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5 Fragen an Onlab zum Thema Ausbildung und Bewerbung

Antworten von Nicolas Bourquin, Gründer von Onlab

Wie sollte eine gute Bewerbung aussehen?

Weniger ist mehr. Im Idealfall sollte eine Bewerbung also kurz, faktisch und auf den Punkt gebracht sein. Wir bekommen viele Bewerbungen. Da unsere Struktur aber klein ist, haben wir wenig Zeit für die Sichtung von zugesandten Unterlagen und Rekrutierung zur Verfügung. Deshalb bevorzugen wir kurz gefasste Bewerbungen. Verweise auf unsere Studio-Arbeiten und Kommentare betreffend unserer Arbeitsweise sowie Lob für unsere vergangenen Projekte ist unnötig und ein Zeitverlust für beide Parteien.

Was erwartet ihr von Bewerbern?

Interdisziplinarität. Wir sind ein Grafik Design Studio und befassen uns mit Themen aus verschiedenen Fachrichtungen. In unserem Bereich ist es wichtig sich innerhalb eines kurzen Zeitraums in neue Fachgebiete einarbeiten zu können. Ein interdisziplinäres Team, die Integration von unterschiedlichen Kompetenzen oder die projektbezogene Zusammenarbeit mit Experten ist deshalb eine Grundvoraussetzung um in der Lage zu sein, ein Verständnis für komplexe gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge zu entwickeln – ohne dabei unsere eigene Expertise aus dem Fokus zu verlieren.

Ein Bewerber muss nicht alles können. Er muss aber die Fähigkeit besitzen flexibel die verschiedenen Eigenschaften unterschiedlicher Disziplinen produktiv in den Gestaltungsprozess einfließen zu lassen.

Gerade beobachten wir ein interessantes Phänomen. Zugesandte Mappen sehen oft gleich oder sehr ähnlich aus. Es gibt eine formelle Nivellierung. Eine ästhetische Uniformität. Ganz selten stoßen wir auf eine individuelle Bildsprache oder eine ungewöhnliche Arbeitsweise. Vielleicht hängt das mit der Ausbildung oder mit den Referenzen wie Blogs, Pinterest, Tumblrs, usw. zusammen. Was auch immer die Gründe sein mögen, es ist auf jeden Fall ernüchternd. Bewerber versuchen sich aktuellen Denkmustern und gestalterischen Tendenzen anzupassen, den Trends möglichst zu folgen und vergessen dabei die nötige Distanz zu bewahren um Eingeständigkeit beweisen zu können. Es geht hier nicht um Autorenschaft, sondern um die Fähigkeit selbst reflektieren und agieren zu können.

Visuelle Kommunikation und Grafik Design ist ein vielseitiger Beruf an der Schnittstelle zwischen vielen Metiers, die unsere Gesellschaft prägen und charakterisieren. Wir befinden uns in einer Epoche des Paradigmenwechsels. Dies ist vor allem im Editorial Design Bereich und in den Printmedien zu sehen. Studenten sollten nie stehen bleiben, sondern sich und ihre Arbeit permanent in Frage stellen und ihren Horizont kontinuierlich erweitern.

Wie sollte ein gutes Portfolio aussehen?

Wir bevorzugen Portfolios die auf die Essenz reduziert sind, anstatt die gesamte Palette der Kompetenzen zeigen. Mittlerweile sind wir aber in der Lage die Stärken und Schwächen eines Portfolios schnell zu verstehen und zu filtern. Bei kollektive Arbeiten die z.B. im Uni-Kontext entstanden sind ist es sehr wichtig die eigene Projektbeteiligung in Kurzform zu beschreiben. Leider kam es öfter vor, dass ein Bewerber/innen-Profil nicht den gezeigten Kompetenzen im Portfolio entsprach.

»Weniger ist mehr«, wie ich oben angedeutet habe, bedeutet nicht weniger Arbeiten zeigen sondern eine Auswahl von Arbeiten treffen, die den Kontext, den Umfang und die Komplexität der eigenen Arbeit bestmöglich darstellt.

Wir bevorzugen zudem Portfolios als PDF-Datei anstatt Links oder Verweise auf Websites oder Blogs. Ein PDF-Dokument kann durch “Storytelling” gegliedert und der Inhalt nach Themen, Chronologie, Auftraggebern etc. strukturiert werden. Eine solche Struktur hilft die Arbeiten und Arbeitsweise besser zu verstehen und erlaubt uns die Dateien zu kennzeichnen und archivieren. Wir greifen oft auf Portfolios für kurzfristig angefragte Projekte zurück um unser Team zu erweitern. Außerdem legen wir die Daten auf unserem Server ab damit auch die Teamleiter darauf zugreifen können. Im Vergleich zu Verlinkungen hat ein PDF-Dokumenten den Vorteil, dass dieses auch »offline« zur Verfügung steht. Wir sind geschäftlich viel unterwegs. In diesen Momenten ohne Internet-Zugang widmen wir uns gerne solchen Tätigkeiten.

