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Fragen an Illustratoren: Romy Blümel

Wie war dein Einstieg in die Branche und was war dein erster Job?

Nach meinem Diplom, 2008 an der HAW Hamburg habe ich sehr schnell begonnen mit der Berliner Agentur für Illustration »2Agenten« zusammen zu arbeiten.

Sie haben ein Portfolio für mich auf ihrer Internetseite angelegt. Damit bin ich innerhalb weniger Monate dazu gekommen mit größeren Werbeagenturen und für Magazine zu arbeiten. Mein erster Job waren Illustrationen für ein Buch mit Seemannsgeschichten für das Kreuzfahrtschiff TUI Cruises in Zusammenarbeit mit Scholz&Friends/Hamburg.

Arbeitest du hauptsächlich als Illustrator oder hast du noch andere Schwerpunkte und falls ja, welche sind das?

Ich arbeite seit 2009 ausschließlich im Bereich Illustration. Ein- oder zwei mal pro Jahr gestalte ich auch mal einen Flyer oder eine Broschüre, aber Grafikdesign macht mir nur wenig Spaß und ich bin jedes Mal froh, wenn der Job abgeschlossen ist. Im kommenden Jahr wage ich mich an einen Comic. Mal sehen, ob das ein neuer Schwerpunkt wird. Schön wäre es.

Auf welchen Themenbereich hast du dich spezialisiert? Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Mit welchen Techniken arbeitest du?

Auf ein Thema habe ich mich nicht spezialisiert. Das ist nicht möglich, wenn man Kunden aus verschiedensten Bereichen hat und angewandt arbeitet.

Stilistisch sehe ich meine Arbeit in der »Ecke« narrative Illustration, wenn es so etwas gibt. Am Anfang waren meine Bildideen sehr detailliert und fantasievoll, mittlerweile versuche ich reduzierter zu arbeiten, dafür mehr auf den Punkt.

Die Technik, in der ich hauptsächlich arbeite, ist eine Mischung aus Malerei und Zeichnung. Ich benutze Farbe wie in der Malerei und dazu Zeichnungen ähnlich wie im Holzschnitt. Es ist eine Kombination aus beidem.

Digital oder Analog?

80% Analog, 20% Digital.

Gibt es ein Objekt, ein Thema, das für dich besonders schwer zu zeichnen ist?

Da fällt mir spontan nichts ein, aber das gibt es bestimmt.

Wie ist dein Arbeitsprozess für eine Illustration?

Ich spreche zunächst mit den KundInnen, den GrafikerInnen oder den ArtdirektorInnen und höre mir an, was sie brauchen, welche Ideen sie selbst schon entwickelt haben und alle technischen Details (Format etc.). Danach zeichne ich ein bis drei Skizzen und beschreibe in einem kurzen Text meine Idee. Damit ist schon viel getan. Außerdem weise ich darauf hin, dass ich analog arbeite und Korrekturen im Nachhinein nur bedingt möglich sind. Wenn alle einverstanden sind, dann male ich los, scanne und schicke die Daten an die Auftraggeber. Im Idealfall ist damit der Job abgeschlossen. Oft kommt dann doch noch eine kleine Änderung hinterher, die ich dann digital erledige.

Was passiert, wenn einem Kunden deine Illustration überhaupt nicht gefällt?

Das ist zum Glück erst einmal passiert. Und dann Ich habe ich versucht noch eine weitere Idee umzusetzen, aber der Kunde war von Anfang an nicht sicher, ob er Illustration überhaupt für sein Projekt benutzen will. In diesem Fall gab es ein Ausfallhonorar von 2/3 des vereinbarten Preises.

Welche Tipps kannst du jemandem geben der Illustrator werden möchte?

Da es mittlerweile sehr viele Illustratoren gibt und die meisten Stile häufig in ähnlicher Form benutzt werden, denke ich, es ist in erster Linie wichtig eine eigene Sprache zu entwickeln und ein Portfolio zu erstellen, dass nicht alles zeigt was man kann, sondern was einen von anderen unterscheidet. Denn in den meisten Stilen gibt es jemanden, der besser ist als man selbst, weil sie/er sich darauf spezialisiert hat und ein Artdirektor erinnert sich als erstes an die/den, die/der den Job am besten machen kann. Ich vertraue, wenn ich »klare Sicht habe«, meinem eigenen Ideal als aller erstes und weiß dann, wenn es mir gefällt, dann gefällt es auch mindestens einer anderen Person. Selbstvertrauen ist wichtig.

Wie gewinnt man als Illustrator Kunden?

Wie gesagt, ich arbeite mit einer Agentur, die mich Kunden vorschlägt und mir dadurch Jobs vermittelt. Daneben habe ich eine eigene Internetseite, auf der ich regelmäßig neue Arbeiten zeige. Zweimal im Jahr schicke ich einen Newsletter an all meine bisherigen Kunden. Wenn man ohne Agenten arbeitet, muss man einen Großteil seiner Arbeitszeit darauf verwenden Kunden zu akquirieren, indem man Adressen recherchiert, Portfolios verschickt und wenn möglich sich auch mal persönlich bei Verlagen oder anderen Kunden vorstellt. Hilfreich können auch selbst gestaltete Postkarten sein, die hängen dann hoffentlich an der Pinnwand des Kunden und bei Bedarf erinnert dieser sich an einen.

Wie siehst du den Stand der Illustration in Deutschland?

Ich bin erst seit drei Jahren in der Branche und kann noch schwer einschätzen, ob Illustration mittlerweile mehr oder weniger benutzt wird. Aber ich finde, dass in Frankreich, England und auch Spanien, USA sowieso, Illustration viel häufiger benutzt und auch viel mutiger eingesetzt wird. Die Stile sind vielfältiger, die Menschen sind gewohnter, illustrative Gestaltung zu sehen und lesen mehr Comics, auch im Erwachsenenalter, was die Sehgewohnheiten schult. In Deutschland wird auch ständig die Frage nach dem Unterschied zwischen Illustration und Kunst gestellt, was ich mir in anderen Ländern nicht vorstellen kann. Illustration ist eine eigenständige Sprache, wie Fotografie oder Film. Aber dass ist hier noch nicht so im Bewusstsein angekommen.

Wo ist für dich der Unterschied zwischen Kunst und Illustration?

Mein persönlicher Anspruch an die Kunst ist, dass sie mir entweder etwas zeigt, was ich so in meiner Realität und Alltag nicht sehe, Emotionen weckt oder mich zum Nachdenken bringt. An aller erster Stelle muss sie frei sein.

Illustration ist eine angewandte Arbeit und entsteht meist in Zusammenarbeit mit anderen. Es ist ein Baustein in einem größeren Ganzen und ergänzt Wort und Text oder verbildlicht Ideen. Natürlich kann Illustration auch Emotionen wecken und Fragen aufwerfen, aber sie steht immer im Kontext und ist eine Art Brücke zum Verständnis oder ein Zusatz zum Text.

Romy Blümel
www.romybluemel.de

Interviewserie mit Fragen von Nadine Roßa und Patrick Marc Sommer

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