Design made in Germany

Designmagazin

Seit einigen Monaten wird erstaunlich ernsthaft über die veränderte Rolle des Designers gesprochen und viele Modelle werden diskutiert. Die Digitalisierung ist soweit vorangeschritten, dass sogar in handgemachten Liebhabernischen wie im Letterpress ganz selbstverständlich mit digitalen Vorlagen arbeiten und darin kein Bruch in ihrer Arbeit gesehen wird. Die Werkzeuge für Vektoren und Pixel sind so weit verbreitet wie Bohrmaschinen oder Kühlschränke. Jeder kann mitmachen und jeder macht mit.

Ich erinnere mich an Kollegen, die vor ungefähr 15 Jahren über die damals beginnende Digitalisierung sprachen, den damit einhergehenden Verfall der typografischen Kultur beklagten und die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit. Diese Kollegen waren damals gerade über den fünfzigsten Geburtstag gerutscht und kamen mir unheimlich alt und auch verbittert vor. Mittlerweile bin ich der 50er-Marke ein kleines Stück näher und erlebe eine neue Generation von jetzt 50-jährigen, die sich mit der Demokratisierung ihrer Werkzeuge sehr gut abgefunden haben. Sie verdienen ihr Geld damit, diese Werkzeuge professionell bedienen zu können und davon, ihren Auftraggebern Arbeit abzunehmen. Manche verdienen auch Geld mit Beratung. Diese neuen 50-jährigen haben aber ganz andere Probleme, die erstaunlicherweise zur gleichen Phase ihres Lebens auftauchen wie eine Generation zuvor. Aus allen Winkeln höre ich derzeit ein unterschwelliges Murmeln, dass die Branche irgendwie schräg ist und seltsame Werte lebt.

Jetzt kann man dieses Geraune auf die schwindende Elastizität des mittleren Alters schieben oder auf die abnehmende Begeisterung für neues, aber ich vermute, dahinter steckt mehr. Efahrene Kollegen seufzen, dass sie zum Beispiel müde sind, einem 25-jährigen Absolventen mit eher theoretischen Marketingkenntnissen erklären zu müssen, dass visuelle Kommunikation etwas komplexer ist als die Schriftauswahl bei Word. Für den erfahrenen Kollegen ist es schwer auszuhalten, dass seine beruflichen Erfahrungen schlicht für unverständlich erklärt werden, weil sie nicht in der Sprache formuliert werden, die ein Absolvent sich unter seinesgleichen angeeignet hat.

Für mich wird hier etwas sichtbar, was sehr symptomatisch für die Designbranche ist. Wir Designer pflegen gerne den Anspruch, Teil des Guten zu sein und Lösungen für die drängenden Menschheitsprobleme zu entwickeln. Mit diesem Anspruch im Hinterkopf ist es natürlich eine Zumutung, Packungen für Tütensuppe oder Landingpages für Versicherungen zu gestalten. Wir Designer reden uns dann unsere Arbeit damit schön, dass wir als Person das Böse mit dem Guten verbinden und mit dem Geld, das wir mit der bösen Arbeit verdienen, ein gutes Projekt unterstützen. Wir glauben tatsächlich, dass wir das tun müssen und wir glauben genau so fest daran, dass das die Welt verbessert.

Was machen Designer anders? Ein Arzt fragt nicht, wer die Person ist, die er da behandelt. Er kümmert sich um Organe, Haut, Knochen und Seele, egal, ob die Person ihre eigene Tochter im Keller gefangen hält oder eine andere Partei wählt als der Arzt. Der Arzt kümmert sich nur um seinen Beritt. Der Anwalt fragt nicht nach der Persönlichkeit seines Mandanten, sondern kümmert sich um seinen Beritt. Der Steuerberater bewertet nicht, womit seine Mandanten ihr Geld verdienen. Sie kümmern sich um ihren Beritt. Und ausgerechnet wir Designer erheben den Anspruch, über den Dingen zu stehen und sind bereit, für diesen Anspruch viel zu tun.

Um unser übergroßes Selbstbild aufrecht zu erhalten, sind wir bereit, lächerlich schlecht bezahlte Praktika oder monatelange Traineeprogramme zu absolvieren. Wir sind sogar bereit, unsere Arbeit in digitalen Designautomaten zu verheizen, nur um etwas Resonanz zu bekommen. Wir machen natürlich öffentlich nur die Projekte, die gesund, vitaminreich und nachhaltig sind. Ach ja, und nebenbei machen wir Autowerbung, Zigarettenwerbung, Geschäftsausstattungen für Glücksspielautomatenhersteller oder Baufirmen und Geschäftsberichte für Banken und Pharmafirmen. Das wäre nicht weiter schlimm. Aber wir sehen die Proportionen unserer Arbeit verzerrt. Wir sehen den Großteil unserer bezahlten Standard-Aufträge ganz klein. Dafür sehen wir den kleinen Teil unserer heldenhaften Arbeit am Wahren, Schönen, Guten als immens groß und bedeutsam. Wir verhalten uns dabei wie ein magersüchtiger Teenager, der die Körperstatur jedes anderen sehr präzise bewerten kann, aber bei sich selbst bitter versagt. Wir haben eine Wahrnehmungsstörung.

Magersucht ist eine fiese Störung, von der eine ganze Industrie sehr gut lebt. Kleidergrößen werden nach unten korrigiert, Joghurts bekommen Zauberbakterien, die angeblich sogar die Magensäure überleben und Fernsehserien zeigen lieber Mädchen mit leichten Schatten unter den Wangenknochen als das normale Mädchen von nebenan. Von der Wahrnehmungsstörung der Designer leben auch sehr viele Leute ganz gut. Wir Designer schauen nicht so genau hin, wenn wir Arbeitsverträge unterschreiben. Daher arbeiten wir als Akademiker für weniger Geld als ein Erzieher un ein Drittel weiß nicht, ob sie eine betriebliche Altersvorsorge bekommen. Wir brauchen nur eine winzig kleine Vision und unsere Störung hilft, diese Vision groß und erhaben zu sehen. Das neue Projekt ist kein schlichter Brotjob, nein, wir arbeiten an der neuen Welt! Hilft diese Vision nicht, müssen Auftraggeber nur damit drohen, uns nicht mehr lieb zu haben und wir sind bereit, unseren Kostenvoranschlag in der Luft zu zerreißen und mit flehendem Blick zu fragen, wie viel Geld denn übrig ist. Wir reden uns unsere Dummheit damit schön, dass wir einen Einstieg in die Branche finden müssen, wissen aber heimlich, dass wir damit den Kollegen, die schon drin sind, das Leben schwer machen. Und irgendwann sind wir selbst diese Kollegen, die über die nach unten gejazzten Konditionen stöhnen.

Zurück zu den 50-jährigen. Sie haben diese Zyklen alle mitgemacht. Sie waren jung und heiß. Sie haben Leute kommen und gehen sehen. Sie haben Leute scheitern sehen und sie haben Leute sehr reich werden sehen. Mit 40 kann man sich schönreden, dass noch alles drin ist. Wer aber mit 50 noch keine Altersvorsorge stehen hat und nicht weiß, wie er die Miete nächsten Monat zahlen soll, hat ein Problem, das stärker ist als jede Täuschung. Es geht ans Eingemachte. Die Designer, die ans Eingemachte gehen, fangen an, ganz andere Forderungen zu stellen an ihre Arbeit als ein Berufsanfänger. Der Jungspund möchte Selbstverwirklichung und Ruhm. Er macht sich keine Gedanken um die Bedürfnisstufen darunter. Der erfahrene Designer erkennt, dass nur so viele Kollegen diese höchste Stufe erklimmen werden wie in eine Telefonzelle passen. Die meisten Designer machen Brotjobs, die ihnen als Rettung der Welt verkauft werden. Ernüchtert schauen sie sich um und sehen, dass ihre Arbeit nicht nur keinen Ruhm bringt, sondern nicht einmal die materiellen Bedürfnisstufe befriedigt. Sie haben schlicht kein existenzsicherndes Einkommen. Wenn diese Designer nun genau das von ihrer Arbeit verlangen, werden sie schnell zur Bürde für den Arbeitgeber und für manche Auftraggeber zu teuer. Jüngere stehen längst parat. Jüngere Designer, die für eine kleine Vision viel geben.

Wie kommen wir da wieder raus? Ehrlich gesagt, weiß ich es auch nicht. Ich vermute, dass wir mit unsere Selbstwahrnehmung anfangen können und uns nüchtern als Designer betrachten sollen. Wir sind keine Weltretter, sondern schlicht Designer. Wir können Farbe, Typo und Proportion, Timing, aber wir sind keine Ärzte ohne Grenzen, die Krebs-Impfstoffe verbreiten oder Polio ausrotten. Für unsere gestörte Wahrnehmung muss schlichtes Geldverdienen aber immer nach Weltrettung aussehen.

