Design made in Germany http://www.designmadeingermany.de/ Design, Werbung, Produkte, News, Artikel und Jobs Sat, 10 Jul 2010 23:04:22 +0000 http://wordpress.org/?v=2.9.2 de hourly 1 Donots. Wake The Dogs. http://www.designmadeingermany.de/2011/39632/ Thu, 24 May 2012 16:43:15 +0200 System http://www.designmadeingermany.de/2011/39632/

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Jessica Hische über des Designers Verantwortung http://www.designmadeingermany.de/2011/39570/ Thu, 24 May 2012 14:59:41 +0200 Nadine Roßa http://www.designmadeingermany.de/2011/39570/

Foto: Nadine Roßa

Letztes Wochenende wirbelte eine quirlige Amerikanerin über die Bühne der TYPO Berlin und das kann man durchaus wörtlich nehmen. Obwohl sie alles andere als »Made in Germany« ist – trotz deutschem Nachnamens – gehe ich an dieser Stelle mal fremd, denn wir hatten die Möglichkeit mit ihr ein kleines Interview über Design und Verantwortung zu führen.

Wer gleichzeitig Typografie und Illustration mag (wie ich), kommt an Jessica eigentlich nicht vorbei, denn sie hat die Kunst des Lettering perfektioniert, die nach ihrer Aussage nichts mit Kalligrafie oder Schriftdesign zu tun hat. Gleichzeitig schätzt Sie die Arbeit von Schriftdesignern sehr, vor allem weil sie aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig sie ist. Deswegen, so hebt sie hervor, sollte man besonders Schriftdesigner würdigen und vor allem unterstützen. »Schriftdesign« so sagt sie »ist die am meisten unterschätzte Design-Disziplin.«
Und die Rechnung dazu ist ganz einfach: Wenn man Schriften nicht kauft, fehlen dem Schriftdesigner in Zukunft die Möglichkeiten, neue tolle Schriften zu entwerfen. Daher ist es auch eine Verantwortung aller Designer, dafür zu sorgen, dass Schriftgestalter genau das tun können. »Buy Fonts!« sagt sie. Das Problem dabei sind manchmal die Type-Designer selbst, denn sie sind laut Jessica scheue Wesen. Nicht jeder hat das Zeug, auch über seine Arbeit zu reden, dabei ist gerade das so wichtig, weil viele Leute eben nicht das Auge fürs Detail haben oder einfach nicht wissen, worauf sie bei Design achten sollen. Also liegt es in der Verantwortung von Designern und Schriftgestaltern genau das zu fördern.

Grundsätzlich ist es hilfreich, sich zu vergleichen, vor allem mit sich selbst, sagt sie. Man entwickelt sich im Laufe der Zeit weiter, wird besser und findet dann eigene ältere Sachen meist nicht mehr gut. Nur die Herausforderung bringt einen persönlich weiter und verschafft dem Designer zudem Erfahrungen, die wiederum wichtig sind, wenn es daran geht sich selbst zu verkaufen. »Denn diese Erfahrung ist es, die man dem Kunden verkauft und die deine Stundensätze rechtfertig.«

Das war auch einer der Gründe, der sie zu »Should I work for free« inspiriert hat, was man, laut ihrer Aussage, nur für die eigene Mutter machen sollte. Denn viele (potenzielle) Kunden wissen gar nicht, was Design wirklich wert ist und wie aufwändig es ist. Das ist noch nicht mal unbedingt böse Absicht, es fehlt ihnen schlicht an Verständnis dafür. Und dort setze die Verantwortung von Designern an: Sie müssen Kunden erklären, was hinter gutem Design steckt und was Stundensätze und Preise rechtfertig.
»Ich drehe dann den Spieß meist um«, sagt sie, »Ich frage die Kunden dann: Wenn es um Ihre Tochter ginge, würden Sie wollen, dass sie an etwas für Tage arbeitet und dann nur 300$ dafür bekommt oder gar nicht bezahlt wird?«

