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Stefan Sagmeister über Prokrastination

Foto: John Madere

Stefan Sagmeister arbeitet und lebt in New York. Seine Arbeiten wurden international ausgezeichnet und unter anderem in Tokyo, Seoul, Paris, Zürich, Prag und Berlin umgesetzt. Zu seinen bekanntesten Auftraggebern zählen die Rolling Stones, Aerosmith und das Guggenheimmuseum. Wir befragten ihn zu seinen persönlichen Erfahrungen mit Prokrastination im Arbeitsalltag.

Du bist kein großer Fan von Definitionen, aber was bedeutet prokrastinieren für Dich persönlich?

Ich prokrastiniere, wenn ich nicht das mache, was ich machen sollte und stattdessen nach etwas Leichterem suche. Immer wenn ich nachdenke, muss ich aufs Klo.

Gab es Zeiträume in denen Du Prokrastination besonders intensiv erlebt hast? Welche waren das und was denkst Du waren die Ursachen? Was konntest Du daraus für Dich mitnehmen?

Ja, allerdings, zum Beispiel beim Happy Film. Ich prokrastiniere um so mehr, je ungewohnter das ist, an dem ich arbeite. Wenn ich’s schon kann, gibt’s nix zu Prokrastinieren. 

Brauchen wir Pläne und falls ja, wie wichtig ist es sich an diese auch zu halten?

Ja und sehr.

Welche Stellenwert sollte Freiheit in unserem Arbeitsleben haben? Welche anderen Faktoren geben Kreativität Raum oder schränken sie ein?

Freiheit in Dosen und zur richtigen Zeit. Offene Sinne für neue Wege die sich aus dem Prozess ergeben.

Wie ist dein Verhältnis zu Perfektionismus und wie selbstkritisch bist du? Hast du manchmal Angst Erwartungen nicht erfüllen zu können? Welchen Einfluss haben diese Faktoren auf den Design Prozess?

Erwartungen haben einen kleinen Einfluss auf den Design Prozess und einen riesigen Einfluss auf die Empfindungen des Betrachters. 

Welches Potential kannst Du in Prokrastination erkennen? Wie kann man es besser nutzen?

Die ordentliche, gefühlte Prokrastination ist bei mir mit viel Leiden verbunden. Das Wissen, dass das was ich habe, nicht gut genug ist. Der Entschluss, ich gebe mich noch nicht zufrieden, sondern sitze noch, und werde doch noch eine Runde weiter leiden, das Schauen, ob nicht doch noch etwas besseres kommt. Das Leiden ist wichtig. Es ist Teil meiner Arbeit. Wenn ich nicht leide, wiederhole ich mich.