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Vintage-Logos: Eine Sammlung

26.08.2010 - 22:56

Eine sehr schöne Sammlung von Logos, die mir immer wieder als Inspirationsquelle dienen. Die Logos sind Mitte der 70er Jahre entstanden – fernab von 3D- und Glossy-Effekten. Reduziert auf das, was ein gutes Logo ausmacht: die Form.


3,480

Eike König

wer sagt denn dass das gut ist? wir sind verhaftet in der idealisierung von grafik epochen und ihren aussagen zum thema ‘was ist gut / richtig’. müssen wir nicht eher all dies in frage stellen und nach neuem uns bewegen? inspirationsquellen aus einem alten jahrhundert … früher war alles besser haben mir schon meine eltern immer gesagt.

Jens Windolf

Danke, Herr König! Ihr kleiner Kommentar rüttelt mich wach am Freitag früh.

ushmorov

Da bin ich ganz Eikes Meinung …

Michael Gröters

Hier geht es nicht um “gut” oder “schlecht”, sondern um die Roots des Logodesigns, um grundlegende Formentwicklungen, die das Grafik-Design über die 70er hinaus beeinflussten und bei behutsamem Re-Design auch aktuell blieben (s. Daimler etc.). Die Rockmusik ist auch nur entstanden, weil die Musiker zu Beginn den Blues studiert hatten – und Techno ist nur durch Kraftwerk denkbar.

Natürlich spielt hier die technische Entwicklung eine wesentliche Rolle und 3D und Glossy wäre damals weder produzierbar noch reproduzierbar gewesen und mit zB. Prozessing sind heute natürlich wieder ganz andere Dinge möglich. Aber der Mensch bleibt Mensch und wahrnehmungspysiologisch gelten immer noch die gleichen Regeln. Ein Blick zurück kann für diese durchaus wieder sensibilisieren.

casn

“Querelle des Anciens et des Modernes.”

Sebastian Waters

Zwar stimme ich Eikes Meinung teilweise zu, denn “wer zurückblickt, sieht nicht, was auf ihn zukommt”, dennoch muss ich dann noch einwerfen, dass man trotz Kreativität, Innovation und visueller Spielereien schon (ein wenig) die Technik und Historie wissen und kennen sollte.

Ob nun – wie von Michael oben ausgeführt – am Beispiel der Musik, bei der analogen und digitalen Fotografie oder eben bei der Logoentwicklung und dem klassischen Print- hin zum Screendesign: Wer über das Handwerk, die Anfänge und eben auch “ältere” Arbeiten weiß, der hat automatisch mehr Möglichkeiten, mehr Inspiration und evtl. sogar ein besseres Gespür dafür, was wie wirkt.

u.a. Stichwort “Corporate Design – Relaunch” ist hierbei auch nicht unter den Tisch zu kehren. Immer mehr Unternehmen möchten ihr altes Logo ein wenig auffrischen oder evtl. sogar umgestalten lassen, aber dabei bestimmte, über Jahre und Jahrzehnte etablierte Farben, Schriften, Formen nicht völlig außen vorlassen.

Eike, dein Einwurf?

Greta

stimme Eike zu – diese Logos sind durch ihre optische Täuschung bzw. Gestaltung inspiration für viele 3D Effekte, die später entstanden sind.

Eike König

ich verschliesse mich ja nicht meiner herkunft / noch sage ich irgendetwas dagegen … ich bin derjenige der immer sagt, dass alles was du jetzt machst eine lange geschichte in sich trägt – dessen man sich auch bewusst sein sollte. also interpretiert hier nicht irgendetwas hinein was nicht da steht. ich beziehe mich auf die formulierungen in der beschreibung. und da steht, laut sebastian, dass die reduktion auf die form ein ‘grundsätzlich’ (das steht da nicht, aber das lese ich daraus) gutes ergebnis liefert. das mag rein formal richtig sein und von wissenschaftlern auf wahrnehmuspsychologischer ebene bewiesen, aber auch diese ändert sich. ich will damit einfach nur sagen, dass das was damals für richtig galt nicht unbedingt heute für richtig gelten muss. das beste beispiel sind doch klassische werbeagenturen die sich genau auf diese alten erfahrungen jahrelang ausgeruht haben … und plötzlich keine konzepte für das ‘jetzt’ vorweisen können. haben sich die gestalter von jung von matt auch auf diese retro-quellen bezogen als sie dieses logo hier entwarfen http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,714004,00.html