Genau das bringt sie auch ihren Studenten bei (obwohl selbst erst vor sechs Jahren graduiert, unterrichtet sie bereits selbst), denn niemand sollte umsonst arbeiten. Daher machen sie auch Plattformen wie 99designs sehr sauer. »Deren Herangehensweise ist eine sehr bequeme, sie behaupten, dass dort Leute Projekte anbieten würden, die sich sonst keine richtigen Designer leisten können. Das ist ein völlig falscher Ansatz, weil es den Stellenwert von Design herab setzt. Es verzieht Kunden, weil sie dann glauben, dass ein Designprozess immer so läuft.« Sie vermutet die meisten Designer dort sind angestellte Designer, die Lücken füllen oder sich mal ausprobieren wollen oder Studenten, die ihr Portfolio aufbessern wollen. »Aber wenn sie das tun wollen, dann sollen sie wenigstens für wohltätige Organisationen arbeiten. Das sind Leute, die es wirklich verdienen.«

Grundsätzlich, so gesteht sie, hat das Freelancing ihre Sichtweise auf die Dinge sehr verändert. Sie kauft inzwischen gerne Dinge von kleineren Firmen, die viel Herzblut in ihre Projekte stecken, einfach weil sie selbst weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt. »Wenn man so will, hat mich das Freelancen zu einem verantwortungsvolleren Designer und Konsumenten gemacht. Ich schätze die Arbeit von anderen Designern seitdem viel mehr.« Für Nicht-Kreative ist das nicht immer einfach, weil man den Aufwand hinter kreativer Arbeit natürlich nicht immer versteht, wenn man selbst eben nicht in dem Feld arbeitet. »Dabei steht hinter jedem Produkt immer ein Gesicht und es lohnt sich sehr, das kennen zu lernen.«

Es gilt also eine einfache Regel: »Unterstützt Designer, damit sie von dem leben können, was sie am liebsten machen. Kauft ihre Produkte, wenn ihr sie gut findet. Otherwise it kills creativity!«

Recht hat sie.

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Trio Grotesk http://www.designmadeingermany.de/2011/39577/ Thu, 24 May 2012 13:25:20 +0200 System http://www.designmadeingermany.de/2011/39577/

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10 minutes reading time: Wie anschmiegsam muss Design sein? http://www.designmadeingermany.de/2011/39555/ Thu, 24 May 2012 12:58:00 +0200 Patrick Marc Sommer http://www.designmadeingermany.de/2011/39555/ Wir haben vor einiger Zeit einen langjährigen Kunden verloren. Begründung war, dass die Zusammenarbeit mit uns »zu anstrengend« sei. Was mich zunächst vor allem persönlich getroffen hat, denn ich möchte natürlich, dass die Zusammenarbeit mit »nodesign« für unsere Partner eine positive Erfahrung ist. Ich habe mich gefragt, warum ein Auftraggeber, der sonst nicht scheut, eindeutig seine Wünsche zu äußern, nicht kurz und rechtzeitig eine Rückmeldung zum Arbeitsklima gibt. Wie in einer guten Beziehung, kann man die meisten Kommunikationsprobleme ja lösen und zu besserer Kooperation kommen, wenn man rechtzeitig ehrlich miteinander redet.

Mit etwas Abstand – jenseits des schlechten Gefühls, einer mir sehr sympathischen Person vielleicht das Leben unnötig schwer gemacht zu haben – wurde mir klar, dass ich wahrscheinlich in Wirklichkeit nicht anstrengend genug war. Wir haben bei dem beanstandeten Projekt viele Zugeständnisse gemacht, Umgestaltungen, Kompromisse – bis auch noch nach über 15 verschiedenen Entwürfen eine Coveridee des Auftraggebers gegen unsere Bitte, es nicht ausgerechnet so zu machen, durchgesetzt wurde. Unser Hinweis, dass wir gern über alles reden und niemals einen Entwurf machen, den der Auftraggeber nicht mag, es aber umgekehrt auch nicht geht, uns einen Entwurf aufzuzwingen, den wir furchtbar finden, sondern man gemeinsam eine für beide Seiten gute Lösung finden müsse, wurde mit einem »Basta« beiseite gewischt. Wer zahlt, hat Recht. Wir haben es schließlich resigniert umgesetzt, weil es unprofessionell gewesen wäre, ein Projekt so kurz vor Drucklegung aufzugeben und als letzten Akt der Wehrlosigkeit unseren Namen von der Publikation genommen. Weniger wegen des Gesamtergebnisses – das abgesehen vom Cover vertretbar ist – sondern als Reaktion auf den Umgang mit uns. Die Tatsache, dass der Auftraggeber danach noch zwei weitere Kampagnen mit uns realisiert hat (die reibungslos liefen), zeigt, dass wir so furchtbar auch nicht gewesen sein können. Und auch, dass der Auftraggeber vielleicht nicht versteht, dass »Nein« zu sagen die wichtigste Verantwortung jedes Designers ist.

