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Der grobe Zeitplan

Download – Gestaltet von Max Lisewski

Erstmal nen Tee kochen

Zwei Fragen zwischendurch: Solltest du nicht eigentlich etwas Sinnvolles tun statt hier rumzuhängen?

Zum Beispiel Kochen.

Und warum kochen Sie nicht?

Immer wenn ich es mir vornehme, kommt etwas dazwischen: ein Termin, unerledigte
Arbeit, keine Musse.

Das ist eine Standardantwort. Die Leute sagen immer, sie hätten keine Zeit, sie hätten Angst, sie würden zu wenig Geld verdienen, sie seien zu müde, sie seien zu alt, sie seien zu irgendwas. Das kaufe ich niemandem ab. Der Punkt ist in Ihrem Fall, dass Sie sich keine Zeit nehmen zum Kochen.

 

 

 

Was neumodisch als Prokrastination bezeichnet wird und den lästigen Zustand der Verschieberitis beschreibt, hindert uns daran, ungeliebte Aufgaben konzentriert abzuarbeiten. Wenn wir uns nicht wohlfühlen, sucht unser Geist

An dieser Stelle unterbreche ich meine Arbeit an diesem Artikel, denn ich erinnere mich daran, dass ich heute eigentlich noch einen Brief schreiben muss und beginne, Briefpapier zu suchen aber nicht zu finden. Also verschiebe ich meinen Brief und arbeite weiter. Ich bekomme Lust auf Kaffee.

nach Schlupflöchern, um der leidigen Situation zu entfliehen. Erstmal eine Rauchen, gell. Der gleiche Mechanismus hindert

Ich bekomme Lust auf Kaffee.

uns am Nichtstun. Es gibt die Wette, dass der Ungeübte es nicht aushält, zehn Minuten am Stück dazusitzen, ohne etwas zu tun. Ohne sich zu bewegen oder nervös zu werden. Wir müssen auf’s Klo, ein wichtiger Einfall kommt, wir erinnern uns daran, noch einen wichtigen Anruf erledigen zu müssen, und zwar am besten sofort. Oft haben wir in solchen Momenten großartige Einfälle, die dringend protokolliert und gleich umgesetzt werden müssen. Wir müssen uns kratzen. Wir werden müde, hungrig, hibbelig, bekommen unerträgliche Schmerzen, wir finden einen
philosophischen

Die Lust auf Kaffee verstärkt sich zu einem ernsthaft drängenden Bedürfnis, unter dem ich auf keinen Fall konzentriert weiter arbeiten kann. Ich verlasse (fast besorgt) meinen Arbeitsplatz.

Auf dem Weg in die Küche fällt mir ein, dass die Milch wahrscheinlich nicht reichen wird, um einen leckeren Kaffee zuzubereiten. Ich biege also in den Hausflur ab, um mich auf den Weg zu machen.

Im Eckladen herrscht Hochbetrieb und an der Kasse machen es sich Kunden zu einem Schwatz mit dem Kassierer gemütlich. Während ich warte, kreisen meine Gedanken um den Text, den ich eigentlich gerade schreiben sollte. Ich werde nervös.

Zurück in der Küche setze ich übereilt den Kaffee auf, auf den ich inzwischen nach vielem Treppensteigen wenig Lust habe. Gemacht und getrunken wird er aber trotzdem, allein weil die Zubereitung sich so aufwändig gestaltet hat.

Grund dieses Sitzen sofort zu boykottieren, oder wir beschließen eingeschnappt, dass uns dieses Spiel keinen Spaß mehr macht. Eins tun wir aber mit Sicherheit nicht: einfach sitzen bleiben. Seit wir denken können, wird uns empfohlen, immer aufmerksam und konzentriert zu sein. Wenn die Konzentration nachlässt, suchen wir direkt nach einer neuen Aufgabe, um weiterhin beschäftigt zu sein. So führt eins zum anderen und zum Schluss haben wir alles getan aber nichts erledigt.

Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit Der grobe Zeitplan vom Designer Max Lisewski.

Prokrastination ist die Angewohnheit, notwendige, aber unangenehme Arbeiten immer wieder zu verschieben, statt sie zu erledigen.

3 Kommentare

jessi

:) super! Genauso isses! ;))

lisa

sehr gut geschrieben. und sofort hab ich mich wiederentdeckt in dem text. würde gerne mehr lesen. :)

Robert

Wenn ich Zeit habe, schreibe ich zu diesem schönen Text einen netten Kommentar! Aber erstmal brauch ich einen Kaffee.

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