Vinyl, das ist eine exakte Reproduktion der Schallwellen des Solos von Jimmy Page in „Whole Lotta Love“ (1969), der rostigen Stimme von Bon Scott in „The Jack“ (1975). Was Spotify mir bieten kann ist eine von einer Samplerate limitierte, aus dem Kontext des Albums gelöste Variante eines grandiosen Songs, den ich Morgens in der Bahn mit meinen Kopfhörern konsumieren kann um das schreiende Kind und das streitende Paar im selben Wagon zu übertönen.
Die Schallplatte hingegen lege ich bewusst auf, ich schaue mir das 30x30cm große Cover an (…) lege die Scheibe auf den Plattenteller und setze den Tonabnehmer auf die Stelle der Platte, die ich hören möchte. Um im Klischee zu bleiben trinke ich dazu natürlich ein Glas Whiskey.
Auch der Designprozess wird mehr und mehr digitalisiert, viele Anwendungen können durch KI ersetzt werden(…) Heißt das unser Job wird in der Zukunft überflüssig sein?
Handwerkliche Fähigkeiten scheinen immer unwichtiger zu werden. Es ist scheint elementarer so schnell wie möglich zu wissen welches das neuste, tollste Tool ist in das man sich dann oberflächlich einarbeitet. Das ist in sofern auch richtig um in der Designwelt zurecht zu kommen. Man muss als Designer die Fähigkeiten besitzen schnell zu lernen und sich schnell an neue Bedingungen anzupassen, eine Resilienz zu entwickeln.
Aber wie kann man sich analoge Fähigkeiten erhalten, ohne dabei die digitale Welt zu vernachlässigen oder seinen eigenen Stil zu verlieren?
„33 1/3 RPM“ ist ein Designexperiment in dem ich anhand der Gestaltung von Plattencovern versuche auf diese Fragen eine Antwort zu finden. Ich versuche jeden Tag etwas neues zu lernen, jeden Tag etwas anderes zu machen, neue Techniken zu entdecken und über unkonventionelle Methoden, ob Portraitzeichnungen mit der Apple Kopfzeigerfunktion, ein auf einen Bassverstärker geklebtes Grafiktablett oder mit einem VHS Titel Generator, zu spannenden Ergebnissen zu gelangen und dabei das beste der analogen und der digitalen Welt zu vereinen. Vor allem aber dabei Spaß zu haben.
Die Resultate werden zusammen mit Interviews mit Experten wie Erik Spiekermann, Thomas Poschauko oder Hainbach und einem Abschließenden Manifest in einem Buch zusammengefasst.
Designer
Jonas Lerch