Finanziell bedeutet dieser Gesamtetat lediglich 10% unseres Jahresumsatzes, an Stelle des Projektes sind diesen Sommer andere schöne Aufträge getreten, es geht also nicht um die Auseinandersetzung mit einem scheidenden Klienten. Aufträge kommen und gehen. Trotzdem geht hier um eine Thematik, auf die mich Studenten und Kollegen immer wieder ansprechen und die uns auch im Büro oft berührt: Wie anschmiegsam muss man als Designer sein? Welche Kompromisse muss man machen, wie findet man die richtige Balance zwischen der Integrität des Berufs und der Dienstleister-Funktion?

Hier gibt es nicht die eine richtige Antwort. Es gibt Designer, die lieber jobben gehen würden als ihre Integrität zu opfern, anderen geht es primär ums Geschäft. Die meisten von uns bewegen sich irgendwo zwischen diesen Polen, müssen Kosten einspielen und wollen dennoch Ergebnisse, zu denen man stehen kann. Zudem ist jeder Auftrag anders – mal geht es um funktionierendes Handwerk, andere Projekte verlangen ein Hochmaß kreativen Engagements, so dass man zu Recht verdrossen ist, wenn das Ergebnis kurz vor Schluss kompromittiert wird. Auch die Größe von Auftraggeber und Budget zählen – es gibt einen Unterschied zwischen gut honorierten Aufträge mit klarer Dienstleister-Rolle, andererseits ist es falsch, wenn bei pro-bono-Projekten die Auftraggeber immer noch Alleinentscheider sein wollen. Auch sind nicht alle Eingriffe gleich zu bewerten – viele Änderungswünsche stärken das Endergebnis, weil sie es durchdachter machen, andere zerstören es. Schlussendlich gibt es Partner, die du so respektierst, dass du Ihnen selbst unfassbarste Eingriffe gerne machst. Und es gibt Auftraggeber, die sich diesen Respekt einfach (noch) nicht erarbeitet haben. Jeder, der sich in der Kreativwirtschaft bewegt, kann sein Lied von den Irrfahrten durch dieses weite Feld singen… Chip Kidd hat aus der Rolle des missverstanden Design-Gottes, der von der Welt missverstanden wird, sogar eine Art erfolgreiche Stand-Up-Comedy gemacht, die zwar komisch ist, aber leider den Mythos vom Designer als Märtyrer nährt. Nein, es gibt keine einfache Antwort.

Aber es gibt doch eine generelle Lehre in dieser Sache und die ist recht einfach: Wenn dir die harten Jungs auf dem Schulhof einmal erfolgreich dein Taschengeld klauen, werden sie beim nächsten Mal garantiert wieder auf dich warten. Wenn du dich aber wehrst, ist dein Geld vielleicht auch weg – aber du hast deine Ehre behalten, ein bisschen Blut mitgenommen und bist zumindest kein leichtes Opfer. Nun sind Auftraggeber ganz und gar keine Schulhof-Gang – aber dennoch darf man sich als Designer fragen, ob »Biegsamkeit« in den Verantwortungsbereich unserer Arbeit fällt oder ob man damit den Kreislauf des mangelnden Respekts vor unserer Arbeit als Ganzes nur noch zusätzlich befeuert.

