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Buchvorstellung: Istanbul, mit scharfe Soße?

25.10.2010 - 09:00

Meine persönlichen „Unwörter des Jahres“ möchte ich an der Stelle schon mal auflisten: Integrationsdebatte, Migrationshintergrund, Integrationsverweigerung, bildungsfern. Danke, Herr Sarrazin. 
Die Debatte, die sich dieser Wörter bedient, ist aktuell aus den Medien nicht weg zu denken. Aber wie sieht es eigentlich anders herum aus: Wie „integriert“ man sich als Deutscher in der Türkei?

Die Berliner Illustratorin Alexandra Klobouk hat sich lange bevor sich die Medien dieses Themas angenommen haben, genau diese Frage gestellt, als sie sich 2008 auf dem Weg nach Instanbul machte, um dort ein Austauschsemester zu machen. Ihr Kopf war voller typisch Berlin-Kreuzberg geprägter Klischees über die Türken und die Türkei (die sie direkt als Einstieg ins Buch dokumentiert und auch gleich zur Namensgebung heran gezogen hat), die es zu widerlegen galt. Und das tat sie. Sie sammelte Geschichten aus ihrem Leben dort, dokumentierte den Alltag und unterstrich alles mit kleinen Illustrationen in einem liebevoll illustrierten Band.

Sei es als persönliches Reisetagebuch auch wunderschön, es wäre sehr schade gewesen, wäre dieses Buch in ihrem Portfolio verschwunden. Zum Glück ist sie dem kleinen Berliner Verlag Onkel&Onkel begegnet, der sich sofort – Zitat: „verlegerisch verliebt“ hat und das Buch fast in seiner Original-Ausstattung verlegt hat.
(Kleine Anmkerkung von mir an dieser Stelle: Ich bin seit langem Onkel&Onkel-Fan. Unvergessen ist das Führer Quartett! Der kleine Berliner Verlag wurde 2007 von Volker Oppman gegründet und heißt aufgrund der finanziellen Startspritze seiner beiden Onkel eben genau so. Das Motto des Verlages ist „Verlegt wird was gefällt. Wir machen Bücher, die ins Auge fallen – visueller Rock’n'Roll.“ Und so landen sehr oft spannende experimentelle Arbeiten von jungen Illustratoren und Autoren bei O&O)

Alexandras Buch gibt einen wunderbaren Einblick in den türkischen Alltag. Ihr gelingt es so ganz nebenbei, uns die Türken nahe zu bringen und sie gibt Einblicke darin, wie es eben anders herum funktioniert: eine Deutsche als Migrantin in der Türkei. Dass das Thema so perfekt in die aktuelle Debatte passt ist Zufall, aber ein glücklicher Zufall, wie Autorin und Verleger bestätigen. Vielleicht sollte man mal ein paar Bücher davon im Bundestag verteilen.

In Alexandras Buch wechseln sich kurze dokumentarische Texte mit witzigen Illustrationen ab, die sich gegenseitig wunderbar ergänzen. Der Konflikt um das Kopftuch fehlt dabei ebenso wenig wie typische kulinarische und sprachliche Besonderheiten. Heitere aber auch traurige Episoden sind festgehalten, z.B. nach dem Terroranschlag vom Juli 2008.

Bevor Alexandra noch kurz das Wort bekommt, lasst mich noch folgendes sagen: Das Buch ist toll und witzig! Kauft es! Geht zur Buchvorstellung! Und streicht eure gängigen Klischees aus dem Kopf. Die Türken haben mehr zu bieten als „Döner mit scharfe Soße.“

Warum warst du in Istanbul?
Ich war in Istanbul im Rahmen eines Austauschsemsters, um mir mein eigenes Bild vom Leben in der Türkei zu machen. Von den deutschen Medien geprägt hatte ich mehr Vorurteile als mir lieb war. Außerdem schien die Stadt sehr spannend zu sein. Und ich wollte nicht auch wie die meisten Austauschstudenten nach Barcelona, Paris, London.

Welche Idee stand hinter dem Buch?
Als ich nach der Zeit in Istanbul nach Berlin zurück kam, merkte ich, dass ich viele Geschichten mitgenommen habe, die ich auch ständig erzählt habe. An meiner Uni, der Kunsthochschule Weißensee, habe ich dann angefangen für ein Projekt die Geschichten zu sammeln. um ein Buch daraus zu machen. Mit der Idee wollte ich anderen Menschen ebenfalls die Möglichkeit geben, mal über den Tellerrand zu schauen und zu erfahren wie vielfältig und schön die türkische Kultur ist.

Welche deiner Klischees und Vorurteile wurden bestätigt, welche widerlegt?
Alle und keines – das bringt die Vielfalt mit sich.

Wie begegnest du in Berlin lebenden Türken heute?
Türken in Berlin ist ein weiter Begriff. Auch in meiner Heimatstadt Regensburg gibt es Menschen, die ich auf Anhieb sympathisch finde und andere mit denen ich gar nichts anfangen kann. So geht es mir mit den Menschen hier in Berlin auch – egal ob Türken oder nicht. Aber ich weiß natürlich mehr über die türkische Kultur und kann ein paar nette Sachen sagen. Die Deutsch-Türkische Community lebt aber schon seit 40 Jahren außerhalb der Türkei und hat sich somit in vieler Hinsicht unabhängig voneinander entwickelt.

Das Buch erscheint zweisprachig. Wer hat die türkischen Texte verfasst?
Die türkischen Texte sind die gleichen wie die deutschen. Meine Istanbuler Dozentin Pelin Türker hat die Übersetzung übernommen. Dafür schulde ich ihr großen Dank und mindestens ein Freiexemplar :)

Alexandra Klobouk studiert Visuelle Kommunikation an der Hochschule Belin Weißensee.
Istanbul, mit scharfe Soße?
128 Seiten 13,5 x 18,5 cm
Leineneinband mit Fadenheftung, Prägung und Banderole
DEUTSCH-TÜRKISCHE AUSGABE
Oktober 2010
EUR 14,95
ISBN 978-3-940029-76-8

Erschienen im Onkel & Onkel Verlag

Am 30.10.2010 findet um 20Uhr die offizielle Buchpräsentation im Gespräch mit der ZEIT-Redakteurin Özlem Topcu in der MAI FOTO Galerie in der Dresdener Str. 18 in Berlin-Kreuzberg statt.


1,590

Türkin

Für mich als Türkin ist es immer wieder ekelhaft zu lesen, was für Vorurteile Deutsche gegenüber der Türkei haben…..bis sie sich dann schliesslich eines Tages in der Türkei aufhalten.
Bis dahin aber laufen sie hier in Deutschland schön mit ihren Vorurteilen rum.
Ich verachte solche Menschen zutiefst!

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Nadine Roßa lebt und arbeitet als freiberufliche Illustratorin und Designerin in Berlin. In den letzten Jahren hat sie fest und frei in verschiedenen Agenturen und mit Start-Ups gearbeitet und Kommunikationsdesign in Berlin studiert. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Screen-Design, Typografie und Illustration. Sie ist Mit-Herausgeber des Magazins von Design made in Germany - Dmig.

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