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Dmig 4 ---------------- Interview

Space Oddity

Hotel-Websites sind meist ein Musterbeispiel an Usability. Verständlich, denn schließlich soll der Besucher dort nur so schnell und einfach wie möglich sein Zimmer buchen. Wie man am Besten schon auf der Hotel-Website zeigt, dass es sich nicht um ein normales Hotel handelt, sondern eher um ein eigenes Universum, zeigt die Homepage des Michelberger Hotels in Berlin Friedrichshain. Denn dort ist ausdrücklich erwünscht nicht nur zum Buchen eines Zimmers auf der Seite zu bleiben, sondern schon vor dem eigentlichen Hotelbesuch eine kleine Erkundungsreise anzutreten.

Verantwortlich dafür zeichnet sich die Berliner Agentur Plantage. Wir haben die Kreativdirektorin Marion Heine zum Konzept befragt.

Interview von Nadine Roßa und Kai Scholz mit Marion Heine, Creative Director bei Plantage Berlin

Wie würden Sie die Agentur-Philosophie von Plantage beschreiben? 

Plantage Berlin steht für interdisziplinäres Teamwork, das sich im Herzen der Sache immer der Idee verschrieben hat. Ist die Idee tragfähig, wird sie, - egal in welchem Medium, - zum Leben erweckt. Kreativ ist die Plantage dreigliederig aufgestellt in den Bereichen Campaign, Design & Art, und Digital - mit allem, was im Einzelnen natürlich in der Tiefe dazu gehört.

Woher stammen Ihre kreativen Einflüsse? 

Auf der Plantage sind Menschen zu Hause die sich begeistern können und die voller Leidenschaft und ohne großes Egogetue bereit sind, für eine Sache sich selber immer wieder zu übertreffen, sich zu hinterfragen und auszutauschen. Jeder von uns hat seinen eigenen Geschmack und Schwerpunkt, mag andere Ausstellungen, Kinofilme oder Musik - es ist das Leben, das uns inspiriert und vor allem das Leben in Berlin. Berlin ist besonders. Und Berlin ist in der Lage, jeden Tag neu und anders zu inspirieren. Eine Stadt, die ohne Glattheit auskommt und trotz aller Pflastersteinhärte auch für eine urbane Neo-Romantik steht – Melting pot, Kreativ-Metropole, eigensinnig, offen, geliebte Schnittstelle in die weite Welt - es sind die besonderen Menschen, die uns ausmachen und wir machen gerne etwas, das andere ebenso begeistert wie uns selber.

Abgesehen von der Begeisterung ist es uns wirklich wichtig, verstanden zu werden und keine kreative Kryptomanie zu erzeugen um dem persönlichen Ego Ausdruck zu verleihen. Unsere Arbeiten dienen immer der Sache und dem Verständnis. Mal mit einem »Twinkle in the eye«, mal mit einer unwahrscheinlichen Liebe zum Detail, wie das Michelberger Hotel, und manchmal eben auch mit der nötigen Seriösität und Zurückgenommenheit.

Seit Anfang der Jahres bilden Aperto und Plantage eine Lead-Agentur. Was hat sich seit der Übernahme von Aperto bei Ihnen verändert? 

Die Hochzeit von Plantage Berlin als Kreativagentur und Aperto als eine der innovativsten und technisch versiertesten Online Agenturen war tatsächlich vor allem menschlich so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Die Ergänzung ist perfekt. Wir verbinden die Kompetenz einer kreativen Leadagentur mit der digitalen Kraft von Aperto. Dadurch entsteht eine Kompetenzverschmelzung, die der Medienwandel erfordert. Da wir kulturell eine Sprache sprechen, fühlt es sich gar nicht großartig 'anders' an, nur besser und etwas größer. Das macht einfach richtig viel Spaß.

Erzählen Sie kurz: Wie sieht der typische Arbeitstag des Creative Director bei Plantage aus? 

Was ist schon ein typischer Arbeitstag eines CD? Im besten Falle liest er wahrscheinlich Zeitung, weil alles rund herum so toll flutscht.
Nein, im Ernst, wir lieben den Austausch und es gibt sicherlich viele Meetings an einem ganz normalen Tag. Scheint die Sonne, sind wir gerne auch mal draußen. Als CD hat man den Luxus, die Dinge aus der Vogelperspektive immer wieder abzugleichen. Man ist Wächter des roten Fadens - darum sollte man sich einerseits nie zu tief in die Einzelteile eines Projektes verlieren und andererseits immer in der Lage sein, es im Zweifel auch selber machen zu können. Unsere CDs sind extrem vielseitig und gerne auch leidenschaftliche Selfmade-Menschen, wenn es nötig ist.

Falls man diese Frage überhaupt beantworten kann: Was war Ihr bisher spannendstes Projekt? 

Tja, auf diese Frage erwartet man dann immer so etwas wie Turnschuh Kunden oder Fashion oder so etwas - aber das kann man so nicht sagen. Die Aufgaben sind immer spannend und manchmal ist es eine größere Herausforderung, für einen vermeintlich konservativeren Kunden »geiles Zeug« zu machen als für eine Marke, die eh schon alle toll finden, das Rad neu zu erfinden. 

