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Fragen an Illustratoren: Philipp Zurmöhle

Wie war dein Einstieg in die Branche und was war dein erster Job?

Mein erster richtiger Job war bei Mission Design in Oslo. Die Norweger haben eine extrem effektive Art zu arbeiten und der respektvolle Umgang miteinander hat mir sehr gefallen. Bei Mission habe ich bei einigen Corporate Design Projekten mitgemacht, aber hauptsächlich Websites gestaltet, in die ich dann oft Illustrationen hinein gemogelt habe.

Als Illustrator zu arbeiten war irgendwie schon immer mein Traum, deshalb habe ich damals abends an eigenen Illustrationsprojekten gearbeitet und viel geübt. Ich hatte ja auch genug Zeit. Es war ziemlich dunkel da. Ich glaube, das viele Zeichnen hat mir im Nachhinein den Job als Illustrator für Apparell bei adidas ermöglicht, wo ich glücklicherweise jetzt jeden Tag illustrieren darf.

Arbeitest du hauptsächlich als Illustrator oder hast du noch andere Schwerpunkte und falls ja, welche?

Ich arbeite auch an Erscheinungsbildern für Marken. Corporate Design wird für mich immer interessant bleiben, weil ich die Komplexität und Wirkung davon sehr mag. Dabei gefällt mir vor allem die Schlichtheit, wobei mich bei der freieren Illustration eher das Spielerische anspricht.

Meine Lieblingsprojekte im Markenbereich waren bisher die Gestaltung des neuen Logos für die Glasfirma Leonardo und die Entwicklung des Erscheinungsbildes für die Produktdesigner Ding 3000. Beide Kunden waren sehr offen für Veränderung, was den Projekten gut getan hat.

Bei adidas bin ich außerdem für die Organisation der Urban Artist Series zuständig, die jetzt schon die fünfte Saison läuft. Dafür suche ich jedes halbe Jahr zwei Illustratoren aus, die für uns Shirt-Grafiken gestalten. Da durfte ich schon mit einigen meiner Lieblingskünstler wie Mr. Jago, Chow Martin oder Ville Savimaa zusammenarbeiten. Es ist toll mit anzusehen wie die Illustratoren individuell an die Aufgabe herangehen. Im Rahmen dieses Projekts habe ich dann letzten Sommer eine Ausstellung für adidas in der West Berlin Gallery organisiert, bei der alle Urban Artist Series Künstler etwas beigesteuert haben.

Auf welchen Themenbereich hast du dich spezialisiert? Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Mit welchen Techniken arbeitest du?

Gerade konzentriere ich mich ziemlich auf Affen. Komischerweise habe ich irgendwann damit angefangen. Mittlerweile finde ich den Gedanken sehr interessant, dass man in den Affen menschliche Züge erkennt. Dadurch, dass aber kein konkreter Typ Mensch dargestellt wird, sind die Eigenschaften und Handlungen auf alle Menschen übertragbar. Parallel arbeite ich an abstrakten Digitalkollagen, in denen oft das Thema Natur vorkommt. Bei denen geht es mir mehr darum, eine spezielle Ästhetik zu entwickeln.

Ich versuche mich aber nicht zu sehr auf Themen, Techniken oder Stile zu spezialisieren, weil man sich sonst leicht festfahren kann. Im Moment zeichne ich Affen, aber nächstes Jahr sind es vielleicht Kartoffeln oder so ähnliches.

Ein charakteristisches Stilmittel sind bestimmt die Pastellfarben und gedeckten Farben. Ich glaube meine Arbeiten haben auch etwas Minimalistisches. Ich mag es, viel Raum um Motive zu lassen, was bestimmt davon kommt, dass mich japanische Kunst sehr inspiriert. Ich zeichne viel und koloriere dann mit Aquarellfarbe oder auch digital. In reinen Vektorgrafiken ist mir oft zu wenig Leben drin. Generell ist für mich die Wahl des Stils und der Technik aber immer davon abhängig welche Wirkung die Illustration haben soll.

Digital oder Analog?

Beides zu kombinieren, ohne, dass es zu digital aussieht, finde ich toll. Ich mag es, wenn das Handgemachte noch in irgendeiner Art zu sehen ist. Wir gucken ja schon den ganzen Tag auf tausend Bildschirme und da tut es hin und wieder mal ganz gut zu sehen, dass hinter dem Gestaltungsprozess noch ein Mensch steckt. Eine Illustration muss für mich nicht perfekt sein. Fehler und unsaubere Stellen machen das Ganze meiner Meinung nach interessanter.

In der letzten Zeit bin ich auch mehr und mehr fasziniert von verschiedenen Maltechniken, Papieren und Oberflächen. So etwas kann man am Bildschirm gar nicht darstellen. Deswegen finde ich Kunstausstellungen auch um einiges besser als dauernd auf Blogs abzuhängen.

