Vom Ladenbauer zum Raumgestalter: Michael Mayer über 28 Jahre Wandel
Heutige Läden sind einerseits die Fläche für Produkte, doch andererseits sind durch die digitale Konkurrenz Gestaltung, Licht, Markenidentität und Wegeführung wichtiger denn je. Experte Michael Mayer beschäftigt sich seit fast drei Jahrzehnten mit dieser Entwicklung. AHA360° ist die Marke der AHA GmbH, eines Ladenbau-Spezialisten mit Sitz in Gersthofen bei Augsburg, gegründet von eben jedem Experten.
Wie sich der Ladenbau in den letzten 28 Jahren verändert hat
Frage: Herr Mayer, 1997 begann Ihre Unternehmensgeschichte: Was hat sich seitdem grundlegend verändert?
Antwort: „Früher stand beim Ladenbau häufig die Einrichtung selbst im Mittelpunkt, heute geht es stärker um das Erlebnis eines kompletten Raumes. Kunden nehmen nicht nur das Mobiliar wahr, sondern achten auf Licht, Materialien und ein Gesamterlebnis. Entsprechend wichtig ist es geworden, bei der Gestaltung auch die Customer Experience im stationären Handel im Blick zu behalten.“
Frage: Welche Rolle spielt dabei die Marke?
Antwort: „Sie bildet den Ausgangspunkt des gesamten Konzepts, denn Räume dürfen nicht universell austauschbar wirken, sondern müssen die Botschaft des Unternehmens transportieren. Individuell entwickelte Räume können eine Marke erlebbar machen und ihren Charakter auf die Fläche übertragen. Farben, Formen, Materialien und Beleuchtung werden dafür nicht isoliert betrachtet.“
Warum wurde aus Ladenbau ein 360°-Ansatz?
Frage: Was steckt hinter dem ganzheitlichen Konzept?
Antwort: „Bei einem Ladenprojekt greifen viele verschiedene Entscheidungen ineinander. Deshalb verbindet der ganzheitliche Ladenbau von AHA360° unterschiedliche Arbeitsschritte miteinander. Dazu gehören unter anderem Beratung, Design, Lichtplanung und die handwerkliche Umsetzung. Inzwischen wurden mehr als 3.500 Projekte realisiert.
Schon in der frühen Planungsphase kommt das Thema Visualisierung zur Sprache und zum Einsatz. Wir machen mit fotorealistischen 3D-Renderings sichtbar, wie Materialien, Architektur und Licht später wirken können. Erst dann kommt die Umsetzung bis zur Fertigung von individuellen Einrichtungselementen. Hierfür arbeiten wir in unserer eigenen Schreinerei in Gersthofen.“
Design für den Alltag
Frage: Reicht ein optisch überzeugender Entwurf aus?
Antwort: „ Nein, eben nicht, genau das hat sich geändert. Ein Verkaufsraum muss für den Kunden attraktiv aussehen, aber auch funktionieren. Team und Kunden müssen alle Räume sinnvoll nutzen können, was Gestaltung zu einer praktischen und wirtschaftlichen Komponente gemacht hat. Bei erfolgreichen Store-Konzepten spielen neben Raumdesign auch Faktoren wie Wareninszenierung, Kundennutzen und Erlebniswert eine wichtige Rolle.“
Die Zukunft stationärer Markenräume
Frage: Warum lohnt sich eine aufwendige Raumgestaltung trotz wachsendem Onlinehandel?
Antwort: „Gerade weil sich viele Produkte einfach online bestellen lassen, muss der stationäre Handel eigene Qualitäten mitbringen. Räume können dafür sorgen, dass der Kunde Materialien direkt erleben und Produkte ausprobieren kann. Die Atmosphäre in einem gut designten Store lässt sich online nicht identisch reproduzieren.
Für uns als Planer heißt das, dass Gestaltung nicht nur optisch funktionieren darf, denn der Markenraum muss als ganzes Konzept den potenziellen Kunden überzeugen und seine Bedürfnisse widerspiegeln. Nach fast drei Jahrzehnten Ladenbau kann ich sagen, dass vor allem der Blick auf das große Ganze wichtiger geworden ist.
Früher haben wir singulärer gearbeitet. Es war wichtig, einen gut aussehenden Laden zu konzipieren, denn der Kunde hatte gerade bei Nischenprodukten und Fachgeschäften nur wenige Alternativen. Heute, wo jeder alles im Internet bekommt, sieht die Situation anders aus. Wer als Ladenanbieter unentbehrlich sein möchte, braucht ein komplettes Konzept.“
