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Selbsthändig – Traumberuf Illustrator. Ein Buch für Einsteiger von Florian Bayer
Magazin

2008 – kurz nach dem Ende deines Studiums – hast du das Buch Selbsthändig – Traumberuf Illustrator veröffentlicht, in dem du Erfahrungen und Eindrücke von Illustratoren sammelst. Das Buch wurde begeistert aufgenommen, offenbar war die Nachfrage sehr groß. Warum, glaubst du hat so ein Buch gefehlt?

Auf dem englischsprachigen Buchmarkt gab es schon lange einige interessante Bücher zu dem Thema. Was mir fehlte, war eine Betrachtung des deutschen Marktes und dessen Eigenheiten – man denke nur an die Künstlersozialkasse oder daran, wie unterschiedlich Illustration in England im Vergleich zu Deutschland eingesetzt wird. Aber in deutscher Sprache gab es nichts dergleichen, – wahrscheinlich, weil die Berufsgruppe der Illustratoren nicht als eine so große Käufermasse angesehen wurde, die für genug Absatz bzw. Auflage sorgt. Der Stiebner-Verlag ist damals das Wagnis zum Glück eingegangen.

Nach welchen Kriterien hast du deine Interviewpartner ausgesucht?

Mir war es wichtig, in möglichst unterschiedlichen Bereichen einen Einblick zu bekommen. Bilderbuch, Werbung, Schulbuch, Comics, Zeitungen – überall sind die Arbeitsbedingungen anders und die Anforderungen an den Illustrator, der ja auf den ersten Blick überall das gleiche macht, sehr unterschiedlich.

Rinah Lang konnte mir sogar einen kleinen Einblick in die Welt der Modeindustrie geben. Es war auf schöne Weise überraschend, wie viel Zeit sich jeder für mich genommen hat.

Die Interviews gingen mehrere Stunden und keiner hat mir das Gefühl gegeben, dass es ihm zu lang wird. Vielmehr wurden mir auch noch ausgiebig die Arbeiten und Arbeitsweisen gezeigt. Diese Offenheit zu erfahren war sehr schön. Es war, als würde ich Zutritt in eine sehr austauschfreudige Gemeinschaft bekommen.

Du hast die Interviews alle persönlich geführt, das Buch liest sich an manchen Stellen wie ein kleiner »Reisebericht«. Welches ist dein liebstes Interview bzw. welches Interview ist dir am besten in Erinnerung geblieben?

Zu der Zeit, – das war am Ende meines Studiums -, war jedes Zusammentreffen mit einem Illustrator wahnsinnig aufregend, interessant und einprägsam.

Die Gelegenheit hatte ich bis dahin als Student nicht bekommen. Zudem hatte ich mir aus jedem Illustrationsbereich jeweils jemanden ausgesucht, den ich persönlich sehr bewundere – ich traf so auf meinen Reisen die Helden und Vorbilder aus meinem Studium. Wichtig war für mich dabei, die Einstellung der Befragten kennen zu lernen. Diese Mischung aus Ehrgeiz und Ruhe ist wohl recht hilfreich, wenn man den Job des Illustrators angehen will. Ratschläge gab es unendlich viele, die ich direkt für mich umsetzen oder in meine Entscheidungen einfließen lassen konnte. Ganz pragmatische zu Themen wie Arbeitsstruktur, Künstlersozialkasse, Verwertungsgesellschaften, von denen ich davor wenig gehört hatte – aber meinen Weg am meisten beeinflusst haben sicherlich die Ratschläge zu Stipendien und Förderungen. Nur dadurch bin ich als DAAD Stipendiat in England gelandet. Wie man in meinem Interview mit David Foldvari lesen kann, war ich ja schon dort von Brighton sehr angetan.

War das Buch auch ein kommerzieller Erfolg?

Es war für den Stiebner Verlag kommerziell erfolgreich und für mich ebenfalls – viele Kunden sind durch das Buch auf mich aufmerksam geworden. Das war enorm wichtig in einer Zeit, in der ich versucht habe meine ersten Jobs zu bekommen. Das Buch hat eine schöne Verbreitung gefunden – zum Beispiel gab es diese Großbestellung der Bundesagentur für Arbeit, die das Buch in ihren Bibliotheksbestand mit aufgenommen hat. Irgendwie unheimlich – ich stelle mir vor, dass nun jeder, der dort sitzt und eventuell erzählt, dass er zeichnet, ein Buch von mir in die Hand gedrückt bekommt.

Was hat sich seit der Veröffentlichung des Buches für dich geändert? Arbeitest du hauptsächlich als Illustrator?

