Schichtwechsel – Saarländische Industriekultur (1)

Projekt

Schichtwechsel – Saarländische Industriekultur

Um das Saarland mit seinen Besonderheiten und Eigenarten zu verstehen, muss man seine Geschichte, die von der Industrialisierung geprägt ist, kennen, denn die typisch saarländische Kultur hätte ohne den Einfluss der Eisen- und Stahlindustrie und des Bergbaus nicht entstehen können. Nach dem Ende des saarländischen Steinkohlebergbaus im Jahr 2012 stirbt ein Industriezweig aus, dessen Werte und industrielles Erbe es zu bewahren gilt. Mit gutem Beispiel geht die noch aktive Eisen- und Stahlindustrie mit den stillgelegten Werken um: Im Rahmen von Ausstellungen und Konzerten bildet sich eine Schnittstelle zwischen der Industriekultur und der jungen Generation, die diese teilweise schon nur noch aus Erzählungen kennt. Dieser Schichtwechsel zwischen den Generationen, der gerade stattfindet, wird durch eine gute Kenntnis der eigenen Wurzeln erleichtert.

„Schichtwechsel“ ist daher der Titel meiner Bachelorarbeit. Ich komme selbst aus dem Saarland, und habe ehemalige Bergmänner in der Familie und im Bekanntenkreis und jobbe in den Semesterferien in einer Stahlhütte. Ich bin aber nicht so tief in diese Branchen involviert, wie es die Generationen vor mir waren und kann das Thema so auch kritisch hinterfragen. Es ist wichtig für die Entwicklung des Bundeslandes, dass zukünftige Generationen den Strukturwandel erfolgreich meistern. Da die Zielgruppe für die Literatur, die es bisher zu dem Thema gibt, ehemalige Bergmänner und Hüttenarbeiter sind, die nostalgisch in Erinnerungen schwelgen möchten, oder aber Experten, für die das Meiste bereits Selbstverständlichkeit ist und die sich besonders ausführlich zu einem bestimmten Punkt informieren möchten, bleibt für Jugendliche, junge Erwachsene und Zugezogene kaum ein Zugang zu der Thematik. Dach Buch „Schichtwechsel – Saarländische Industriekultur“ soll das ändern.

Das Buch erzählt und erklärt was war, was ist, und wie es funktioniert, damit aus der Erinnerungskultur auch eine nachhaltige Nutzung der Standorte ermöglicht wird, die das Saarland zukunftsweisend voranbringen. Es ist spannend, in den verschiedenen Jahrhunderten und Jahrzehnten zu stöbern, Orte in ihrer damaligen Nutzungsweise wieder zu erkennen, die Wurzeln der eigenen Traditionen und Gewohnheiten zu entdecken und die industriellen Wahrzeichen, an die wir uns bereits so sehr gewöhnt haben, wirklich zu verstehen.

Die offene Bindung und das Buchcover aus grauer Buchbinderpappe, aus dem der Titel mit einem Lasercutter ausgeschnitten und in den der Untertitel und der Text auf der Rückseite eingraviert sind, nehmen Bezug auf die Industrialisierung und Technisierung. Die verwendeten Schriftarten „DIN“ und „DIN Schrift“ interpretieren industrielle Maschinenbeschriftungen und Hinweis- bzw. Warnschilder in Kombination mit den Gestaltungselementen Unterstreichung, Linie und Rahmen. Fließtextschrift ist die klassische „Adobe Garamond Pro“. Auf den Fotografie-Touren durch das Saarland habe ich ein besonderes Augenmerk auf spannende Texturen und Oberflächen sowie Typografie gelegt. Buchstaben aus alten industriellen Schildern sind im Buch in Form von Initialen und grauen Grafiken zu finden.

Die Kapitel des Buches sind in die Farben Blau (Entstehung der Rohstoffe und des Saarlandes: Wasser, Sumpf), Gelb (Bergbau: Licht im Dunkeln) und Orange (Eisen- und Stahlindustrie: glühendes Metall) eingeteilt und treten mit Grau als neutrale Farbe auf. Neben Headlines, Subheadlines, Zwischenheadlines, Marginalspalten und Bildunterschriften gibt es ein eingestreutes Glossar, das Fachbegriffe kurz erläutert. Außerdem wurden die Fotografien nummeriert und lassen sich im Bildverzeichnis für weitere Informationen nachschlagen. Drei zusätzliche Seitentypen behandeln das Thema auf weiteren Ebenen: Doppelseiten mit Fotografien von Oberflächen, die an den alten Industriestandorten zu finden sind, grau hinterlegte Seiten mit Auszügen aus meist poetischer Literatur und mit einer Streifentextur hinterlegte Seiten mit Bezug zu Alltag und Kultur. Damit wird ein breit gefächerter Einstieg ins Buch ermöglicht und stellt den zunächst trocken anmutenden Inhalt facettenreich und lebendig dar. Zahlreiche Schemen und Infografiken veranschaulichen zusätzlich technische Prozesse, Schwarz-Weiß-Fotografien historische Begebenheiten und Farb-Fotografien Aktuelles.

Die Bachelorarbeit war inhaltlich sowie gestalterisch eine Herausforderung für mich selbst. Das Thema hat mich sehr interessiert und je weiter ich gesucht und recherchiert habe, desto mehr Felder haben sich geöffnet, die es auch wert gewesen wären, zu bearbeiten. Beispielsweise die Keramikindustrie mit Villeroy und Boch, Kalk oder Gipsbergwerken. Vielleicht erweitere ich das Buch bald um ein Kapitel. Ich habe größtenteils selbst fotografiert und die Texte nach umfangreicher Recherche ausschließlich selbst geschrieben. Durch dieses intensive Beschäftigen mit dem Inhalt habe ich mir eine ebenso intensive gestalterische Arbeit ermöglicht, bei der der Bezug zum Inhalt stimmt. Das Buch hat 304 Seiten mit den Maßen 255 x 255 mm, dazu gibt es Poster und Postkarten.

Das Buch entstand im Rahmen meiner Bachelorarbeit an der Hochschule Trier im Fach Kommunikationsdesign und wurde von Prof. Andreas Hogan betreut.

Konzept, Layout, Abbildungen, Text und Fotos
Julia Schygulla

Druck
Digitaldruck Pirrot

Bindung
Buchbinderei Schwind

Lasercut
Hochschule Trier

Designpreis Germany

Projekte

Plakate Design

Illustrationen

Logos Design

Webseiten Design

Design Agenturen

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Design Agenturen in Berlin

Design Agenturen in Bielefeld

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