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Die Aufgabe eines Kunstkataloges ist es letztendlich, den Leser an die Hand zu nehmen. Punkt. Aber wie? Wird doch mit dem Katalog ein Werk erschaffen, das auf den ersten Blick lediglich den Verweis auf ein anderes Werk leistet.
Vor allem aber zeigt sich auf der einen Seite der hohe Anspruch an einen Katalog, der von den Kunstwerken selbst, auf der anderen Seite aber von den Ansprüchen der Gestaltern des Katalogs ausgeht. Künstler sind eine besondere Form jener Gruppe von Menschen, die nach einem Ausdruck suchen, und die Kunst – in all ihren Facetten – ist eine besondere Form des Ausdrucks. So ist aber auch die Sprache der Designer eine, die eben keine Worte braucht, die bildhaft, figurativ, audiovisuell, performativ oder im Zusammenspiel dieser Kategorien Informationen vermittelt und im Besten Fall Bedeutungen transportiert. Der Katalog soll aber genau dies als Service für den Rezipienten, leisten: Kunst lesbarer zu machen, vielleicht beim Interpretieren helfen, Hintergrundinformationen einholen.
Natürlich konserviert er die Kunst, bildet ab. Kataloge sind Erinnerungen; Orte, die die Kunst über die Ausstellung hinaus vor dem Vergessen schützen. Bedenkt man dies, erkennt man schnell, welch hoher Anspruch die Konzeption eines gelungenen Kunstkatalogs ist.
Das Projekt des FB Design der FH Münster mit der Kunstakademie Münster hatte zum Ziel, einen Katalog zu gestalten, der den in ihm konservierten Werken gerecht wird; es gleichzeitig wert ist, angeschaut zu werden, sich aber nicht über die Werke hinwegsetzt und zum eigentlichen Werk wird. Irgendwo dazwischen galt es also, einen Raum zu finden. Kunst trifft auf Gestaltung. Ein Raum auf einem schmalen Grat.
Von außen nach innen: Farbe und Material strahlen Ruhe aus, die alphabetisch aufgeführten Namen verhindern den Eindruck, es gäbe eine Hierarchie. Ganz unten steht der Titel, »Malerei Zwölf«, unter den Namen der Künstler. Um die geht es!
Von der Seite betrachtet bekommt man den Eindruck, der Katalog bestehe lediglich aus gut einem Dutzend Einzelmappen. Damit wurde jedem Künstler ein eigener Bereich geschaffen, der den Leser auf seine ganz eigene Art und Weise anleitet, um den einzelnen Künstlern besser kennenzulernen. Das bedingt gleich mehrere Vorteile: Durch die Zusammenfassung in eigene Umschläge ist die Navigation stark erleichtert, lassen sich die Künstler noch schneller finden. Außerdem besitzen sie jeder für sich einen klar abgesteckten, eigenen Raum im Katalog. Ein Buch im Buch. Was zunächst als Navigationshilfe dient und ganz pragmatisch Schutz bedeutet, ist auch Trägermedium für Begleitinformationen: Biographische Informationen zum Künstler, zu seinen Ausstellungen. Dazu ein Text über den Künstler und sein Werk aus der Warte eines Interpretierenden.
Funktion und Nutzen werden vom Gestalter zusammengedacht. Das besondere ist das ausklappbare Format der Seiten, so wird der Katalog auch Werken gerecht, deren Panorama die durchschnittlichen Katalog-Breiten übersteigt; oder er bietet die Möglichkeit, Bilder in Serien nebeneinander zu stellen. Ein weiteres Charakteristikum von »Malerei Zwölf« ist der Umstand, dass er den musealen Konventionen von Ausstellungskonzepten selbstbewusst begegnet, in dem er rein typographisch verfährt. Keine Symbole oder Piktogramme ziehen die Aufmerksamkeit auf sich – Text ist Text, Bild ist Bild, dazwischen wird gelesen.
Mit diesen Eigenheiten wird »Malerei Zwölf« zu einer adäquaten Auseinandersetzung mit der zugehörigen Ausstellung: dem Ausstellungskatalog für die gemeinschaftliche Ausstellung mehrerer Künstler. So ist er mehr als ein Guide in der konkreten Ausstellungssituation. Ein Katalog, den man nach der Ausstellung kauft, der es ermöglicht, Zeit zu überbrücken, die Kunst als Erinnerung mit nach Hause zu nehmen, mit Informationen, die über den Horizont des Ausstellungsmoment hinausgehen, aber keine Hierarchie erzeugen. »Malerei Zwölf« reflektiert am konkreten Beispiel einer Ausstellung die Potentiale des Ausstellungskataloges generell und zeigt Möglichkeiten auf, den Problemen der Konservierung von Kunst intelligent zu begegnen.
Erdacht und gemacht von Studenten des FB Design Münster: Amelie Graef, Andrej Focht, Fabian Ludwig. Beratung durch Prof. Rüdiger Quass von Deyen.




















