wbfntdy 2011 – Wohin führt die digitale Schriftreise

Letzen Samstag trafen sich in München ca. 200 Schriftbegeisterte und Webdesigner um mehr über das neue Feld der Webfonts zu erfahren. Nach einer Einführung in dieses junge Feld durch Ralf Herrmann eröffnete Boris Kochan den zweiten Webfontday.
Als erster Sprecher im regulären Programm begeisterte Oliver Reichenstein mit einer spannenden Geschichte seines Werdegangs vom Schweizer Philosophen zum Japanischen Designer. Im Web, so vertrat er die Meinung, sollte weitaus größere Typografie mit Mut zum Weißraum eingesetzt werden. Er wies aber auch auf die neue Herausforderung durch die immer unterschiedlicheren Auflösungen, Monitorgrößen und Lesesituationen hin, die wir mit einer wachsenden Anzahl digitaler Geräte handhaben müssen.
Tim Ahrens präsentierte danach die aktuelle (technische) Situation der Webfonts. Fazit: Viel hat sich getan, aber ein Chaos ist es immer noch.
Einen Einblick in den typografischen Alltag gewärten Helmut Ness der überzeugt ist das sich ein Weg findet die Corporate Font auch im Web zu verwenden (auch wenn es als Bild oder eine ähnliche Schrift ist). Und Martina Grabovszky fragte ob wir eine Identität wirklich danach definieren welche Schrift (gratis) zur Verfügung steht? So wie es IKEA 2009 vorgemacht hat?

Technische Hintergründe zur Darstellung von Fonts am Bildschirm gab Dan Rhatigan und verwies auf typecast, ein Tool zur Gestaltung mit Webfonts direkt im Browser.
Georg Seifert entwickelt seine Schrift Azuro eigentlich ja nur für sich, und verwendet sie selbst in seinem E-Mail Programm, Texteditor bis hin zu seinem iPhone.
Wie wichtig eine gute Digitalisierung von Schrift ist bewies Dan Reynolds und stellte zahlreiche Varianten bekannter Schriften gegenüber.
Die nächste Generation Schrift stellte Ivo Gabrowitsch als AppFonts vor und berichtete über die noch mangelhafte Entwicklung geeigneter Lizenzmodelle für dieses Einsatzgebiet.

Torben Wilhelmsen wies darauf hin, dass eine wachsenden Anzahl an Anzeigenmedien (Smartphones, Tablets, eBooks, etc.) für den selben Inhalt entstehen. Um Inhalte dafür zu gestalten sieht er die Lösung in automatisierten Layouts, bei denen der Designer nicht einzelne Seiten, sondern die Regeln des Layouts entwickelt. So wie er dieses Prinzip zusammen mit Petr van Blokland für Nomad Editions bereits umgesetzt hat.

Zum Abschluss brachte Luc de Groot dem verblüfften Publikum in einer unterhaltsamen Präsentation (30 min, 400 Bilder) das Hinting von Fonts näher.
Ein Tag, ein tiefer Einblick in die Welt der Schriftentwicklung. Werde definitiv wieder Webfonts einsetzen, aber für uns Interfacedesigner braucht es wohl noch Zeit bis auch wir ein gute Auswahl an Schriften für unsere Anwendungen zur Verfügung haben.
