Vorherige Seite Inhalt Nächste Seite
Dmig 3


Weblog

















Frankfurt? Frankfurt!

Interview von Nadine Roßa und Patrick Marc Sommer mit Pixelgarten über das Buchprojekt Frankfurt? Frankfurt!

Download – Gestaltet von Timm Häneke

Pixelgarten sind Catrin Altenbrandt und Adrian Nießler aus Frankfurt. Die beiden arbeiten zusammen an Projekten, die Fotografie, Illustration und Grafik auf erfrischende Weise miteinander verbinden. Oft spielen dreidimensionale Objekte dabei die Hauptrolle und werden durch das Medium Fotografie in die zweidimensionale Ebene geholt. Schere, Papier, Pappe, Holz, Stoff und einfach alles was man anfassen kann sind die zentralen Werkzeuge für ihre Arbeiten.
Ihre Kunden sind unter anderem der Birkhäuser Verlag, Wired, Neon aber ihre Arbeiten sind auch in Büchern zu sehen und wurden mehrfach ausgestellt.
Wir haben Catrin und Adrian auf der TypoBerlin 2009 getroffen und sie bei Dinkel-Keksen (ein Fehlkauf im Bioladen) befragt und das Interview später per Email weitergeführt.

Wie kam es zu eurem Auftrag mit dem Buch “Frankfurt? Frankfurt!”?

Vor einigen Monaten bekamen wir die Anfrage ein Buch über Frankfurt zu gestalten – da wir beide überzeugte Frankfurter sind (wenn auch beide keine echten – aber das sind ja viele hier) – haben wir da natürlich zugesagt. Wir leben und arbeiten in diese Stadt, die so viele überhaupt nicht mögen.

Was macht das Buch für euch interessant?

Gerade die Gegensätze, die in Frankfurt oft dicht nebeneinander liegen, machen für uns Frankfurt aus. Das Tolle an diesem Projekt war auch, dass es praktisch keine Vorgaben gab und wir sehr viel Freiheit in der Gestaltung des Buches hatten. Noch dazu kam die Tatsache, dass das ganze keine “Lobhudelei” über Frankfurt werden sollte, sondern durchaus eine kritische Auseinandersetzung mit der Stadt von Menschen, die in irgendeiner Weise mit Frankfurt verbunden sind – aber alle nicht oder nicht mehr in dieser Stadt leben.

Könnt ihr uns ein paar Infos zu dem Buch geben?

Das Buch “FRANKFURT! FRANKFURT?” wird von Dr. Christian Ankowitsch herausgegeben. Es wurden rund fünfzig Nicht-Frankfurter gefragt, was sie von der weltkleinsten Metropole halten. Die Antworten, die dabei herauskamen, waren sehr unterschiedlich und erstaunlich – mal Liebeserklärungen, mal böse Kommentare. Sie sind ein Abbild der Stadt Frankfurt mit ihrer Vielfalt und ihren Gegensätzen.

Das Buch hat Beiträge von Theodor W. Adorno, Matthias Arndt, Asymptote/Hani Rashid, Roland Berger, John Bielenberg, Coop Himmelb(l)au, Heike-Melba Fendel, Peter Glaser, Greser & Lenz, Jeppe Hein, Martin Heller, Hans- Olaf Henkel, Peter Henning, Thomas Hettche, Axel Honneth, Hosoya Schaefer Architects/Marcus Schaefer, Oliver Jungen, Scott King, Alexander Kluge, Fred Lohr, Harald Martenstein, Jürgen Mayer H., Martin Meyer, Nils Minkmar, PeterLicht, Peter Piller, Dai Qing, Ulrich Raulff, Franziska Reichenbacher, Tex Rubinowitz, Vijay Sapre, Christian Y Schmidt, Uwe Schmidt (Senior Coconut), Claudius Seidl, Haig Simonian, Andrzej Stasiuk, Beate Tröger, Vier5, Peter Weibel, Volker Wieprecht, Worldmapper.org, Thomas Zipp

Was habt ihr studiert und wo?

