Projekt

Audi Stromlinie 75 Concept

Der Begriff „Silberpfeil“ als inoffizielle Bezeichnung der deutschen Grand-Prix-Rennwagen von Mercedes-Benz und Auto Union von 1934 bis 1939 anvancierte durch die Erfolge dieser Fahrzeuge im Automobil-Rennsport international zum Mythos.

Insbesondere der 1936 von Ferdinand Porsche entwickelte Auto Union Typ-C brachte es zu einer Ikone des Rennsports. Während die Motoren bis dato auch in Rennfahrzeugen stets in der Frontpartie platziert wurden, konnte mit diesem Modell aufgrund der revolutionären Mittelmotor-Anordnung hinter dem Fahrersitz ein enormer Vorteil errungen werden. Mit Beginn des Jahres 1937 wurde das Fahrzeug im Zuge der durch die NS-Propaganda geförderten Rekordfahrten in Deutschland stromlinienförmig verkleidet und konnte in den folgenden Monaten etliche Geschwindigkeitsrekorde aufstellen. Aufgrund dieser legendären Rekordfahrten mit Geschwindigkeiten von über 400km/h gilt die Auto Union ‘Stromlinie’ heute als eines der berühmtesten Rennautos aller Zeiten.

Um den Aufbau und die Gestalt des originalen Stromlinien-Rekordwagens zu verstehen und einen anschaulichen Vergleich mit der Neuinterpretation zu ermöglichen, wurde zu Beginn des Projekts ein detailliertes und möglichst maßgenaues digitales Modell des Klassikers erstellt. Zur Umsetzung dienten dabei technische Zeichnungen des ursprünglichen Auto Union Typ C ohne Stromlinienverkleidung, sowie ein 1:18 Maßstabsmodell der im Jahre 2000 von der Audi AG angefertigten Replika des Stromlinienwagens.

Auf dem Weg zu einem schlüssigen Redesign wurde die Silhouette der Karosserie schrittweise den gängigen Proportionen moderner Supersportwagen angepasst. Bereits erste Skizzen zeigen deutliche flacher verlaufende Schulterpartien in Form der Radkästen, welche das Fahrzeug vor allem kräftiger wirken lassen. 75 Jahre nach der Premiere des Originals auf der Avus, als Bernd Rosemeyer das Fahrzeug auf den Geraden zu einer Geschwindigkeit von 380 km/h brachte, verbindet der Entwurf die markanten Proportionen mit typischen Merkmalen der Formsprache heutiger Audi-Modelle. Dazu zählen beispielsweise der Singleframe-Grill oder die harte Schulterkante, welche in diesem Fall das Fahrzeug schließend umläuft und somit optisch in zwei Segmente teilt.

Als Basis für den Aufbau des digitalen Modells wurden die wesentlichen Spezifikationen des aktuellen Supersportwagens der Audi-Modellpalette, dem R8, genutzt. Somit erscheint das Redesign wesentlich kompakter, indem es bei breiterer Spur aber ähnlichem Radstand mehr als einen halben Meter kürzer ist als das Original. Durch geometrische Abhängigkeiten der Kanten und Spalte wurde versucht, die schlichte Eleganz des Vorbilds beizubehalten. Eine seitlich platzierte stilisierte Jubiläumszahl soll den Betrachter stets auf die beachtliche zeitliche Differenz zwischen beiden Modellen hinweisen und so auch die Zeitlosigkeit der Gestaltung des Originals verdeutlichen.

Der finale Fahrzeugentwurf zeigt die Vision einer Hommage der Audi AG an eine Ikone der eigenen Firmen- und der internationalen Rennsportgeschichte, welche sowohl technisch als auch gestalterisch Maßstäbe setzte. Man stelle sich nur einen neuen “Silberpfeil” elektroangetriebene Geschwindigkeitsrekorde aufstellend vor..

Lukas Rittwage
http://www.rittwage.de

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