Wenn wir bereit sind, unsere Wahrnehmungsstörung zu entstören, dann können wir nüchtern hinschauen, neu verhandeln. Gegen Magersucht helfen Körperübungen und eine behutsame Umbewertung von Essen unter Anleitung. Übertragen auf uns Designer brauchen wir also viele Übungen in Selbsteinschätzung und eine behutsame Umbewertung von Arbeit. Wenn wir uns keine billigen Glasperlen in Form von kleinen Visionen andrehen lassen und dafür nicht mehr unsere Zukunft verjuxen, dann haben wir eine Chance als Branche. Dazu braucht es eine Ausbildung durch Praktiker und ein fundiertes Studium generale. Dazu braucht es eine kaufmännische Ausbildung und eine frühzeitige Reflexion der eigenen Relevanz. Dazu braucht es auch Kollegialität untereinander und über Altersgrenzen hinweg. Dazu braucht es natürlich auch eine Interessenvertretung die mehr Untersützung bekommt als ein gelangweiltes Retweeten. Seien wir realistisch. Wir sind Designer. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn es uns gelingt, unsere Wahrnehmungsstörung zu korrigieren, dann haben wir eine Chance. Eine Chance, im schönsten Beruf der Welt zu sein und – zu bleiben!

Wir sind gestört. Zur Lage der Designer in Deutschland

Seit einigen Monaten wird erstaunlich ernsthaft über die veränderte Rolle des Designers gesprochen und viele Modelle werden diskutiert. Die Digitalisierung ist soweit vorangeschritten, dass sogar in handgemachten Liebhabernischen wie im Letterpress ganz selbstverständlich mit digitalen Vorlagen arbeiten und darin kein Bruch in ihrer Arbeit gesehen wird. Die Werkzeuge für Vektoren und Pixel sind so weit verbreitet wie Bohrmaschinen oder Kühlschränke. Jeder kann mitmachen und jeder macht mit.

Ich erinnere mich an Kollegen, die vor ungefähr 15 Jahren über die damals beginnende Digitalisierung sprachen, den damit einhergehenden Verfall der typografischen Kultur beklagten und die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit. Diese Kollegen waren damals gerade über den fünfzigsten Geburtstag gerutscht und kamen mir unheimlich alt und auch verbittert vor. Mittlerweile bin ich der 50er-Marke ein kleines Stück näher und erlebe eine neue Generation von jetzt 50-jährigen, die sich mit der Demokratisierung ihrer Werkzeuge sehr gut abgefunden haben. Sie verdienen ihr Geld damit, diese Werkzeuge professionell bedienen zu können und davon, ihren Auftraggebern Arbeit abzunehmen. Manche verdienen auch Geld mit Beratung. Diese neuen 50-jährigen haben aber ganz andere Probleme, die erstaunlicherweise zur gleichen Phase ihres Lebens auftauchen wie eine Generation zuvor. Aus allen Winkeln höre ich derzeit ein unterschwelliges Murmeln, dass die Branche irgendwie schräg ist und seltsame Werte lebt.

Jetzt kann man dieses Geraune auf die schwindende Elastizität des mittleren Alters schieben oder auf die abnehmende Begeisterung für neues, aber ich vermute, dahinter steckt mehr. Efahrene Kollegen seufzen, dass sie zum Beispiel müde sind, einem 25-jährigen Absolventen mit eher theoretischen Marketingkenntnissen erklären zu müssen, dass visuelle Kommunikation etwas komplexer ist als die Schriftauswahl bei Word. Für den erfahrenen Kollegen ist es schwer auszuhalten, dass seine beruflichen Erfahrungen schlicht für unverständlich erklärt werden, weil sie nicht in der Sprache formuliert werden, die ein Absolvent sich unter seinesgleichen angeeignet hat.

Für mich wird hier etwas sichtbar, was sehr symptomatisch für die Designbranche ist. Wir Designer pflegen gerne den Anspruch, Teil des Guten zu sein und Lösungen für die drängenden Menschheitsprobleme zu entwickeln. Mit diesem Anspruch im Hinterkopf ist es natürlich eine Zumutung, Packungen für Tütensuppe oder Landingpages für Versicherungen zu gestalten. Wir Designer reden uns dann unsere Arbeit damit schön, dass wir als Person das Böse mit dem Guten verbinden und mit dem Geld, das wir mit der bösen Arbeit verdienen, ein gutes Projekt unterstützen. Wir glauben tatsächlich, dass wir das tun müssen und wir glauben genau so fest daran, dass das die Welt verbessert.

Was machen Designer anders? Ein Arzt fragt nicht, wer die Person ist, die er da behandelt. Er kümmert sich um Organe, Haut, Knochen und Seele, egal, ob die Person ihre eigene Tochter im Keller gefangen hält oder eine andere Partei wählt als der Arzt. Der Arzt kümmert sich nur um seinen Beritt. Der Anwalt fragt nicht nach der Persönlichkeit seines Mandanten, sondern kümmert sich um seinen Beritt. Der Steuerberater bewertet nicht, womit seine Mandanten ihr Geld verdienen. Sie kümmern sich um ihren Beritt. Und ausgerechnet wir Designer erheben den Anspruch, über den Dingen zu stehen und sind bereit, für diesen Anspruch viel zu tun.

Um unser übergroßes Selbstbild aufrecht zu erhalten, sind wir bereit, lächerlich schlecht bezahlte Praktika oder monatelange Traineeprogramme zu absolvieren. Wir sind sogar bereit, unsere Arbeit in digitalen Designautomaten zu verheizen, nur um etwas Resonanz zu bekommen. Wir machen natürlich öffentlich nur die Projekte, die gesund, vitaminreich und nachhaltig sind. Ach ja, und nebenbei machen wir Autowerbung, Zigarettenwerbung, Geschäftsausstattungen für Glücksspielautomatenhersteller oder Baufirmen und Geschäftsberichte für Banken und Pharmafirmen. Das wäre nicht weiter schlimm. Aber wir sehen die Proportionen unserer Arbeit verzerrt. Wir sehen den Großteil unserer bezahlten Standard-Aufträge ganz klein. Dafür sehen wir den kleinen Teil unserer heldenhaften Arbeit am Wahren, Schönen, Guten als immens groß und bedeutsam. Wir verhalten uns dabei wie ein magersüchtiger Teenager, der die Körperstatur jedes anderen sehr präzise bewerten kann, aber bei sich selbst bitter versagt. Wir haben eine Wahrnehmungsstörung.

Magersucht ist eine fiese Störung, von der eine ganze Industrie sehr gut lebt. Kleidergrößen werden nach unten korrigiert, Joghurts bekommen Zauberbakterien, die angeblich sogar die Magensäure überleben und Fernsehserien zeigen lieber Mädchen mit leichten Schatten unter den Wangenknochen als das normale Mädchen von nebenan. Von der Wahrnehmungsstörung der Designer leben auch sehr viele Leute ganz gut. Wir Designer schauen nicht so genau hin, wenn wir Arbeitsverträge unterschreiben. Daher arbeiten wir als Akademiker für weniger Geld als ein Erzieher un ein Drittel weiß nicht, ob sie eine betriebliche Altersvorsorge bekommen. Wir brauchen nur eine winzig kleine Vision und unsere Störung hilft, diese Vision groß und erhaben zu sehen. Das neue Projekt ist kein schlichter Brotjob, nein, wir arbeiten an der neuen Welt! Hilft diese Vision nicht, müssen Auftraggeber nur damit drohen, uns nicht mehr lieb zu haben und wir sind bereit, unseren Kostenvoranschlag in der Luft zu zerreißen und mit flehendem Blick zu fragen, wie viel Geld denn übrig ist. Wir reden uns unsere Dummheit damit schön, dass wir einen Einstieg in die Branche finden müssen, wissen aber heimlich, dass wir damit den Kollegen, die schon drin sind, das Leben schwer machen. Und irgendwann sind wir selbst diese Kollegen, die über die nach unten gejazzten Konditionen stöhnen.

