Seit Jahrhunderten zeigen die Japaner große Leidenschaft für die kleinen Bäume, Bonsai genannt. Bonsai (jap. 盆栽) bedeutet übersetzt „Baum im Topf“. Das japanische Wort setzt sich aus „Bon“ (Topf) und „Sai“ (Pflanze) zusammen. Während für viele westliche Menschen die wahre Kunst des Bonsai-Züchtens mehr oder weniger ein Rätsel ist, kennen die Japaner kaum eine bessere Möglichkeit, die Harmonie zwischen den einzelnen Naturelementen, dem Menschen und der belebten Natur darzustellen. Durch Blatt- und Wurzelschnitt gibt man dem kleinen Bäumchen eine künstlerische Gestaltung und Form, mit der man seine eigene Kreativität und Verständnis für die Natur zum Ausdruck bringt. Dummerweise sind hierzulande fertige Bonsai-Bäumchen erhältlich, die man lediglich regelmäßig pflegen muss. Mit guter Pflege kann ein Bonsai Baum durchaus mehrere hundert Jahre alt werden.
Der Bonsai steht hierzulande in der Regel in der Wohnung, was ganzjährig problemlos möglich ist. Im Frühling und Sommer können Sie die Pflanze ruhig ins Freie stellen, die Temperatur sollte dann aber immer mehr als fünf Grad Celsius betragen. Je mehr Licht die Pflanze erhält, desto mehr Zucker und Sauerstoff kann sie tagsüber über ihre Blätter bilden. Ist die Energiegewinnung höher als der Verbrauch, kann sie wachsen und der Stamm wird dicker. Dank Wind und Regen werden die Blätter härter und somit widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Schädlinge.
Für den Schnitt des Bonsai wird eine spezielle Schere benötigt. Diese sollte natürlich scharf sein, da sie sonst die zarten und empfindlichen Zweige der Pflanze zerquetschen würde. Im Fachhandel sind Bonsai-Scheren zu finden, mit denen man selbst die kleinsten Äste schneiden kann, ohne andere Triebe zu verletzen. So wird der Bonsai geschnitten:
Zunächst alle unerwünschten Triebe abschneiden und dann mithilfe eines Aluminiumdrahts den Baum von unten nach oben in Form bringen. Das unterste Drittel des Baumes sollte komplett von Ästen befreit sein. Je nach Gestaltungswunsch kann man den Draht nach drei bis sechs Monaten entfernen.
Im Laufe des Bonsai-Designs haben sich viele unterschiedliche Gestaltungsformen gebildet:
Schön ausgestaltete Wurzeln und Moose sind ebenfalls schön anzusehen, jedoch bereits eine Aufgabe für erfahrene Bonsai-Profis. Die Kunst liegt daran, das Bäumchen so zu schaffen, dass es die bekannten Merkmale einer ausgewachsenen Art in sich vereint und darstellt.
Der Bonsai hat grundsätzlich einen geringen Wasserbedarf. Die Erde sollte möglichst immer feucht sein. Sollte die Erde aus welchem Grund auch immer ganz trocken werden, kann man das Bäumchen bis zum Schalenrand in Wasser stellen, so kann es sich vollsaugen. Beim Gießen gilt es, die Verhältnisse der Natur zu replizieren, das bedeutet: Das Bäumchen mit Regen- oder Leitungswasser mit einer überbrausen. Die Brause sollte möglichst fein sein, um die Erde nicht auszuschwemmen. Beim Gießen werden die Blätter von Staub gereinigt und gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit für kurze Zeit erhöht. Das Gießen wird in kurzen Abständen wiederholt, bis sich die Erde komplett vollgesogen hat. Steht der Baum im Außenbereich und die Sonne scheint, muss er beobachtet und gegebenenfalls häufiger gegossen werden.
Als tropischer Baum kann der Bonsai bei winterlichen Temperaturen nicht überleben. Die Temperatur sollte im Innenbereich 12 bis 25 Grad betragen. Sein Standort sollte möglichst hell sein, da durch die kurze Tageslänge ohnehin wenig Licht zur Verfügung steht.
Nach dem Winter erfolgt im Frühjahr alle zwei Jahre die Umpflanzung. Hierbei werden die Wurzeln beschnitten, um ein verzweigtes Wurzelsystem anzuregen. Wird die Schale zu klein, können Sie den Bonsai in eine größere Schale pflanzen. Die ideale Schalenlänge beträgt etwa zwei Drittel der Pflanzenhöhe. Die Standardmischung der Erde für einen Bonsai besteht je zu einem Drittel aus Humus, Akadama und Lavasplitt.
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