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Fragen an Illustratoren: Frank Höhne

Wie war dein Einstieg in die Branche und was war dein erster Job?

Ich habe schon während des Studiums angefangen zu arbeiten. Das empfehle ich auch jedem. Dadurch scheidet mehr oder weniger das Loch aus, in welches viele nach dem Abschluss fallen. Ich kenne einige wenige Illustratoren, die deutlich besser sind als Scheiße und alle Jobs verdient haben, aber noch so gut wie keine Erfahrungen und Kontakte.

Meinen ersten Job habe ich fürs Vice 2006, glaube ich, gemacht. Zeitgleich etwa auch 2 Seiten in der »Dummy«. Die ganze Seite = 50 Euro. Da hab ich nicht lange rechnen müssen, dass das eine ganz schlechte Bezahlung ist und dass die monatlichen Fixkosten dann mindestens 20 Jobs sein müssten. Aber Referenzen sammeln wiegt das auf. Die sind wichtig. Und im Studium braucht man noch nicht viel Geld und Zeit hat man sowieso. Deswegen früh anfangen, und jetzt alle: »Früüüüüh anfangen mit arbeiten«.

Arbeitest du hauptsächlich als Illustrator oder hast du noch andere Schwerpunkte und falls ja, welche?

Dass auf diesem Planeten sein, also das Leben, ist eine Kette an Nebenjobs. Geld verdiene ich nur als Illustrator. Ansonsten koche ich und mache Musik, küsse meine Freundin und spiele mit meiner Tochter. Da gibt‘s kein Geld, aber der Tauschhandel aktiv-sein gegen pure Freude ist deutlich mehr wert.

Auf welchen Themenbereich hast du dich spezialisiert? Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Mit welchen Techniken arbeitest du?

Habe mich eigentlich nie wirklich bewusst spezialisiert. Ich wollte immer nur machen und mache auch nur so wie ich zu gegebenen Zeitpunkt fähig bin zu tun, um mich weiterhin wohl zu fühlen. Themenbereiche lasse ich auf mich zu kommen. Menschlichkeit interessiert mich zwar am meisten, aber auch ein Skoda Octavia kann mich packen. Das trifft eventuell auch meinen Stil, oder? Ich weiß es nicht.

Mein »Stil« ist wohl der, wo sich der Illustrator eingesteht, dass er sich keine Stilfragen stellen mag. Also ich mag mich nicht einengen lassen und aus dem Moment arbeiten. Ehrlichkeit ist mir wichtig, ich bin nun leider Mensch und nicht eine vektorisierte Elfe, also sehe ich auch keinen Grund mich in eine liebliche Wattewelt zu flüchten oder aus dieser bildlich zu erzählen. Ich mag den Dreck, ich mag es, dass mich die Busfahrer in Berlin ankacken, weil ich immer nur Kurzstrecke bezahle und trotzdem weiter fahre.

Ich häkele gerade eine Puppe für meine Tochter und meine Freundin meinte, kannste nicht mal was Hübsches machen, ein Äffchen oder sowas, da tue ich mich schwer. Die Puppe sieht Kacke aus. Mit schütterem Resthaar und Plautze und ein wenig verkorksten Augen, eben solche Gestalten, die man Sonntag Mittag auf dem Weg zur Afterhour sieht. Da kann sich meine Tochter schon mal dran gewöhnen und nicht an Vektorwölkchen reitende Lilifeen.

Genau deswegen hab ich wohl auch keine Werbejobs sondern hauptsächlich Editorial. Meine Joghurtbecher würden wohl zu würzig aussehen. Technisch habe ich ein Blatt Papier, diverse Stifte und einen A3-Scanner.

Digital oder Analog?

Also analog und Photoshop zum Collagieren. Ist wohl dann digital.

Gibt es ein Objekt, ein Thema, das für dich besonders schwer zu zeichnen ist?

Haare. Da hab ich keine Geduld. Da kenne ich auch keinen Trick. Das liegt wohl daran, dass ich immer neidisch werde, wenn ich volles Pferdehaar an meinen Mitmenschen sehe.

Wie ist dein Arbeitsprozess für eine Illustration?

Also. Ich bekomme Texte. Die lese ich dann grob. Was mir parallel einfällt, zeichne ich. Das Banalste aus dem Text kann die Bildidee bedeuten. Ich zeichne ohne ein klares Verständnis, wo ich ende. Das will ich auch so beibehalten. Die meisten Ideen kommen dann beim Collagieren. Dann addiere ich die neuen Ideen und mache neue Eenen und dann schicke ich es dem Kunden und frage, ob er es sich eventuell ganz genau so vorgestellt hat.

Was passiert, wenn einem Kunden deine Illustration überhaupt nicht gefällt?

Dann hat einer von beiden Pech gehabt. Meistens aber ich. Also ich will schon, dass der Kunde zufrieden ist. Bisher mag ich ja auch jeden meiner Kunden und hatte noch nie das Gefühl, dass ich jemanden persönlich nicht mögen könnte. Die Grafik- und Bildredakteure im deutschsprachigen Raum sind alle sehr nett. Schickt ruhig eure PDFs.

Welche Tipps kannst du jemandem geben der Illustrator werden möchte?

Nicht gucken, sondern machen. Auch nicht irritieren lassen was andere machen. Die sind alle verdammt gut, diese Illustratoren. Die haben mir früher Angst gemacht, weil die so unfassbar gut sind. Aber es geht ja nicht um andere, sondern um Dich. Also mach, wie Du kannst, und bloß nicht nachmachen, sondern seine Lust finden und ihr folgen. Dann bekommt man vielleicht seine eigene Sprache und wird gefragt, ob man mal was übersetzen soll. Denken und Metaphern und Mut hilft wohl auch. Also mutig dem Kunden seine eigenen Ideen zu dem Job aufdrücken. Die eigenen Ideen, die braucht man schon als Illustrator, finde ich. Zeichnerische Zauberfähigkeiten sind relativ.

Wie gewinnt man als Illustrator Kunden?

Ich weiß es nicht. Ich habe noch nie Akquise gemacht. Bisher kam immer irgendwer, der etwas wollte, und das freut mich, weil ich ein Rieseproblem damit habe, mich anzubiedern. Ich finde mich und meine Sachen ja auch zu unbedeutend, als dass ich sie jemanden als genau das, was er braucht, zu verkaufen trauen würde.

Wie siehst du den Stand der Illustration in Deutschland?

Ist gut, oder? Ich weiß es nicht. Nicht so mein Thema.

Wo ist für dich der Unterschied zwischen Kunst und Illustration?

Kunst ist geboren aus dem genialen Bewusstsein eines hoch intellektuellen Hirns.
Illustrationen hingegen sind deren Enkel, die einfach nur auf dem Schoße der Kunst Spass haben wollen. Sie haben also dieselben Gene, aber werden nie in Papas Fußstapfen treten können, weil sie zu dumm sind.

Frank Höhne
http://www.frankhoehne.de

Interviewserie mit Fragen von Nadine Roßa und Patrick Marc Sommer