Obwohl wir uns für den Erhalt von Printmedien engagieren ziehen wir aus oben genannten Gründen Digitale Bewerbungen vor. Physische Bewerbungen wie Briefe, Pakete, Posters, Bücher, Magazine, T-Shirts, etc. sind zu vermeiden. Analoge Bewerbungen bleiben auf dem Schreibtisch liegen und werden schnell von anderen Dokumenten bedeckt und leider oft vergessen. Nicht zu schweigen von übergroßen Formaten. Die landen aus Platzmangel sofort im Müll.

Wie wichtig ist ein Studium als Voraussetzung für die Arbeit in Agenturen?

Wir sehen die Vorteile der akademischen Ausbildung, stellen jedoch auch immer wieder fest, dass das Bachelor-System enorme Lücken aufweist und nicht mehr in der Lage ist junge Designer für die Arbeit in Agenturen auszubilden. In unserer Zeit sollte ein Studium die Methodenfrage und die Theoriebildung der Disziplin vorantreiben. Die Uni hat in unsere Augen auch die Aufgabe, Studierende auf dem Weg in den Arbeitsmarkt zu begleiten, unterstützen und vorzubereiten. Die neuen Anforderungen im Berufsfeld des Designers sollten Teil des Studiums sein um den Studenten konstruktiv und verantwortungsvoll auf das künftige Arbeitsleben vorzubereiten. Man kann Design nicht lehren ohne die ökonomischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekte unsere Gesellschaft zu betrachten.

Ein kleiner Schritt und persönlicher Beitrag in diese Richtung ist unsere Summer School. Wir haben in den letzten 10 Jahren viele Workshops, Vorlesungen und Vorträge an Universitäten und Hochschulen in Europa und in den USA gehalten. Unser Lehr-Ziel ist es den fehlenden Link zwischen der akademischen Ausbildung und der beruflichen Praxis herzustellen. Manch einer behauptet, dass die Hochschulen ein Ort sein sollte, an dem Studenten von der Realität verschont bleiben um eine qualitative Arbeitsweise entwickeln zu können. Wir sind aber der Meinung, dass man gerade im Studium die wirtschaftlichen und sozialen Aspekte unserer Gesellschaft betrachten müsste um Qualität zu erreichen.

In unserem Studio erhalten wir Praktikumsanfragen aus aller Welt sowie Bewerbungen von frisch diplomierten Designern. Das Niveau und das praktische Wissen der Bewerber ist sehr divergent. Teilweise fehlt das Basiswissen unseres Berufsfelds komplett. Einige Universitäten bilden zum Beispiel Art Direktoren aus, die nie selbst etwas produziert haben. Das hat Konsequenzen auf die Art und Weise wie Projektabläufe geplant und vor allem wie die Zusammenarbeit mit anderen Teilnehmern in der Produktionskette betrachteten werden.

Der Designer ist ein kleines Glied einer großen Kette in die viele unterschiedliche Berufsfelder involviert sind. Viele Akteure sind Teil der Realisation eines Produkts. Es geht um kollaborative Prozesse, Austausch, Kompetenzen, Verantwortung und vor allem um die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen. Genau diese Aspekte versuchen wir den Teilnehmern in unserer Summer School nahe zu bringen: Entscheidungen treffen, die innerhalb dieser Produktionskette sinnvoll und real sind.

Ist für den Berufseinstieg eher eine große Agentur ratsam oder eine Kleine?

Kommt auf die Ansprüche der Bewerber an. In einer kleinen Struktur wie unserer muss ein Designer sehr unabhängig und selbstständig arbeiten können. Multitasking ist unabdingbar. Im Gegenzug kriegt ein Mitarbeiter bei uns einen Überblick über die gesamten Abläufe von der Entwicklung einer Idee bis zur Produktion. Seine Beteiligung im Designprozess ist vollumfänglich.

Persönlich habe ich meinen Werdegang in einer größeren Struktur begonnen. Dort habe ich in kürzester Zeit viel gelernt und vor allem sehr schnell Verstanden, dass die Dynamik einer großen Agentur meinen Design-Ansprüchen nicht gerecht wird. Deshalb sind wir als Onlab klein geblieben und versuchen es zu bleiben.

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