übrigens ein grund warum sich Los Logos von den Gestalten so gut verkauft … weil es ein formbuch ist an dem man sich wunderbar bedienen kann.

und ehrlichgesagt glaube ich nicht mehr an solche art von logos.
sie sind blasen die von gestaltern mit scheinwerten gefüllt werden.

so, jetzt erwarte ich eueren einwurf.

Simon Wahlers

ja, wir leben in einer anderen zeit, mit anderen technischen möglichkeiten, sich ständig ändernden und immer komplexer werdenden anforderungen. ich habe nur manchmal den eindruck, dass den leuten bzw. designern von heute die basis eines guten signets oder logos gar nicht mehr bewusst ist. und das ist in meinen augen eindeutig die form.

ob sich diese form generativ ändern kann, ob die form später 3-dimensional interpretiert wird oder ob sie als favicon funktioniert spielt für mich im ersten schritt keine rolle. es geht um die maximale visuelle vereinfachung einer aussage, die man vermitteln möchte. und das machen einige der logos aus den 70er jahren besser als vieles, was man heute (auch von top-agenturen und designbüros) zu sehen bekommt. inspirierend finde ich beides …

die gezeigten logos sind den heutigen anforderungen an ein erscheinungsbild sicherlich nicht mehr gewachsen. das logo ist nur noch ein kleiner teil des ganzen und die form nicht mehr das einzige unterscheidungsmerkmal. aber deshalb ist diese sammlung für mich ja auch keine benchmark für zeitgemäße gestaltung sondern inspirationsquelle.

Eike König

dass klingt ja alles schon ganz anders.

trotzdem: wie kommst du zu der aussage, dass den grafikern von heute die basis des grafik designs nicht bewusst ist (beispiele)? dank dieser aussage darf ich davon ausgehen, dass du dir dessen bewusst bist – anscheinend die form (gegenbeispiele von dir bitte). wer gibt dir die gewissheit das du recht hast mit deiner aussage? andere ‘grafik designer’? deine professoren? dein arbeitgeber?

erwartungsvoll, eike könig

Otto Fischmann

ein ganz klares beispiel: bei den kommentaren fehlt definitiv das datum und die uhrzeit – man weiss irgendwie nicht sofort ob man von unten nach oben oder oben nach unten lesen soll.

Sebastian Waters

Otto, der Sinn ergibt sich aber meist nur in eine Leserichtung und die Erwartung wird doch durch das Lesen von links nach rechts und unten nach oben konfirmiert.

Und an meinen lieben, erwartungsvollen Eike: Natürlich stimme ich dir auch zu, dass “Stillstand ist der Tod” auch bedeuten sollte, aber viele – vor allem – große Agenturen sich durch ständige Kopien und Wiederholungen alter Arbeiten und Leistungen immer noch auf dem Markt halten. Das liegt zum einen an der Angst (im Umkehrschluss dem fehlenden Mut) etwas Neues auszuprobieren und vielleicht einen Kunden zu verlieren, zum anderen aber auch, auf der anderen Seite, beim Kunden, der genau das erwartet, was er aus dem Portfolio bzw. vorherigen Arbeiten der Agentur kennt.

Dennoch finde ich, wie zuvor aufgeführt, dass vor allem beim Thema Corporate Design sich weiterhin die Bezüge auf vorherige Logos zeigen sollten und sich Designer bzw. die Agenturen dann natürlich auch mit den alten Logos und der Geschichte des Unternehmens (zumindest der Geschichte der Corporate Identity) beschäftigen müssen.

