See-Conference #7: Visualisierung trifft Nachhaltigkeit

Die von Scholz & Volkmer organisierte See-Konferenz geht bereits in die siebte Runde und widmet sich einem sehr aktuellen Thema: Nachhaltigkeit und Information.
Am 28. April 2012 treffen sich auf einer der größten Designkonferenzen in Deutschland Kunst und Design, Web-Development, Wissenschaft, Architektur und neue Technologien in der Wiesbadener Lutherkirche (was für ein Veranstaltungsort!) Internationale Sprecher zeigen auf der See#7 neueste Ansätze, die Flut von komplexen Informationen in verwertbares Wissen zu verwandeln und daraus Erkenntnisse für das eigene Handeln zu generieren.

Sprecher
Manuel Lima, Senior UX Design Lead at Microsoft Bing und Fellow of the Royal Society of Arts, gilt als einer der führenden Persönlichkeiten im Bereich Informationsvisualisierung.
Stephanie Posavec, arbeitet an Projekten mit Fokus auf Informationsdesign, Datenvisualisierung und Buchdesign für diverse Kunden, darunter Unternehmen wie Random House, Penguin Books und die Musikindustrie.
Yannick Jacquet, Mitbegründer des AntiVJ Label, lebt und arbeitet in Brüssel. Seine Werke sind audiovisuelle Performances, Installationen und Szenografie, die häufig von architektonischen Themen beeinflusst sind.
Thomas Henningsen, lange Jahre bei Greenpeace für die Organisation internationaler Kampagnen verantwortlich. In seinem Vortrag geht es deshalb auch um die Schlüsselrolle von starken Bildern.
Michael Madsen, Charismatischer Filmautor und Konzeptkünstler. 1971 in Dänemark geboren, lebt er heute in Kopenhagen und Berlin.
Norbert Wolfgang Bolz, deutscher Medien-, Kommunikations- und Designwissenschaftler, vor allem aber Philosoph und Buchautor.
Ash Nehru, Mitbegründer und Software Director der United Visual Artists, bekannt für die Kreation beeindruckender, technikgetriebener Installationen.
See+ am Sonntag
Außerdem wird es am Sonntag – wie im letzten Jahr auch – ein kleines Zusatz-Programm geben. Für diejenigen, die nach der See#7 einen Tag länger bleiben können, werden ein bis zwei Sprecher zu vertiefenden Gesprächen zu Scholz & Volkmer einladen. See+ nennen wir das Format, das auch dieses mal wieder von Andrew Vande Moere von Infostethics organisiert wird. Der Workshop ist im Ticketpreis inbegriffen.
Informationen und Tickets:
Kommentare
Scholz & Volkmer und Nachhaltigkeit?
Es fehlt nur noch das grüne Logo. Diese Doppelmoral ist kaum zu begreifen.
Denkt da jemand bei dieser Positionierung nach? Kann man von Nachhaltigkeit sprechen,
wenn man für Firmen wie Coca Cola und Mercedes Benz wirbt von Nachhaltigkeit sprechen?
Mich würde interessieren wie das die Designgemeinde sieht. Wird im Designbereich eigentlich
Selbstreflektion betrieben? Schaut Euch die Webseite von Scholz & Volkmer an.
Die Kunden dort tragen alle dazu bei, dass es mit den Ressourcen Berg ab geht.
Ständiges Wachstum, künstliche Bedürfnisse werden von diesen Agenturen geweckt.
Mal abgesehen davon, dass in diesen Agenturen fast nur Studenten ausgebeutet werden.
Wieso ist die Fluktuation so hoch? Schicke Fassaden und lauschiges Interieur?
Ich will jetzt nicht die Moralkeule auspacken. Aber ernst zu nehmen sind solche Entscheider wohl kaum
Wie seht ihr das?
Der Begriff der Nachhaltigkeit wird mittlerweile fast inflationär von jeder Berufsgruppe ausgebeutet. Dabei ist es interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Interpretationen ausfallen – insofern bin ich gespannt auf die Beiträge!
Muss dir leider recht geben, Mirko.
Design-Agenturen reden gern über soziale Verantwortung.
Dann gibt es eine Plakataktion und das wars.
Zudem lassen sich kritische Themen einfach besser verkaufen.
Das ist die hintergründige, kapitalistische Logik an Events wie solchen.
Veranstalter und Besucher kommen sich dabei gleichzeitig viel relevanter und unverzichtbarer vor.
Im Endeffekt wird der ganze Output wieder für Werbezwecke verwendet, nur auf höherem Niveau.
»Nachhaltige« Werbung dann natürlich …
Was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet interessiert dabei niemanden.
Liebe Designgemeinde,
mir fällt da spontan “Greewashing” ein. Wie wäre es mit einer grünen Kampagne für BP?
Da könnte die Agentur bestimmt die SEO Ergebnisse rein waschen.
Wieviel Müll propuziert eigentlich MC Donalds für die fleißig beworben wird.
Die haben bereits ein grünes Logo!
