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ZEITmagazin Deutschlandkarten

Infografiken ermöglichen sehr leichten Zugang zu Informationen, sie ordnen, präsentieren Inhalte kompakt und übersichtlich. Dass diese Themen auch sehr humoristisch aufbereitet werden können, zeigt das ZEITmagazin jede Woche aufs Neue. Die Deutschlandkarten auf Seite 10 zeigt Deutschlandinfos jenseits von schnöden Statistiken. Sie stammen vom Hamburger Illustrator Jörg Block, der uns im Interview einen Einblick in seine Arbeitsweise gegeben hat.

Quelle: ZEITmagazin

Sie arbeiten als Illustrator mit Fokus auf Infografiken. Wie kam es zur Vorliebe für die Erstellung von Infografiken?

Zur Zeit arbeite ich tatsächlich viel im Bereich Infografik aufgrund der wöchentlichen »Deutschlandkarte« im ZEITmagazin. Darüber hinaus habe ich allgemein eine Vorliebe für Illustrationen zu abstrakten Themen. Gleichviel, ob das nun in Form einer Infografik oder einer sonstigen Illustration im Bereich Editorial geschieht. Ich habe schon im Lauf des Studiums gemerkt, dass ich Spaß daran habe, mich immer wieder mit neuen, unterschiedlichen Themen zu beschäftigen und dazu originelle Bildlösungen zu finden.

Glauben Sie, dass das Medium Infografik in den letzten Jahren verstärkt an Bedeutung gewonnen hat?

Bestimmt. Der Bedarf an Informationen zu komplexen Themen und Zusammenhängen wächst mit der Komplexität der Welt und die Medienformate und damit die Darstellungsmöglichkeiten werden vielfältiger.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der ZEITmagazin-Redaktion?

Die Redaktion des ZEITmagazins hat mich Ende 2008 angerufen. Dabei spielte wohl eine Rolle, dass Infografik in meinem Portfolio auf meiner Internetseite zwar vorhanden, aber nicht der Hauptbestandteil war. Sie fragten mich, ob ich mir vorstellen könne, die Deutschlandkarten auf eine illustrative und abwechslungsreiche Art zu gestalten. Das konnte ich, ich habe zu zwei älteren Kartenthemen Probekarten erstellt und daraufhin begann die Zusammenarbeit.

Die Themen im ZEITmagazin sind sehr unkonventionell aber immer interessant. Sie stellen Deutschlandwissen aus anderen Blickwinkeln betrachtet vor. Wer hat die Ideen zu den Inhalten und Themen der wöchentlichen Infografik?

Die Ideen zu den Inhalten kommen von Matthias Stolz, dem ZEIT-Redakteur, der auch die Texte zu den Deutschlandkarten schreibt.

In welcher Form erhalten Sie die Inhalte für die Grafiken oder anders gefragt – wer bereitet die Inhalte für die Umsetzung auf?

Die Recherche und Zusammenstellung der Inhalte werden von Matthias Stolz und seinem Team durchgeführt. Ich erhalte die Inhalte dann meistens in Form einer Excel-Tabelle, manchmal auch in Form einer bereits existierenden Karte, aus der die Informationen entnommen und neu gestaltet werden. Im Hinblick auf grafische und inhaltliche Aspekte entscheiden wir dann zusammen, welche Informationen in die Karte übernommen werden und welche gegebenenfalls nicht.
Zum Beispiel: Bei manchen Karten, die eine Reihe von Städten zeigen, ist es inhaltlich relevant, alle Städtenamen einzutragen. Bei anderen Karten wiederum ist vielleicht die allgemeine geografische Verteilung der Städte interessanter und auch besser zu erkennen, wenn nur die Namen von einigen wenigen Großstädten zur Orientierung eingetragen werden.

Gibt es spezielle Vorgaben der ZEIT-Redaktion, an die Sie sich halten müssen? Was sind die Herausforderungen beim Gestaltungsprozess?

