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Ruedi Baur über Verantwortung

Foto: G. Kassner

Ruedi Baur hielt auf der TYPO Berlin 2012 einen Vortrag zum Thema »sustain«. Wir sprachen mit ihm in diesem Rahmen rund um Verantwortung.

Das Thema Verantwortung ist vielleicht kein leichtes, dennoch ist es ein wichtiges Thema. Sie haben ihre Arbeiten immer verteidigt und stets Neues und Unerwartetes produziert. Wie konnten Sie sich immer so sicher sein den richtigen Weg zu gehen? 

Das Thema Verantwortung ist von größter Wichtigkeit. Es scheint mir viel wichtiger als dieser Begriff »Ethik«, der aus alter Truhe wieder erscheint. Wir haben als Bürger Verantwortung, als Gesellschaft und natürlich auch als Gestalter. Verschiedene Faktoren führen zu einer Gesellschaft, in der sich die Verantwortung extrem reduziert. Der juristische Faktor ist nicht zu unterschätzen. Wenn ein Mensch eine Firma anklagen kann, dass nicht beschrieben ist, dass man Babys nicht in den Ofen setzen kann oder wenn ein Bürgermeister angeklagt wird, wenn ein Mensch einen Stein von einem Felsen auf dem Kopf bekommt an einem Ort, wo gewarnt wurde aber nicht verboten, dann kann man sagen, dass die Verteilung der Verantwortung in Gefahr ist.  

Verantwortung lernte ich als Kind in den Bergen. Dort kann man, um es kurz zu sagen, auf den immer langweiligeren Pisten hinunter sausen oder die Verantwortung übernehmen der Konfrontation mit realen Berggefahren aber auch Freuden. Unsere Gesellschaft möchte Bergsteiger verbieten. Das schafft sie aber nicht, weil, sogar verboten, werden wir illegal weiter unsere Freiheit genießen. Was wir aber in diesem Prozess der Befreiung lernen mussten, sind die Gefahren zu schätzen, die für uns und besonders die für die anderen. Ja, auch bei meiner Arbeit fahre ich außerhalb der Piste und übernehme selber meine Verantwortung für das, was ich oder wir vorschlagen. Es gibt Momente des Zweifels. Soll ich diesen Hang wagen? Soll ich mit diesem Regen weiter gehen? Soll ich diese Schrift in Frage setzen? 

Ich denke nicht, dadurch sicherer als andere zu sein. Sicher ist der, der nichts hinterfragt, der Pistenfahrer, der nach jeder Lawine die Einzelgänger kritisieren kann. Er ist sicher auch, wenn er den gleichen Nonsens wie alle andere wiederholt. Sicher, aber blind für die Nebeneffekte seiner Tat. Neben den Bergen haben mich als Kind die Resistenten sehr geprägt. Ich hatte das Glück mit dieser Art Personen zu sprechen, die entschlossen waren alles aufzugeben, um nicht mit den andern Schafen am Grausamen mitzumachen. Wenn 90% oder mehr der Bürger die Nazi Regierung unterstützen konnte, heißt es, dass die Masse sich irren kann und dass man selber die Verantwortung für seine Meinung übernehmen muss. Dieses hat mich für´s Leben geprägt. Darum glaube ich nicht an Rezepte-, an Moden, an Trends und versuche selber mir eine Meinung zu bilden. Manchmal zeigt sich, dass ich einen richtigeren Weg gehe. Manchmal ist die Lawinengefahr größer. Sicher ist man nie. 

Sie versuchen immer Ihre persönliche Meinung durch Design zu kommunizieren. Diese ist oft kritisch und Sie versuchen auf die Probleme der Welt hinzuweisen. Sehen Sie es als Verantwortung von Designern so zu arbeiten?

Das stimmt, Design bleibt für mich nichts anderes als eine kreative Haltung, die im Gegensatz zu anderen den Menschen respektiert und ihn ins Zentrum setzt. Das ist ein Fundament, das zwar durch den Einfluss des Marketings auf unsere Disziplin, sie extrem pervertiert. Design ist gleichzeitig die Veränderung. Kein Design ohne Transformation. Transformation ist gleichzeitig das Einzige, auf dem der Bürger Einfluss haben kann. Vieles ist gegeben. Wir müssen uns als Bürger, als Mensch anpassen, das übernehmen, was andere schafften. In unserer verbauten und auf allen Ebenen regulierten Gesellschaft —ist dieses Erbe gigantisch, im Positiven wie auch im Negativen. Unsere Kapazität der Veränderung bleibt bescheiden. Da können wir aber als Bürger agieren. Als Designer können wir diese Veränderungen  sogar gestalten, ihnen eine Form geben. So sehe ich die Verantwortung und Chancen des Designs. So viele Chancen werden nicht genutzt um das Beste daraus zu machen. Unter der Ideologie des Marketings oder des Brandings werden diese bescheidenen Möglichkeiten, unsere Zeit in dem Erbe unseres Planeten und unserer Gesellschaft, im Interesse der Menschen zu verändern, in kurzlebigen populistischen Massenstrategien verwandelt. Gegen das kämpfe ich, auch weil ich Design in die lange Geschichte der Beziehung des Menschen mit seiner Umgebung oder anders gesagt, mit dem Nicht-Menschen setze.

