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Über Reduktion und Evolution im Interface-Design

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Reduktion von Funktion und Inhalt auf das visuelle Erscheinungsbild von Applikationen auswirken kann. Welche Konsequenzen ergeben sich dabei für das Web wie wir es heute kennen? Führt eine Reduktion  am Ende zu einem einfacheren und hochwertigeren Zustand in punkto Design?

Gestern

Das Web hat sich in den letzten Jahren dank neuer technischer Möglichkeiten grundlegend verändert und verbessert: Für Informationsarchitekten, Designer, Developer und den User. Konzepte, die sich an den Bedürfnissen des Users orientieren, erhöhen die Usability und ermöglichen dank einer schlanken Informationsarchitektur ein schnelleres Auffinden von Informationen innerhalb moderner Webseiten und mobiler Applikationen.

Dennoch hat man immer noch das Gefühl, dass sich viele Websites in ihrer »Form« häufig noch zu sehr an klassischen Print-Medien orientieren. Dieses liegt vor allem daran, dass die Inhalte oftmals auf traditionellen Print-Konzepten basieren. Diese haben immer weniger mit modernen und dynamischen Web-Applikationen zu tun. Die Zeiten, in denen man Inhalte eins zu eins online publizieren konnte und wollte, gehören der Vergangenheit an. Große Verlage und Medienhäuser gehen mit eigenen Apps ihrer Print-Publikationen an den Start und versuchen mit diesen gleichzeitig einen Mehrwert zu schaffen. Dabei wird oft vergessen, dass digitale Inhalte anders konsumiert werden als analoge.

Heute

An kaum eine Plattform werden derzeit größere Erwartungen und Hoffnungen geknüpft als an das iPad von Apple. Dies liegt vor allem am anhaltenden Erfolg der inzwischen vierten iPhone-Generation, die immer noch Maßstäbe setzt. Zwar hat das iPad zahlreiche mehr oder weniger ernst zu nehmende Mitbewerber, wie beispielsweise das Galaxy Tab von Samsung oder Amazons Kindle, doch stehen diese Geräte nicht für das hochwertige Design oder die technische Innovation, die mit Apples Tablet verknüpft werden.

Woher kommen der Glanz und die Aura, die dieses Gerät ausstrahlt und dabei sogar auf seine Inhalte übertragen kann? Selbst eine simple Nachrichtenseite ist auf dem iPad doch irgendwie cooler als im normalen Webbrowser. Liegt das am hochwertigen Design, an einer auf das Wesentliche reduzierten Hardware, am Interface-Konzept, das den Inhalt in den Vordergrund stellt – und nicht die Navigation? Es ist die Kombination all dieser Facetten, aus denen sich jedoch auch Rückschlüsse für die Weiterentwicklung des Webs von heute ziehen lassen.

Morgen

Innovative Interface-Konzepte, die auf berührungsempfindliche Displays und eine intelligente Software dahinter setzen, verbreiten sich immer schneller. Auch von einer Hard- oder Software-Plattform zur nächsten werden gelernte und vom User bereits akzeptierte Basis-Funktionalitäten gerne übernommen, um den Zugang zu diesen Geräten oder Applikation stringent und simpel zu halten. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der User mit jeder neuen Generation. Bestimmte Gesten, die wir von einer Plattform kennen, erwarten wir inzwischen auch bei jeder anderen. Selbst das Trackpad am Laptop kann inzwischen längst mehr als den Mauszeiger zu bewegen. Der Einzug von Multitouch und die Steuerung von Hard- und Software mit Gesten gehören heute zu jedem modernen Gerät. Genutzt werden sie bisher vor allem auf mobilen Geräten oder Applikationen, da diese aufgrund von kleineren Displays oder anderen Einschränkungen darauf angewiesen sind.

Die Einschränkung bestimmter Möglichkeiten oder die Vereinfachung gelernter Routinen kann demnach zu neuen und innovativen Lösungen führen. Das Erfolgsgeheimnis der Reduktion – im Funktionalen wie im Visuellen – kann auch auf herkömmliche Websites übertragen werden. Die Einfachheit, die uns bei vielen Apps begeistert, kann im Ansatz auch bei normalen Webseiten angewendet werden. Mit dem Ziel, den Zugang für den User am Ende einfacher und benutzerfreundlicher zu machen, muss bereits bei der Konzeption darauf geachtet werden, welche Inhalte überhaupt sinnvoll abzubilden und wie diese durch eine schlanke Informationsarchitektur zu erschließen sind.

Auf etwas zu verzichten erfordert immer auch den Mut dabei etwas zu verlieren. Aber vielleicht gewinnt man am Ende auch etwas Neues und Unerwartetes dazu. Die Aufgabe, Inhalte und Anforderungen neu und unvorbelastet zu durchdenken, ist gerade in der Praxis nicht immer einfach. Zu viele Vorgaben in Briefings, eingefahrene Vorstellungen und Erwartungen oder zu straffe Timings lassen neue Ansätze oft gar nicht zu. Dennoch zeigen uns viele Apps eine Richtung auf, die Inspiration und Vorbild für innovative und neue Konzepte sein sollte. damit sich das Web von morgen weniger wie eine »Online-Broschüre« anfühlt sondern vielmehr als hochwertige inhalts- und userbezogene Anwendung darstellt.

Artikel von Daniel Bretzmann