Wir haben zusammen an der HfG Offenbach Visuelle Kommunikation studiert und haben uns dort sehr wohl gefühlt. Da die HfG eine Kunsthochschule ist, kann man sich dort bestens austoben, das Studium dort ist sehr offen und frei. Die Professoren und Betreuer raten einem aber nicht einfach von einer Sache ab oder zu, sie beraten einen und wenn man gerne sehr frei arbeitet und experimentiert ist das ideal.
Wir müssen zugeben unser Studium nicht so ganz in den vorgeschriebenen acht Semestern beendet zu haben, aber für uns war die Zeit zum Experimentieren sehr wichtig. Gerade in den letzten Semestern ist bei uns die Entscheidung gefallen freier zu arbeiten, das ging an der HfG mit Angeboten wie Experimenteller Raumgestaltung über Mode bis Magazindesign sehr gut.
Die Umstellung von Studium zu “realer” Arbeitswelt war allerdings doch etwas gewöhnungsbedürftig. Während des Studiums hatte man sehr lange Zeit für Projekte, es gab keine so knappen und vor allem nicht so viele Deadlines. Das ist jetzt anders. Wenn es sich um Illustrationsprojekte handelt sind es manchmal sogar nur drei, vier Tage. Und manchmal kommt auch Freitag eine E-Mail und der Kunde will Montag schon was sehen.
 
Seit wann arbeitet ihr zusammen und woher kommt der Name “Pixelgarten”?

Unter dem Namen Pixelgarten arbeiten wir seit 2003/2004 zusammen. Der Name hat sich aus einer Projektidee so entwickelt, wir wollten damals unter der Domain eine verspielte Website aufbauen, auf der Besucher etwas pflanzen können. Das war als spielerisches Experiment gedacht und daraus ist der Name “Pixelgarten” entstanden. Das Projekt haben wir dann nicht weiter geführt aber der Name ist geblieben. Viele bringen uns wegen des Namens oft mit Pixelgrafiken in Verbindung, zumindest wenn sie ihn nur hören. Aber bei einem Blick auf die Website ändert sich das meist schnell.
 
Wie kommt ihr an eure Aufträge?

Wir werden von einer Agentur vertreten, aber vieles ergibt sich auch so. Manchmal sehen die Kunden Sachen von uns und kommen dann auf uns zu. Das hat den Vorteil, dass sie unsere Arbeiten schon kennen und spannend finden und uns damit in den Auftragsarbeiten viel Freiheiten einräumen.
 
Eure Fotoarbeiten sind oft sehr liebevoll und aufwendig gestaltet. Wie kann man sich euren Arbeitsablauf vorstellen?

Wir hatten mal einen Praktikanten aber im Moment sind wir nur zu zweit. Unsere handgemachten Arbeiten sind in der Tat sehr zeitaufwendig und nicht so frei wie es vielleicht aussieht. Wir haben oft strenge Vorgaben was das Layout betrifft. Und auch der Kameraausschnitt muss gut gewählt sein. Deswegen gehen wir sehr konstruiert und konzeptionell an unsere Projekte und probieren während der Vorbereitungsphase viel mit Materialien.
 
Was ist euch lieber: das dreidimensionale Arbeiten oder die zweidimensionalen Projekte wie Bücher?

Das kann man nicht so genau sagen. Die handgemachten Projekte brauchen viel Vorbereitung, dafür (be)stehen sie aber oft auch länger. Aber wir kennen natürlich die klassischen Katastrophen wenn kurz bevor alles fertig ist alles ineinander zusammen fällt. Da ist ein rein zweidimensionales Projekt am Computer manchmal doch einfacher in der Handhabung. Da kann wenigstens nichts runterfallen.
 
Die Mischung ist uns sehr wichtig, es braucht eine ausgewogene Mischung der Projekte. Wir könnten uns nicht vorstellen in einer Agentur zu arbeiten und immer nur die gleiche Art von Projekten zu machen. Dreidimensionale Projekte sind für uns genau so spannend wie typografische Arbeiten.

Frankfurt? Frankfurt!
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Societäts-Verlag; Auflage: 1 (25. November 2009)
ISBN-10: 3797311486
ISBN-13: 978-3797311481

Kommentieren



Vorherige Seite Inhalt Nächste Seite
Dmig 3