Zurück zu den 50-jährigen. Sie haben diese Zyklen alle mitgemacht. Sie waren jung und heiß. Sie haben Leute kommen und gehen sehen. Sie haben Leute scheitern sehen und sie haben Leute sehr reich werden sehen. Mit 40 kann man sich schönreden, dass noch alles drin ist. Wer aber mit 50 noch keine Altersvorsorge stehen hat und nicht weiß, wie er die Miete nächsten Monat zahlen soll, hat ein Problem, das stärker ist als jede Täuschung. Es geht ans Eingemachte. Die Designer, die ans Eingemachte gehen, fangen an, ganz andere Forderungen zu stellen an ihre Arbeit als ein Berufsanfänger. Der Jungspund möchte Selbstverwirklichung und Ruhm. Er macht sich keine Gedanken um die Bedürfnisstufen darunter. Der erfahrene Designer erkennt, dass nur so viele Kollegen diese höchste Stufe erklimmen werden wie in eine Telefonzelle passen. Die meisten Designer machen Brotjobs, die ihnen als Rettung der Welt verkauft werden. Ernüchtert schauen sie sich um und sehen, dass ihre Arbeit nicht nur keinen Ruhm bringt, sondern nicht einmal die materiellen Bedürfnisstufe befriedigt. Sie haben schlicht kein existenzsicherndes Einkommen. Wenn diese Designer nun genau das von ihrer Arbeit verlangen, werden sie schnell zur Bürde für den Arbeitgeber und für manche Auftraggeber zu teuer. Jüngere stehen längst parat. Jüngere Designer, die für eine kleine Vision viel geben.

Wie kommen wir da wieder raus? Ehrlich gesagt, weiß ich es auch nicht. Ich vermute, dass wir mit unsere Selbstwahrnehmung anfangen können und uns nüchtern als Designer betrachten sollen. Wir sind keine Weltretter, sondern schlicht Designer. Wir können Farbe, Typo und Proportion, Timing, aber wir sind keine Ärzte ohne Grenzen, die Krebs-Impfstoffe verbreiten oder Polio ausrotten. Für unsere gestörte Wahrnehmung muss schlichtes Geldverdienen aber immer nach Weltrettung aussehen.

Wenn wir bereit sind, unsere Wahrnehmungsstörung zu entstören, dann können wir nüchtern hinschauen, neu verhandeln. Gegen Magersucht helfen Körperübungen und eine behutsame Umbewertung von Essen unter Anleitung. Übertragen auf uns Designer brauchen wir also viele Übungen in Selbsteinschätzung und eine behutsame Umbewertung von Arbeit. Wenn wir uns keine billigen Glasperlen in Form von kleinen Visionen andrehen lassen und dafür nicht mehr unsere Zukunft verjuxen, dann haben wir eine Chance als Branche. Dazu braucht es eine Ausbildung durch Praktiker und ein fundiertes Studium generale. Dazu braucht es eine kaufmännische Ausbildung und eine frühzeitige Reflexion der eigenen Relevanz. Dazu braucht es auch Kollegialität untereinander und über Altersgrenzen hinweg. Dazu braucht es natürlich auch eine Interessenvertretung die mehr Untersützung bekommt als ein gelangweiltes Retweeten. Seien wir realistisch. Wir sind Designer. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn es uns gelingt, unsere Wahrnehmungsstörung zu korrigieren, dann haben wir eine Chance. Eine Chance, im schönsten Beruf der Welt zu sein und – zu bleiben!

Auf den Punkt gebracht! Für mich ist dieser Beruf Berufung. Soviel Freude mit dem, was ich mache und gebe... Danke für diesen Beitrag :)

Danke – mehr habe ich dazu nicht zu sagen ...

Unbekannt · 10 Jahre

Das selbe dürfen wir auch auf Architekt spiegeln. Gut geschrieben! Irgendwie aber alles trotzdem wehleidig.

Allerbest, mein lieber Christian,
vieles von dem, was wir so am »Lagerfeuer«, Telefon oder auch bei BDG Veranstaltungen fachsimpeln, wunderbar zusammengefasst und auf den Punkt gebracht. Ein ewiger Spagat.

Gruß vom fünfzigjährigem Gebrauchsgrafiker
Olli Schuh

Es gäbe eine ganz einfache sprachliche Methode, die Selbstwahrnehmung in den Griff zu bekommen. Als Texter bin und bleibe ich Dienstleister, ähnlich wie ein Designer. Nur wenn man den Dienstleistungssektor verlassen, selber (z.B. künstlerische) Marktangebote schafften würde ...

Bernd Holzhausen · 10 Jahre

Ich habe es aufgegeben meinen Beruf zu ernst zu nehmen und bin Mensch geworden, der eben auch designen kann.

Bitte wer kann heute noch verstehen, dass ich innerhalb des Studiums mit Finelinern eine Garamond light condensed mit der HAND schreiben musste, dass ich Letraset Buchstaben gerubbelt habe, dass ein Headline Satz etwas anderes ist, als Mengensatz, ...

Ehrlich: Der Beruf des Designer unterliegt beständigem Wandel. Das ist normal und Teil des Berufs. Werkzeuge, Inhalte, Trends, Produktionsmöglichkeiten. Was im Kern bleibt ist die Systematik der Designentwicklung, das Konzept, die Denke, das Umsetzen können, die Projektentwicklung, die Kalkulation.

Das Problem der Designer heute ist: Sie definieren sich über ihren Beruf.

Wäre zumindest meine 47jährige Perspektive zu diesem Thema.

Erst mensch sein, dann Designer, dann klappt das auch mit dem Älterwerden ;-)

P A C · 10 Jahre

Das größte Problem liegt doch darin, dass sich die Designwelt, ähnlich der Kunst- und Galeriewelt, um sich selbst dreht. Junge Designer präsentieren digital nur „coole“ Dinge, die sowieso nur von anderen Designern verstanden wird. Design, von Designern für Designer. Wir haben uns alle einen Elfenbeinturm gebaut und sind fröhlich eingezogen. Für’n Arsch. Wir sollten endlich damit anfangen designfremde Personen und Kleinunternehmen über die Wichtigkeit unserer Arbeit aufzuklären, um ein Verständnis für gutes Design zu erreichen. Dann wird auch endlich die empfundene Wertigkeit und somit unsere Löhne steigen.

Unbekannt · 10 Jahre

Ein großes, dickes "ja!" darunter setzt. Und ein ebenso großes danke

Super....!

Ich verstehe das Problem, aber unter der Flut von neuen jungen Designern – wie soll man da Erfahrung sammeln ohne Preise kaputt zu machen? Ich habe Angebote für spannende Projekte die ich schon immer mal machen wollte, jedoch für 10€ die Stunde. Jetzt wohne ich während meiner Ausbildung noch zu Hause und bin noch nicht vom eigenen Gehalt abhängig, natürlich nehme ich das Projekt an! In der Hoffnung mit diesem Projekt im Portfolio das nächste zu ergattern und bei diesem mehr verlangen zu können. Und in den nächsten 2 Jahren werde ich doch irgendwann von meinem eigenen Gehalt abhängig sein, dann werde ich genauso die schlecht bezahlten Projekte annehmen weil mir keine Wahl bleibt.
Die Kunden zahlen nicht mehr, ich habe wenig Berufserfahrung und überhaupt "ein Berufsanfänger darf ja kein gutes Gehalt haben. So funktioniere das nicht in der Berufswelt."
Wenn ich mich nicht anpasse, wird der nächste Student angefragt und spätestens der übernächste lässt sich mit der großen Chance auf Erfahrung auf die billig Preise ein.
Der einzigste Weg das zu umgehen sehe ich darin einige Jahre zu warten und bei meiner Arbeit in einer Agentur (die ich erst einmal finden muss ohne gefülltes Portfolio) Erfahrung zu sammeln, um dann schließlich nicht mehr als Berufsanfänger abgestempelt zu werden. Aber für diesen Weg bin ich viel zu Motiviert und Ehrgeizig!!
Was halten Sie von meiner Sichtweise? Ich freue mich über Ihre Meinungen!

ASN · 10 Jahre

Der Beitrag ist wirklich sehr gut.
Vielen Dank!

