findingberlin.com – Leben in Berlin dokumentiert
24.08.2010 - 17:01

Einer meiner Lieblingsblogs aus Deutschland ist einer über meine Lieblingsstadt in Deutschland. Sara schreibt in ihrem Blog findingberlin was das Leben in Berlin so einmalig macht und welche Fragen man sich stellen sollte, um das eigene, “wahre” Berlin entdecken zu können. Gespickt mit genialen Fotos aus der kreativen Szene oder auch einfach nur dem alltäglichen Leben Berlins, ist dieser Blog nicht nur eine Augenweide an sich, sondern auch ein guter Anlaufpunkt für internationale Besucher, die Berlin von einer pesönlichen Seite kennenlernen möchten.
Ich habe Sara ein paar Fragen zu ihrem Blog gestellt:
F: Sara, der oder das Blog?
A: Entgegen aller Konventionen: der Blog
F: Dein Blog heisst findingberlin – wieso muss Berlin erst gefunden werden?
A: Um Berlin ranken sich viele Legenden und Mythen. Viele junge Leute ziehen in Scharen in die Stadt, und jeder versucht den letzten Krümel an Authentizität und Coolness noch abzubekommen. Allerdings hat man bei den meisten gar nicht so wirklich das Gefühl, dass die überhaupt wissen, was Berlin eigentlich ausmacht – ich wusste das auch nicht – und so habe ich mich proaktiv auf die Suche gemacht: wieso kommt jeder hier her? Was macht die Stadt aus? Was stimmt an dem Hype? Und schließlich: wo findet man noch das “echte” Berlin, wenn man erst mal weiß, wonach man sucht?

F: Wieso auf Englisch?
A: Hah, eigentlich, weil ich es nur mal wieder aufpolieren wollte – letztendlich ist aber findingberlin.com auch eine Art kleiner und ungewöhnlicher Reiseführer. Berlin ist für viele Europäer, Asiaten, Amerikaner, Australier ein Heimathafen ungleich jeglicher Orte in der Restwelt geworden; die meisten sprechen Englisch. Obwohl es kein touristisches Magazin werden soll, bietet es sich natürlich an, das Ganze auch auf internationaler Ebene zu gestalten. Hinzu kommt der zweite Teil des Projektes, der sich hauptsächlich im Ausland abspielt und Berlin mit anderen Städten vergleichen will – auch da macht es natürlich erst recht Spaß, wenn man an vielen Stellen Verbindungen aufziehen kann, die durch Sprachbarrieren sonst nicht möglich wären.
F: Die meisten deiner Blogposts enthalten ziemlich geniale Fotos und seit Kurzem auch Videos aus dem Berliner Alltagsleben. Welche Ausrüstung nutzt du dafür?
A: Danke für das Kompliment! Für meine Fotos nutze ich entweder eine EOS 450D mit 50mm 1.8er Objektiv (seltener auch Weitwinkel) oder eine kleine Canon Digital IXUS 120 IS. Zwar macht eine Point & Shoot wie die kleine Canon nicht so gute Fotos, aber ich habe generell mehr Spaß an Schnappschüssen, was man wahrscheinlich auch gut erkennen kann. Für die absolut umwerfenden Videos ist mein Co-Schreiberling Marcus (von dt64.com) verantwortlich, der mit einer 550D von Canon, 24-70mm 1.8 und 50mm 1.4er Obejktiven arbeitet.
Die Bilder werden alle noch mal nachbearbeitet – manche nur minimal, manche extrem. Ich habe eine große Leidenschaft für Post-Processing. Eines Tages werde ich mich auch mal darauf konzentrieren, die Fotografie selbst mehr in den Mittelpunkt zu rücken, aber bis dahin bin ich einfach ein großer Photoshop Fan.

F: Für mich und viele Andere ist Berlin auch die kreative Hauptstadt Deutschlands. Siehst du das ähnlich? Wenn ja, wie äußert sich das deiner Meinung nach?
A: Na klar. Aber das liegt vor allem an den äußeren Umständen. Berlin ist auch die größte Stadt Deutschlands, mit der besten Infrastruktur, mit den günstigsten Preisen, mit dem höchsten Ausländeranteil – in der Superlative besteht Berlin da eigentlich fast immer. Ich würde das auf Europa oder vielleicht sogar die ganze Welt ausweiten: da ist Berlin auf jeden Fall in den Top 10, was den Influx an kreativen Menschen angeht.
Sicherlich liegt das einerseits an dem Potenzial der Stadt, die vor vielen Jahre noch komplett leer war, und auch an den Preisen. Mittlerweile kommt da aber auch die typische “selbsterfüllende Prophezeihung” dazu: wenn alle kreativen Menschen hinpilgern, dann muss ich das auch tun. Und so wird das ein Ballungsgebiet der Kunst, das wie ein Magnet auch wieder andere anzieht und damit größer wird (oder zumindest gleichbleibend groß bleibt, wenn am Anfang der Kette Menschen wieder abspringen).
Die Kreativität äußert sich dabei in unglaublich vielen Dingen: Urban Intervention, Street Art, Graffiti, das sind die sichtbarsten. Abgefahrene Locations, Ausstellungen und Word-of-Mouth Aktionen sind dann kurz unter der Oberfläche zu finden. Styles, Fashion, Musik, spontane Konzerte von Percussion-Bands auf der Straße, das alles sammelt sich in Berlin vor dem Auge des Vorbeigehenden – aber noch mehr: Selbstverwirklichungsmöglichkeiten, Designer, Architekten, die hier leben können ohne an ihren (geringen) Löhnen zu Grunde zu gehen. Networking wird durch den Raum, in dem sich sowieso alle befinden, dazu auch noch erleichtert. Man hilft sich aus, man kennt sich. Man weiß ja, wieso man in Berlin ist, und da gehören die Menschen auf jeden Fall dazu.

F: Hast du für dich denn nun Berlin gefunden? Wie ich gehört habe, geht es bald auf eine weite Reise?
A: Ich denke, nach zwei Jahren bin ich endlich richtig angekommen – mit den richtigen Freunden, einem chaotischen Tagesablauf, ohne richtig zu wissen, wo es morgen hingeht, Zeit, die stehengeblieben ist. Das ist das Gefühl, das einen in Berlin so einhüllt.
Trotzdem werde ich diese Stadt erst einmal verlassen um die Welt außerhalb dieser Seifenblase zu entdecken. Ich muss das jetzt tun, bevor ich hier für immer kleben bleibe. Danach sieht es nämlich stark aus, und ich freue mich drauf.
Ich find vorallem die Fotos großartig. Irgendwann muss ich auch mal rausgehen und in Berlin Fotos machen :P
Hoffentlich werden die dann auch ähnlich gut wie diese…
Markus, da bin ich gerade wirklich rot geworden. Vielen Dank.
Danke auch an Kai für das Interview, hat wirklich Spaß gemacht, auch wenn ich mir schon wieder bei einigen Dingen auf die Zunge beißen könnte :) Plus natürlich auch ein großes Kudos an Marcus, der findingberlin.com echt krass bereichert hat.
Sehr, sehr schönes Projekt, mit Leib und Seele dabei ..
DT64, das klingt nach dem Ossi Undergroundsender. Ich bin öfter mal in Berlin, letz connect. Grüße aus Hamburch.
Roeler
mokki
f
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Markus Reuter
Sehr cooles Interview. FindingBerlin ist definitiv eine Bereicherung, nicht nur für das Internet. Freu mich auf den Vergleich mit anderen Städten, hoffentlich wird was dabei sein, was ich schon kenne. Und Sara ist einfach groß! Weiter so!