Die meisten bekannten Musiker, Regisseure, Autoren und Künstler, sind nicht geworden, was Sie sind, indem Sie anschmiegsam waren. Natürlich haben auch Alfred Hitchcock oder Jimi Hendrix Kompromisse machen müssen. Aber würden wir heute noch von ihnen sprechen, wenn sie nicht doch an ihren Vorstellungen von Rockmusik oder Film festgehalten hätten? Sicher sind David Foster Wallace oder Steve Reich »anstrengend« – aber macht nicht genau das ihre Qualität aus? Wollen wir statt dessen Bastei-Lübbe-Arztromane oder Fahrstuhl-Klassik? Schmeckt das Essen, an dem wir zwei Stunden geschnippelt und gekocht haben, nicht doch besser als die pappige Tiefkühl-Pizza (und ist gesünder)? Seit wann ist der Weg des geringsten Widerstands eigentlich erstrebenswert? Ist es nicht umgekehrt so, dass fast alles, was gut ist, hart erkämpft wurde, Ergebnis von Einsatz und Mühe ist, für die es zunächst keinen direkten Grund zu geben scheint?

Da haben wir eine Antwort: Vielleicht ist Anstrengung tatsächlich gar kein Problem, sondern eine wichtige Qualität, ohne die es nicht geht. Ob Produktdesign, Kommunikation oder Architektur – wie sollen gute Ergebnisse entstehen, wenn der Gestalter reibungslos-stromlinienförmig den Qualitätsmaßstab vergisst, sobald die »highest paid person’s opinion« eine andere ist? Jeder Designer kennt den Moment, wo er beherzt Veto einlegen muss – und zwar im Interesse des Auftraggebers selbst.

Unser Beruf kennt viele Arten von Verantwortung: Pünktlichkeit, Loyalität, Handwerk, sozial-ökologische Aspekte, Politik oder auch Ethik. Unzählige Parameter, die sich um die Verantwortung für den Auftraggeber, das Ergebnis, die Mitarbeiter, die Gesellschaft drehen. Aber wenn man diese Parameter destilliert zum Wunsch nach ehrlicher, erfolgreicher Kommunikation mit Qualität und Nachhaltigkeit, kommt man immer wieder zur Standhaftigkeit zurück. Die höchste Verantwortung ist, dass der Situation und der Problematik möglichst das Angemessene zu tun. Das, von dessen Richtigkeit und Funktion wir auf Basis unserer professionellen Erfahrung überzeugt sind. Und wir wären schlechte Designer, wenn wir ohne guten Grund von diesen Erfahrungswerten lassen würden.

Das bedeutet keineswegs dogmatisch, unflexibel, unkommunikativ oder gar starrköpfig zu sein. Es geht nicht darum, ein Besserwisser zu sein, der seine Idee ohne Rücksicht durchdrückt. Im Vordergrund steht das bessere Argument, der oben genannte gute Grund. Gutes Design braucht ja keinen unmündigen Auftraggeber, sondern einen souveränen Partner, der mit fundierter Kritik, Anregungen und Argumenten aus seiner Erfahrung das Ergebnis stärkt. Es geht um die Idee eines runden Tisches, an dem jeder Input ohne Hierarchiefragen zunächst gleichwertig ist. Konkret: ein Auftraggeber kann jede Idee ablehnen, neue Entwürfe verlangen, im Dialog seine Vorstellung weiter und weiter präzisieren, bis das Design passt. Dieser Dialog mag anstrengender sein – übrigens auch für die Designer – führt aber auch zu besseren Ergebnissen als andere Wege… insbesondere, wenn man zusätzlich neutrale A/B-Praxistests durchführen kann. Umgekehrt: Kein guter Auftraggeber sollte sich gegen ein 100%iges Veto seines Designers durchsetzen wollen. Weil es im Zweifelsfall dumm ist, nicht auf Profis zu hören. Man würde auch nicht auf einen Haarschnitt bestehen, von dem ein erfahrener Friseur wirklich vehement abrät.