Was ist mit Thyssen Krupp und der Ölsand Produktion die Scholz & Volkmer als langer Arm der Industrie versucht
schön zu bebildern? Kann man sich da an die Front der Nachhaltigkeit stellen?
Sich Nachhaltigkeit auf die Fahen schreiben? Kann man Mont Blanc beim verkauf von Statussymbolen unterstützen? Wenn man wirklich was bewegen will kann man für solche Kundne nicht arbeiten.
Was bedeuten Schlagworte wie BlueEfficiency wenn bei der Produktion so viel Ressourcen benötigt werden.
http://www.s-v.de/detail.php?id=509
Das färbt mir ein wie ein Scheinbegriff.
“Erkenntnisse für das eigene Handeln zu generieren. ”
Wie sehen die Erkenntnisse aus? Oh – wir dürfen keine Werbung mehr machen.
Mist, das hätte mir doch beim Bionade trinken gleich einfallen sollen.
Zum Glück stimmt der CO2 Ausgleich bei den internationalen Sprechern.
Glück gehabt.
Liebe Designer,
erstmal vielen Dank für Eure Kommentare. Diskussionen sind ein Anfang und schärfen das Bewusstsein. Bei uns intern haben wir oft sehr ähnliche Themen. Und ich bin mir im klaren, dass wir da angreifbar sind.
Fakt ist, ich will das maximale tun, was mir möglich ist, um die dringend notwendige Transformation unserer Gesellschaft voranzutreiben. Dabei habe ich prinzipiell zwei Möglichkeiten. Zum einen eine eigene “grüne” Agentur gründen, und dort alles richtig machen: Nur Stiftungen, NGOs, etc. Zum anderen innerhalb der heute existierenden Struktur von Scholz&Volkmer. Ja, mit den Bestandskunden, und damit aber auch mit den bestehenden Mitarbeitern.
Ich habe mich bewusst für das zweite Szenario entschieden. Hauptsächlich, weil ich glaube, dass diese Transformation bei uns selber anfangen sollte. Eben zum Beispiel bei den 180 Menschen, die heute bei uns arbeiten. Das ist etwas anstrengender, aber ich hoffe auch nachhaltiger.
Fast das gesamte Engagement in dem Bereich, den wir bei uns “Umwelten” nennen, wird durch Projekte unserer Bestandskunden indirekt quersubventioniert. Praktisch keines dieser Projekte trägt sich selbst. Ein größerer Teil des Gewinns fließt damit in diese Themen (www.s-v.de/umwelten). Das trifft übrigens auch für die see-Conference zu. Die Tickets wären knapp drei mal so teuer, würden wir das nicht querfinanzieren.
Last but not least: nächste Woche sollten die restlichen see-Sprecher stehen. Ich hoffe, da ist was für Euch dabei. Würde mich freuen, die Diskussionen dort weiterzuführen. Herzliche Grüße
Michael Volkmer
Man lerne: Der bewusste Gestalter fährt zweigleisig.
Eine Kampagne besagt »Kaufe! Kaufe! Kaufe!«,
die andere »Kaufe NICHT! Kaufe NICHT! Kaufe NICHT!«.
Das Dilemma des Design ist, dass es fremdbestimmt ist (mit Ausnahme des Studiums). Noch niemand hat eine Lösung dafür gefunden, außer die Entwurfstätigkeit einzustellen. Was genaugenommen ja keine Lösung ist.
Stattdessen wird sich ein Selbstbild zusammen gezimmert wie man es sich wünscht. Das Gehirn ist ganz groß darin sich selbst zu betrügen – die gleichen Mechanismen greifen offenbar bei Firmen.
Es klingt super wenn man die eigene Agentur ökologisch prägt und auf die Mitarbeiter einwirkt. Zu Weihnachten gibts dann noch den ermahnenden Zeigefinger an die Kundschaft. Aber das soll ein Beitrag sein? Von einer Kreativschmiede? Die im gleichen Atemzug massenhaft Konsumbefeuerung betreibt!? Man kann sich doch nicht hinstellen und die Gesellschaft zum begeisterten Massenkonsum erziehen und sich dann darauf berufen, man finanziere mit dem Gewinn das recycling Toilettenpapier.
Bei allem Verständnis für den Zwiespalt in dem Unternehmer der ganzen Szene stecken, die Versuche hier Verantwortung zu übernehmen sind ein Zeichen absoluter Hilflosigkeit. Man sollte sie zu Psychologen schicken. Nicht zur Therapie, sondern damit sie lernen wie sie ihre Kompetenz vielleicht zu einem wirklichen Beitrag zu einer zukünftigen Gesellschaft einsetzen kann.
Dem Wort “Nachhaltigkeit” schwingt heute doch längst der gleiche Tenor wie “SALE” oder “NEU” mit. Es löst beim Leser (unbewusst) ein wohliges Gefühl aus, bei dem er glaubt, etwas Gutes getan zu haben. Gerade die Werbe- und Designszene sollte auf solche Methoden verzichten, wenn Sie ernst genommen werden will.
