Hätte ich bloß gewusst, dass…
30.08.2010 - 21:31

„I Wish I´d Known That: What advice would you give this years graduates?” fragte das englische Designmagazin Creative Review letzten Monat in seinem Blog. Die Resonanz war groß, vielleicht auch weil das Thema in England mit, laut Artikel, 70 Bewerbern pro freier Stelle, ein besonders brisantes ist. Aber wie sieht es bei uns in Deutschland aus?
Was hätte euch geholfen, wenn ihr es schon beim Start in die Berufswelt gewusst hättet? Universität oder Ausbildung? Freelance oder Agentur? Allrounder oder Spezialist? Was würdet ihr wieder bzw. nicht wieder tun?
Es gibt hier bestimmt eine Menge Leser die gerade mitten in der Ausbildung bzw. im Studium stecken und die sich über ein paar Tipps und Informationen sehr freuen würden. Comments welcome!
Jann de Vries
Ich habe eine duale Mediengestalter-Ausbildung in der Fachrichtung Mediendesign/Non-Print hinter mir. Dann noch mehr Praxiserfahrung in anderen Agenturen gesammelt. Die Ausbildung war mir aber zu wenig, sodass ich jetzt Kommunikationsdesign studiere. Ich kann allen diesen Weg nur empfehlen: Theorie und Praxis-Erfahrungen sammeln soviel es geht, um später im Berufsleben noch fitter zu sein …
Nadine
Mein Weg war dem von Jann ähnlich, ich war eine der ersten, die Mediengestalter für Digital und Print (Achtung. man hat schnell gemerkt, dass man da zu viel will und das direkt im Titel wieder aufgehoben), Fachrichtung Design Non-Print, gelernt hat und mir hätten damals kompetente Berufsschullehrer geholfen, im theoretischen Bereich fitter zu werden.
Typografie z.B. wurde bei uns nur angeschnitten und die Lehrer alter Schule brachten uns alles über Print-Design bei, aber nichts über das Web – eher umgekehrt – sie haben von uns gelernt. Insofern war vor allem der Berufsschulteil wenig effektiv und schon gar nicht ergänzend zur Arbeit in der Agentur. Genau deswegen habe ich später ebenfalls noch Kommunikationsdesign studiert. Ich hatte immer das Gefühl alles nur angekratzt zu haben.
Ich rate allen schon während des Studiums so viel Praxiserfahrung wie möglich zu sammeln, egal ob als Praktikum, Freelance-Jobs, Werkstudent oder was auch immer. Denn nur damit kann man auf dem Arbeitsmarkt später punkten…
Dominic Frohlof
Oha, diese Zahl hat mich gerade ziemlich geschockt! Aber sie stimmt auch nicht so ganz: Es ist die Rede von 70 _Bewerbungen_ pro freier Stelle, nicht 70 Absolventen.
Der kleine Unterschied ist, dass a) nicht jeder Bewerber zwangsläufig studiert und geeignet sein muss und vorallem b) es natürlich auch jedem Absolventen frei steht, sich auf beliebig viele Stellen zu bewerben (auch parallel und so oft, bis er was hat), was dann die Zahl der Bewerbungen, aber nicht die der Absolventen pro Stelle erhöht. :)
Kai Brunning
Du hast natürlich recht, ist schon korrigiert. ;)
*Ich habe vor zwei Jahren entschieden kein Abi zu machen und dafür eine Berufsausbildung zum “Staatlich geprüften Grafik Designer” zu machen.
Das Erste Jahr gab´s hauptsächlich Basic´s: Form, Farbe, Typo. Foto, Illustration, DTP, Sozialkunde, Englisch, Kunstgeschichte, Design Theorie.
Im letzten Jahr schon etwas praxisorientierter mit ersten Aufträgen die über die Schule liefen. In diesem Jahr geht es nur noch um zu realisierende Projekte wie zum Beispiel: ein Mode-Magazin, eigenständig einen Kunden suchen und Corporate Design entwerfen/verhandeln, eigenes Erscheinungsbild erstellen usw.
Ich fühle mich jetzt auf jeden Fall schon gut auf die Berufswelt vorbereitet.
Allerdings bin ich mir immer noch nicht sicher ob es sich überhaupt noch lohnt zu studieren, ohne Abi wird´s nicht einfacher. Und wenn ja, dann Visuelle oder doch lieber Produkt Design “ausprobieren”?
