Die digitale Zukunft verkaufen (Plugin notwendig)
26.09.2010 - 05:41

Mittlerweile haben wohl die meisten von euch schon von dem Showcase “The Digital Agencies of the Future” gehört: Eine Ansammlung von iPhone-Screenshots der bekanntesten “Digital Agencies” weltweit, die zeigen soll, dass diese Agenturen zwar die Zukunft verkaufen können, aber selbst noch in der Vergangenheit leben. Oder doch nicht?
Im Anschluss darauf wurde auf Twitter und in einigen Blogs darüber diskutiert, ob die Verwendung von Flash grundsätzlich nicht mehr in die Kategorie “zukunftsorientiertes Mediendesign” gehört.
Die Auswirkungen von Apple’s Technologie-Diktatur, gestärkt durch die Popularität von iPad und iPhone, sind sicherlich nicht mehr zu missachten. Für alle größeren Marken und Medienunternehmen gehört es heute zum guten Ton, eigene iPhone/iPad oder auch Android Apps anzubieten. Die Agenturen tun sich gut daran, diese Apps als “Must-Have” in der neuen mobilen Welt zu verkaufen.
Deshalb ist meiner Meinung nach die Frage gerechtfertigt, ob es sich so viele Medienagenturen heutzutage noch leisten können, Spargel zu verkaufen, wenn man selbst mit Kartoffeln kocht. Laut dieser Umfrage erwarten 92% potentieller Kunden, dass Agenturen die angepriesenen Technologien auch selbst aktiv nutzen.
Um zu vermeiden, dass man als Apple Fanboy abgestempelt wird, sollte man die Diskussion rund um Flash wohl eher auf Basis von allgemeiner (Geräte-unabhängiger) Usability führen. Als jemand, der die wachsende Flexibilität von HTML und CSS und die technischen Möglichkeiten heutiger Browser begeistert mitverfolgt, stelle ich mir die Frage, ob man überhaupt noch Technologien nutzen sollte, die Plugins voraussetzen.
Ich finde, dass Flash ein nettes Tool sein kann, um gewisse Interaktionen und Animationen darzustellen. Auch wenn aus technischer Sicht der Einsatz von Flash auf den meisten Seiten nicht mehr notwendig ist, verstehe ich, wieso viele Agenturen darauf zurückgreifen. Allerdings macht es meiner Ansicht nach absolut keinen Sinn, wesentliche Elemente (Navigation, Hauptcontent etc) oder gar die komplette Site in Flash umzusetzen und nicht mal eine “fall-back” Version zu bieten. Konzepte wie Usability und Accessibility tragen ganz wesentlich der User Experience und dem Erfolg einer Website bei und sollten auch großen Medienagenturen nicht fremd sein. So wie es aussieht, ist dies aber ganz selten der Fall.
Thomas M.
Guter Beitrag! Das sehe ich ganz ähnlich. Allerdings, wenn man es mal mit Autoherstellern vergleicht, ist es auch nicht so, dass alle Marken, die die Zukunft anpreisen, gleich auf jeden Trend aufspringen und iPod-Support oder den Abstandsensor anbieten. Und wie es ‘ganz unten’ im Kommentar oben bereits angedeutet hat, die Apps scheinen eher eine Trenderscheinung zu sein.
Meiner Meinung nach können Agenturwebseiten weiterhin sehenswert in Flash bleiben, wenn es ermöglicht, die Außendarstellung am effektivsten zu gestalten und darin die Agenturseele zu transportieren. So manch ein unbedachter Web 2.0-Relaunch der Kreativstuben ist der Austauschbarkeit zum Opfer gefallen.
Ich glaube nicht, dass die Diskussion mit den Kunden tatsächlich technisch getrieben ist. Der Einstieg ist es vielleicht, aber eigentlich geht es doch um die Ziele und passende Inhalte. Wie das dann umgesetzt wird, ist eine ganz andere Frage.
Was Apps angeht: ich glaube ja, dass mit HTML5 und CSS3 die meisten Apps obolet werden.
Kai, du beziehst dich auf “4. Agency executives using the technology they are recommending.” aus dem Blogpost über die Studie, oder? Wenn ich das richtig verstehe ist damit gemeint, dass man selbst auf Facebook aktiv sein sollte, wenn man es seinen Kunden verkaufen will. Mach ja Sinn.
Ich kenne keine größere/ältere Agentur (klassik, digital, full-service, whatever), deren Website rundum überzeugt. Liegt im besten Fall daran, dass man zu sehr mit buchbarer Arbeit beschäftigt ist ;)
Die Frage ist, was den Kunden wichtiger ist: Referenzen oder die eigene Website.
@Sascha: Ich habe das genauso gelesen, wie es da steht. Unter “technology” verstehe ich nicht nur social networks, sondern neue Technologie im allgemeinen Sinne.
Ich verstehe ja, dass die eigene Website nicht immer auf dem neuesten Stand ist. Aber a) reden wir hier nicht von Freelancern, sondern von Firmen, die im Jahr mehrere 10 Millionen an Umsatz machen und den Markt anfuehren und b) kann ich nicht auf der Website oder im Pitch erwaehnen, dass eine iPhone App heutzutage notwendig ist, wenn die eigene Website auf selbigem Geraet nicht mal abrufbar ist.
