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Interview mit Alexandra Proba

Alexandra-Proba

Alexandra Proba, geboren in Lüdenscheid, zog nach ihrem Studium in Hamburg und den Niederlanden nach New York und arbeitet dort seit fast zwei Jahren als Senior Designerin für General Assembly. General Assembly hat sich zur Aufgabe gemacht, Menschen den Zugang zu Weiterbildung in Technologie, Business und Design zu vereinfachen, und bietet hierzu mehrwöchige Kurse, Klassen und einzelne Vorträge an. Von und für Designer, Entwickler und Menschen, die in Agenturen, Startups oder der Kreativbranche zu Hause sind.

Nachdem ich selbst Anfang des Jahres für einen Vortrag eingeladen wurde, habe ich mich natürlich ein wenig genauer mit General Assembly beschäftigt und war begeistert vom Design und Auftritt, so dass danach der Kontakt zu Alex entstand, die ich nun vor wenigen Tagen interviewte:

Sebastian: Alex, wie kam es dazu, dass du nach New York gezogen bist?

Alexandra: Von Natur aus war ich schon immer ein Mensch, der sehr gerne immer irgendwo anders sein wollte und es nicht lange an einem Ort ausgehalten hat. Ich wollte immer weit weg. Mit Sechzehn zog ich dann als Austauschstudentin für ein Jahr nach Ohio. Dort lernte ich meine Gastschwester Alexxa kennen und in unserer jugendlichen Naivität planten wir in der Zukunft gemeinsam in New York zu leben. 2008 war es dann soweit. Ich ging für ein Praktikum bei studioMDA nach New York. Dies war der Beginn meiner Liebesgeschichte mit dieser Stadt. New York hat für mich eine magische Anziehung, die ich nicht in Worte fassen kann. Jeder einzelne Tag ist ein neues Erlebnis.
Nach einem Jahr New York, wusste ich, dass, wenn der richtige Zeitpunkt kommt, ich in diese Stadt zurückkehren muss. Heute kann ich mit voller Überzeugung sagen, dass New York nicht die Liebe meines Lebens ist — aber die beste Affäre, die man sich vorstellen kann.

Sebastian: Ist New York für dich DIE Design-Metropole? Was bietet dir New York, was z.B. Berlin nicht hat?

Alexandra: Oh, New York. Es ist fast schon wie eine Sucht, jedoch eine schöne Sucht ohne schlechte Nebenwirkungen. Ich persönlich würde New York nicht als DIE Design-Metropole überhaupt bezeichnen. Dafür gibt es viel zu viele wunderbare und unterbewertete Orte auf dieser Welt. Ich bin der Meinung, dass es vom Charakter eines Menschen abhängt, wo er sich am kreativsten und inspiriert fühlt. Berlin ist noch so roh und unvollkommen.
Diese Unvollkommenheit macht aus Berlin eigentlich das perfekte Pflaster für Kreativität. Vergleicht man New York und Berlin ist es so, dass Berlin die Dynamik, die Herausforderung, die ständige Anspannung und die harte Arbeit fehlt. New York “tritt einem jeden Tag in den Hintern”. Man muss zu jeder Zeit sein Bestes geben um ein gutes und ausgeglichenes Leben zu führen. Man kommt hier nur schwer zur Ruhe. Dies sind für mich persönlich positive Qualitäten einer Stadt. Aber für viele Menschen mag dies der blanke Horror sein. New York bietet einem fast alles was man für ein kreatives und glückliches Leben benötigt — faszinierende Menschen, eine atemberaubende Infrastruktur und großartige Galerien und Museen. Für mich ist dies grad einfach ideal. Berlin hingegen könnte die Stadt sein, um alt zu werden.

Sebastian: Was ist dein Aufgabengebiet und wie sieht deine tägliche Arbeit aus? Wie groß ist das Design-Team?

Alexandra: Wir sind ein sehr junges Unternehmen mit starken Grundwerten und Erfahrungsprinzipien. Zusammen mit Mimi O Chun, unserer Design-Direktorin, und dem Rest des Design-Teams, arbeite ich daran eine makellose und einheitliche Identität in allen unseren Märkten zu schaffen. Unsere Design-Team ist sehr klein im Vergleich zum Rest der Firma. Zur Zeit sind wir nur fünf Designer. Man könnte mich als die “Offline-Designerin” für General Assembly bezeichnen. Meine Aufgabengebiete liegen unter anderem in der Entwicklung unserer räumlichen Identität in allen Standorten (Architektur und Möbeldesign), das Entwerfen aller grafischen Elemente für Print, Web und E-Mail und die Erfüllung der täglichen Design-Bedürfnissen aller Abteilungen.
Ich kann leider nur sehr schwer einen typischen Tagesablauf beschreiben, denn jeder Tag ist anders und bringt neue Herausforderungen. Dadurch dass wir ein noch junges Startup sind, geschehen viele Dinge in letzter Minute. Viele meiner Projekte sind Tages- oder Wochenprojekte, aber manchmal gibt es auch Projekte, die sich über mehrere Wochen und Monate lang ziehen. Ich liebe meine Arbeit. Tag für Tag versuche ich neue Herausforderungen bestmöglich zu lösen. Am Ende des Tages weiß man dass man etwas geschafft hat. Man hat ein ruhiges Gewissen. Es ist wunderbar mit allen Abteilungen der Organisation zusammen zu arbeiten. Wir sind jetzt mehr als 90 Mitarbeiter und dies macht die Arbeit nur interessanter. Ich bin stolz sagen zu können, dass wir es in nur zwei Jahren geschafft haben, eine starke Identität zu erschaffen – sowohl online wie auch offline.

