Projekt

Rhizom 18

Projekt Zeitschrift am FB Design der FH Münster

Warum ein »Projekt Zeitschrift«? Design als akademische Disziplin ist eine Denkmethode, die sich am Machen orientiert. Das Denken ohne das Machen ist Theorie. Das Machen ohne das Denken ist Orientierungslos. Design ist ein Prozess von innen nach außen. Daher beginnt bei Rhizom die Leistung mit dem aktiven Zuhören, setzt sich im Mitdenken fort und mündet im visionären Umsetzen. Das Magazin leistet, was der Entwurf allein nicht leisten kann. Weil es sichtbar macht, was sein kann.

Thema der Ausgabe 18
Mythos Marke

Auszug aus dem Editorial
Mythos Marke. Marke Mythos. Bemerkungen zum Weltbild der Kommunikation.

Seit längerem schon weht durch die Verkaufsmethoden der deutschen Autoindustrie ein mythischer, ein ferner Klang. Schöne Autos in schönem, fremdartigem Licht. Visionsluft, aus dem Geist einer bereits alles besitzenden spirituellen Abgeklärtheit. Autoverkäufer galten lange nicht viel in der Hierarchie der Kaufleute. Nun sind sie Philosophen, Seelenkundige, ja Seelsorger. Sie gleichen Galeristen, die Kunstwerke nicht verhökern, sondern sie ihren Kunden wie Orden verleihen. Das Walhalla der Automobile, einen Ort, an dem sich pantheistische Verehrung und Auto-Anbetung harmonisch verbinden, hat Volkswagen in Wolfsburg am Mittellandkanal geschaffen. Die alte Fabrik besitzt eine düstere Gewalt, sie verkörpert die Machtgebärde, die der Industrie wohl ansteht und die ihr freilich auch entspricht. Aber die neue Autostadt, die zugleich mit der Weltausstellung in Hannover geplant wurde, sie in mancher Hinsicht übertrifft und sie bei weitem überdauern wird, ist ein Garten Eden, in dem der Klapperstorch die Autos aus sich öffnenden Seerosen der japonisierenden Gewässer pflückt. Alte Weiden, Erlen und Eiben grünen in dem weit ausgebreiteten Hain, der sich im Winter auch bei frühlingshaften Temperaturen in eine künstliche Schneelandschaft verwandelt, denn im Paradies herrschen selbstverständlich andere klimatische Verhältnisse als in der gefallenen Welt. In diesen Tempeln werden Seat und Skoda, Lamborghini und Audi, Rolls-Royce und Volkswagen und nun auch Porsche verehrt.

Wie oft bei mythischen Religionsstiftungen unterlaufen Propheten in der Fülle oft Widersprüche, die dem universalen Anspruch der Lehre aber nur dienlich sein können. Ob man sich nun bei VW im Kreislauf der ewigen Wiederkehr des Gleichen oder in der den Kreis sprengenden evolutionären Dynamik des dialektischen Prozesses sehen will, ist deshalb unerheblich. Wichtig ist nur, dass der transzendentale Zugriff vom Kunden irgendwie empfunden wird. Die innigstmögliche Verbindung zwischen Mensch und Auto ist so gestiftet. Beim Autoverkaufen Autos zu zeigen und über Autos zu sprechen ist eben etwas veraltet.

Wer die Kommunikationswelt nicht kennt, wird vielleicht niemals begreifen, warum dies im Ganzen zum Kauf eines neuen Autos führen soll. Doch war es schon bei den einst berühmten Kaffeefahrten so, dass Rex Gildo zwar von Mexiko sang, alte Frauen aber zum Kauf von Wärmedecken und Heizkissen getrieben werden sollten. Mythen-Werbung funktioniert auf zweierlei Weise: Einerseits verwendet die Werbung Mythisierungsstrategien, um Produkt- und Markenmythen zu schaffen und kulturell zu verankern, andererseits setzt sie klassische Mythen als Motivquelle und Handlungsvorlage ein, arbeitet mit tradierten Symbolen oder aktualisiert Mythen, indem sie ihre tiefenwirksamen Schemata verwendet. Das Produkt bekommt dadurch eine unverwechselbare und starke Identität. So wie dieses Magazin.

Redaktion und Gestaltung
Nils Küsters, Julia Bruns, Fritz Fischer, Katharina Uhrlau, Marianne Drews, Leonie Borgmann, Jonas Wahlers, Timo Wissemborski, Max Schmieding, Iris Hammwöhner, Philipp Rafler, Anika Stieling, Mirja Finke

Projektleitung
Prof. Rüdiger Quass von Deyen

Projektbegleitende Technik
Dipl. Des. Paul Plattner-Wodarczak

Themencoaching
Prof. Ralf Beuker

Textcoaching
Hendrik Otremba

Kooperationspartner
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