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Verantwortung – Warum? Darum!

Artikel von Max Lisewski — Bild von Frank Chimero

Verantwortung. Was ist das? Ver-Antwortung. Wenn du in der Verantwortung stehst, hast du die Macht! Du darfst Entscheidungen treffen, schalten und walten! Das klingt super, ist aber leider nicht alles. Denn du bist auch der jenige, der Rückfragen, Kritik, Lob, Anregungen eben beANTWORTEN muss. Wenn du also in der Verantwortung stehst, hast du die Aufgabe jede Entscheidung so zu treffen, dass du sie hinterher auch entsprechend verteidigen kannst. Im englischen ist das die »response-ABILITY«. Mit der Verantwortung hast du die Aufgabe, Antworten für dein Handeln zu liefern. Wenn wir dieses Wort nun beim Wort nehmen und auf unser Dasein als Designer übertragen, scheint die Lage zuerst paradiesisch zu sein? »Warum? Weil’s halt geil aussieht!«

Sobald uns aber ein »Ungeil« entgegenkommt, wird die Lage ernst und du solltest überlegen, ob du nicht noch ein paar belastbare Argumente aus dem Hut zaubern kannst: »Mein Freund, die Nummer sieht so unglaublich phantastisch aus weil wir auf den ganzen unnötigen Quatsch verzichtet haben und einfach jede Faser dem tiefst möglichen Sinn folgt. Jedes Symbol, jedes Wort, jeder Fleck, verdammt nochmal sogar jedes Nichts strebt nach der ultimativen Rettung dieser unserer Welt! Erst unser Nachdenken macht aus deinem seelenlosen Produkt den Mehrwert für die Menschheit, erst unser beherzter Griff macht aus Wasser Wein, bringt den nötigen SEX, der allein beim Hinschauen dein Kleinhirn so frenetisch frohlocken lässt als käme es direkt vom Planeten Orgasmatron. Dieses Design ist so zeitlos wie sonst nur die heilige Mutter Gottes!«So eine Antwort ist vor allem dann gefragt, wenn es bei der Verantwortung nicht um einen schnödes Flyer Design geht – sondern um etwas Großes. Darum nämlich, warum du diesen Flyer überhaupt gestalten willst. Warum du den Kunden angenommen hast. Warum du überhaupt Designer geworden bist und letztlich: Was DU eigentlich in dieser Welt willst. Was ist es wert, dein halbes Leben auszufüllen und dich wach sein, hungern, kämpfen, leiden zu lassen?

Welcher Auftraggeber ist es wert den heiligen Grahl deiner Kreativität abzuschöpfen? In erster Linie hilft es dir selbst dass du gute Gründe hast für dein Tun. Von kleinen handwerklichen Entscheidungen bis hin zu den großen Fragen deren Dimension buchstäblich Unfassbar ist: Es sind die Gründe, die dein Wirken in Bestand verwandeln. Ist das, was du tust, so richtig? Was sind die möglichen Alternativen? Warum solltest du so handeln und nicht anders? Ja ja, ich weiß schon: Du bist ewig jung und brauchst das Geld. Vermieter sind auch keine Altruisten – jeder ist sich selbst der nächste – und überhaupt: Design rettet nicht die Welt. Du machst eben deinen Job, die Verantwortung haben schließlich andere. Eben nicht. Als halbwegs kompetenter Mensch, der dazu noch von sich behauptet kreativ zu sein, bist du der Welt und dir selbst eine Antwort schuldig. Denn selbst wenn diese unsere Gesellschaft und deren System mit Zweifel bedacht wird – die nötige Antwort kann nur aus ihr heraus kommen.

Was immer du tust, du hast ein Wirkungsfeld ,das in seinen Nuancen größer ist als du es für möglich hältst. Es ist deine Chance – solange du es begreifst, aktiv bespielst und darüber das Warum zu beantworten weißt. Als Designer stehst du in einem Spannungsfeld zwischen Auftraggeber, Dienstleistern, Publikum, Freunden und »Friends«, Bekannten und Verwandten. Du hast Einfluss auf Entscheidungen, Abläufe, Materialien, Aussagen deiner Produkte und letztlich auch auf die Weltsicht aller, die dich umgeben. Alle stehen in Dialog und du bist mittendrin. Deine Gestaltungsarbeit braucht deshalb zwangsläufig einen Blick auf das Große und Ganze, braucht deine kreative Kraft um Kommunikation und Verständnis auch auf Ebenen jenseits des Sichtbaren zu beflügeln. Du hast eine Verantwortung bei dem, was du bist, bei dem, was du tust und wie du es tust. Und du hast die Verantwortung für jeden, der dir zuhört. Du stehst du auf der visuellen Bühne und definierst, wie Menschen miteinander reden. Wie sie sich verstehen und erkennen. Gute Kommunikation bringt Verständnis und Verständnis bringt Miteinander. Das ist die erste und letzte Grundlage, die wir brauchen, um als Gesellschaft Dinge zu verändern. Wie wäre es wenn du deinem Wunsch nach sinnhaften Aufträgen Taten folgen lässt und ihn ganz offen kommunizierst?

Vielleicht erfordert das Mut, das Ergebnis kann aber nur sein, dass deine klare Positionierung wahrgenommen und beantwortet wird. Willkommen im Diskurs! Wie wäre es wenn du genug davon hast, dass alle nur über die großen Probleme reden aber nichts Nennenswertes passiert? Wie kannst du dein Know-how dazu einsetzen gute Ideen in Realität zu verwandeln? Machen wir uns nichts vor. All das haben wir schon mal gehört und JA gesagt. Was zählt. ist nicht die Zusage, sondern deine Antwort:

200 Arten sterben aus. 44.000 Fußballfelder Regenwald werden geschlachtet. 81 Millionen Barrel Öl werden verbrannt. 24.000 Menschen sterben an Hunger. An diesem einen Tag. Und du bist mit von der Partie. Was ist deine Antwort?

Max Lisewski ist Mitbegründer des Designstudios Zehn hoch Sechzehn. 10hoch16 ist die Agentur für nachhaltige Kampagnen. Sie setzt ihren Schwerpunkt auf die Arbeit für sinnstiftende Organisationen und Strukturen. Das sind vornehmlich NGOs, kulturschaffende Institutionen und Unternehmen, denen wesentliches gesellschaftliches und soziales Engagement am Herzen liegen.