Aktuell 13.11.2017

Interview: Schlaf – Oder was ich sonst so nicht mache

In dieser Publikation gewähren jeweils 19 junge Autoren und Illustratoren Einblick in ihre Gedanken zum Thema Schlaf. Gleichwertig positioniert bilden Text und Bild in ihren unterschiedlichen Formen eine ehrliche, kritische und unterhaltsame Lektüre. Die Gestaltung des Hefts unterstreicht dieses Gleichgewicht und wurde von Motels der 50er und 60er Jahre inspiriert.

Wir haben den Autoren ein paar Fragen gestellt und stellen im Anschluss kurze Auszüge aus der Publikation vor.

Wie kam es zu dem Projekt?

Nachdem wir (Johannes Hensel und Kathrin Lankes) für das Werkschau-Magazin »Port« der Bauhaus-Universität zusammengearbeitet hatten, kamen wir auf die Idee diese Zusammenarbeit fortzusetzen und eine Plattform für junge Kreative der verschiedenen Disziplinen zu schaffen. Dabei ist das Heft entstanden.

Nach welchen Kriterien habt ihr Autoren und Illustratoren ausgewählt?

An der Uni haben wir Freie Kunst (Johannes) und Medienkultur (Kathrin) studiert. Mit diesem Hintergrund suchen wir nach talentierten Text- und Bildschaffenden. Dabei versuchen wir uns nicht von unseren persönlichen Geschmäckern leiten zu lassen, sondern von der Idee und Umsetzung eines Textes oder einer Illustration.

Welche Vorgaben gab es von euch für die Autoren und Illustratoren?

Es gibt zwei Ausschreibungen. Zuerst für die Autor/innen, die zu einem bestimmten Thema (in diesem Fall »Schlaf«) einen Text verfassen. Die einzige Vorgabe ist eine Zeichenbeschränkung. Form und Stil sind völlig frei gestellt. Wenn alle Texte geschrieben und ausgewählt sind, ordnen wir sie den Illustrator/innen zu, die sie dann bebildern. Auch hier geben wir nur die Größe des fertigen Bildes vor.

Vielen Dank.

»Trotz halben Alters fühlte ich mich ihm überlegen. Zweiundzwanzig Uhr am Abend. Er könne nicht schlafen. Und seine Frau erst recht nicht. Aber es war doch auch noch lange nicht Schlafenszeit. Platt glotzte mich mal wieder die funkelnde Ed-Hardy-Kappe an.«
Aus Kathrin Lankes: Ein Schlusswort Oder: Lasst euren Nachbarn schlafen

»Der Eigenlärm, den gediegen euphorisierte Individuen ab einer Anzahl von fünfzig aufwärts erzeugen, muss entsprechend übertönt werden, für eine wirksame ›sonosphärische Überformung‹ […]. Natürlich kann die Hi-Fi-Anlage auch auf Anschlag gedreht sein, wenn man allein in seiner Wohnung ist, aber das wäre reine Provokation.«
Aus Knut Spangenberg: Der Schlaf der Anderen

»Den Schlaf, den die Gewohnheit so geliebt hatte, lud die Sehnsucht nur selten zu sich ein und kam er doch, so war er nie allein und brachte Traum um Traum mit sich. Es drängte sie hinaus in den Tag und hinein in die Nacht. Dabei kam sie das ein ums andere Mal ins Trudeln und Stolpern. Alles schien egal. Nichts schien egal.«
Aus Ida Anders: Irgendwo zwischen Winter und Sommer

»Es bedarf Schlaf um im nächsten schönen Moment nicht dem Schlaf nachzugeben sondern weiterzuleben. Gegeben ist jedes Geschehen nur ein einziges mal, eins in der Zahl, welches durch Schlaf einen Parallelismus erfährt. Es wird verlebt und verschlafen, wobei das Verleben als das maximale Auskosten des Erlebten zu verstehen ist.«
Aus Leon Billerbecks Text

»Rauschen, Wummen
Raucherlungen.
Durch den rauen Nebel
ziehen wir gemeinsam
Unsere hungrigen Seelen
schwingen sodann gleichsam
Toben, Tosen
Schadstoffhosen.
Und dem Schlaf
weichen wir schon lange
Wir sind der Graf
und der Nacht wird bange«

Aus Linn Marie Jacobsens Gedicht

Das Heft gibt es hier zu kaufen. »Schlaf« ist Teil einer Publikationsreihe. Die neueste Ausgabe zum Thema »Monster« erscheint im Herbst diesen Jahres.

Das Interview erschien in der Novum 11.17.