Der erste umfassende Bildband des Fotografen Martin Waldbauer versammelt auf 228 Seiten 198 Fotografien aus sechs über Jahre entstandenen Zyklen: Funkloch, Grenzland, Handstudien, Spuren der Zeit, Stillleben und Waldungen.
Waldbauer arbeitet konsequent analog in Schwarzweiß mit Mittel- und Großformatkameras. Seine Fotografien entstehen nicht nur in der Kamera, sondern wesentlich auch in der eigenen Dunkelkammer. Dort experimentiert er unter anderem mit jahrzehntealten Barytpapieren, deren Materialität, Alterung und mitunter unvorhersehbare Reaktion Teil seiner Bildsprache geworden sind.
Diese Haltung war Ausgangspunkt für die Gestaltung des Buches. Das großzügige Format von 280 × 320 mm gibt den Fotografien Raum und ermöglicht es, ihre feinen Tonwerte, Oberflächen und Details erfahrbar zu machen. Die Bilder werden nicht beschnitten und nicht über den Bund geführt; die ursprüngliche Komposition des Fotografen bleibt unangetastet.
Die entscheidende gestalterische Arbeit begann jedoch mit der Dramaturgie. Die sechs fotografischen Zyklen wurden bewusst nicht als getrennte Kapitel nacheinander gezeigt. Für das Editing wurden die Fotografien verkleinert ausgedruckt, ausgeschnitten und im Raum ausgelegt. Losgelöst von Chronologie und Zykluszugehörigkeit konnten sie immer wieder verschoben und neu miteinander kombiniert werden.
Entscheidend waren formale, inhaltliche und atmosphärische Beziehungen: Blickrichtungen, Flächen, Strukturen, Kontraste oder Motive setzen sich über die ursprünglichen Zyklen hinweg fort. Ein Portrait kann so einer Landschaft begegnen, eine Hand der Struktur eines Baumes oder ein Stillleben einer menschenleeren Architektur. Dabei entstanden Zusammenhänge, die zuvor nicht angelegt waren und teilweise selbst den Fotografen überraschten.
Das Buch dokumentiert die bestehenden Zyklen deshalb nicht einfach. Es schafft aus ihnen eine neue Erzählung, die erst in der Abfolge des Buches entsteht.
Ein konsequentes Seiten- und Bildraster gibt dieser Dramaturgie Halt, ohne ein starres Layout vorzugeben. Bildgrößen, Positionen, Abstände und Leerstellen reagieren auf die jeweilige Konstellation und erzeugen beim Blättern einen wechselnden Rhythmus aus Ruhe, Verdichtung, Nähe und Distanz.
Eine weitere Ebene bilden die eigens für das Buch entstandenen lyrischen Texte von Nora Gomringer. Sie wurden nicht nach einem einheitlichen Schema gesetzt, sondern jeweils aus Inhalt, Sprachbild und Rhythmus heraus typografisch interpretiert. Position, Abstand und Bewegung der Sprache werden selbst zu gestalterischen Mitteln. Der einordnende Essay von Dr. Stefanie Baumann bildet dazu eine bewusst sachlichere Ebene.
Auch die Herstellung wurde als Teil des Entwurfs verstanden. Gedruckt wurde auf GardaPat 13 KIARA, 150 g/m² bei F&W Druck- und Mediencenter in Kienberg. Fotograf und Gestalter begleiteten den Druck vor Ort; Martin Waldbauer prüfte und verabschiedete jeden Druckbogen persönlich.
Format, Bilddramaturgie, Typografie, Papier, Leineneinband, Prägung, Schutzumschlag und Druck wurden so als zusammenhängender Prozess entwickelt. Entstanden ist kein klassischer Werkkatalog, sondern eine eigenständige Interpretation eines fotografischen Werks in Buchform.
Die Publikation wurde mit einer Verlagsprämie des Freistaats Bayern ausgezeichnet.
Projektinfos:
Fotografien: Martin Waldbauer
Lyrische Texte: Nora Gomringer
Essay: Dr. Stefanie Baumann
Konzeption, Art Direction & Editorial Design:
Manuel Kreuzer – Büro für visuelle Gestaltung
Verlag: lichtung verlag
Erscheinungsjahr: 2026
ISBN: 978-3-911459-07-5
Format: 280 × 320 mm
Umfang: 228 Seiten / 198 Fotografien
Schriften: GT Standard / GT Alpina
Papier: GardaPat 13 KIARA, 150 g/m²
Druck: F&W Druck- und Mediencenter, Kienberg
Gedruckt in Deutschland