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5 Fragen an Onformative zum Thema Ausbildung und Bewerbung

Antworten von Julia Laub von Onformative

Wie soll eine gute Bewerbung aussehen?

Laub: Eine bestimmte Form muss eine Bewerbung nicht haben, das heißt es spielt eigentlich keine Rolle ob die Bewerbung aus einem PDF, einer Webseite oder einer kurzen Email mit entsprechenden Links zu Behance, Vimeo oder ähnlichen Accounts besteht. Ganz wichtig sind wie so oft die eigentlichen Arbeiten und deren Qualität. Dabei geht es gar nicht darum ein Portfolio mit perfekt ausgearbeiteten Projekten zu haben, das haben ohnehin die wenigsten, sondern es geht darum zu zeigen, dass man vielfältig ist, gute Ideen hat und dazu in der Lage ist, diese Ideen auch selbstständig umzusetzen. Wobei man dazu sagen muss, dass schon auch die Art und Form der Bewerbung bereits viel über einen Bewerber verraten kann.
Wer sich nicht mal die Mühe macht seine Email nochmal Korrektur zu lesen bevor er sie abschickt oder seine Arbeiten nicht in einer ansprechenden Form präsentiert, der hat bereits die erste Chance vertan. Es gibt aber natürlich auch das Gegenbeispiel bei dem ein Bewerber sich ganz gezielt für eine Agentur entscheidet und dort auf eine Stelle bewirbt und deshalb auch seine Bewerbung ausschließlich darauf ausrichtet. Soviel Einsatz kann auch beeindrucken, die richtige Motivation ist manchmal mehr wert als perfekte Arbeiten.

Was erwartet ihr von Bewerbern?

Laub: Wir erwarten von Bewerbern in erster Linie, dass sie sich mit unserer Agentur und unseren Arbeiten auseinandergesetzt haben und begründen können, warum sie bei uns arbeiten möchten. Da wir nur sehr selten offene Stellen ausschreiben, handelt es sich meistens auch um Initiativbewerbungen. Das heißt im Idealfall hat der Bewerber bereits schon eine Vorstellung davon welche Rolle er bei uns einnehmen möchte, wie er sich einbringen kann und wieso gerade er für die Agentur genau richtig ist. Das heißt, Bewerbungen die davon handeln wie schön es doch in Berlin ist und dass man gerne einen Sommer in der Stadt verbringen will lohnen oft nicht genauer betrachtet zu werden.
Ähnlich verhält es sich mit Bewerbungen deren Arbeitsbeispiele komplett an dem vorbei gehen was bei uns gefragt ist. Wer sich also mit einer Sammlung an Aktzeichnungen bewirbt, beweist vielleicht dass er gut zeichnen kann, macht sich aber darüber hinaus nicht besonders interessant. Häufig handelt es sich bei solchen Bewerbungen aber ohnehin um Bewerbungen die offensichtlich wahllos an mehrere Agenturen verschickt wurden. 

Wie sollte ein gutes Portfolio aussehen?

Laub: Ein gutes Portfolio zeigt zum einen, was man kann, zum anderen was man gerne macht. Dabei sollten die Arbeiten gut aufbereitet sein und so präsentiert sein, dass man schnell versteht, worum es geht. Ob das in einem PDF geschieht mit Links zu Videos oder direkt auf einer Website ist dabei nicht so wichtig. 
Lieber weniger Arbeiten zeigen und dafür ausschließlich welche, hinter denen man auch stehen kann. Lieber Qualität statt Quantität. Ein zu umfangreiches Portfolio ist erstens mühsam zu überblicken, zweitens läuft man Gefahr, dass die besten Arbeiten eventuell untergehen und gar nicht angeschaut werden. Ein schlechtes Projekt macht zudem mehr kaputt als man mit der Menge an Projekten wieder wett machen kann. Wer unbedingt alles zeigen möchte was er gemacht hat, für den ist eine Kategorie wie »selected projects« sinnvoll, in der man am Ende nochmal eine grobe Übersicht seiner Bandbreite zeigen kann. Grundsätzlich ist dabei wichtig Projekte zu wählen an denen man auch maßgeblich beteiligt war. Gerade bei Gemeinschaftsarbeiten, Arbeiten aus anderen Agenturen oder in großen Teams ist es entscheidend zu wissen welchen Anteil der Bewerber an dem Projekt genau hatte. Oft ist es für uns nicht einfach zu erkennen, ob ein Programmierer auch Gestaltungserfahrung hat oder umgekehrt, dabei ist das für uns von großer Bedeutung.

Wie wichtig ist ein Studium als Voraussetzung für die Arbeit in Agenturen?

Laub: Ein abgeschlossenes Studium ist für uns als Voraussetzung eigentlich relativ unwichtig. Gute Noten sind kein Garant für gute Arbeit, dafür ist das was an den meisten Schulen unterrichtet wird zu weit weg von dem, was bei uns im Agenturalltag gebraucht wird. Was für uns zählt ist die Qualität der Arbeiten, die technischen Fähigkeiten und die Persönlichkeit des Bewerbers. Wir haben uns von einem Bewerber bisher noch nie Zeugnisse zeigen lassen und aus der Erfahrung heraus sagen diese auch recht wenig über die eigentlichen Qualität eines Bewerbers aus. Gerade in unserem Bereich gibt es sehr viele Quereinsteiger und Autodidakten mit ganz unterschiedlichen Backgrounds da das meiste Können ohnehin neben oder nach dem Studium erlernt wurde.

Ist für den Berufseinstieg eher eine große Agentur ratsam oder eine Kleine?

Laub: Da würden wir so pauschal keinen Tipp geben wollen, weil es sehr stark darauf ankommt, in welche Richtung man sich entwickeln möchte und was für ein Typ man ist. Will man sich spezialisieren und in einen Bereich besonders tief eintauchen, ist man vermutlich in einer großen Agentur besser aufgehoben, da es meistens für jede Disziplin eine Abteilung gibt, in der man tiefe Einblicke bekommt. Für Generalisten und Leute, die gerne abwechslungsreich arbeiten ist eine kleine Agentur wohl eher das Richtige, da hier meist jeder Einblick in alle Bereiche bekommt und auch in jedem Bereich mal mit anpacken muss. 

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