Als das Buch herauskam, lebte ich in Brighton, wo ich mich nach dem gerade erwähnten Stipendium als Illustrator selbständig gemacht hatte. Illustration ist genau das, was ich auch weiterhin machen will, ich bin sehr glücklich damit. Inzwischen lebe ich in Berlin, bin immer noch Illustrator und arbeite zusätzlich als Dozent für Illustration an der FH Würzburg. An der Hochschule habe ich fast zeitgleich mit André Rösler vor drei Jahren angefangen zu unterrichten und wir versuchen seitdem den Illustrationsbereich nach unseren Vorstellungen weiter zu entwickeln – das macht großen Spaß mit ihm zusammen.

Als kleines Seitenprojekt leiste ich mir zusammen mit Sebastian Haslauer und Manuel Bürger die Siebdruck-Fanzine-Reihe »Shake Your Tree Edition«, die wir als Herausgeber recht unregelmäßig veröffentlichen und damit auf Messen fahren oder Workshops geben.

Wo liegen die Tücken für Berufseinsteiger?

Eine Hürde ist sicherlich der erste Schritt, in einen Beruf zu treten, bei dem man noch nicht sicher weiß, wann man wohl das erste Gehalt bekommen wird – und das folgende, und das darauf folgende usw. Man hat noch keine Kunden und dementsprechend noch kein Portfolio mit Arbeiten für »echte« Kunden. Das klingt natürlich nach einem Teufelskreis, den man erst mal aushalten muss. Aber mit genug Wille ergeben sich erste kleine Jobs – und dann braucht man Geduld und möglichst Gelassenheit und vor allem gute Illustrationen und nach und nach werden die Jobs und deren Frequenz größer und das Geld dafür hoffentlich ebenfalls. Eine weitere Tücke ist, dass das »Illustrieren« im Beruf als Illustrator nur ein Teil unter vielen ist. Man sollte schon einigermaßen organisiert sein, Finanzen, Zeiteinteilung, Motivation, administrativen Kram und Akquise unter einen Hut mit dem »Illustrieren« bringen. Das bekommt man alles hin, aber am Anfang als Berufseinsteiger kann das ein bisschen viel Neues auf einmal sein, wenn man aus dem behüteten Rahmen einer Hochschule kommt.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Was ist dein bevorzugtes Themengebiet und wie laufen deine Arbeitsprozesse ab?

Ich arbeite vor allem im Editorialbereich für Zeitungen, Magazine und Bücher. Wenn die Themen etwas komplizierter werden – eine Artdirektorin sagte mal »erwachsener« – dann fühle ich mich dabei wohl. Sehr gerne arbeite ich dokumentarisch beobachtend – in letzter Zeit hatte ich öfter die Gelegenheit vor Ort zu zeichnen und zu recherchieren und das Material im Studio weiter auszuarbeiten. Das ist eine Arbeitsweise, die ich sehr gerne habe, da ich dadurch auch mit der Welt außerhalb meines Studios in Berührung komme – während der Arbeit!

Wie kommst du an deine Aufträge?

Als ich als Illustrator anfing, habe ich Arbeitsproben an Magazine und Zeitungen geschickt, bei denen ich gerne arbeiten würde und sie genervt, dass ich gerne vorbei kommen und persönlich meine Mappe zeigen würde. Hin und wieder mache ich das weiterhin, aber den Großteil meiner Aufträge bekomme ich inzwischen durch die bisher entstandenen Arbeiten, die jemand irgendwo gesehen hat oder durch Empfehlungen um mehrere Ecken – das ist ja meist sehr verschlungen.

Wie siehst du die Haltung zur Illustration in Deutschland?

Ich habe den Eindruck, dass es in den letzten paar Jahren eine wachsende Anzahl von Veranstaltungen und Projekten in aller Art rund um die Illustration gibt. Das findet sicherlich weiterhin in einem internen Kreis statt, also innerhalb der »kreativen« Berufe. Aber ein schöner Effekt dabei ist, dass der Mut zu außergewöhnlich und offensiv eingesetzten Illustrationen im Editorial- und Werbebereich gestiegen ist. Da hat sich schon etwas getan in letzter Zeit.

Der Blick auf die Illustration ist in Deutschland sehr geprägt von einem Diskurs, der darum bemüht ist eine Abgrenzung oder Integrierung der Illustration in den Begriff »Kunst« zu definieren. Dieses Bemühen um Grenzziehungen kenne ich aus anderen Ländern nicht, und das empfinde ich dort auch als angenehm.

Meine persönliche Lieblingsfrage an Illustratoren geht auch an dich: Welches Objekt ist für dich besonders schwer zu zeichnen?

