Eine Stadt zum Gähnen.
30.08.2010 - 13:04
Als treuer Leser von Achim’s Designtagebuch konnte sein letzter Beitrag zum Thema Stadtlogos zu keiner besseren Zeit kommen, war ich doch gerade dabei diesen Beitrag über die Logos deutscher Städte zu verfassen.
Was haben so ziemlich alle Logos von deutschen Städten, Gemeinden und Landkreisen gemein?
Viele sind 3-farbig, besitzen einen Schriftzug in einer vermeintlich “modernen” oder manchmal auch “individuell-handschriftlichen” Typo, sollen Dynamik, Leben, Fröhlichkeit und Aufschwung vermitteln und besitzen dafür am besten noch einen ganz schlauen Zusatz wie “Immer auf der Höhe” oder “Leben am Puls der Zeit”.

Ein Logo soll “gleichzeitig das Selbstbild der Stadt bzw. ihrer Einwohner in der Öffentlichkeit” verkörpern, sagt jedenfalls die Stadt Bonn. Wenn ich sowas höre, frage ich mich immer, mit welchen demographischen Daten dies wirklich ermittelt wurde. Wie oft kommt es wohl vor, dass solche Logos von Agenturen für viel Geld entworfen werden, um dann von einem konservativen Politikkremium zerstückelt in verschlechtbesserter Form als hochskalierte GIF-Dateien auf dem selbstausgedruckten Briefkopf des Bürgermeisteramts ihre Leben dahinzufristen?
Mancher Orts ist man schlau genug und umgeht den Schritt des kostspieligen Agentur-Pitching und lässt das Logo direkt intern vom Praktikant in MS Paint designen:
Aber jetzt mal den Spass bei Seite. Der Anlass dieses Beitrags war ursprünglich der, dass ich auf ein spannendes Logo-Konzept meiner jetzigen Heimatstadt, Melbourne, hinweisen möchte. Ich hatte vorher schon auf Stylespion und auf meinem Australien-Blog darüber kurz berichtet.
Melbourne (bzw. die Agentur Landor) hat es in meinen Augen geschafft, die Kreativität, kulturelle Vielseitigkeit, moderne Architektur und ganz einfach den bunten Lebensstil dieser Stadt in einem willkürlich-wechselnden Sortiment von Logo-Ausführungen festzuhalten. Die gesamte Identität passt sich den gegebenen Bedingungen an und präsentiert sich auf aufregende Weise immer wieder neu, genau wie die Einwohner dieser Stadt. So viel Abwechslung und Einfallsreichtum sieht man gerne. Dann klappt das auch mit der Identifizierung.






melbourne wird, vermute ich mal, noch lange der maßstab sein für die gute darstellung einer stadt in ihrer ganzen vielfalt.
martin
Allerdings gab es (wie mir ein Freund erzählt) wohl (wie immer) äußerst gespaltene Meinungen in der Bevölkerung, von wegen “Millionen für’n paar blöde bunte Würfel, hätte man das Geld nicht viel lieber für … xyz … ausgeben können”.
Ich persönlich finde den Auftritt (soweit ich ihn kenne) visuel äußert ansprechend und gelungen. Wie gut oder schlecht er zu Melbourne passt kann ich nicht beurteilen. Das einzige was man dem Auftritt vorwerfen kann: er ist doch recht stark dem aktuellen Zeitgeist unterworfen (Farben/Formen/Verläufe/…). Aber das kann man ja durchaus auch gut finden.
claudia probst
Kleinblittersdorf ist nicht Melbourne, das sieht man sofort. Der Praktikant kommt wahrscheinlich aus Großblittersdorf.
Melbourne ist auf jedenfall interessant und vielseitig umgesetzt.
Tatsächlich eine sehr vielseitige Lösung. Merke: je weniger fixe Vorgaben, desto gelungen. Je mehr Freiraum für den einzelnen gestaltenden Anwender, desto gelungen. Gelungen. Gelungen. Gelungen. (Unsere Texterin ist im Urlaub.)
Der angesprochene Beitrag im Designtagebuch bezieht sich ja auf meine Seite http://www.stadtlogo-design.de/ . Zu Melbourne kann ich daraus folgendes ergänzen. Das Ranking aus den Votings bestätigt die Einschätzung der Vorbloger, Melbourne liegt mit großem Abstand an der Spitze, danach folgt Amsterdam und Fribourg.
@Martin: Ohja, bei jedem Redesign in diesem Ausmasse, gibt es Diskussionen. Angeblich hat dieses Konzept fuer Melbourne um die A$240.000 gekostet. Allerdings sehen da die meisten nur “so viel Geld fuer ein Logo?” und verstehen nicht, dass es sich um ein weitreichendes Redesign handelt, das so ziemlich alle Aspekte und Verwaltungsbereiche der Stadt umschliesst.
Mehr Diskussionen und Aufruhr gab es ueber die Tatsache, dass der Auftrag nicht innerhalb des Staates Victoria vergeben wurde: http://blogs.agda.com.au/suite7/view/post/an-open-letter-to-the-lord-mayor-of-melbourne
Nadine
In der Tat ist das Melbourne-Logo sehr gelungen, das steht ziemlich außer Frage. Viel interessanter und wichtiger ist für mich allerdings die Tatsache, dass ein Stadtlogo das abbilden sollte, was eine Stadt ausmacht. Und unter uns: Ich glaube weder Eberswalde noch Marburg bieten genug kreativen Inhalt für so ein Logo… geschweige denn, dass diese Städte von der kreativen Weltöffentlichkeit wahrgenommen werden (wollen).
Letztendlich braucht manche Stadt doch einfach nur ein Logo, dass nett aussieht und den leeren Platz auf dem Briefbogen füllt und natürlich aufgrund klammer Gelder nicht viel kosten soll. Und dafür finde ich manche, der da oben aufgeführten Logos gar nicht so schlecht…
eddi
Diese Wertung ist so überflüssig wie mein Kommentar.
Corporate Design Manual der Stadt Krefeld
[...] und Kommentare sind gern gesehen. Ebenso können wir auch die Diskussion aus Kais Artikel “Eine Stadt zum Gähnen” hier fortführen. [...]
Steffen
“Millionen für’n paar blöde bunte Würfel, hätte man das Geld nicht viel lieber für … xyz … ausgeben können”.
Ich habe auf der Seite von Melbourne gelesen, dass das Design nur um die $250.000 (100k Entwicklung, 150k Umsetzung) gekostet haben soll. Quelle
Das empfinde ich für eine Stadt dieser Größe als unglaublich wenig.
Hey, wollte nur eben sagen, dass ihr echt ne super Seite hier habt!
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Jonas Lempa
Stark!