In der ausgeprägten Konkurrenzsituation der Branche ist Standfestigkeit schwer. Schon die asymmetrische Casting-Situation im Pitch legt vor Auftragsvergabe fest, wer Ross und wer Reiter ist, vom Crowdsourcing gar nicht zu reden. Es ist für viele Designer eine Überlebensfrage, ob sie sich Nein-sagen leisten können und wollen. Mittelmäßiges Design plus geschicktes Verkaufen ist kommerziell vielleicht sogar die bessere Strategie. Nichts muss erklärt werden, nichts eckt an, man vermarktet eine reibungslos-schlüsselfertige Dienstleistung, die man mit geringem Aufwand umsetzt – der kleinste geringste Nenner ist ein Erfolgsrezept.

Mittelmaß ist aber das Gegenteil von Verantwortung. Der Weg des geringsten Widerstands ist Trägheit. Es ist eine Frage der Zivilcourage, für die eigene Arbeit die Verantwortung zu übernehmen und sich schützend vor das hoffentlich Richtige zu stellen, bis jemand bessere Argumente hat. Wobei der Austausch genau solcher Argumente die Zusammenarbeit langfristig festigt und verbessert, weil man einander kennen und respektieren lernt und in Zukunft schneller Ideen umsetzen kann. Wer sofort einknickt, lernt den Auftraggeber nie kennen, er lernt nur die Angst vor ihm. Wie in einer guten Ehe ist es nicht sinnvoll, jede Diskussion zu vermeiden, ansonsten verliert der Partner den Respekt – und das ist der Tod der Beziehung.

Ich rede hier nicht dem Konflikt das Wort und schon gar nicht vom Designer als »Rechthaber«, im Gegenteil: Design ist keine Kunst, sondern soziale Entstehung, ein Ergebnis kann nur und soll auch miteinander entstehen. Es ist eine geteilte Urheberschaft von Klient und Designer. Deshalb ist wichtig, in der Kommunikation kein »hartes Nein« zu nutzen – es ist unhöflich und resultiert nur darin, dass der Andere sein Gesicht verliert. Wer als Designer Mut zum Widerspruch hat, sollte anders vorgehen. Das »Nein« gehört in zwei »Ja« eingebettet, es braucht ein gemeinsames Fundament und einen sinnvollen »Ausweg« für beide Parteien. Also: Ja – wir verfolgen beide das gleiche Ziel. Aber Nein – diese konkrete Änderung machen wir nicht, weil sie nicht zum Ziel führt. Deshalb: Ja – diese neue Alternative führt uns gemeinsam erfolgreicher an unser eigentliches Ziel.

An die Stelle eindimensionaler Ablehnung tritt eine Einladung zum Gespräch über gemeinsamer Absichten, das Nein ist genau nicht rechthaberisch, sondern ein offenes Angebot, zurück zum gemeinsamen Weg zu kommen. Das ist keine smarte »Strategie«, sondern die ehrliche Basis für eine vertrauensvolle und angstfreie Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Design ist nicht Tennis – es gibt keine »Sieger« und »Verlierer«, es geht um möglichst evaluierbare Erfolge. Langfristig überzeugende Ergebnisse werden immer anstrengend sein – und sollten es auch sein, von Nichts kommt nichts. Ein bisschen Reibung (es muss ja gar nicht zwischen Auftraggeber und Designer sein) erzeugt oft die Energie und Wärme, die die Erfolgsmaschine zum Laufen bringt. Man darf die Rolle des kreativen »No« für beständigen Erfolg nicht unterschätzen – was durch das gegenseitige Säurebad gegangen ist, unterschiedlichen Einwänden ausgesetzt war und daraus nicht per Gremium rundgelutscht, sondern gestärkt hervorgeht, ist in aller Regel tatsächlich gut. Es ist vielleicht die Rolle des Designers, hier als Teufels Anwalt, aber auch als Leuchtturm, Motor und Wegweiser an der richtigen Stelle beherzt Nein zu sagen, zu bremsen oder zu beschleunigen. Es ist die »Funktion« von Designern, Architekten und Ingenieuren, vermeintliche Selbstverständlichkeiten, Regeln und Prinzipien zu hinterfragen, um zu neuen, besseren Resultaten zu kommen. Im Rahmen des Design-Denkens ist es für uns meist selbstverständlich, möglichst früh ansetzend interdisziplinär und hierarchieübergreifend vorzugehen und in einem spielerischen Prozess der Ideenverfeinerung ein unter den jeweiligen Umständen möglichst ideales Ergebnis zu entwickeln. Designer wissen aus der Praxis, dass diese lösungsbasierte Methodik, obwohl sie augenscheinlich langsamer wirkt, in Wirklichkeit effektiver und agiler ist als herkömmliche problembasierte Methoden. Es ist eine Herausforderung, diese Denkweise zu kommunizieren – dass Design immer von der Zukunft her gedacht ist. Es bleibt dabei oft unausgesprochen, dass Designer eine andere Weltsicht und Sprache haben als ihre Auftraggeber. Und für Auftraggeber, die nur einen »quick fix« wollen, ist es tatsächlich anstrengend, dieses non-lineare, divergente und doch selbstbewusste Herangehen nachzuvollziehen. Dass Designer informationshungrig sind, ganzheitlich denken, Fragen stellen müssen bevor sie neue Antworten geben können, ist jedem Auftraggeber neu zu vermitteln. Eben daher ist der Dialog wichtig – aber es ist sicher, dass diese Art, als Designer zu arbeiten und zu denken, »schwieriger« ist als die gängige Dienstleister-Mentalität. Diese Schwierigkeit ist jedoch kein Makel, sie ist die Essenz des Berufs. Einfaches kompliziert und das Komplizierte ganz am Ende richtig einfach zu machen, ist Design.

