A Clockwork Orange – typografisch inszeniert

Info

Wenn ein Mensch nicht wählen kann, hört er auf, ein Mensch zu sein.

A Clockwork Orange thematisiert, mittels des Protagonisten Alex, die Frage nach der Freiheit des Einzelnen. Der Mensch soll frei sein, doch alle „Gesetze“ scheinen diese Freiheit beschränken zu wollen.

Der Rezipient begleitet Alex durch die Handlung und nimmt seine Sicht ein. Er empfindet wann Alex nach freiem Willen handelt und wann sein freier Wille eingeschränkt ist. Ferner nimmt er in manchen Passagen eine übergeordnete Beobachterrolle über Alex ein.

Diese Beobachtungen werden durch eine subtile visuelle und typografische Gestaltung erreicht. Dem Rezipienten wird vorgespielt, in voller Kontrolle über den Lesevorgang zu sein. Dabei hat die Inszenierung Kontrolle über ihn und leitet ihn nach eigenem Ermessen.

Form

Die Verarbeitung arbeitet mit Gegensätzen. Für Textpassagen in denen die Handlung durch Zwänge, Chaos und Brutalität geprägt ist, wird eine geordnete Verarbeitung in Form eines Buches gewählt. Handlungsstränge in denen die Akteure in ihrer Freiheit eingeschränkt sind kontrastieren mit einer freien Gestaltung, umgesetzt durch eine lose Blattsammlung.

Der Text des Buches begegnet dem Rezipient auf zwei Ebenen. Weite Teile der Handlung verfolgt er auf der ersten Ebene, für die ein Japanfalz gewählt wird. Die zweite Ebene greift das zentrale Thema des freien Willens auf. Auf einem im Japanfalz eingelegten Blatt stehen Textfragmente, die den freien Willen von Alex widerspiegeln. Der Leser kann also nur zum Beobachter des freien Willens von Alex werden, wenn er die Perforation des Falz mit Hilfe des Lesebands öffnet.

Das Werk wird stark einer inhaltlichen, optischen und haptischen Dreiteilung unterzogen. Da jedoch ein Zusammenhang zwischen allen drei Teilen besteht, gibt es eine bleibende Verknüpfung in Form eines Schubers. Innerhalb dieses Ganzen sind Teil eins und drei frei zugänglich; sie thematisieren die Handlung in Freiheit. Der im Gefängnis und in der Anstalt spielende Teil zwei hingegen ist verschlossen. Er ist durch eine Perforation zu öffnen und kann danach nicht mehr wie ursprünglich verschlossen werden. Dieses einmalige Leseerlebnis verdeutlicht, dass alle aus freiem Willen getroffenen Entscheidungen Konsequenzen haben, die unter Umständen nicht reversibel sind.

Konzept, Gestaltung, Satz
Thilo Schinkel
info@thiloschinkel.com

Fotos
Orfan Alim

Betreuung
Diese Semesterarbeit entstand im Rahmen des Kurses Typografie/Buchgestaltung unter der Leitung von Tom Wibberenz, Design Factory International, Hamburg.