Mit Autos tue ich mich immer verdammt schwer, da versagt bei mir laufend das Gefühl für Proportion und Form – aber das mag auch daran liegen, dass ich mich aus alter Gewohnheit darum drücke welche zu zeichnen. Das klappt meistens.

Mehr über Florian Bayer
Das Interview führte Nadine Roßa

Selbsthändig: Traumberuf Illustrator
Ein Buch für Einsteiger von Florian Bayer

Stiebner Verlag, München
1. Auflage, September 2008
128 S. , 50 Abb.
Format: 23,0 x 17,0 cm
Broschur
ISBN 978-3-8307-1359-3

Das Buch kann man hier kaufen

Auf dem Weg in die Selbstständigkeit
Aus der Einleitung

»Das ist zu illustrativ«, sagt der Professor dem Kunststudenten. »Das ist zu illustrativ«, sagt der Professor dem Grafikdesignstudenten.

Illustration scheint zwischen zwei Polen zu stehen und nirgendwo richtig hinzupassen. Und gibt man »Illustrator« in der Wikipedia ein, so liest man dort vor allem: »Illustration ist nicht mehr lukrativ.«
Manchmal hat mich das in meinem Kommunikationsdesign-Studium an der UdK Berlin und der FH Würzburg verunsichert; sogar soweit, dass ich genug hatte von der Illustration und lieber Filme machen wollte. Aber bislang bin ich immer wieder zum Zeichnen zurückgekehrt.

Dabei konzentrierte ich mich vor allem auf den Rahmen, den das Studium mir bot, und in meiner Freizeit auf den eher künstlerischen Umgang mit Illustration in Fanzines und Ausstellungen. Geld habe ich damit nie verdient und es hat mich auch nicht groß gestört, denn darum ging es nicht. Jetzt aber endet die Zeit im Schutzraum Studium.

Diesen Frühling zog ich in einen etwas heruntergekommenen, dafür aber mit charmanter Patina überzogenen Wohnblock aus den 1920ern mit einem riesigen Innenhof. Es ist ein Mikrokosmos der ganz besonderen Art: Bei höchster WG-Dichte versammeln sich hier Musiker, DJs, Alt-Hippies und vor allem Leute, die das gleiche studieren wie ich – Zeichner und Designer haben hier ihre Arbeitsplätze aufgeschlagen. Im Hof finden Konzerte statt und unter den Bäumen warten Wohnzimmermöbel auf den nächsten Grillabend. Wir wissen, dass der Sommer vor uns liegt. Aber viel mehr wissen wir nicht. Wie es mit uns weitergehen wird, ist den meisten nicht klar. So geht es immer um das gleiche Thema. Egal, ob bei den Kathrins auf ihrem Balkon:

»Wir wären schon viel weiter, wenn wir wüssten, wie wir uns nennen wollen.« »Dass ihr beide Kathrin heißt, ist doch super, da lässt sich doch sicher was mit machen.« »Synchronschwimmer finden wir ja ganz gut, aber das hat nichts mit Design zu tun.« »Ich find’s super. Das schließt auch niemanden aus, wenn noch jemand zu euch stößt.« »Aber was mit’m Nachnamen wär auch toll …«
… oder mit Andreas unten im Hof: »Ich muss noch nen Text über mich schreiben, der bei dieser Ausstellung am Wochenende aushängt. Würdest du den eher in der Ich-Form schreiben, oder in der dritten Person?«

Wir können alle zeichnen und gestalten, aber wir ahnen, dass da noch etwas dazu kommen muss, um aus unserem Innenhof und aus dem Studium herauszutreten. Wir befinden uns mal wieder am Anfang. Wo geht es hin? Und wie?

Die Bereiche, in denen wir als Illustrator tätig werden können sind so unterschiedlich. Was macht man in den verschiedenen Jobs? Wie bekommt man die ersten Aufträge? Festanstellung oder Freelancer, von beidem hat man nur unscharfe Vorstellungen. Wie geht das mit der Künstlersozialkasse? Kann man sich fördern lassen? Wie viel Unternehmer muss in einem Illustrator stecken?
Ich glaube, wir wissen einfach zu wenig. Wir fällen Entscheidungen auf Vermutungen und die vielleicht beste Perspektive kennen wir noch nicht. Auf dem Weg in die Selbstständigkeit braucht man Mut und den bekommt man auch durch Geschichten, durch Beispiele. Alle möglichen Wege sind doch schon so viele vor uns gegangen. Sollen die uns doch einfach erklären, wie das alles läuft.
Man muss sie nur fragen.