Insofern: Liebe Designer, bleibt (oder werdet) schwierig. Es lohnt sich. Es resultiert in richtigeren Kompromissen, weniger Missverständnissen, höherer Zufriedenheit auf beiden Seiten und am Ende auch in mehr wirtschaftlichem Gewinn. Keine Sorge: Auftraggeber, die sich nicht einmal die Mühe machen, ihre Wünsche argumentativ zu begründen, werden bei einem anderen Büro glücklich. Und für euch machen die Partner mit einem gemeinsamen Interesse am bestmöglichen Ergebnis, die geben und annehmen können, die sich selbst ebenso fordern wie den Gestalter, auf jeden Fall die Arbeit besser und die Resultate erfolgreicher.

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Werbeagentur Schnell&Schmutzig http://www.designmadeingermany.de/2011/39564/ Thu, 24 May 2012 12:14:10 +0200 System http://www.designmadeingermany.de/2011/39564/

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Audi Talents Awards 2012 “Billboards” http://www.designmadeingermany.de/2011/39502/ Wed, 23 May 2012 18:30:32 +0200 System http://www.designmadeingermany.de/2011/39502/

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Gestalten Workshop mit Prem Krishnamurthy http://www.designmadeingermany.de/2011/39421/ Wed, 23 May 2012 12:45:09 +0200 Nadine Roßa http://www.designmadeingermany.de/2011/39421/ Der Gestalten Verlag ist eigentlich eher für Bücher bekannt. Seit kurzem gibt es allerdings auch Workshops für Designer, die im Gestalten Space in Berlin Mitte statt finden. Vom 11. Juni bis 12. Juni findet ein Workshop mit Prem Krishnamurthy vom renommierten New Yorker Design Studio Project Projects statt. Inhaltlich geht es um Präsentationen und wie man abstrakt Ideen oder ungewöhnliche Konzepte visuell darstellt.

Für den Workshop gibt es noch eine Karte im Wert von 599 Euro (!), die wir weitergeben dürfen. Wer Interessere hat einfach kurz antworten/kommentieren und am 1. Juni losen wir dann aus. Aber bitte nur, wenn ihr auch wirklich teilnehmen wollt.

