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Profilagentin – Das Profil und seine Bilder
Magazin

Die Teilnahme an einem sozialen Netzwerk jeglicher Art setzt es dringend voraus: das Profilbild. Es entscheidet über mehr oder weniger Follower, mehr oder weniger digitale Freunde, über Sympathie oder Abneigung. Ganz schön viel Anforderungen an die wenigen Pixel, die Profilbilder normalerweise groß sind.

Trotzdem kann genau das sehr gut funktionieren, wenn man es richtig macht. Und wie man es richtig macht, damit setzt sich Kixka Nebraska seit einigen Jahren auseinander, denn sie ist selbst ernannte Profilagentin.

Bitte stelle dich kurz vor. Wie wird man Profilagentin?

Als digitale Flaneurin bin ich unter dem Namen Kixka Nebraska seit 2008 im Netz unterwegs. War es anfangs ein rein privates Interesse, habe ich mich über Twitter und mein Blog immer intensiver mit der deutschen Digital-Szene auseinandergesetzt und sehr viele Tools, Netzwerke und Portale selber ausprobiert und von BarCamps über Webmontage, TEDx, und nicht zuletzt seit drei Jahren auf der re:publica in Berlin, jede Möglichkeit genutzt, Netzthemen zu vertiefen und die Menschen hinter den Profilen kennenzulernen. Als Profilagentin helfen mir mein Blick für Details genauso wie meine Wahrnehmung des Ganzen, die selten mit dem ersten Eindruck beendet ist. Digitale Profile werfen neben inhaltlichen und strategischen Aspekten vor allem gestalterische Fragen auf, die mir sowohl als Kunsthistorikerin und aus meinen Verlagserfahrungen nicht unbekannt sind. Seit Ende 2010 bin ich offiziell als Profilagentin im Einsatz.

Profilbilder sind elementarer Bestandteil von Social Media und stellen in Zeiten von wenigen Pixeln großen Twitterbildern oder Facebook-Profilbildern eine grafische Herausforderung dar. Wie kann man die kleine Größe optimal nutzen? Wie sieht das perfekte Profilbild aus? Was sollte man hierbei beachten?

Im Businessbereich gelten andere Regeln als in informelleren Zusammenhängen, ob das nun Facebook oder Twitter ist, die beide inzwischen ebenfalls immer intensiver geschäftlich genutzt werden. Bei vielen Freelancern verlaufen die Grenzen ohnehin fließend. Wenn ich digital aktiv bin und es mir darum geht, über den Spaßfaktor hinaus wahrgenommen zu werden, lohnt es sich auf Qualität, Konsistenz und Kontinuität beim Profilbild zu achten, also eine Wiedererkennbarkeit auch über mehrere Plattformen hinweg zu erreichen. Während auf Netzwerken wie Xing oder LinkedIn noch das klassische Hochformat eine Rolle spielt, ist über den Livestream, wie er zuerst bei Twitter, dann bei Facebook auftauchte, das kleine Quadrat immer wichtiger geworden. Mit der Verschiebung der Nutzung vom PC oder Laptop zur mobilen Anwendung werden die Ansichten dazu immer kleiner. Von der Größe her entspricht der Sprung dem von der Streichholzschachtel zur SIM-Chipkarte. 

Das Profilbild muss also auch quadratisch und in verschiedenen Größen wiedererkennbar sein. Je kleiner die Varianten, umso wichtiger werden Kontraste, klare Formen und Farben. Motive mit zu vielen Details im Hintergrund sind komplett verschenkt, wirken aber auch in der üblichen Paßbildgröße meistens zu überladen. Wenn der Kontext stimmt, kann das sehr charmant sein; zufällig im Hintergrund sichtbare Heizungsrohre, Trockensträuße oder Fototapeten sind im Gegensatz dazu die besten Argumente dafür, das Motiv anzuschneiden. Die geschickte Wahl des Bildausschnitts wertet in den meisten Fällen ein Profilbild deutlich auf. Mehr Mut zu Experimenten!

Das perfekte Profilbild ist immer das, mit dem die Inhaber die besten Erfahrungen sammeln und am zufriedensten sind. Offizielle Regeln dazu halte ich für verwegen. Ich habe auch schon reizvolle unscharfe oder stark angeschnittene Profile gesehen, die sehr gut funktioniert haben – weil sie einen Aspekt der Person sehr treffend widerspiegelten. Darum geht es. 
Auf der anderen Seite funktioniert ein gutes Profilbild wie ein Icon. Neben der Wiedererkennbarkeit ist es immer wichtiger, sich von anderen zu unterscheiden, unverwechselbar zu sein. Das stereotype freundliche Paßbild-Lächeln aus vorbiometrischen Zeiten funktioniert nur sehr bedingt in digitalen Wahrnehmungsströmen. Profilbilder sind nicht Grundlage erkennungsdienstlicher Maßnahmen, sondern Teil unserer digitalen Identität, die wir selbst steuern – und die kann mit (kulturellen) Codes verknüpft und mit Atmosphäre aufgeladen werden.

Hast du ein paar Beispiele für gute Profilbilder? 

