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Parka

Schriftvorstellung von Daniel Perraudin

Die Arbeit an der »Parka« begann 2007 im Rahmen der Diplomarbeit am Studiengang Informationsdesign der FH Joanneum Graz.

Ausschlaggebend für die Entscheidung, als Diplomarbeit eine eigene Schrift zu entwickeln, war nicht eine besonders fundierte Grundlagenvermittlung in Schriftgestaltung während des Studiums, sondern lediglich ein unbedingtes Interesse an Schrift und eine rudimentäre Idee für eine serifenlose Fließtextschrift (von der am Ende natürlich nicht viel übrig blieb)

Schrift ist als Abbild unserer Sprache eine der zentralen zivilisatorischen Errungenschaften des Menschen. Sie umgibt uns jeden Tag und (theoretisch) jeder beschäftigt sich mit ihr. Aber woher kommt die Schrift unserer westlichen Welt? Woher kommen die verschiedenen Schriftarten, mit denen wir täglich umgehen? Wie wird eine neue Schrift für den täglichen Gebrauch entwickelt, welche Gesetzmäßigkeiten und historisch fundierte Formen spielen dabei eine Rolle?

Diese – zugegebenermaßen – sehr generellen und umfassenden Fragen stellte ich mir am Anfang der Arbeit. Auch war mir vage bewusst, dass, sollte ich es damit ernst meinen, die Arbeit an der Schrift mit Abgabe der Diplomarbeit nicht abgeschlossen sein würde – vielmehr würde die Diplomarbeit dazu dienen, eine Art »Gerüst« zu entwickeln. Darauf aufbauend könnte die Schrift erst nach Abgabe der Diplomarbeit vollständig ausgebaut werden.

Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass ich mit Günter Gerhard Lange (†) und Georg Salden zwei herausragende Schriftgestalter als Mentoren hatte, ohne deren Wissen und immer wieder konstruktiver Kritik das Vorhaben spätestens mit Ende der Diplomarbeit gescheitert wäre.

Ausgehend von ersten unbeholfenen Skizzen, die bereits in der Zeit vor der Diplomarbeit entstanden sind, (siehe Foto unten) tastete ich mich, anfangs ja noch vollkommen grün, also langsam in Richtung einer einheitlichen Formensprache vor. Diese ersten Skizzen dienten eher der grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der Thematik Schrift und sind daher auch als eine Art »Herantasten« an die Materie zu verstehen.

Die darauffolgenden Monate dienten neben einer genaueren Definition des Einsatzzweckes sowie dem Studium unzähliger anderer Schriften vor allem der Entwicklung eines charakteristischen und in sich schlüssigen Formenkanons. Viele Ideen, die an ein oder zwei Glyphen funktionierten, mussten, im Hinblick auf potentielle Konsistenz einen gesamten Zeichensatz hindurch, verworfen oder mehr und mehr kondensiert werden. Diese Entwicklung, die über Hunderte von Skizzenblättern, Digitalisierungen, Ausdrucken, Korrekturen und erneuten Skizzenblättern verlief (siehe Foto oben), führte letzen Endes dazu, bei der Formfindung auf allzu plakative Elemente zu verzichten und stattdessen die charakteristischen Details subtil zu halten (siehe Bild unten).

Aus eben diesem iterativen Arbeitsprozess leitet sich auch der Name ab: das lateinische »parcus« (› »parca«) entspricht dem deutschen »sparsam«. Gab es anfangs mehrere divergierende Formcharakteristika, wurden diese im Laufe des Gestaltungsprozesses destilliert und selektiv herausgearbeitet. Als Hauptmerkmal der »Parka« kristallisierten sich die markanten Wechselschwünge in den Rundungen, vor allem der Gemeinen »b«, »d«, »p«, »q«, sowie die relativ kantige Form des »a« heraus.

Zum Zeitpunkt der Abgabe existierte dann tatsächlich eine Version der Parka Regular, die der finalen Version recht nahe kam. Ihre strenge, kräftige Formensprache, die in kleinen Graden jedoch hinter das ausgewogene Schriftbild zurücktritt, verleiht ihr in Headline-Anwendungen Prägnanz und Charakter. Durch ihre hervorragende Lesbarkeit, selbst in kleinen Graden, eignet sich die mittlerweile in 6 Schnitten ausgebaute Schriftfamilie hervorragend für anspruchsvolle Aufgaben, wie z.B. die Verwendung in Magazinen oder für umfangreichere Corporate Designs. »Parka« liegt im erweiterten Latin 1 Zeichensatz vor, inklusive Kapitälchen, Mediäval-, Versal- und Tabellenziffern, sowie Akzenten zur Darstellung der meisten westeuropäischen Sprachen.

»Parka« ist ab August/September 2010 bei The Font Bureau, Inc. erhältlich