Infos

Datum: 11. Juni – 12. Juni
Zeit: 10:00 – 19:00
Ort: Gestalten Space, Sophie-Gips-Höfe, Sophienstraße 21, 10178 Berlin
Mehr Infos: http://www.gestalten.com/event/prem-krishnamurthy-whats-store-design-presentation

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Christoph Niemann über Kreativität und andere Probleme http://www.designmadeingermany.de/2011/39415/ Wed, 23 May 2012 10:59:19 +0200 Nadine Roßa http://www.designmadeingermany.de/2011/39415/ „Haben Sie ein Rezept gegen Schreibblockade?“ Was an dieser Frage nervt, inwiefern Bürokram ein Pizzabelag ist und welche Bestandteile eine wirklich gute Idee hat – alles das und viel mehr versucht Christoph Niemann in dieser Veranstaltung zu klären. Der Berliner Illustrator und Blogger (z.B. für die New York Times und zuletzt das ZEITmagazin) stellt sich, sein neues Buch und sein Verständnis von Kreativität vor. Klug, komisch, inspirierend.

Moderation: Christoph Amend (ZEITmagazin, Chefredaktion)
Begrüßung durch Carsten Großeholz / Bascha Mika (Universität der Künste, Ltg. Kulturjournalismus)

Universität der Künste
6. Juni 2012, 19.00 Uhr, Raum 340 (Seitenflügel links, 3. Etage)
Bundesallee 1-12, Berlin Wilmersdorf, Nähe U-Spichernstraße

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Red Bull BC One http://www.designmadeingermany.de/2011/39172/ Mon, 21 May 2012 15:19:03 +0200 System http://www.designmadeingermany.de/2011/39172/

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Interview mit TwoPoints.net über Verantwortung http://www.designmadeingermany.de/2011/39078/ Mon, 21 May 2012 12:42:29 +0200 Nadine Roßa http://www.designmadeingermany.de/2011/39078/

Foto: Gerhard Kassner

Das spanisch-deutsche Duo (beruflich und privat) TwoPoints.Net, bestehend aus Lupi Asensio und Martin Lorenz stellte auf der TYPO 2012 ihre Arbeit vor. TwoPoints.Net ist ein Designbüro, mit Sitz in Barcelona und einem Ableger in Berlin. Was Verantwortung für die beiden bedeutet, erzählen sie in unserem Interview.

Die Meinungen darüber wie viel Verantwortung ein Designer gegenüber der Gesellschaft trägt, gehen oft auseinander. Wie schätzt ihr den Stellenwert visueller Kommunikation im Rahmen gesellschaftlicher Verantwortung ein?

Zunächst einmal ist jeder Teil der Gesellschaft und trägt damit auch gesellschaftliche Verantwortung. Es spielt keine Rolle, ob er im Büro sitzt oder zuhause am Küchentisch. Unser gesellschaftliches Handeln ist immer weniger auf das eigene Land beschränken und hat Konsequenzen auf internationalem Niveau.

Der visuellen Kommunikation muss auf verschiedenen Ebenen eine besondere Verantwortung zugeschrieben werden. Es fängt damit an, dass man sich überlegen muss, ob und wie man für wen kommuniziert. Man kann sich nicht hinter seinem Kunden verstecken und so zum Komplizen werden. Der Designer organisiert und kontrolliert außerdem Produktionsprozesse, so dass er die Möglichkeit hat, die umweltschonendste Produktionsart zu wählen. Darüber hinaus hat Design unserer Meinung nach auch eine kulturelle Verantwortung. Es hat die Möglichkeit formal innovative Lösungen in die Straße zu tragen und damit auch die Nicht-Museumsgänger visuell zu bilden.

Ihr arbeitet von Spanien aus, das bekanntermaßen von der Wirtschaftskrise besonders betroffen ist. Wie hat sich eure Arbeit dadurch verändert?

Wir arbeiten fast ausschliesslich international, so dass wir nicht von der lokalen Wirtschaft abhängig sind. Wir hoffen, in Zukunft allerdings immer wieder spanische Kunden zu haben, die unter vernünftigen Bedingungen mit uns zusammenarbeiten wollen. Mit staatlichen Institutionen wird das wegen der Kürzungen im kulturellen Bereich immer schwieriger werden. Allerdings ist der finanzielle Punkt nur einer unter vielen. Am wichtigsten ist das Vertrauen, dass uns entgegen gebracht wird. Ohne dieses kann kein gutes Projekt entstehen und ohne gute Projekte würde uns viel von unserer Lebensqualität verloren gehen.