Als ältere Grafikerin, die Otl Aicher noch dem Namen nach kennt, muss ich allerdings anmahnen, dass der Punkt in der Überschrift ein Lehrzeichen zu weit weg sitzt ;-)))

Bernd Holzhausen · 10 Jahre

lieber sebastian,

ich habe und mache sogenannte fallstudien zu themen, um ein portfolio zu füllen oder einen kunden aus einem marktsegment zu gewinnen. das füllt mein portfolio und hat in den ersten jahren dazu geführt, dass die aufträge dementsprechend spannend waren.

zu deiner kalkulation. wie willst du so das fundament schaffen, um dir ein eigenes studio mieten zu können, deine arbeitsgeräte und die entsprechende softwareausstattung legal zu leisten? bei den heutigen preisen bist du bei einer minimalen erstausstattung mit 15.000 euro dabei. dazu kommt die miete für die ersten monate wo es nicht gut laufen kann, die ersten reisekosten für präsentationen ohne beauftragungen mit nach hause zu bringen etc.

du solltest jetzt schon realitische preise nehmen. das gibt dir den puffer auch deine kv selbst bezahlen zu können und alle anderen dinge am laufen zu halten.

viel glück
bernd

Anonymous · 10 Jahre

Ihr Vergleich hingt: Aerzte und Anwalte arbeiten auf Basis sehr viel hoerer moralischer Werte als Designer, naemlich des Rechts auf Leben und des Rechts auf eine faire Verhandlung vor Gericht. Im Zuge dieser universell gueltigen Werte behandeln und vertreten sie jeden Patienten oder Klienten - nicht jedoch wie Sie implizieren, weil sie sich jenseits aller ethischen Ideale blind auf alles in ihrem Bereich stuerzen, was irgendwie Geld bringt. Als Designer diene ich der Werbung und Aussendarstellung und damit in den meisten Faellen den kommerziellen Interessen meiner KundInnen. Ich kann mir sehr wohl aussuchen, ob ich es mit meinem Gewissen vereinbaren kann, Big Tobacco oder Gluecksspielautomatenaufsteller zu unterstuetzen. Ansonsten waere ich kein Dienstleister sondern Prostituierte. Es gibt naemlich kein Recht auf gute Gestaltung aber mit Sicherheit einen Weg in seinem Beruf Geld zu verdienen *und* gewissenhaft zu handeln.

Georg Rabensteiner · 10 Jahre

Fantastischer Beitrag. Mit 35 und fast 20 Jahren in der Branche muss ich sagen: i'm working hard um mit in die Telefonzelle zu passen. Ich empfehle jedem Designer zwei Kinder in die Welt zu setzen. Dann merkt man ganz schnell, wie wenig man eigtl verdient und die Wahrnehmung ändert sich automatisch. Und das nicht erst mit 50!

Work hard, be nice - get money

Danke für den Beitrag. Du hast mir aus der Seele gesprochen.

Franziska Mattlinger · 10 Jahre

DANKE !!!!!!!

Unbekannt · 10 Jahre

Ja, sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich selbst Designer und auch schon über 50 kenne genau diese Problematik. Man steckt immer noch viel Herzblut in ein Projekt, und versucht es richtig gut zu machen - nur leider wissen viele Kunden das heut- zutage nicht mehr zu schätzen - weder den Designanspruch noch die Bezahlung.
Also muss es so funktionieren - ach ja ist ja nur der Kunde xy und ich mach nur meinen Job - ich glaube, dann bin ich in diesem Job nicht mehr der Richtige. Das kostet einfach zu viel Kraft und Nerven - aber was macht man dann?

Designer und Texter (wie ich) sollten sich als Dienstleister für üblicherweise kommerzielle Belange verstehen – das ist bitteschön nichts Ehrenrühriges! Wir liefern professionelle Ergebnisse, die dann eben auch angemessen zu bezahlen sind. Eine kaufmännische Ausbildung und vor allem eine nach kaufmännischen Prinzipien eingenommene Haltung ist dafür unabdingbar. Dazu gehört zum Beispiel, dass ich Honorare ansetze, die es mir auch erlauben, eine vernünftige Altersversorgung aufzubauen – KSK hin oder her. Wer sich selbst anhaltend unter Wert verkauft, braucht sich nicht darüber zu wundern, wenn das wirtschaftlich irgendwann schief geht. Sorry, Grafik-Design und eben auch Text, das ist – von den üblichen handverlesenen Ausnahmen abgesehen – keine hohe Kunst und auch keine von Visionen geleitete Mission, sondern in erster Linie Handwerk. Und Handwerker, die Ihren Job verstehen, verdienen nach meiner Erfahrung ganz ordentlich.

Der Kern des Artikels trifft einige Aspekte gut.

Designer müssen die Welt verändern. Mit aller ihrer Zeit, aller ihrer Kraft. Deshalb wird man "Gestalter/in".
Die Kritik am "Visionen haben" teile ich deshalb nicht.
Hingegen die Realität dass Visionen oft nur Makulatur sind und nicht umgesetzt werden schon. Designer müssen, um eine Rolle mit Einfluss spielen zu können Verantwortung übernehmen. Das sage ich als Industrial Designer der im Alltag ein 15köpfiges Team in einem Software-Startup Unternehmen führt.

In dieser Rolle gibt es für mich wenig formales Design in meinem Job, dafür aber Verantwortung, Risiko und echte Gestaltungsfreiheit.

Leider nur ein netter Denk-Ansatz! Alle 50 Jahre dieselbe Diskussion? Technische Entwicklung hin oder her! Das Problem ist doch nicht das überschätzte Selbstverständnis der Designer, sondern dass die Designerorganisatoren unnötige und in der Praxis absolut nicht durchsetzbare Vergütungstarifverträge propagieren! Anstatt wie die Architekten endlich mal eine Honorarordnung wie die »Hoai« durchzusetzen und politisch zu verankern! Dann hätten wir jetzt nicht die Situation, dass nach den Künstlern jetzt auch die Designer nicht mehr von ihrem Beruf leben können! Denn dieses Preisdumping führt doch an allen Fronten nur zu Frust und immer schlechteren Lösungen! Schaut euch doch mal um! Nur noch ein paar Idealisten bekommen was hin und deren Kunden lachen sich ins Fäustchen! Also mein lieber Herr Präsident – an die Arbeit! Worauf warten Sie?

Danke: Sehr gut. Ich teile es weiter. Hoffentlich wird es den jungen Visionären rechtzeitig klar.

Birgit Hecht · 10 Jahre

Lesenswerter Beitrag!

1981 Diplomdesigner für text.Flächengestaltung absolviert, ein paar Jahre Teppichmuster entwickelt -später in der Messegestaltung bis zur Wende tätig-Mußte ich mich auch neu einfügen ins "große" Geldverdienen.Gut für mich ergab sich infolge der Selbstbetrachtung ein Schritt in die richtige Richtung .Ich arbeite als Einrichtungsberater in der Möbelbranche .Meine Kunden sind sehr zufrieden.Mann verdient nicht das große Geld ,kann aber ganz gut und zufrieden damit leben.Mein Wissen und Können kann ich professionell an den Mann bringen und wird wohlwollend entgegen genommen.Vielleicht ein kleiner Tipp für alle,die am Alten zu starr festhalten.

Diese Diskussion ist so alt, wie mein gestaltendes Bewusstsein. Es ist gut, dass sie immer wieder fortgesetzt wird. Designer ist keine geschützte Berufsbezeichnung, wie Fotograf, Apotheker, Rechtsanwalt und andere. „Coole“ Dinge zu „designen“, ist eine neu Form der Umweltzerstörung – siehe Autoindustrie. Der typographische Verfall ist auch auf dieser Website deutlich zu erkennen: Der Beitrag in einer Billiges assoziierenden und zu eng gesetzten Grotesk, die Kommentare in einer mageren Grundschrift, mit einem zu großen Durchschuss, extra-fette Überschriften. Das sind Gestaltungsgrundlagen, welche heute offensichtlich nicht mehr gelehrt werden. In der BRD werden inzwischen 7,5 Millionen funktionale Analphabeten gezählt und von diesem Trend ist leider auch mein Berufsstand nicht verschont worden. Gestalter sollten sich auf solides Handwerk stützen und Produzenten, die ihre Ethik noch nicht dem Profit geopfert haben.

