box multidisziplinäre Teams innerhalb von drei Stunden durch den Prozess der Geschäftsmodellierung ohne betriebswirtschaftliches Hintergrundwissen vorauszusetzen«. Das Buch ist als e-book erhältlich.

Das Interview führten Nadine Roßa & Patrick Marc Sommer