Guter Dreh von Farbe zu SW, sympathische Ausstrahlung, sehr authentische Auftritte.
Foto: Simon Bierwald

Fast perfekt, nur die Kinnpartie ist mir zu unentschlossen gehalten. Entweder ganz abbilden oder stärker anschneiden. 
Sehr cleverer Einsatz von Farbe: Als Hauptkandidat der Hamburger Piratenpartei = Parteifarbe Orange 

Ein Hinkucker wegen des ungewöhnlichen Bildausschnitts.

Der wache, kritische Geist der Chefredakteurin des MediumMagazins kommt auch in diesem Ausschnitt sehr gut zum Ausdruck – es muss nicht immer das ganze Bild präsentiert werden. 
Foto: Daniel Biskup

Leicht hysterische Anmutung, die innerhalb des Berufsbildes aber durchaus als unabdingbar durchgeht ;) Sehr gut inszeniertes Foto.

Fast perfekt. (Wenn das Regal im Hintergrund nicht durch den Kopf schießen würde.) Atmosphärisch fast nicht zu toppen: Wie ein Fisch im Wasser: ein Foodstylist, – Blogger, -Schriftsteller in einer Küche. 
Foto: Stefan Malzkorn

Gekonntes Spiel mit dem Bildausschnitt.
Foto: Christine Pongratz

Technikkompetenz demonstriert

Spielt Farbe beim Profilbild eine große Rolle?

Als Kontrast oder symbolisch eingesetzt, ja. In erster Linie ist für meine Wahrnehmung allerdings der Bildausschnitt entscheidender. 
@Formschub hat zum Thema Farben sehr schöne Twitter-Listen angelegt 
Sehr gut geeignet, um die Wirkung von Schwarz-Weiß und der Farbversion zu vergleichen, ist die Speaker-Übersicht der re:publica 2011: Die Gesamtansicht ist schwarz-weiß, erst wenn die Maus darüber bewegt wird, ändert sich die Farbe ins jeweilige Original. 

Wie oft sollte man sein Profilbild wechseln?

Am Anfang sollten einige Varianten ausprobiert werden, bis eine gefunden ist, die passt – auf allen Ebenen. Wenn das stimmig ist und sitzt, wie z.b. bei @Kosmar kann das durchaus über mehrere Jahre konsequent eingesetzt werden (seit 2007!). Wenn das Bild nicht mehr passt, trifft, angemessen ist (optisch genauso wie auf die Lebensphase bezogen) liegt ein Wechsel nahe. Manchmal fällt einem aber auch nur ein besseres Motiv in die Hand, auch das ist häufig ein sehr guter Grund, das Profilbild auszutauschen!

Auf Xing oder Facebook wird ein Profilbildwechsel intensiver mit Kommentaren und Klicks begleitet – wer es auf diese Art der Aufmerksamkeit anlegt, wird sein Bild häufiger wechseln als jemand, dem es darum geht, sich als wiedererkennbare, kontinuierliche Persönlichkeit und Marke zu inszenieren. Beides kann funktionieren.

Wie viel Persönlichkeit kann man in einem Profilbild erkennen? Kann man an der Profilbildentwicklung eine Entwicklung der Personen (wie z.B. Lebensläufe) erkennen?

Sicherlich lassen sich verspieltere Charaktere erkennen, doch genauso gibt es das professionelle Profilbild als Pokerface, mit dem die erwarteten Regeln erfüllt werden und die eigene Persönlichkeit so gut wie gar nicht in Erscheinung tritt. Es gibt Berufsgruppen, in denen das sinnvoll sein kann. Der Wechsel des Profilbildes über mehrere Lebensphasen wäre eine spannende Langzeitstudie zur Persönlichkeitsentwicklung. Ähnliches gibt es zum Beispiel hier. In meinem re:publica-Vortrag habe ich das ansatzweise aufgezeigt: Der Wandel vom Gasmasken tragendem @Uarrr hin zum ernsthafteren @Wichmann bei Instagram.

Wie hätten die Profilbilder folgender Persönlichkeiten (wenn es die Möglichkeiten damals schon gegeben hätte) deiner Meinung nach ausgesehen:

Cleopatra
Machtvoll glamourös im Sinne ägyptischer Tradition, Rom überstrahlend.

Johann Wolfgang von Goethe
Ein häufiger Profilbildwechsler. Je nach Laune und Lebensphase, immer kultiviert passend auch zu seinen Publikationen ein neues, anderes Motiv. Goethe wäre ein Meister der SocialMedia Kanäle zum Selbstmarketing gewesen und hätte auch seinen Namenszug oder den Farbkreis temporär als Profilbild genutzt.

Napoleon
Der Dreizack.

Marie Antoinette
Ein leckeres Stück Kuchen.

Shakespeare 
Sein Theater: Das Globe-Theatre

Charles Darwin
Den von ihm entdeckten “Galapagos-Finken” (Ich glaube nicht, dass er humorvoll genug gewesen wäre, sich selbst als Affen darzustellen)

Marie Curie
Ihr Gesicht als Röntgenaufnahme

Edgar Allan Poe
Ein schwarzes Tintenfaß (- um nicht den schwarzen Raben zu nehmen)

Ulrike Meinhof
Auf keinen Fall ein Portrait, eher ein antiimperialistisches Symbolbild, vermutlich das RAF-Logo, das ein Bekannter von ihr entworfen hat.

Das Interview führten Nadine Roßa und Patrick Marc Sommer

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