Ines W · 10 Jahre

Ich bin nicht ganz die Zielgruppe, die hier angesprochen wird. So auch wie Sebastian hier bin ich noch sehr jung für die Branche (23). Ich habe also eine 5 jährige Ausbildung mit Diplom in Wien gemacht und während meiner Sommerferien mehr Praktika gemacht als verlangt in so vielen Firmen wie möglich, um den Einstieg in einen Job zu erleichtern. Neben der Schule habe ich natürlich auch kleine Aufträge für wenig Geld und viel Ausbeutung angenommen. Nachdem ich monatelang nach einem Job gesucht habe bekam ich die Chance auf einen in einer kleinen Agentur die mir den Mindestkollektivvertrag angeboten hat. Im Gegensatz hätte ich in einer super modernen coolen Agentur für 600€ im Monat WENIGER und mit einem Praktikum beginnen sollen. Ich habe mich natürlich für die sichere Variante entschieden. Neben der 40std/Woche Arbeit habe ich abends und an den Wochenenden (24std/woche) die Ausbildung zur Screen- & Webdesignerin für 2 Monatslöhne angefangen und vor einem halben Jahr mit einem Diplom abgeschlossen und bin seit dem auf der Suche nach einem neuen Job im Bereich Webdesign. Bringe schon 3 Jahre Berufserfahrung in Grafik mit, bin jung, motiviert, dynamisch, ideenreich UND habe eine Zusatzausbildung. Also GENAU das wonach alle Agenturen immer suchen. Nur auf einmal bin ich ihnen zu teuer!! Aber ich kann natürlich schon als 6 Monatige Praktikantin für 1000€ im Monat arbeiten und danach muss ich den Platz leider für einen anderen Praktikanten räumen.
Ich verstehe, dass Ihr Angst habt, dass euch die Arbeit von Jungen Designern weggenommen wird, aber das ist in jedem Beruf so. Und dass Ihr damals für noch weniger Geld euch hocharbeiten musstet.
Wer bezahlt dann meine teure Wohnung für die ich keine Förderung bekomme, weil ich nicht unter 700€ verdiene und keine Kinder habe? Muss ich zusätzlich noch schwarz als Kellnerin arbeiten damit mir von dem Geld auch tatsächlich was zum Leben bleibt? Ich verstehe nicht, warum man als junger schon um seine Existenz bangen muss, wenn es im Alter nicht besser wird. In der Schule wird einem beigebracht, man solle seine Existenz mit in den Marktwert kalkulieren um dann einen realistischen Preis zu haben. Ja und wer zahlt das denn Bitteschön? Jeder ist so verzweifelt in diesem Job, dass er annimmt was er angeboten bekommt. Wir sind keine Prostituierten hat jemand hier geschrieben. Das sehe ich auch so. Aber solange die Jobs so billig gemacht werden, sind wir welche. Es ist wie eine Lawine. Einer reißt die ganze Branche mit sich in den Abgrund.
Aus dem Fernsehen habe ich immer gehört der härteste Beruf sei Modeln. Das man dort so schlecht behandelt wird und es Jahre dauert bis man akzeptiert und gut bezahlt wird. Ich denke das ist in der Werbung genauso. Von den meisten erhältst du nicht mal eine Antwort auf deine Bewerbung es gibt dir das Gefühl nicht gut genug zu sein um eine Absage zu bekommen. Den Punkt mit dem Umweltbewusstsein kann ich leider überhaupt nicht nachvollziehen. Ich werde natürlich keinen Werbung für eine Partei machen, die ich nicht unterstütze, aber ich werde ein Projekt dass ich in die Hand nehme mit vollster Überzeugung und mit bestem mir möglichen optischen als auch funktionellen Gedanken ausführen. Ich denke darauf kommt es doch an.
Freue mich über Feedback!

Es wird Zeit für uns Designer uns nach unserer Rolle zu definieren und nicht nach unserer Arbeit und unseren individuellen Absichten. Das fällt natürlich schwer bei einer Profession, die noch nicht mal eine eigene, fundamentale Theorie geschweigedenn eine allgemein anerkannte Definition des Begriffs "Design" aufweisen kann.

Für mich ist "Design is how it works" über alle Design-Disziplinen die beste Beschreibung. Sie schließt das eher psychologisch-biologisch dominierte Feld der visuellen Kommunikation genauso ein wie das gute Design der Ingenieure. Der Zweck bestimmt das Mittel oder eben das x-Design.

Nehmen wir uns doch mal ein Beispiel an den Ingenieuren. Dieses Berufsfeld ist konsolidiert wie es auch ihr Umfeld, die Industriegesellschaft, ist. Schaffen wir Designer es jedem klar zu machen, dass wir die Ingenieure der Dienstleistungsgesellschaft und des 21. Jahrhunderts sind, dann sehe ich für uns eine glänzende Zukunft.

Geschäft und Arbeit sind nunmal nicht zwei Dinge.

Markus · 10 Jahre

Dickes JA!
Ich sehe das Problem auch zu großen Teilen bei der Lehre der FH's. In meiner Ausbildung in einer mittelgroßen Agentur war klar das der Gestalter/Designer auch mal Schweinebauch-Flyer macht und seinen Kundenstamm in der Agentur betreut - Ende. Aufträge in denen man ein neues CD oder das Interface für die nächste Generation des Golfs entwirft waren und sind nun mal für die Meisten von uns nicht Tagesgeschäft sondern rar gesäht.
Seit dem ich an der FH bin, wird einem ständig erzählt das man als Designer "Weltverbessererer" sei, man "Menschen Orientierung" biete in einer reizüberfrachteten Welt. Eben genau das, was der Autor hier beschreibt. Designer sind die nächsten Weltverbesserer, der Prof. hat's ja gesagt.
Dementsprechend verblendet gehen die meisten meiner Kommilitonen - insbesondere die ohne Ausbildung - an Aufträge oder das Berufsleben nach dem Abschluss heran. Wo ist der nächste Spitzenjob? Ich arbeite selbstverständlich nur für die DAX-Riege der Deutschen Wirtschaft und nur falls es Menschen hilft. Daraus spricht weniger Arroganz als eher die Haltung die der Prof. einem eingebläut hat. Und das ohne zu erwähnen das die meisten eben nicht in die vom Autor beschriebene "Telefonzelle" passen oder irgendwie reinkommen. Mit dem ebenfalls beschriebenen Ergebnis: ich verkaufe mich so lange unter Selbstausbeutung an alles und jeden um irgendwann dann DEN einen Job abzubekommen der meine Ideale bestätigt.
Es muss sich etwas ändern, Designer müssen (anders) selbstbewusster werden und sich von den falschen Visionen lossagen. Um beim Handwerker-Vergleich zu bleiben: Ich behaupte mal, Maurer bekommen in den Lehrjahren eher selten gesagt das sie vermutlich den nächsten Reichstag hochziehen werden.

Es ist doch immer eine Frage des eigenen Wertbewusstsein. Der Kunde zahlt wenn er den Wert/Profit für Ihn erkennt. Da gibt es welche, denn ist es egal - das kann ich doch auch. Da gibt es welche, die schätzen gute Sachen, weil sie bereits die Resonanz kennen.

Weltverbesserer, das find' ich schön mit allen im Beitrag erwähnten Folgen. Wenn ich die TV Werbung verfolge, gibt es tatsächlich Agenturen, die das durchziehen. Als Designer hat man ja auch eine Verantwortung, es findet ja eine immense Beeinflussung statt. Werte schaffen, erhalten.

Da bleibt die Frage mit der eigenen Existenz.

Früher war die Zahl derjenigen, die ein Designstudium begonnen haben sehr überschaubar. Es war eine Gruppe ausgesuchter Talente, die sich bei den wenigen Hochschulen des Landes um die wenigen verfügbaren Studienplätze beworben haben. Heute bedienen die Hochschulen diese Märkte mit Nachwuchs und werben für Bildungsprodukte mit “idealistischem Zuschnitt“ (Social Design u.v.a.) und "hervorragenden Zukunftsaussichten". Hochschulen sind heute aber keine Bildungsanstalten mehr (im besten Sinne des Wortes), sie sind gewöhnliche Unternehmen und verfolgen gewöhnliche Ziele. Mit den bildungspolitischen Kreationen der letzten 20 Jahre (Stichworte sind: New Public Management, Bologna, akademischer Kapitalismus u.a.) hat die Institution Hochschule ihre marktregulierende Funktion verloren. Zudem gilt zu bedenken, dass unsere Disziplin (anders als die Architektur) keinen Bestandsschutz geniesst (Stichwort: Honorarordnung) und keine funktionierenden Marktzutrittsbarrieren errichtet hat (hier gilt immer noch das Talent als das einzig entscheidende Kriterium). Ganz im Gegenteil. Viele Designer gestalten und entwickeln Plattformen, die den Markt für Kreativleistungen noch leichter erreichbar werden lässt. Diese drei genannten Gründe könnten die Debatte vielleicht versachlichen.

