Edenspiekermann: iPad & Co. Neue Tafeln? Neue Inhalte?
09.11.2010 - 09:40

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Kürzlich startete das Berliner Büro von EdenSpiekermann eine neue Veranstaltungsreihe: nach mittag (Zitat Erik: „Es ist ja nach dem Mittag, also fanden wir das ganz passend.“) Die Veranstaltungen sind als persönliche Gesprächsrunden gedacht, um mit Kollegen und Kunden aktuelle Themen zu diskutieren. Da die Veranstaltung in kleinem Rahmen stattfindet (was vor allem nach Jürgens Ankündigung im Fontblog zu reichlich Unmut führte, aber für den Austausch untereinander durchaus sinnvoll war), fasse ich die Inhalte für die Blog-Leser kurz zusammen.
Die erste Veranstaltung widmete sich Apples iPad und der Technologie, die sie mitbringt und vor allem, was das für die Zukunft des Journalismus und Informationsgestaltung bedeutet. Als Gesprächspartner waren geladen:
Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Axel Springer AG
Erik Spiekermann, Vorstand Edenspiekermann AG
Mirko Borsche, Creative Director „ZEIT“
Christoph Lüscher, Partner Information Architects, Zürich
Moderiert wurde die Veranstaltung von Jürgen Siebert.

Zunächst gab es von Christoph Keese einen kleinen Überblick über „Die Zukunft des Medienmarktes aus Sicht der Verlagsbranche“. Da bisher nur ein Vierteil der Umsätze des Springer-Verlages im Internet gemacht werden, stellt er sich wie viele andere Medienmacher auch die Frage „Wie kann man mit Journalismus im Internet Geld verdienen?“
Das iPad könnte da ein guter Weg sein, denn auf Websites verbringen Nutzer nur knapp 2 Minuten um Inhalte zu konsumieren, auf dem iPad hingegen 15-20 Minuten. Der Computer wird von vielen Benutzern mit dem Zustand „Busy“ assoziiert. Er ist ein Arbeitsgerät und man hat dort selten Zeit, sich intensiv mit Themen auseinanderzusetzen, während das iPad eher als Unterhaltungsmedium denn als Computer wahrgenommen wird.
Das iPad könnte somit eine gute Chance für den Journalismus werden, da viele Eigenschaften, die auf Websites nicht möglich sind, wieder in den Vordergrund rücken: Fotos z.B. bekommen wieder den Raum, den sie auf Websites nicht haben („Wiederentdeckung des Foto-Jorunalismus“) und auch das Layout ist nicht mehr an starre HTML-Boxen angelehnt.

Christoph Keese stellt iPad Apps von Magazinen vor
Sven Ellingen (Design Director bei EdenSpiekermann) ergänzte neue technische Methoden, die für den Nutzer hilfreich sein können: So verändern sich Inhalte durch interaktive Elemente. Facebook und Twitter lesen in Echtzeit aus, welche Inhalte am beliebtesten sind. Und die rutschen dann automatisch nach oben und geben einen Trend vor. Oder interaktive Navigationselemente, die das Inhaltsverzeichnis schnell auffindbar machen und problemloses Navigieren ermöglichen. Überhaupt sind interaktive Elemente wie Videos oder für die Werbeindustrie interessante interaktive Werbeformen ein klarer Unterschied, und wenn man so will, auch Vorteil gegenüber normalen Printmedien.
In der Gesprächsrunde wurde dann diskutiert, welche Bedeutung das iPad aktuell hat, sowohl für Medienmacher als auch für Konsumenten. Christoph Lüscher von den Information Architects begrüßte sehr, dass Print- und Online-Macher dank dem iPad das erste Mal seit langem wieder an einem Tisch saßen und gemeinsam diskutierten. Vielleicht ist das iPad ja eine Chance in Zukunft einen gemeinsamen Weg zu gehen.
Christoph Keese ist gar der Ansicht, dass das Internet den „Journalismus versaut hat.“, Bilder sind nur klein und kurzweilig (dank Klick-intensiver Bildstrecken) oder eingebettet in große Werbebanner zu betrachten, die Tonalität wird von Suchmaschinenoptimierung bestimmt (Beispiel: Im Wahlkampf in den USA konnten Journalisten die Umschreibung „ehrgeiziger Präsidentschaftskandidat“ auf Websites nicht verwenden, weil der Hauptsuchbegriff in Google „Obama“ war. Und so ergibt sich der Online-Journalismus oft zwangsweise in Suchmaschinen-optimierten Begriffen). Inhalte im Internet zu konsumieren bleibt weiterhin schwierig, denn „Das Leben im Internet findet immer woanders statt und zwar hinter dem nächsten Klick.“ (Mirko Borsche). All das sind Punkte, die man mit dem iPad umgehen kann.