Was lohnt sich jetzt am meisten? Praxiserfahrung, Studium, Schwerpunkt-wechsel oder eine Mischung? Vielleicht auch erstmal ein Auslandsjahr und danach weitersehen…
Ich höre immer öfter das ohne Studium keine wirklich gut bezahlte Stelle möglich ist.
Letztendlich sind Abschlüsse egal, solange man es drauf hat. Wie man es sich beibringen-lässt/aneignet sollte jedenfalls meiner Meinung nach in den Hintergrund gestellt werden.
In einem Studium werden in der Regel alle Fähigkeiten, die ein Designer können muss, vermittelt.
Es geht hauptsächlich darum ein Grundverständnis für Ästhetik zu erlangen, die richtigen Design-Methoden anzuwenden, mit seinen Tools sein Konzept auch schnell und qualitativ gut auszuarbeiten, anschließend richtig für die Designvariante zu argumentieren und zu einem gewissen Teil in Gruppenarbeiten auch schon Projekt-Managment.
Was an Hochschulen allerdings gerne unterschlagen wird, sind wichtige unternehmerische Fähigkeiten wie Verhandlungsgeschick, kurzfristige sowie langfristige (Firmen)-Ziele abstecken, Marketing, Kalkulation (Liquidität, Finanzplan etc.) sowie der Umgang mit dem Kunden. Vor allem letzteres kann man allerdings nur in der harten Realität lernen.
Deswegen empfiehlt es sich meiner Meinung nach, erste Erfahrungen bereits neben dem Studium zu sammeln. Es ist zwar oft ein harter Anfang, wenn man sich zunächst als Freelance-Student direkt mit einem Mittelständler aus Hinterdupfing auseinandersetzen muss, der von dem ganzen “Design-Schnick-Schnack” nichts versteht und von dir einfach nur schnell und günstig eine Website oder ein Logo möchte.
Doch genau da fängt es an. Hier kann und darf der junge Designer meines Erachtens nach, seine ersten Erfahrungen sammeln, bevor er dann Jahre später mit den richtig großen Jungs spielen darf…
Also, hier mein Weg: 1997 betriebliche Ausbildung Mediengestalter/Print.
Danach Anstellung in Agentur, eigentlich als DTPler/Reinzeichner/Bildbearbeiter.
Nach 2 Jahren privater Umzug und festgestellt das ich nirgends einen Job bekomme. Gefühlte 2000 Agenturen angerufen/angeschrieben.
Aus einer Laune heraus (heute muss ich das wirklch so sagen) selbständig gemacht, mit dem Ziel DTPler für Agenturen zu machen. Im Laufe der Jahre gemerkt das ich eigentlich lieber der kreative Kopf vor den DTPlern wäre und mir das auch mehr liegt.
Dann nach 3-4 Jahren Selbständigkeit gemerkt, hoppla..man hätte ja studieren können. Zu diesem Zeitpunkt habe ich aber schon gut Geld verdient (also ich konnte davon leben) und hatte auch schon eine Tochter. Da ist man dann nicht mehr ganz so Risikobereit. Also dann wieder vom Gedanken Studium verabschiedet und Bücher gekauft…èn masse! Und jetzt, nach 7 Jahren, fang ich langsam an meine Arbeit wertzuschätzen. Gut, ich denke als Kreativer ist man nie zufrieden, man will/muss immer besser werden. Aber, ich bin auf einem guten Weg…
Ich sag immer den Spruch:” …nach 7 Jahren Selbständigket müsste ich mich Selbständig machen. Jetzt wüßte ich wie es geht.” Denn mir hat z.B. niemand gesagt das ich keine Gewerbeanmeldung brauche. Und dann ohne Studium die Anerkennung zu künstlerischen Tätigkeit (zwecks Freiberuflichkeit) zu erlangen war dann auch nicht ohne. Hätte ich mir sparen können in dem ich mich direkt als Freiberufler angemeldet hätte. Das habe ich mir später alles selbst aneignen müssen. Von den bürokratischen Hürden ganz zu schweigen. Ich hab im Laufe der Zeit viel gelernt, viel ausprobiert und viel Fehler gemacht…
Aber, die Kunst besteht ja bekanntlich darin, einmal öfter aufzustehen als man hinfällt. Jetzt bin ich glücklich auch ohne Studium. Aber natürlich denke ich hier und da:” …hättest du nur studiert.” Aber es geht auch ohne, mit viel Wille. Und einem Funken Talent.