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Sebastian: Allein dein Portfolio für General Assembly ist riesig und hat einen wunderbaren eigenen DIY-Stil und wirkt gleichzeitig sehr professionell. Was inspiriert dich und wie habt ihr den Stil für GA definiert?

Alexandra: General Assemblys Design-Direktorin Mimi O Chun hat den Grundstein der Identität – mit den verbundenen Grundwerten und Erfahrungsprinzipien – geschaffen. Unsere Grundwerte sind, weshalb General Assembly existiert, und sie leiten uns nicht nur zu dem, was wir täglich kreieren, sondern auch warum wir es tun. Sie repräsentieren den ideologischen Rahmen, unsere individuellen Motivationen, und sie katalysieren das kollektive Gesamtprodukt. Zu unseren Grundwerten zählen Dinge wie “People Before the Machine”, “Learning By Doing” und “Journey over Destination”. Die Erfahrunsprinzipien sind der Weg auf dem wir unsere Werte ausdrücken. Sie sind der Maßstab dafür wie wir General Assemblys Produkte, Dienstleistungen, Umgebungen und die Kommunikation gestalten. Sie sind unsere Richtlinien und Leitplanken im Streben nach Einheitlichkeit und Klarheit.
Sechs Monate nach der Eröffnung von General Assembly haben Jon Troutman und ich begonnen die Corporate Identity weiterzuentwickeln. Immer die Grundwerte und Erfahrungsprinzipien im Hinterkopf. Wir haben Farbpaletten und Materialpaletten für Online und Offline neu definiert, neue grafische Stile eingeführt, neue Prozesse entwickelt und die Marke General Assembly klarer gemacht. Es wird stetig weiterentwickelt und im Fokus stehen für uns immer unsere Mitglieder und Verbraucher.

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Sebastian: Findest du neben der Arbeit noch Zeit für andere Projekte? Was sind deine Hobbys, wie verbringst du deine Freizeit?

Alexandra: Ich muss leider gestehen, dass es sehr schwer ist die Zeit für eigene Projekte zu finden. Jedoch ist dies für mich sehr wichtig und so versuche ich, so gut und viel ich kann, an meinen eigenen Projekten zu arbeiten. Zur Zeit versuche ich mit iamavegetable.com ein kleines, eigenes Projekt ins Leben zu rufen. Ich bin der Meinung, dass die charakterlichen Eigenschaften von Gemüse auf den Menschen bezogen werden können und dass jeder Mensch einer Gemüseart entspricht. Ich versuche Gemüseprofile zu erstellen, welche die Eigenschaften des Gemüses von der Saat, der Ernte bis hin zu der Verwendung des Gemüses beschreiben und auf den Menschen beziehen. So wie Horoskope, sollen die Gemüseprofile von der Erntezeit und vom Geburtsmonat und Geburtsort des Menschen ausgehen. Idealerweise sollte das Endprodukt nicht nur eine digitale Plattform sein, sondern auch eine analoge Komponente beinhalten. Ich werde jetzt aber noch nicht zu viel verraten.
Hm, und meine Hobbys sind die Natur. Da ich zur Zeit leider nicht die Möglichkeit habe einen eigenen Garten zu haben, versuche ich in meiner Wohnung eine grüne Oase zu kreieren. Pflanzen inspirieren mich nicht nur, sondern sie machen mich glücklich.

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Sebastian: Neben der Inspiration für das Design von General Assembly, was sind deine täglichen Inspirationsquellen? Online, Offline, Bücher, Personen / Künstler?

Alexandra: Mutter Natur.
Ich persönlich ziehe die meiste Inspiration aus der Literatur, besonders faszinierend und inspirierend finde ich das Werk “The Secret Life of Plants” (1973) von Peter Tompkins und Christopher Birds, welches “Pflanzen als Lebewesen mit Charakter und Seele und ihre Reaktionen in den physischen und emotionalen Beziehungen zum Menschen beschreibt und analysiert”. Es ist einfach nur atemberaubend.
Die Geschichten der Gebrüder Grimm sind auch immer wieder eine wiederkehrende Inspirationsquelle für mich. Ich liebe es in Fantasiewelten einzutauchen und mich inspirieren zu lassen. Ich versuche nur sehr selten Inspiration bei anderen Designern und Künstlern zu finden. Jedoch muss ich zugeben, dass ich oft Antrieb durch den absurden, ironischen Charakter der Werke von Peter Fischli und David Weiss bekomme. Außerdem fasziniert mich die Zeit als solche. Viele meiner persönlichen Arbeiten haben mit der Vergangenheit zu tun, mit den Spuren der Zeit. Dem Ungewissen. Das Vergangene hat einen gewissen Reiz für mich, denn man kann das Geschehene nicht mehr beeinflussen oder gar ändern.

Sebastian: Vielen Dank für deine Zeit.

Neben den Arbeiten auf ihrem Portfolio präsentieren wir hier einen kleinen Auszug aus einem riesigen Portfolio mit vielen wunderbaren Arbeiten für General Assembly:

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For-The-Love-Of-Code-A-Valentine-Makimg-Workshop

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Leveraging-The-Ebook-Publishing-Revolution

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Demnächst gibt es hier auf Design made in Germany noch mehr zum Thema zu Design-Vorträgen & Online-Kursen.