Hallo,

/*
Zurück zu den 50-jährigen. Sie haben diese Zyklen alle mitgemacht. Sie waren jung und heiß. Sie haben Leute kommen und gehen sehen. ...
Und ausgerechnet wir Designer erheben den Anspruch, über den Dingen zu stehen und sind bereit, für diesen Anspruch viel zu tun.
*/

Bei einem 50 jährigen sicherlich eine Selbstverständlickeit. Er hat gegen Startbahn West gekämpft http://autox.nadir.org/archiv/chrono/startb_chro.html

War gegen die Volkszählung
http://www.zeitgeschichte-online.de/kommentar/zensus-und-boykott-die-volkszaehlung-vor-30-jahren

war in der Friedensbewegung aktiv
http://www.friedenskooperative.de/ff/ff10/3-64.htm

Besetzte Häuser in Berlin
https://de.wikipedia.org/wiki/Rauch-Haus-Song

Er wurde mit T-Rex und Children of the Revolution groß
und erlebte:
Rockpalast in WDR
Pink Floyd the Wall
Live Aid am 13 July 1985 im Wembley Stadium

/*
Wenn diese Designer nun genau das von ihrer Arbeit verlangen, werden sie schnell zur Bürde für den Arbeitgeber und für manche Auftraggeber zu teuer.
*/

Unseriöse Auftraggeber hast du als 50-Jähriger nicht mehr. Wenn du die Waffenindustire nicht unterstützen möchtest, hast du auch ein richtiges Bank Konto.

Und Werte verlange ich auch von meinem Steuerberater, meiner Bank und selbstverständlich von allen Geschäftspartnern.
Frei von Kinderarbeit und Ausbeutung sollen Produkte sein. Ich finde eine Generation - die Mode zum Wegwerfen -
https://www.youtube.com/watch?v=7cfRUgyC5Ww
ekelhaft.

Was bitte ist unter einem "digitalen Designautomaten" zu verstehen?

ben · 10 Jahre

Hi ihr,

euer problem ist einfach das, das ihr keine "guten" Designer seid.
Seid einfach ehrlich zu euch selbst... Ich bin 3D Artist und Motion-Designer.
Ich arbeite auch viel mit freien designern zusammen, die wirklich was auf dem kasten haben.
Die müssen sich ganz sicher keine gedanken machen, ob sie gebucht werde, weil so Leute komplett überbucht sind.

Natürlich, die agenturgrafiker, die eine broschüre machen oder eine landingpage...
sorry, dafür fehlt dann wohl einfach das talent.

Jedes jahr kommen tausend sogenannter "diplom designer" auf den markt... Die meisten von denen meinen, gott weis was sie wären und wie toll sie doch sind, weil sie eine broschüre erstellen können. Das design klaut man sich dann auf webseiten zusammen und bastelt es einfach nach.
grosses kino!
Das sind dann auch diese leute, die meinen, ich bestell einfach mal ein 8K rendering, weil ich ja so toll das "gecompte" bild dann noch designen will und haben keine ahnung, welch aufwand ein 8K bild zum beispiel ist... geschweige denn von multimatten.

Jeder depp ist heute designer. Skilllevel bei 80% der leute sehr sehr gering.

Und sorry, das ich es nochmal schreibe. was erwartet ihr denn alle, wo es für 20$ designs zu kaufen gibt, wie sand am meer... nichts innovatives mehr auf den markt kommt.
das man für die zusammengeklaute kindergarten broschüre auch noch 5000 euro zahlt, wo man sie doch für 20 euro kaufen kann?

Mein TIPP an all euch, die ihr da jammert...

Macht geiles Zeugs und die buchungen kommen von ganz alleine.

all ihr anderen, die über die broschüre nicht hinauskommen.

vielleicht einfach den falschen job gewählt.

Und schaut euch auch bitte mal alle um, wie viele unkreative Diplom designer sitzen denn in den grossen agenturen.

Das ist hier leider so wie überall im leben.... die guten kommen weiter, die schlechten eben nicht.

Ich kann ja auch nicht kommen und meinen, nur weil ich für geld mir ein sportstudium ERKAUFT habe, spiel ich beim bvb ab jetzt im sturm.

Got it?
thx

ben · 10 Jahre

Ah und nochwas,
Für einen Top Artist (Designer) gibt es keine Altersgrenze

Wenn ihr aber nur typo 3pixel nach oben schiebt und ein Verlauf in den Hintergrund zieht...

Hmmmmm....

Wofür dann 1000 Euro zahlen?
das mach ich auch selbst in ganzen 2 Minuten.

Hoffe ihr versteht mich ein bischen.

Marx · 10 Jahre

It's capitalism, dude.

Es wird überall eng. Die Produktivität ist gigantisch. Entwicklungszyklen immer kürzer. Ist doch klar, dass jeder 10. mittlerweile nicht mehr gebraucht wird. Tendenz steigend.

Hat aber nichts mit gestörter Wahrnehmung zu tun. Höchstens beim Thema.

Dan Bang · 10 Jahre

ach je die designer. aus meiner sicht sind wir einfach verwöhnte einzelkinder, die eigentlich keine lust haben, etwas sinnvolles zu arbeiten, sondern sich lieber selbst verwirklichen wollen. so richtig künstler will man aber auch nicht sein, also wird man irgendein "designer". und was gibt es schöneres: selbstverwirklichung und dann sogar dafür bezahlt werden!? tja und dann platz der traum und man erkennt, wo man da reingeraten ist. aus meiner sicht ist es keine frage von gut und böse. es ist eine sinnfrage. oder mal anders gedacht: nennen sie mir einen beruf, den man von heute auf morgen einfacher abschaffen könnte, mit weniger konsequenz für unsere gesellschaft? wir können nicht ohne essen leben, nicht ohne auto, nicht ohne handy und nicht mal ohne musik. aber (grafik)design brauchen wir nicht wirklich (abgesehen von ein paar piktogrammen). klar, es hilft dinge zu verkaufen, aber es wird immer das letzte sein, was man wirklich benötigt. also bleiben wir auch immer am ende der nahrungskette. akademische unterschicht. ich bin seit 10 jahren dabei und habe als freelancer immer gutes geld verdient. trotzdem macht mich die relevanzlosigkeit dieses berufs fertig. deshalb bin ich seit 1 jahr raus und orientiere mich anders. keine lust einer dieser zynischen 40+ designer zu werden oder eins dieser agentur-chef-arschlöcher. viel spass noch damit!

RobBen · 10 Jahre

Wir sind gestört. Eine Facette des Problems ist aber auch, dass man von uns erwartet irgendeine Art von Störung zu haben.

Ich bin Produktdesigner. Ich mache Leuchten (Innenraum). Zynismus gratis. Arbeitszeit nicht.

Ich schreibe dies, nachdem mir ein Auftrag abgeschlagen wurde, weil mein Produkt zwar gut sei, ich aber nicht der Charakter bin, den man sucht. Äh ... bitte was?

Man suche eine andere "Art" von Produktdesigner um seine Marke mit dessen Image zu verknüpfen. Ok ... ich bin also ein Marketing-Gag. Nein! Bin ich ja nicht! Man sucht ja jemand anderen.

Ich bin gespannt wer das rennen macht. Teil des Problems könnte auch gewesen sein, dass im vorher abgeklärten durchaus großen Budget eine Entlohnung für mich wohl doch nicht vorgesehen war. Aber man bedenke die Reichweite die ich dadurch bekommen hätte! Dass ich tatsächlich (unwichtigere, aber zahlende) Kunden zurückgestellt habe um diesem Unternehmen Zeit einzuräumen schien unglaubwürdig. Man geht davon aus, dass ich nervös herumsitze, bis jemand mit einem Projekt winkt.

Und weil ich ja eh da bin, könne ich ja noch eben dies und das ...

Teilweise fehlt das Verständnis dafür, dass Gestaltung - professionelle Kreativität - schlicht und ergreifend Arbeit ist, die auch bezahlt werden muss. Wir werden als Luxus, als Sahnehäubchen mit Kirsche wahrgenommen. Niemand fängt an mit dem Klempner zu handeln, wenn die Kacke aus dem Klo quillt. Aber 160 Stunden Produktportfolio überarbeiten und mit der neuen CI abstimmen (blah) kann doch nichts kosten, es ist doch so ein schöner Beruf.

Der Beruf muss vielleicht erst wieder vor die Hunde gehen, bevor man sich an den Neuaufbau wagen kann. Mit Rahmenverträgen für Designer. Dem Bewusstsein, dass ein Pitch auch von beiden Seiten vorbereitet werden muss und die Entwürfe eben nicht zur weiteren Ansicht im Unternehmen bleiben. Und so weiter ...

Engels · 10 Jahre

Frappierend, wie die romantischen Vorstellungen der Designer ineinander greifen. Die Sehnsucht nach der Selbsterhöhung beim Weltretten. Und -HUJA- , die dynamisch-erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeit. Beide macht verwundbar, ist in den meisten Fällen unrealistisch und verstellt den Blick auf die Möglichkeiten. Und damit ist nicht gemeint, dass man sich halt damit abfinden muss, Schweinejobs zu machen oder für Lau vom Wahren, Schönen und Guten zumindest das Schöne hinzufrickeln.
Es ist nicht leicht erwachsen zu werden ohne zynisch oder verzweifelt zu werden, wenn man Designer ist.