Es gibt keine speziellen Vorgaben zu den einzelnen Karten aber ein Konzept für die Serie der Deutschlandkarten im Ganzen. Grundsätzlich sollen die Karten neben der Darstellung der statistischen Inhalte einen starken illustrativen Anteil haben. Und diese illustrativen Elemente wiederum sollen sich möglichst prägnant und/oder originell auf das Thema der Karte beziehen.
Zu diesen inhaltlichen Anforderungen kommen dann formale Aspekte. Zum ersten soll natürlich als roter Faden in (fast) allen Karten der Umriss Deutschlands gezeigt werden. Entweder ich verknüpfe diesen Umriss unmittelbar inhaltlich mit der Gesamt-Illustration, dann erscheint zum Beispiel eine Wurstscheibe, ein Tagebau oder ein Bergsee in Deutschlandform.
Oder ich kombiniere eine grafisch-abstrakte Deutschlandkarte mit einer illustrativen Rahmen- oder Hintergrundgestaltung und erstelle durch grafische Mittel wie Farbgebung, Komposition und Stil eine optische Einheit. Und zum zweiten muss die Illustration natürlich auch das Seitenlayout berücksichtigen und Headline und Text in die Komposition einbeziehen.
Die Herausforderung und das besonders Reizvolle daran ist, diese verschiedenen inhaltlichen und formalen Aspekte auf der begrenzten Fläche einer Magazinseite unter einen Hut zu bringen. Dazu muss ich sie parallel und in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit beachten und bearbeiten, vergleichbar vielleicht wie bei einem Puzzle oder einem Rubik-Zauberwürfel. Und schließlich sollen die Deutschlandkarten in Stil und Gesamtwirkung möglichst abwechslungsreich und unterschiedlich sein. Das, zusammen mit den immer wechselnden Themen, macht die Arbeit daran für mich besonders interessant und spannend.

Könnten Sie kurz den Arbeitsprozess einer einzelnen Grafik beschreiben, ab dem Zeitpunkt, ab dem Sie das Thema erhalten? Wieviel Zeit steht Ihnen für eine Grafik zur Verfügung?

Meistens beginne ich die Arbeit mit der Suche nach einer illustrativen Bildidee zum Thema der Karte. Manchmal bietet sich dafür unmittelbar ein anschaulicher Gegenstand an, manchmal ist das Thema gänzlich abstrakt und ich lese mich zunächst im Internet in das Thema ein auf der Suche nach Stichworten aus denen dann eine Bildidee entstehen kann. Dabei überlege ich, wie sich diese Bildidee mit der Deutschlandform und den statistischen Inhalten verbinden lässt. Das geschieht entweder ausschließlich im Kopf oder anhand von sehr groben Skizzen, die eher reine Ideennotizen sind.
Wie gesagt müssen im Prinzip die verschiedenen inhaltlichen und formalen Aspekte gleichzeitig beachtet werden. Im konkreten Einzelfall kann das mit verschiedenen Gewichtungen zu verschiedenen Zeitpunkten geschehen. Bei einigen Karten bietet es sich an, zunächst die Inhalte grob darzustellen, um Darstellungsweise und Platzbedarf zu klären. Bei anderen Karten lässt sich dieser Platzbedarf von vorne herein gut einschätzen, so dass ich zunächst testen kann, wie sich die gewählte Bildidee umsetzten und in die Gesamtseite einfügen lässt. Das geschieht meistens auf Grundlage einer einfachen Vektorgrafik, mit der ich auch schnell Varianten im Gesamt-Bildaufbau ausprobieren kann. Dabei klärt sich auch zunehmend die Technik und der Stil der Karte, ob es zum Beispiel eine reine Vektorgrafik bleibt, oder ob diese mit eingescannten oder am Grafiktablett erstellten Zeichnungen, digitaler Malerei oder einer Fotomontage kombiniert wird.
Im Laufe der Platzierung der Inhalte und der Erstellung der Illustration stimme ich diese im Detail immer genauer aufeinander ab: farblich, durch die Entfernung von unschönen Überschneidungen oder durch kleine Verschiebungen von einzelnen Elementen bis letztlich eine optische Einheit entsteht. Der Zeitrahmen für eine Deutschlandkarte kann sehr unterschiedlich sein. Manchmal stehen mir zwei Tage zur Verfügung, wenn kurzfristig eine Karte zu einem aktuellem Thema produziert wird. Manchmal werden Karten auf Vorrat produziert und erscheinen dann nach mehreren Wochen. Letztlich entspricht der durchschnittliche Zeitrahmen natürlich einer Woche, da die Karten ja wöchentlich erscheinen.

Welches ist Ihre persönliche Lieblings-Deutschlandkarte?

Es gibt mehrere sehr unterschiedliche Deutschlandkarten, die ich besonders mag. Wenn ich trotzdem eine einzelne auswählen soll, nehme ich die erste Deutschlandkarte, die ich für das ZEITmagazin gestaltet habe. Das war eine Karte zum Thema Kindertagesstätten-Plätze mit schön bunten Spielklötzchen und einem gepinselten Teddybären im Hintergrund, dessen weißes Bauchfell den Umriss von Deutschland hat.

Quelle: ZEITmagazin

Was macht für Sie eine gute Infografik aus?

Infografiken können ganz unterschiedliche Zielsetzungen haben und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen stehen. Insofern ist eine Infografik, genauso wie jede andere »Gebrauchsgrafik« für mich gut, wenn sie ihren Zweck und ihre zuvor definierten Ziele auf elegante und intelligente Art erfüllt.


Das Interview führten Nadine Roßa und Jenny Lettow