Ist es heutzutage einfacher geworden, seine Meinung zu sagen und gegen den Strom zu schwimmen als früher? 

Ich denke nicht. Wir leben in dem schrecklichen Glauben, in Ideologien, die wir alternativlos denken in Propaganda die der schlimmsten Diktatur entspricht, in einer Blindheit, die den größten Religionszeiten entspricht. In einem kleinen visuellen Essay habe ich die schlimmsten Maoistischen Propagandamittel der 60. Jahren mit den heutigen Schweizer Nationalistischen Brandingstrategien verglichen. Es ist kein großer Unterschied: ein weißes Kreuz ersetzt einen gelben Stern auf einem gleichen roten Hintergrund und eine gleiche Überzeugung des Volkes im Recht zu sein. Wenn Sie solche Sachen wissenschaftlich beweisen können, müssen Sie damit rechnen, nicht nur sachliche Opposition auf Ihrem Weg zu finden. Unser Forschungsinstitut wurde in Zürich trotz weltweiter Anerkennung geschlossen. Die Akteure dieser Zerstörung sind, wie immer in diesen Fällen, absolut mittelmäßige Akteure. 
 

Sehen Sie sich selbst als Vorbild?

Absolut nicht. Ich bin gegen Vorbilder. Jeder soll lernen sein eigenen Weg zu finden. Kein Modell, verschiedene Methoden…

In dem Kontext der Verantwortung gegenüber der nächsten Generation, wie sehr achten Sie auf die Nachhaltigkeit in Designs und deren Applikation?

Es ist ein sehr wichtiges Thema. Ich habe fünf Kinder! Die Lösung ist nicht nur das Gestalten der Dauerhaftigkeit, sondern auch die des Kurzlebenden. Wie schaffen wir, dass einerseits das, was noch präsent sein wird, tragbar für diese nächsten Generationen bleibt, aber auch dass das kurzlebende das wir benützten,  keinen Schaden hinterlässt. An diesem Punkt schäme ich mich vielleicht am meisten für unsere egoistische Gesellschaft. Wir leben nicht nur im Reichtum eines Teiles der Welt, sondern auch in einem gigantischen Kredit gegenüber der Zukünftigen. Da auch wieder, weil wir unsere Zeit, unsere Aktionen nicht in eine breite Vergangenheit und Zukunft setzten können. 

Da sie zwischen Frankreich und der Schweiz leben und mit internationalen Kunden arbeiten, kennen Sie das Gefühl zwischen verschiedenen kulturellen Kontexten zu leben. Es ist immer leichter geworden zu reisen, außerhalb des Heimatlandes zu studieren und auch international zu arbeiten. Wie würden Sie den Einfluss dieser Bewegung auf Design einschätzen? Inwieweit arbeitet »integral« mit kulturellen Verschmelzungen?

Den Designer sehe ich als den Fremden, der fähig ist auf der Sonderlichkeit eines Kontextes zu arbeiten. Diese Beschäftigung muss aber geschehen, sonst haben Sie recht mit Ihrer Frage. Wenn man die Designtätigkeit soziologisch anschaut, merkt man, dass diese kulturelle Verschmelzung viel mehr von dem Ortsansässigen, der das Moderne und von dem her das Globale importiert als von dem, der von außen die Situation analysiert und sie mit Respekt transformiert. Integral ist nicht global gedacht, sondern trans-disziplinär. Gleichzeitig steht die Frage dessen, was wir mit der Diversität  absolut im Zentrum unserer Zeit machen. Ich bin absolut gegen Ethnoprotektionismen und habe mich genug mit der Entstehung der Nationen auseinander gesetzt um die heutigen Tendenzen mit großer Skepsis zu schauen. Wie schaffen wir einfach, dass die Sachen richtig sind gegenüber dem Ort, auf dem Sie zu funktionieren haben, scheint mir wichtiger als wieder den Wahn und die Lüge der Nationalisten zu erfinden. Diese nationalistischen Positionen zwischen Marketing, Tourismus, Nostalgie und Rassismus wird zum Beispiel in gewissen Schweizer Schulen unter dem Motto Swiss Design geführt. 

Das Interview führte Nicole Zimmermann

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