...packungen für tütensuppen...
als minderwertige arbeit eines designers
darzustellen, ist schon starker tobak.
packaging design ist eine sehr komplexe,
kreative und herausfordernde aufgabe.
verbindet es doch typografie, markenentwicklung,
bildgestaltung, illustration und ein verständnis für
die persönlichkeit einer marke und rechtliche vorgaben.
wieder ein grund vereinigungen wie bdg, adc, etc,
fern zu bleiben. ein elfenbeinturm.
bar jeder realität.
noch ein beispiel: die honorar rechner:
copyright/nutzungsrechte.
ich bin 51 und arbeite seit 30 jahren in diesem beruf.
kommt man mit nutzungsrechte, hat man gleich verloren.
utopisch und realitätsfremd.
design ist dienstleistung.
wer das nicht erträgt, hätte kunst studieren sollen.
p.s. wer meint einte tütensuppe ist keine gestaltung,
kann es ja gerne mal ausprobieren. nur zu.
ich prophezeie: die pm's werden es euch um die ohren hauen.
oder die mafo.

Unbekannt · 10 Jahre

Das ist kein Designproblem mehr sondern betrifft Berufsübergreifend die ganze Unternehmenskultur, aber vor allem Startups.

Christian Scholz-Flöter · 10 Jahre

Mich machen Artikel in Wir-Form immer etwas skeptisch; sucht der Autor anonyme Verstärkung seiner Meinung oder meint er, dass alle so wären wie er selbst...? Verallgemeinerung ist selten etwas Gutes.
Die Ehrlichkeit der Selbsteinschätzung des Autors und noch mehr seine Bereitschaft, davon offen zu erzählen, möchte ich hingegen loben und anerkennen. Nicht nur weil in unserer Welt so viel Unwahres gesagt oder geschrieben wird, sondern auch weil meines Erachtens vieles des hier Geschriebenen auf andere Branchen übertragbar ist. Und Missstände aufzudecken, ist selten etwas Schlechtes.
"Form follows function" kann man sicher auch so verstehen, dass jemand, der sich um die Funktionalität eines Produkts kümmert, höher steht als jemand, der sich mit dessen Form beschäftigt. In unserer heutigen Zeit gilt oft Quantität mehr als Qualität, kurze Produktionszeit mehr als bis ins letzte ausgetüftelte Arbeit. Wenn man das eingesehen hat und sich damit abgefunden hat, dass manchmal wenig verlangt und somit wenig bezahlt wird, schafft man es vielleicht, nicht enttäuscht zu sein, wenn ein Kunde anscheinend nicht das Genie des Designers/Programmierers/Klempners anerkennt. Manchmal muss man keine ganze Ladung Pulver verschießen und es reicht halbe Kraft.
Design ist Handwerk. Schon in früheren Zeiten galt es als gegeben, dass Laien weniger für ihre Arbeit entlohnt werden als Meister. Ob ein Laie (Praktikant) einem Meister (altgedienter Designer) Preise kaputtmachen oder Jobs wegschnappen kann? Das Niveau der Dienstleistung sollte an den gebotenen Preis angepasst sein; etwas, das alten Hasen der Branche eigentlich leichter fallen sollte, weil sie ja dank ihrer Erfahrung eigentlich besser zwischen gut und schlecht unterscheiden können. Wer sich allerdings dafür zu schade ist, für einen gering bezahlten Job entsprechend geringe Dienstleistung anzubieten, bleibt dann eben ohne Auftrag und meckert über Neulinge, die ihm/ihr das Arbeitsleben schwer machen.
Leider ist es meist so, dass Kunden nicht geradeheraus sagen, wie viel sie auszugeben bereit sind -- das wäre ja zu einfach. Hinzu kommt gemäß eigener Erfahrung, dass sich Kunden nach erfolgter Kostenschätzung mitunter nicht wieder beim Dienstleister melden, um über den Preis zu verhandeln, was für Dienstleister ungünstig sein kann, da sie ja gewisse Aufwände hatten, um sich des Auftragsgegenstands zumindest theoretisch schon einmal anzunehmen und Aufwände zu schätzen. Wenn die Bezahlung von Kostenvoranschlägen verbreiteter wäre, würde dieses Problem gemildert werden.

Zuletzt möchte ich meine Beobachtung zum Besten geben, dass Leute, die "es drauf haben" nicht über Auftragsmangel zu meckern haben. Was jene Leute "drauf haben", ist vielleicht nicht so sehr die Kenntnis ihres Fachgebiets, sondern vielleicht mehr noch die Fähigkeit, sich an die jeweilige Situation anzupassen.

Benno Sökeland AGD · 10 Jahre

Ich mache gerne Verpackungen für Tütensuppen oder auch Landingpages. Der Kunde ist König!

bedenkenswerte fragen und kommentare. ...

einerseits zum schmunzeln, aber auch vielleicht zum weinen, sind aber die vielen (durch automatische rechtschreibung??) entstandenen bonmots von christian brüning wie »beritt« ... aber am besten ist die »anmahnung« der kollegin ASN, die zwar noch otl aicher namentlich kennt, aber schon beim »leerzeichen« scheitert ... auch ein ausdruck von kommunikation unter gestaltern ... vielleicht etwas mehr gelassenheit und nochmal gegenlesen?

Ein alter Sack · 10 Jahre

Ein interessanter Artikel. Ähnliche Debatten wachsen schon lange auf dem Feld der Produktgestaltung. Die egozentrische Hybris der mit Weltschmerz Beladenen läßt eine Tätigkeit unterhalb des Weltrettungsanspruchs anscheinend nicht mehr zu. Daber sind Gestalter seit jeher Dienstleister der Industrie. Ich rate Studenten und Berufsanfängern, die mindestens Deutschland, wenn nicht gar die Welt in ihrer Gesamtheit retten wollen, sich dorthin umzuorientieren, wo sie tatsächlich etwas konkret und vor allem langfristig bewirken können - in der Politik, in Verbänden, in NGOs und ähnlichen Organisationen. Ich habe bei den Umweltgipfeln von Rio oder Kopenhagen keine Gestalter in den Diskussionen oder Foren erlebt, auch nicht bei Gegenveranstaltungen in Davos oder Bayreuth, und schon gar nicht dort, wo unmittelbar langfristige viele Menschen betreffende Ziele und deren Verwirklichung formuliert und geplant werden, nämlich in den Gremien von Parteien. Es ist heute zu Zwecken der multimedialen Selbstvermarktung nur allzu wohlfeil geworden, "Design für Designer" zu machen; stets mit allergrößtem moralischen Anspruch - aber letztlich nur ephemerer Wirkung.

Hi Christian,
da ich zu der Gruppe 50+ gehöre und mir keines der Probleme fremd ist, d.h. Rechnungs- und Umsatzstapel wie durch Zauberhand immer gleich hoch sind,
hört man so einen „Trost“ gern. Wehleidigkeit liegt mir nicht. Unsere Kreativität und unser Handwerk sind im aktuellen System Mittel zum Zweck. Unsere Auftraggeber sind die User unserer Ergüsse und meist wirtschaftlich stärker, viel stärker als wir. Sie verbinden uns mit dem Markt. Wir liefern, was unsere Auftraggeber nicht leisten können. Wir liefern Mittel für den Zweck des Auftraggebers. Ist doch was - oder?

Ja, da kann ich nur zustimmen! So erlebe ich das auch sehr oft!

Tütensuppe!

Rafael · 10 Jahre

Aus meiner Sicht müssen, so wie in anderen Branchen auch, neue Visionen geschaffen werden. Der Designer hat die Fähigkeit kreative Ideen-Konzepte zu entwickeln. Ich sehe die Rolle des Designers in Zukunft stärker als Entrepreneur für neue Produkte und Dienstleistungen. Hier sollte man ansetzen und neben den Kundenaufträgen eigene Projekte starten und eigene Geschäftsmodelle entwickeln. Was ist mit dem Designer als Macher und Gestalter?

Zukunftsforscher sagen jetzt schon voraus, dass sich die Berufsgruppe der Ärzte in Zukunft stark verringern wird. Maschinen werden diesen Job übernehmen! Maschinen welche in Form und Funktion von Designer mitentworfen wurden.

Das Ziel muss es sein, Brücken zu anderen Berufsgruppen zu bauen. Zu Programmierern, Ingenieuren und Wissenschaftlern. Die Welt wird immer komplexer, ein Designer mit Erfahrung kann hier Strukturen schaffen und Klarheit bieten. Ich plädiere für eine Design-Entrepreneurship Kultur.