In Spanien gibt es eine extrem hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten. Wie sieht der Arbeitsmarkt in Spanien für Berufseinsteiger (besonders im kreativen Umfeld) aus?

Schlecht. Mit wenigen Ausnahmen muss jeder Berufseinsteiger zunächst ein Praktikum absolvieren, das in vielen Fällen einer unterbezahlten Arbeitsstelle gleicht. In diesem Punkt unterscheidet sich Barcelona vielleicht gar nicht mal so sehr von anderen deutschen Hauptstädten. Der Unterschied ist allerdings, dass Barcelona nach wie vor eine der teuersten Großstädte Europas ist und viele junge Leute dazu zwingt, wieder zurück zu ihren Eltern zu ziehen. Wir empfehlen allen unseren Studenten, nicht nur den spanischen, für ein Jahr ins Ausland zu gehen und persönliche und berufliche Erfahrungen zu sammeln.

Wieviel Verantwortung trägt jeder Mitarbeiter bei euch? Arbeitet ihr immer als Team an jedem Projekt oder werden die Aufträge auf das Kernteam aufgeteilt und jeder trägt die Verantwortung für sein eigenes Projekt?

TwoPoints.Net ist ein kleines Design Büro. TwoPoints.Net sind Lupi und Martin in Barcelona und Raby und ein weiterer Mitarbeiter in Berlin. Ab und zu haben wir Praktikanten, aber nie mehr als zwei und dann auch nur für drei Monate. Der Vorteil an einem kleinen Team, das sich gut kennt, ist, dass sich Arbeitsabläufe sehr natürlich und schnell entwickeln. Es ist nicht schwierig, das Berliner Büro bei größeren Aufträgen mit einzubinden.

Wie sucht ihr eure Projekte aus? Gibt es ethische Gesichtspunkte nach denen ihr Kunden evaluiert?

Neben den Arbeitsverhältnissen, die uns geboten werden, muss das Projekt interessant und von uns ethisch vertretbar sein. Es wurde uns angeboten für Zigaretten und Alkohol Werbung zu machen, beide Aufträge haben wir abgelehnt.

Es ist einfacher für mittelständische Unternehmen zu arbeiten, da die Entscheidungswege kürzer sind und es leichter überschaubar bleibt, wie die Firma arbeitet. Sobald man einen großen Kunden hat, ist es kaum zu überblicken, wo und wie produziert wird und in welche anderen Unternehmen die Firma verstrickt ist.

Das große und internationale Netzwerk an Menschen zeichnet TwoPoints.Net aus. Was sind die Vor- und Nachteile mit Menschen zusammenzuarbeiten, die nicht in physischer Nähe sind?

Es hilft ungemein, wenn man sich zumindest einmal persönlich kennengelernt hat. Man weiss dann viel besser, wie man eine Email von dieser Person zu lesen hat. Sobald man sich an diese Form der Kommunikation gewöhnt hat, ist sie wesentlich effizienter. Eine Email kann man lesen wenn man Zeit hat. Man kann sie überall empfangen. Man kann sie mehrmals lesen und sich auf sie berufen. Auch das Email- schreiben kann sehr hilfreich sein, Gedanken zu ordnen und sich auf das Wesentliche zu beschränken. Wenn man sich nicht klar ausdrücken kann, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass man seinen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht hat.

Glaubt ihr, dass Leute mit Berufserfahrung, die Verantwortung haben, ihr Wissen in Form von Workshops oder Lehre im Allgemeinen weiterzugeben?

Nein, es macht keinen Sinn, dass jeder mit Berufserfahrung unterrichtet. Es sollte nur derjenige unterrichten, der auch unterrichten kann und will. Die Verantwortung entsteht erst sobald man sich dazu entschieden hat, anderen Menschen dabei zu helfen zu lernen. Denn darum geht es beim Lehren, Menschen in ihrem Lernprozess zu unterstützen.

http://twopoints.net

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