Auch wenn ich es besser wissen müsste, wenn eine Agenturseite mit Flash gemacht ist, gehe ich unterbewusst davon aus, daß da ihr Schwerpunkt liegt. Ausserdem gehe ich davon aus, daß ihre Webseite stets das wiederspiegel was sie können. Flash ohne Fallback darf es da natürlich nicht geben.
@Kai: Wir sind alle Opfer der Kausalität: Steve Jobs hat nein gesagt, also müssen wir Flash den Rücken kehren.
@Martin: Nach wie vor ist Flash nur eine Technologie wie auch HTML. Sollte es nun keine HTML-Webseite geben, weil die Agentur es nicht kann?
@Kai: “4. Agency executives using the technology they are recommending. Ninety-two percent of respondents said it was ‘somewhat’ or ‘very’ important that agency employees use the technologies that they are recommending. For example, it is important that agency executives regularly use Facebook, Flickr, wikis, blogs, etc. in their personal social media mix.” – Ich glaube, bei dieser Frage ging es tatsächlich um Plattformnutzung. Egal, ich geh’ woanders Haare spalten :-)
Was die Agenturwebsites angeht: (Nicht nur) bei den großen Agenturen dauert ein Relaunch oft ewig – ich kenne sogar ein paar, die das von anderen haben machen lassen :-) Freelancer, so meine Beobachtung, stecken oft viel mehr Ressourcen in ihr Portfolio – gemein gesagt, weil sie die Zeit dazu haben.
Übrigens hat der GWA gerade eine Studie zum Thema Agenturauswahl veröffentlicht: http://www.gwa.de/index.php?id=195&news_id=6398&alle=nein&from=startpage&show=gwa&lang=de
Die Frage, ob die Agenturwebsite dabei eine Rolle spielt, wurde leider nicht direkt gestellt. Man könnte spekulieren, ob das bei den Fragen nach Fachkompetenz oder Glaubwürdigkeit reingespielt hat.
@Wadim, Klar. Stell Dir mal die Powerflasher mit einer Html-Seite vor.
Leute, HTML ist doch nicht mit Flash vergleichbar. Aber bitte. Ich will jetzt hier keine Grundsatzdiskussion ausloesen, aber der offenbarste Unterschied ist das Flash eine kommerzielle Anwendung EINER Firma ist, die dieser einen dicken Sack Geld beschert.
@Sascha: deine Behauptung, dass Freelancer Zeit haben, halte ich fuer ein Geruecht. ;-)
@ Kai: Anscheinend hat diese kommerzielle Anwendung einer Firma das breite Bedürfnis angesprochen, sodaß es Anklang fand und Absatz findet.
Das ist doch nen alter Hut,
Flash ist schön bunt, interactive, videolastig, bewegt sich alles und kann zur zeit emotional immer noch mehr rüberbringen als html = verkauft sich super, besonders bei Kunden/Besuchern denen die Technologie hinter einer Seite total egal ist. (obwohl das weniger wird, imho)
HTML ist auf dem richtigen viel zu langsamen Wege, aber immer noch zu harmlos gegen die Möglichkeiten von Flash. Leider! Denn wir sind auch keine Flashfans.
Ahoi!
@Kai: ok, vielleicht nicht “mehr Zeit”, statt dessen aber “mehr Passion” für das eigene Geschäft? :-)
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ganzunten
Da kann ich nur zustimmen! Flash ist ein Tool, um bestimmte Inhalte zu implementieren (vor allem noch Videos) aber nicht geeignet Webseiten damit zu basteln.
Aber viel wichtiger als den Verzicht auf Flash finde ich eine Diskussion um die gesamte Apps-Hysterie. Apple hat es doch tatsächlich geschafft, uns etwas so altes als tolle neue Offenbarung zu verkaufen. In kleinen Häppchen als leichte Kost serviert mit zuckersüßen Grafiken und Animationen in teilweise kitschigstem Hyperrealismus, der Erinnerungen an das grausame Microsoft BOB wecken müsste.
Das geschlossene System funktioniert aber für Apple wunderbar. Doch langsam sollten die Verlage, Produzenten und evtl. auch die Verbraucher dahinter steigen, dass für sie solch ein Konzept ein großer Rückschritt ist. Nun, wo zum Beispiel Android auf dem Smartphone-Markt an Apple vorbei zieht und auch andere Plattformen dazu kommen, müssten alle Inhalte nochmals mit der jeweiligen Technik umgesetzt werden. Dabei hat man ja mit dem Web gerade dieses Problem schon seit etlichen Jahren gelöst. Noch nie waren Web-Standards so heilig wie heute und noch nie die Browser so schnell.
Was fehlt ist “nur” ein vernünftiges und sicheres Bezahlsystem für Inhalte im Web. Laut Gerüchten arbeitet Google ja an einem Checkout für Verlage. Das wäre genau das richtige. Dann könnte man die vielen geschlossenen App-Stores dichtmachen und plattformunabhängige, freie Inhalte anbieten, die man auch mitnehmen kann, wenn man die Plattform wechselt, wo man auch Inhalte finden kann, die Steve Jobs nicht gefallen und wo man nicht alle Apps ständig updaten muss.
Dazu müssten aber diese “Digital Agencies” zu den Vorreitern werden anstatt Apple blind hinterherzulaufen…
Think different!