Ich habe mit dem Text ein Problem. Es fängt schon sehr seltsam an mit „Seit einigen Monaten…“ – warum seit einigen Monaten? Die Welt und Design haben sich in den letzen 20 Jahren ja so grundlegend verändert, dass ich die letzen Monate als Zeithorizont hier schon nicht sehe.

Dass Gestaltung (sogar der handwerkliche Teil) immer schon Teil weltverändernder, ja sogar explizit weltverbessernder Konzepte war und ist, kann man angesichts des anstehenden Bauhaus-Jubiläums ja mal wieder nachschlagen. Ich kann die Polemik in dem Beitrag nicht nachvollziehen, ist doch das Nachdenken über das Potential von Gestaltung und die Ansprüche an die Arbeits- und Lebensformen die daraus entstehen nichts was nur auf Wahrnehmungsstörungen zurückzuführen ist.

Es sind schlichtweg zwei unterschiedliche Perspektiven: Die Analyse der Praxis und der Historie und eben der Blick eines Praktikers (Hrn. Brünings) auf seinen Arbeitsalltag, der sich so gar nicht aus theoretischen Konzepten, sondern eben aus Handlungen speist. Logisch, dass Gestaltung als Beruf nicht zwingend das Wissen ums Politische oder sonstiges Denk-Werk braucht. Aber vielleicht als Disziplin? Um beim Beispiel des Mediziners zu bleiben (das lustigerweise Wolfgang Jonas sehr gut als Vergleich zur Designdisziplin verwendet hat „Wie Medizin vor 500 Jahren“): Nicht jeder Arzt ist Hausarzt, es muss MedizinerInnen in der Forschung geben, unterschiedliche FachärztInnen; es gibt Praxis, Forschung und Klinik, unterschiedliche Hilfsberufe. Wenn Sie das hinkriegen auf Gestaltung zu übertragen, dann könnten wir evt. auseinanderdividieren, wo Ihre Kritik greifen soll.

Die Argumentation (ja wofür oder wogegen eigentlich?) zeigt auch deutlich, dass die Debatte über Design vom Praktiker immer noch gerne weggewischt wird. Denn eigentlich möchte er uns ja ausreden, über die Möglichkeiten des Designs nachzudenken und dann evt. an Ansprüchen, die da entstehen, zu scheitern. Er predigt Handwerk und attestiert „Störung“ wo man wagt, sich auch darüber zu äussern.

Ich weiß auch nicht wen er mit dem Text ansprechen will. Die Headline ist aber auf jeden Fall gut!

Roland G. · 10 Jahre

Wirklich kein neues Diskussionsthema, doch der Autor scheint auf der richtigen Spur. Ergänzt durch die Kommentare ergibt sich halbwegs ein Gesamtbild: Wir Designer haben ein unterdurchschnittliches Standing, weil wir es nicht schaffen, unsere Leistungen so wertvoll zu verkaufen, wie sie meist sind. Stattdessen muss man ständig aufpassen, nicht mit medienpräsenten Lautsprechern der Branche in einen Topf geworfen zu werden und andererseits sich gegen den Verdacht wehren, die eigene Arbeit sei eine Art bezahltes Hobby.

Vermutlich wäre eine wirkungsvolle Interessenvertretung wirklich ein guter Lösungsansatz. Warum bekommen wir das nicht besser hin?

Der Schlüssel liegt m.E. in der Ausbildung. Es wird tatsächlich zuviel Idealismus und Weltverbesserungsanspruch vermittelt und zuwenig Bewusstsein, dass man für einen Dienstleistungsberuf ausgebildet wird - und dass eine qualifizierte Dienstleistung von einer ausgebildeten Fachkraft ihren Preis hat. Ohne entsprechendes Bewusstsein hat man natürlich auch einen schlechten Stand gegen die Dumpingkonkurrenz.

Eine Schwachstelle unserer Branche ist sicher auch die große Zahl an Einzelkämpfer-Freelancern, die sich sofort nach dem Studium fähig fühlen, auf dem Markt mitzukämpfen - und eben zu Dumpingpreisen anbieten müssen, um überhaupt Fuß zu fassen. Andere Berufe kennen das nicht in dem Maße - die Architekten allerdings teilweise auch, und die HOAI schützt da nur bedingt.

Von Visionen war schon die Rede: Wie wäre es, wenn man für die Eröffnung eines eigenen Designbüros ein paar Jahre Erfahrung als angestellter Designer nachweisen müsste? Am besten vor der Designerkammer, die den neuen Betrieb auch zu Mindestlöhnen und -stundensätzen verpflichtet. Und einen Designpreis erhält man auch nur als dort eingetragenes Mitglied ...

Klingt sehr deutsch, ich weiß. Wäre aber zumindest in der Theorie ein Ansatz, um das "kreative Prekariat" in Grenzen zu halten.

A little less conversation, a little more action please...all this aggravation ain't satisfactioning me

A little more bite and a little less bark, a little less fight and a little more spark

Close your mouth and open up your heart & satisfy me design made in germany

Als alter Sack, Jahrgang 1947, empfinde ich diese Diskussion als so alt wie mein bewusstes Wahrnehmen der Welt der Gestaltung. Dabei ist das alles doch furchtbar simpel: Viele Architekten und Designer fühlen sich als Künstler vor allem ihrer ethisch-ästhetischen Grundhaltung verpflichtet ohne mit zu bekommen, dass die Welt sie als Dienstleister sieht. Also haben sie ein Kommunikationsproblem. Alles andere ist nur Beiwerk.

Kai Beiderwellen · 10 Jahre

Ganz interessant, aber der Aspekt, dass eine unserer wichtigsten Funktionen die Mehrung des Kundenprofits lässt der Artikel ausser acht. Wer als Gestalter diesen Aspekt nicht wahrnimmt, wird sich rasch als "Schönmacher" einordnen und sich auch so seinen Klienten anbieten. Zur Not auch für 10 € oder gleich ganz aus Liebe und Leidenschaft. Wer sich dieser Selbstausbeutung nicht unterwerfen mag, sollte sich gegenüber seinen Klienten als Geschäftspartner mit temporär gleichen Zielen positionieren.

Beim Diatype war man da auf das wesentliche beschränkt, und man mußte sich mit so etwas wie einer schmalfetten Univers erstmal beschäftigen, die Dame kennenlernen. Am Leuchttisch ist dann bei mir der Funke übergesprungen. Digitaler Schriftsatz ist Fluch und Segen zugleich, und es bleibt abzuwarten, wie sich das weiterentwickelt. Aber Grafik und Design sind Berufung, und wer das Auge nicht hat, dem nützt auch kein Praktikum.

Marcel · 10 Jahre

Das Problem zusammengefasst, nochmal kurz, vor allem für die jungen Leute und generell alle, wenn Sie von ihrem Beruf GUT leben wollen:

MEIDET UNBEDINGT EINE AUSBILDUNG ZUM DESIGNER / MEDIENGESTALTER UND ARCHITEKTEN !!!!!!! ES GIBT MITTLERWEILE EINFACH VIIIIIEEL ZU VIIIIIIIIIIEEEEELE DAVON!!!!!!

Sehr spannender Beitrag, ich hoffe, dass sich auch viele junge Leute, dass bewusst sind.

Thomas · 6 Jahre

"Wie kommen wir da raus?"
Neben den genannten Ansätzen, die eher bei sich selbst beginnen, muss die akademische Sicht auf Design pragmatischer werden. Ich komme frisch von der FH und man wird vom ersten bis zum letzten Seminar damit zugesülzt, welche schöngeistigen Allgemeinplätze man doch als Designer besetzen würde: "Design ist dies aber auch das, wir Gestalter sind Störenfriede, Design is everything, wir machen die Leute auf dieses und jenes Problem aufmerksam, wir Gestalter sind Problemlöser,..." etc. pp. Da fragt man sich, ob man noch zum Designer ausgebildet wird oder schon zu Batman.

Moritz von Koenigsstein · 5 Jahre

Habe mich nie als Weltverbesserer empfunden. Tuetensuppen, Bieretiketten sind gutartig und man muss sich nicht dafür schämen. Was mich jedoch fuchst, das sind sich haeufende unreife Marktkonzepte, lausige Briefings und narzisstische Arroganz nicht ganz unweniger, meist junger Auftraggeber. Das ist nicht mehr normal, macht das Arbeiten unnötig aufwändig und mich sauer. Es gibt Tage, da will ich diesen Unfug beenden, doch noch gelingt es mir, mit viel Fragen mich selbst zu briefen und ihnen den Mehraufwand bis Beratung auch irgendwie in Rechnung zu stellen. Keine schoene Entwicklung.

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