Gibt es ein Objekt, ein Thema, das für dich besonders schwer zu zeichnen ist?

Da muss ich zugeben, dass ich mich schwer tue Menschen zu zeichnen. Ich ärgere mich immer, weil ich die Lebendigkeit nicht hinbekomme. Ich bewundere andere Illustratoren, die realistische Figuren und dynamische Perspektiven darstellen. Ich denke, da sollte ich mich mal mehr mit beschäftigen, das könnte mein nächstes Illustrationsthema werden.

Wie ist dein Arbeitsprozess für eine Illustration?

Ich sammle zuerst mal Ideen, was das generelle Motiv sein kann. Da muss ich schon ziemlich früh ein Bild im Kopf haben. Dann überlege ich mir Bildaufbau und Stimmung, zeichne Skizzen, arbeite eine davon aus, koloriere sie und füge gegebenenfalls digital Effekte hinzu. Von der kompletten Illustration entwickle ich dann einige Varianten, hole vielleicht noch Meinungen ein und entscheide mich für die beste Version.

So sollte es normalerweise sein. Meistens kommt mir die Idee aber zufällig außerhalb der Arbeit in einem seltsamen Moment, in dem ich nicht intensiv darüber nachdenke. Dann lege ich einfach los ohne das all das Ganze, was ich eben erzählt habe, zu beachten.

Was passiert, wenn einem Kunden deine Illustration überhaupt nicht gefällt?

Das ist natürlich immer eine schwierige Situation, weil es bei Illustrationen so viele Geschmacksfragen gibt. Ich versuche heraus zu finden, warum sie dem Kunden nicht gefällt, und ändere dann möglicherweise Stil, Atmosphäre oder Elemente in der Illustration.

Welche Tipps kannst du jemandem geben, der Illustrator werden möchte?

»Versuche nicht andere Illustratoren zu kopieren, sei du selbst und folge deinem Herzen. Dann wird es authentisch rüber kommen und die Leute werden deine Illustrationen lieben.« Nein, Scherz! … Ihr wisst schon, worauf ich hinaus will. Ich würde demjenigen zum Beispiel raten, nicht mit der Gestaltung am Bildschirm anzufangen. Bei mir klappt es besser, wenn ich mir vorher überlege, was ich machen will, und viel skizziere. Derjenige sollte aber generell viel zeichnen und viel ausprobieren.

Wie gewinnt man als Illustrator Kunden?

Auf jeden Fall finde ich die Eigenwerbung im Internet am effektivsten. Über meine Website gibt es am meisten Anfragen. Die sollte natürlich immer auf dem neuesten Stand sein. Wenn man regelmäßig neue Projekte auf den verschiedenen Kanälen zeigt, bleibt man aktiv, was es dann wahrscheinlicher macht, dass Kunden einen entdecken. Das ganze Posten wirkt für manche Leute bestimmt selbstdarstellerisch, aber es hilft Kunden zu akquirieren und Leute, die es interessiert, auf dem Laufenden zu halten, was man so treibt.

Wie siehst du den Stand der Illustration in Deutschland?

In Deutschland gibt es extrem viele gute Illustratoren im Editorial-Bereich für Magazine und Zeitungen. Ich glaube, da entwickelt sich schon seit langer Zeit ein »deutscher Stil«. Der spricht sicherlich viele Leute an und hat dadurch natürlich seine Berechtigung. Ich denke aber manchmal, dass es etwas häufiger verrücktere Sachen geben könnte. Außerdem finde ich es recht Schade, dass Illustration eben hauptsächlich im Editorial-Bereich zum Einsatz kommt. Wenn man Illustration öfter auf Verpackungen oder in der Werbung einsetzen würde, könnte das vieles auflockern.

Wo ist für dich der Unterschied zwischen Kunst und Illustration?

Ich wünschte, es gäbe keinen. Ich finde es nervig, dass Kunst in einem weißen Raum hängen muss und Illustration das nicht so richtig darf. Ein Argument ist ja, dass der Künstler völlig frei arbeitet, ohne das Ziel zu haben jemandem gefallen zu wollen. Meiner Meinung nach gibt es aber Künstler, die den Kunstmarkt bedienen wollen und danach ihre Arbeiten gestalten. Andererseits gibt es Illustratoren die frei arbeiten. Anders ausgedrückt ich finde beides ist Kunst. Yeah! Das Thema kann man aber auch diskutieren bis zum Umfallen.

Philipp Zurmöhle
http://www.phillennium.com

Interviewserie mit Fragen von Nadine Roßa und Patrick Marc Sommer