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5 Fragen an Cyclos Design zum Thema Ausbildung und Bewerbung

Antworten von Jutta Schnieders, Geschäftsführer bei Cyclos Design

Wie soll eine gute Bewerbung aussehen?

Schnieders: Eine gute Bewerbung beginnt schon mit einem interessanten Anschreiben. Kreativ, individuell und selbstverständlich auch formal korrekt sollte es sein. Das beinhaltet übrigens auch den richtigen Ansprechpartner! Schon das Anschreiben ist eine eigenständige, in sich geschlossene Präsentation, in der bestenfalls auch deutlich wird, wieso die Bewerbung genau an uns und nicht an irgendwen anders gegangen ist. Und dann warte ich auf einen dieser Hallo-wach-Momente, in dem ich schlagartig aufmerksam bin und mich voller Neugier auf das eigentliche Portfolio freue. Wenn das dann nicht aus 20 verschiedenen, ungezippten Anhängen besteht, stimmt meistens auch der Rest.

Was erwartet ihr von Bewerbern?

Schnieders: Engagement, Motivation, Persönlichkeit und Sympathie, Verantwortungsbereitschaft, ergebnisorientiertes Arbeiten, Kreativität, Teamgeist und gesunden Menschenverstand. 

Wie sollte ein gutes Portfolio aussehen?

Schnieders: Das Portfolio ist für uns quasi der Vorab-Stellvertreter des Bewerbers. Es sollte genauso sympathisch, aufgeräumt, selbstbewusst und klar daherkommen wie der Bewerber später im Bewerbungsgespräch. Wir erwarten eine überzeugende PDF-Präsentation oder ein Online-Portfolio, freuen uns aber selbstverständlich auch noch über eine überraschende
Print-Präsentation. Die gibt es leider so gut wie gar nicht mehr, obwohl man gerade dort die Begeisterung für eine perfekte Umsetzung finden kann. Ich freue mich immer, wenn ich eine gewisse Vielseitigkeit in den Portfolios entdecke. Mal analytisch überzeugende Konzeptideen, mal gestalterische Finesse, Illustrations- oder Fotokompetenzen. Wenn jemand in vielen Disziplinen unterwegs ist, oder war, zeigt mir das seine Offenheit und Neugier für die unterschiedlichsten Themen. Schade finde ich nur, wenn das Portfolio dominant von einer gerade en vogue gängigen Stilistik geprägt ist. 

Wie wichtig ist ein Studium als Voraussetzung für die Arbeit in Agenturen?

Schnieders: Kreativität, Ideen, Neugier und Formverständnis sind sicherlich die Grundvoraussetzung für die Arbeit in einer Agentur. Ohne geht es nicht. Auf der anderen Seite braucht man nun einmal auch die Fähigkeit, strukturell und analytisch zu denken – und genau das lernt man in einem Studium. Wohlgemerkt in „einem“ Studium. Quereinsteiger aus anderen Richtungen sind in ihrem Studium natürlich auf andere Inhalte gestoßen, haben sie unter Umständen aber auf ähnliche Art und Weise analysiert und dann in Angriff genommen. Mindestens aber haben sie sich an der Uni selbständig in neue Inhalte eingearbeitet und sie in eigenen Ideen verwirklicht. Und das ist auf Agenturseite Tagesgeschäft. Wer ausschweifende Kreativität und selbstständige Analyse kombinieren kann, ist in Agenturen richtig aufgehoben.

Ist für den Berufseinstieg eher eine große Agentur ratsam oder eine Kleine?

Schnieders: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Agenturlandschaft in Deutschland und der jeweilige Aufgabenbereich sind sehr unterschiedlich. 
In einer kleinen Agentur arbeitet man oft nicht nur für einen großen Kunden, sondern kundenübergreifend. Dadurch entsteht Abwechslung, man denkt sich nicht mehr so schnell „satt“ an einem Kunden. Das liegt auch daran, dass die Aufgaben oft nicht so klar abgesteckt sind. Da macht unter Umständen die Art Direction für ein Fotoshooting alles von der Vorbereitung bis zur Reinzeichnung und Drucküberwachung. In der großen Agentur gibt es klar gesteckte Grenzen und daher spezialisiertere Aufgabenbereiche und striktere Hierarchien. Toll ist, dass man die Chance hat, für große Kunden zu arbeiten, deren veröffentlichte Kampagnen groß genug sind, um sie draußen auch tatsächlich zu finden. Am besten ist es, beides kennen zu lernen und selbst zu entscheiden.

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