Und um Simon mal ein wenig zu unterstützen (auch wenn ich keine konkreten Namen nennen möchte / kann): Vor allem im Design-Studium – denn nicht jeder kann einen Lombardo, König oder – your favorite – Hickmann an der UdK als Professor haben – lernen viele Studenten eben aktuelle Trends, Logos, Geschäftsausstattungen kennen, aber oft nicht, dass sich etwas Neues damit ausprobieren sollen.
Dort gibt es oft nur ein entweder oder. Entweder immer nur das Alte und damit weitermachen, oder das Neue und keine (oder zumindest kaum) Bezüge auf die Historie und das Handwerk.

Und wie war das doch gleich noch einmal mit der Autorenschaft? (Anmerkung: Podiumsdiskussion zwischen Mario Lombardo, Eike König und Fons Hickmann, 2009 – war sehr nett und lehrreich)

Eike König

noch mehr vintage aus den guten alten tagen (via Creative Review)
http://www.flickr.com/photos/paulmalon/sets/72157622068072145/

Simon Wahlers

so, meine herren!

entschuldige eike, ich möchte das natürlich nicht pauschalisieren mit den grafikern von heute, fehlformulierung meinerseits. aber viele »designer« scheinen heute mehr wert auf »effekt« zu legen … und gerade bei einer logo-entwicklung finde ich das gefährlich, da ein logo im besten fall in 50 jahren noch funktioniert. und wer weiß, wie die anforderungen/gegebenheiten dann aussehen?

in meiner aussage/meinung mögen mir sicherlich einige zustimmen, andere wiederum widersprechen. was ist denn deine meinung eike, auf was es heutzutage bei einer logoentwicklung (oder cd-entwicklung) ankommt? bisher lese ich nur zweifel an meiner these heraus aber sehe keinen wirklichen ansatz deinerseits.

der aussage von sebastian kann ich zustimmen. es mag agenturen geben, die sich auf den lorbeeren ausruhen, die sie vor 15 jahren geerntet haben. genauso gibt es kunden, die sich »nichts trauen«. jedoch verstehe ich diese kunden in gewisser weise. warum soll ein erfolgreiches unternehmen sein logo grundlegend/überhaupt ändern? mehr sinn macht hier meiner meinung nach eine weiterentwicklung des gesamtauftrittes.

einen hick- oder spiekermann hätte ich während meines studiums auch gerne mal erlebt. ich frage mich aber, ob mich das zu einem besseren designer gemacht hätte.

Eike König

… im besten fall funktioniert ein logo noch in 50 jahren … sorry, aber das klingt nach einem lebensentwurf meiner großeltern. ich weiss wirklich nicht von welchen marken du sprichst. sicherlich wird es coca cola noch geben. aber bei apple zweifel ich doch sehr. und twitter wird es wohl auch nicht mehr geben … die zeiten ändern sich einfach rasant. und die meisten ideen gehen einher. sprich – wir benötigen lösungen die flexibel sind und sich den gegebenheiten anpassen können. diese romantische vorstellung von der bildmarke müssen wir in frage stellen um sie den heutigen ansprüchen entsprechend zu prüfen.

traditionelle marken sind eine vollkommen andere geschichte. sicher müssen wir denen mit einer anderen sensibilität entgegentreten. aber davon rede ich hier überhaupt nicht – oder wie häufig ist es in deinem leben vorgekommen, dass du IBM rebranden durftest?

lasst otto und ltu die gestalter von meta an das ‘jetzt’ anpassen – wir konzentrieren uns auf die kleinen, spannenden und neuen aufgaben. und die werden eben nicht mehr gelöst in dem man sich ein logo-sammelbuch aus den 70ern anschaut, die initialen der firma nimmt und dann was schickes im kreis konstruiert (oder im dreieck oder eben im quadrat).

meiner meinung nach geht man so an heutige themen:

http://www.experimentaljetset.nl/archive/smcs-introduction.html
http://universaleverything.com/#/UE205

und das ganze ist ja nicht neu – siehe karl gerstner
http://blog.systempreset.com/2009/07/10/flexible/

schönen abend

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Simon Wahlers ist Junior Designer bei der Peter Schmidt Group in Hamburg. Während seines Studiums in Österreich und den USA arbeitete er an zahlreichen Projekten als Designer. Simon ist Mitinitiator eines Netzwerkes freischaffender Kreativer für (ehrenamtliche) Projekte in den Bereichen Design und Events in Ravensburg.

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