Im Großen und Ganzen war die Diskussionsrunde eher eine aktuelle Bestandsaufnahme zum iPad als ein Ort, an dem klare Antworten gegeben werden konnten. Zum Beispiel ist die Frage des Preises noch völlig offen. Was dürfen digitale Inhalte kosten? Klar ist jedenfalls: Sie müssen etwas kosten. Inhalte werden auch in Zukunft das Wichtigste im Journalismus bleiben und wenn man den qualitativ ansprechend gestalten will, darf das nicht umsonst sein. Wichtig dafür sind gute Micropayment-Systeme, die es bisher nur ansatzweise gibt. So könnte man auch einzelne Artikel kaufen und lesen oder Empfehlungen von Freunden mit entsprechenden Cent-Beträgen honorieren.
Zurück zu mehr Lesequalität, weg wem Trash. Es ist an den Verlagen, das entsprechend umzusetzen.
Fazit:
Mein persönliches Fazit: Es bleibt spannend. Das iPad, das unbekannte Wesen. Es bietet neue Möglichkeiten, die sowohl für den Journalismus als auch für jeden anderen alltäglichen Lebensbereich neue Möglichkeiten bietet, die es in der nächsten Zeit auszuloten gilt. Ich schließe mich den Rednern an, dass Geräte wie das iPad in Zukunft wahrscheinlich die Schnittstelle zwischen Online und Print, Bildschirm und Papier sein werden.
Das einzige, was mir persönlich an dem nach mittag (man beachte das Leerzeichen) etwas zu kurz kam, war die Kritik an Apple selbst. Natürlich ist das iPad aus Apples edlen Händen und deswegen darf man dort sicher auch einige Anforderungen stellen.
Aber als Verleger würde ich mich bevormundet fühlen, wenn Apple mir sagt, was mein Produkt kosten darf. Aber auch da wird sich mit steigender Konkurrenz etwas tun, wurde versichert.
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Edenspiekermann: iPad & Co. New boards? New content?
Design agency Edenspiekermann recently started a very interesting event concept called “Nach Mittag”. The name refers to the time of day that the invite-only events are held, with the purpose being to facilitate collaborative conversation and information-sharing between interesting persons.
The first event of this series focused on Apple’s iPad and the impact it will have on the future of journalism and information design.
The event was hosted by Jürgen Siebert and the following dialogue partners were in attendance:
Christoph Keese, CEO Axel Springer AG
Erik Spiekermann, Board Edenspiekermann AG
Mirko Borsche, Creative Director “ZEIT”
Christoph Lüscher, Partner Information Architects, Zürich
The conversation began with Christoph Keese giving a short introduction about the future of the media market from the publisher’s point of view. Keese stated that only one quarter of Axel Springer’s turnover is made on the internet and pondered how their journalism could be more financially productive journalism via the internet.
The comment was made that the iPad could present an opportunity: users spend only 2 minutes to read on websites while on the iPad it is 15-20 minutes. The word “busy” is associated with a computer but with the iPad it becomes “entertainment”. In addition some features are not possible on websites but are brought to life on the iPad: pictures get the space they need — a rediscovery of photo-journalism? — and the layout is more creative and expansive than restrictive HTML boxes.
Sven Ellingen (Design Director at Edenspiekermann) added some new technical ways for users to benefit. He points out that content is changing by interaction: people can rate content on Facebook and Twitter, so highly rated content is displayed as more relevant. In addition interactive elements such as videos or animations (which are also interesting for the advertising industry) are the biggest differences to print media.
Later the current position of the iPad was discussed. Christoph Lüscher (Informations Architects) expressed the opinion that it is a good thing to have print and online people from publishing companies sitting together and discussing — thanks to the iPad.
Christoph Keese then added his thought that the internet has “stirred up journalism”. Pictures can only be displayed small and are less entertaining and word-choice is defined by SEO (for example in the US election campaign it was not possible to use the phrase “ambitious presidential candidate” because people were searching “Obama” on Google). Consuming content on the internet remains difficult because of Mirko Borsche’s sentiment that “life takes always place somewhere else, namely behind the next link.” The feeling is that the iPad may help to address these negative sentiments.
Questions about price and value relating to the iPad remain unclear: how much should digital content cost? The only thing that is accepted as certain is that it should not be free.
The understanding was that with content being the most important part of high-quality journalism and this must be recognised. As such the idea of having effective micropayment systems — reading single articles or receiving suggestions from friends for a small fee in the cents — should be explored. It will be the publishers task to implement this and if so, it could see a welcome increase in journalistic quality.
Conclusions
My personal conclusion is that things are exciting. The iPad offers new possibilities, for journalism and everyday life that are yet to be explored. I believe that computers like the iPad will create an interface between online and print, screen and paper in the future.
The only thing I felt was missing from the discussion was a critique of Apple’s politics. It is their product, so they can specificy the requirements, but will publishers feel patronised if Apple is dictating the cost of their content? The speakers promise that this will change with more competition: it will be interesting to see just how it happens.
Special thanks to the lovely Andrew Weber!
ich finde, da wurde mal wieder am kern der sache vorbeidiskutiert. denn eigentlich geht es doch nicht um das ipad, sondern um einen grundsätzlichen wandel im umgang mit content, der einfluss auf die gestaltung haben sollte; und zwar in allen medien.
die ipad-applikationen der meisten medien ziehen sich aber wieder auf print-prinzipien zurück: mein produkt im vordergrund, abschottung gegen andere kommunikationskanäle – mit entsprechender gestaltung. die frage, ob das zeitgemäß oder für den user sinnvoll ist, fällt dabei gern mal unter den tisch.
den punkt hat kacper in der letzten woche sehr gut gemacht:
http://stijlroyal.com/blogroyal/warum-es-das-stijlroyal-magazin-noch-nicht-fur-das-ipad-gibt
Schoener Beitrag! Danke fuer die Muehe! Guter Beitrag zum Thema auch hier: http://www.subtraction.com/2010/10/27/my-ipad-magazine-stand
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thomas
ich bin gerne bereit für guten journalismus auf und MIT dem ipad zu zahlen.