Gruß
Georg
Martin
an dieser stelle mal ein lob an dieses großartige thema.
ich befinde mich noch am anfang meiner karriere, bin in der ausbildung zum mediengestalter für digital und print medien und habe schon einige jahre praktische erfahrung bei zwei anderen argenturen gesammelt sowie auch selbstständig. mein werdegang ist allgemein nicht der durchschnittliche, hat alles ein wenig länger gedauert, hier und da mal ein umweg, ein paar schritte vor und wieder zurück, möchte mich jetzt aber zielstrebig meinem ziel als kreativer in einer größeren argentur nähern und weiß die hier gegebenen ratschläge zu wertschätzen.
ich war am anfang in der argentur ziemlich verblüfft als ich gemerkt habe, wie weit ich schon gekommen war in meinem “privaten studium”. das hatte ich erst im direkten vergleich zu den gelernten kräften bemerkt. meine erwartung war eher, dass ich als einäugiger stümper meine selbst erlernten methoden und ansichten verwerfen müsste um alles von neuem zu erlernen. dem war zum glück nicht so. allerdings kristallisieren sich im laufe der zeit immer mehr themen heraus über die ich nicht die leiseste ahnung habe und umsomehr zeit vergeht, desto größer scheinen mir die wissenslücken. deswegen habe ich mich zu dieser ausbildung entschieden und hoffe diese lücken weitestgehenst zu schließen.
ich bin aber sehr froh diesen weg gegangen zu sein. durch mein start know-how zur ausbildung war es mir möglich mir eine gute argentur aussuchen zu können und auch schon direkt bei ausbildungsbeginn an den “größeren” projekten teilzuhaben und meine erfahrungen zu sammeln. wenn ich daran denke ich müsste jetzt erst noch all die sachen lernen die ich mir die letzten jahre bereits aneignete, was ich dabei alles verpasst hätte an wissen das man eben nicht selbst aus der luft greifen kann…
ich kann jedem nur empfehlen sich auch vor einer ausbildung oder ähnlichem sich bereits so weit wie möglich selbst vortzubilden. wenn es sich um nichts schulisches handelt mit steifem unterichtsplan, kann man in der ausbildungszeit noch dinge lernen, für die sonst keine 3 jahre ausreichen würden. auch dinge, die mit dem eigenen, eigendlichen berufsfeld nichts zu tun haben aber eben mit den vielen anderen berufen die es in der kreativ-branche gibt. es hilft einem ungemein das große ganze besser zu erkennen und zu begreifen…
Traut euch, nur Mut! Das ist der allerwichtigste Tipp, den jeder Einsteiger und jede Einsteigerin nicht oft genug zu hören bekommen kann. So viel Panik wird allerortens gemacht… Zu wenige Stellen, zu hohe Anforderungen, zu viel Komkurrenz – dabei ist die Sache schlussendlich doch gar nicht so wild.
Traut euch und euren Träumen, nur Mut! Wer etwas wirklich wirklich will, wird es auch meistens schaffen. Wenn er oder sie denn loslegt – darum geht es, weniger um das Was.
Macht euch selbstständig neben dem Studium (und wenn die Idee noch so klein ist) oder zieht neben der Ausbildung ein Blog hoch (und wenn es euch dort um noch so ein irrelevantes Nischenthema geht) oder kontaktet einfach einige der Personen, deren Arbeit ihr schätzt, und fragt, ob ihr igendwie mithilfen könnt. Was auch immer ihr anpackt – packt etwas an und beißt euch fest! Ach, und: etwas grundlegende BWL hat noch niemandem geschadet, so dröge das auch sein mag ;-)
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Dominic Rödel
Also ich habe eine 2 Jährige Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten gemacht – Falls einem das was sagt, die, wenn man den “Profis” glauben darf, gute Osnabrücker Variante. Da hatte ich letztlich Fächer wie Typografie, Farblehre, Formlehre, Designinformatik, Freihandzeichnen, Kunstgeschichte, Designtechniken, Technologie und eben Projektfächer wo alles an echten Projekten für Kunden zusammengeführt und umgesetzt wurde.
Eine rein schulische Ausbildung. Mittlerweile habe ich natürlich auch mit vielen gesprochen die Kommunikationsdesig studiert haben und ich kann im nachhinein sagen, dass ich froh bin meinen Weg gegangen zu sein. Wie es scheint habe ich in der Ausbildung mehr beigebracht bekommen als meine befreundeten Studenten. Die Fluchen immernoch darüber das die letztlich nur den Geschmack der Profs bedienen müssen…