Michelberger war ganz sicher einer der Kunden, die uns wahnsinnig im Positiven Sinne herausgefordert haben, einfach weil es so selten ist, dass ein Kunde vor einem steht, der genau so sagt: Geht nicht, gibt’s nicht. Was allerdings auch der besonderen Konstellation geschuldet ist, dass hier so ein brillanter und kreativer Kopf auf Kundenseite saß, der höchst selbst hier Ideengeber, Illustrator und Creative Director ist.

Wie kam es zum Kontakt mit dem Michelberger Hotel? Welches waren die Anforderungen des Auftraggebers und wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Hotelteam? 

Die kreative Welt ist groß und klein zugleich - der kreative Kopf des Michelbergers und die Kreativen auf der Plantage kannten sich bereits aus der Berliner Kreativ Szene. Als es dann darum ging, die Michelberger Hotel Idee zum Leben zu erwecken, fragten sie uns, ob wir dabei sein wollten. Und das wollten wir! Die Zusammenarbeit war schlicht aufgrund der kreativen »Über-Dimension« eine Herausforderung - aber eine, die uns auch zusammen geschweißt hat. Die Site ist im Tempo des Baufortschritts gewachsen und so gab es auch immer einmal digitale Pausen, die dafür sorgten, dass wir mit frischer Energie immer wieder neu durchstarten konnten.

Beim ersten Besuch der Website hat man das Gefühl in ein eigenes Universum einzutauchen. Können Sie das Konzept hinter der Website etwas näher erläutern? 

Die Idee ist, dass das Hotel einer futuristischen Maschine auf ihrer Reise durch den Kosmos gleicht, die nur dann funktioniert, wenn alle Teile reibungslos zusammenarbeiten. Dies galt es ins Web zu übertragen. Die Website sollte originell, neuartig, aber auch intuitiv bedienbar und funktionell sein.

Uns war allen wichtig, dass Liebe zum Detail und Design, die man überall im Michelberger Hotel sehen und fühlen kann, auch im Web wiederzufinden ist und dass die Seite, ebenso wie das Hotel, »handgemacht« ist.

Wer genau ist die Zielgruppe des Hotels und damit der Website?

Das ist ja das schöne an der Zusammenarbeit, es war frei von festen Regeln oder Briefingeinschränkungen. Das heißt, hier wurde keine Zielgruppe definiert, sondern erstmal sind alle angesprochen oder eben keiner. Um Tom Michelberger zu zitieren: »Die Seite gefällt sicher nicht jedem. Aber lieber kracht es bei 50% der Leute richtig, als bei 90% nur so zur Hälfte. Die Seite ist ziemlich kompromisslos, das macht sie stark.«

Wer war für die Illustration verantwortlich?

Federführend war hier Azar Kazimir (Teammitglied des Michelber Hotels), von dem jede einzelne dieser genialen Zeichnungen stammt, die man auf der Website finden kann. Seine Detailversessenheit und sein Perfektionismus sind der Treibstoff dieser Reise in die Michelberger Welt. Jedes dieser kleinen Elementarteilchen ist mit unfassbarem Stehvermögen von Lukas Sommer bei uns auf dem Plantagen-Acker angefasst und bewegt worden. So wurde die Reise lebendig und auch so explorativ möglich, eine Space Oddity. Am Ende dieser Reise steht ein Ergebnis, zu dem wir aufrichtig sagen können: Wir lieben es und sind glücklich, ein Teil davon zu sein.

Die Website verzichtet bewusst auf ein klares Gestaltungsraster, sie ist eher eine Entdeckungsreise, auf der man auch »zufällig« über Information stolpern kann. Wie wird dieses Prinzip aufgenommen?

Die Seite bietet ihre Inhalte auf zwei Arten an, einmal auf der explorativen Ebene, mit interaktiven Elementen und zum anderen auf der informativen Ebene, also über eine klassische Navigation und über das HTML-Framework. Insofern kann man nicht sagen, dass es hier nur um eine Entdeckungsreise geht - wer pure Infos wünscht, kann auch nur diese bekommen.

Ein tragendes Element, um die »spacige« Stimmung zu erzeugen ist die Musik. Woher stammt die Musik?

Für das Sounddesign und die Komposition der Soundelemente waren ebenfalls eine Vielzahl von Leuten beschäftigt; federführend ist hier ganz sicher Christian Harder zu nennen, der als hoch talentierter Produzent auch schon am ersten Album der Mediengruppe Telekommander mitverantwortlich war und der einen Großteil der Sounds produziert hat, es sind aber auch Stimmsounds die tragenden Elemente der Seite. Viele dieser »Geräusche« wurden in Eigenproduktion von Lukas Sommer erstellt, indem er selbst zum Mikro griff. Nur so konnte das Ergebnis auch für den Soundteil passgenau zur Seite umgesetzt werden. 

PLANTAGE Berlin ist eine unabhängige Neuzeitagentur, die besonders für ihre integrierte und unkonventionelle Herangehensweise bekannt ist. Die Kreuzberger betreuen seit einigen Jahren Kunden wie Sony und MINI in Deutschland als Leadagentur. Die Agentur sorgte vor kurzem mit dem Zusammenschluss der Online-Agentur Aperto, ebenfalls Berlin, für viel Aufmerksamkeit. Zusammen mit der strategischen Markenberatung GREENKERN bildet die Agenturgruppe mit über 160 Mitarbeitern eine der größten unabhängigen Agenturen in Deutschland. Der Name Plantage steht für nachhaltiges Wachstum: das unserer Kunden, sowie das unserer Mitarbeiter.

www.plantage-berlin.com


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