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Dmig 4 ---------------- Interview

Das
Iconwerk

Stefan Dziallas ist Iconwerk und der Name ist Programm, denn Stefan widmet sich komplett der wahrscheinlich reduziertesten grafischen Spielform: den Piktogrammen. Er hat Grafik-Design an der Hochschule für Künste Bremen studiert und nach dem Studium bereits erste Icon und Logoprojekte realisiert. Seit 2004 ist er Iconwerk und arbeitet seitdem für Kunden wie Corel, Mercedes, Cisco, New York Times, Siemens, Plantronics, Disney, ESPN, Postbank, Popular Mechanics, bloomberg, Fine Cooking Magazine, AOL, Swedish Sea Rescue Service, Deutsche Welle TV und Zara. Er bezeichnet seinen Beruf selbst als »Piktogrammdesigner«.

Interview von Nadine Roßa mit Stefan Dziallas,
http://www.iconwerk.de

Icon und Piktogrammgestaltung ist die Reduzierung auf die minimal mögliche Gestaltung und damit für viele Gestalter eine große Herausforderung. Was fasziniert dich an dieser minimalen Gestaltungsmöglichkeit?

Das ist ähnlich wie beim Schachspiel. Es gibt eine begrenzte Spielfläche, eine begrenzte Anzahl von Spielfiguren und Zügen. Hieraus ergibt sich jedoch trotzdem eine endlose Anzahl von spannenden Partien. Bei der Piktogrammgestaltung habe ich auch vorgegebene Parameter wie Gestaltungsfläche, Linienstärke, vorhandener typografischer Stil und Farbe für die grafische Gestaltung zur Verfügung. Innerhalb dieser Parameter besteht die Herausforderung die visuelle Botschaft in reduzierter Form zu vermitteln. Bei internationalen Projekten muss ich zusätzlich die lokalen Besonderheiten beachten. Religiöse Symbole, kulturell problematische Farben und die Schreibrichtung sind nur einige. Wenn man z.B. von Rechts nach Links liest, zeigt dann der »Zurück-Pfeil« immer noch nach Links?

Komplexe Objekte mit wenigen grafischen Elementen abzubilden ist nicht nur mein Hauptjob. Ähnlich wie bei einem Erfinder, der über seine Erfindungen Tag und Nacht, beim Essen, beim Bügeln und sogar beim Arbeiten nachdenkt, ist es bei mir. Mein Hobby ist es, Piktogramme für alles Mögliche zu gestalten. So sind bereits über 2000 Piktogramme entstanden. Diese Fingerübungen helfen natürlich auch bei Aufträgen, schnell und sicher zu guten Lösungen zu gelangen. Es ist wie bei einem Musiker: Je mehr Akkorde, Skalen und Läufe ich beherrsche, desto mehr Möglichkeiten habe ich diese im Zusammenspiel mit der Band einzusetzen. Man könnte sagen, ich trainiere auf dem grafischen Klavier; egal ob avantgardistischen Freejazz oder sibirische Büffelschlachterpolka.

Wann kommt man bei der Abbildung von Begriffen als Piktogramm an Grenzen? Wie gehst du mit abstrakten Begriffen um? Glaubst du, man kann wirklich jeden Begriff als Piktogramm darstellen? 

Man kann jeden Begriff als Piktogramm darstellen. Piktogramme sind erklärende, ergänzende Elemente zur Schrift und umgekehrt. Ein Beispiel hierfür: »Sonstiges«. Piktogramme stehen fast nie für sich alleine. »Sonstiges« bezieht sich in diesem Bespiel auf sonstige Hinweise, Kleingedrucktes, Geschäftsbedingungen. Als Metapher habe ich eine Mappe mit einem Paragraphen darauf mit herausschauenden Dokumenten und Lesezeichen gefunden. Der Benutzer erhält also zusätzlich zum Begriff »Sonstiges« die visuelle Information, dass sich hier eine Sammlung von (juristischen) Dokumenten und Hinweisen verbirgt. 

Bei klar definierten Begriffen wie etwa »Abflug« an einem Flughafen kommt nur das startende Flugzeug in Frage, da hier die Metapher mit dem Begriff identisch sein muss. Eine mit einem Taschentuch winkende Person wäre zwar romantischer, birgt jedoch die Gefahr falsch interpretiert zu werden. Z.B. als Besucherterrasse.

Icons haben in der Zeit mobiler Anwendungen eine wesentliche Funktion für die Bedienbarkeit. Du hast auch Aufträge, in denen das Icon zur Illustration und in den klassischen Printmedien als solche verwendet wird. Ist das für dich lediglich eine Gestaltungsvariation oder vielleicht ein Schritt in Richtung der viel diskutierten Verbindung von Web und Print? 

Für Cisco habe ich ein System entwickelt, das sowohl auf 1-Bit-Displays in 12x12px, auf 200ppi OLED-Displays in 128x128px und auf der Hardware wie Tastenbeschriftungen und Labels funktioniert, ohne die eigentliche Grundform des Piktogramms zu ändern. Oft wird bei großen Icons ein dreidimensionales Rendering und bei kleiner Darstellung eine zweidimensionale Darstellung gewählt. Das Design der gleichen Piktogramme auf der Hardware ist dann wieder komplett anders. Genau das wollte ich vermeiden. In Zusammenarbeit mit der Cisco UI Development Group habe ich ein rasterbasiertes System entwickelt, das die Grundform des Piktogramms in jeder Darstellungsform und -größe beibehält und nur die medienspezifischen zusätzlichen Möglichkeiten nutzt. Hier ein Beispiel:

Viele Standardanforderungen kann man mit Stockicons für wenig Geld abdecken. Welches sind deine Argumente dafür, dass sich individuell angefertigte Icons lohnen?

Ich bin aber der Meinung, dass individuelle Ions dann erforderlich sind, wenn der Auftraggeber mit den verfügbaren Stockicons nicht weiter kommt oder der Stil der Icons/Piktogramme dem Stil der Typografie oder des Logos entsprechen soll. Da verhält es sich wie mit den individuellen Schriften. Es gibt wirklich ausreichend viele Schriften auf diesem Planeten, trotzdem lassen sich die Auftraggeber individuelle Hausschriften anfertigen. Außer Ikea, die sind mit Verdana zufrieden. Denn auch wenn der Endverbraucher keine drei Schriften auseinander halten kann, den Eindruck eines individuellen grafischen Auftritts speichert er doch unterbewusst ab.

Kannst du uns deinen Arbeitsablauf von der Idee/dem Auftrag bis zum fertigen Piktogramm ein wenig erläutern?

Ich erstelle auf Basis des Briefings die ersten Scribbles in oder in Illustrator. Es wäre wesentlich aufwendiger handgezeichnete Scribbles später in das Raster umzusetzen. In Illustrator sehe ich sofort, wie Linienstärken und Proportionen wirken. Bei der ersten Präsentation stelle ich niemals bereits verworfene Designs als »Füller« vor, denn es könnte passieren, dass sich der Auftraggeber mit tödlicher Präzision auf genau diese einschießt! Wenn Metapher und Stil passen, erstelle ich die Deliverables, die ich meistens als AI und PSD in den gewünschten Größen an die UI-Entwickler gebe. Im Idealfall entstehen UI / Layout und Icons gleichzeitig und durch den Austausch haben die Elemente jeweils Einfluss auf einander.


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1 Kommentar

Unsigned

Sehr schönes Interview. Gerne hätte ich weiter gelesen. Wird es denn eine Vortsetzung geben? Denn das Ende kam so schnell. :(

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