Unsichtbare Co-Autoren im Studium: Zwischen Eigenleistung und „Bachelorarbeit schreiben lassen“
Der Gedanke, eine wissenschaftliche Arbeit extern erstellen zu lassen, wirkt für viele erst einmal wie ein Tabu. Gleichzeitig boomt der Markt für Schreibunterstützung, Mustervorlagen und Coaching. Wer überlegt, eine Bachelorarbeit schreiben lassen zu wollen, steckt oft zwischen hohem Leistungsdruck, knapper Zeit und dem Wunsch nach einer strukturierten, gut nachvollziehbaren Vorlage. Doch was passiert eigentlich im Hintergrund, wenn Studierende Schreibarbeit abgeben oder auslagern, und wo verläuft die Grenze zur Täuschung?
Warum Studierende über „unsichtbare Hilfe“ nachdenken
Nicht jede Person, die über Ghostwriting nachdenkt, ist „faul“. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen, die den Druck im Studium erhöhen.
Typische Auslöser, die zu externer Schreibunterstützung führen können:
- parallele Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung
- Familienverpflichtungen und Care-Arbeit
- Prüfungsangst oder Schreibblockaden
- fehlende Betreuung oder unklare Anforderungen
- Sprachbarrieren bei internationalen Studierenden
Gleichzeitig bleibt die Verantwortung bei dir: Auch wenn jemand von außen strukturiert, formuliert oder korrigiert, bist du die Person, die die Arbeit versteht, verteidigt und verantwortet.[1]
Stufen der Unterstützung: Vom Lektorat bis zum Mustertext
Schreibunterstützung im Studium ist kein Alles-oder-nichts-Konzept. Zwischen komplett eigenständigem Schreiben und vollständiger Auslagerung liegen viele Abstufungen.
Mögliche Formen der Unterstützung im Überblick:
- Sprachliche Korrektur (Korrektorat)
- Inhaltliches Lektorat mit Verbesserungsvorschlägen
- Coaching zu Thema, Gliederung und Methodik
- Erstellung einzelner Musterkapitel
- Erstellung einer kompletten Mustervorlage als Orientierung
Im Alltag informieren sich viele Studierende zunächst neutral über Anbieter, lesen Blogs oder prüfen Beispiele. Plattformen wie
https://studibucht.de/bachelorarbeit/ dienen häufig dazu, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Formen von Unterstützung es gibt, wie Musterarbeiten aussehen und welche Leistungen offiziell nur als Vorlage gedacht sind.[2]
Spätestens im Masterstudium taucht bei manchen dann die Frage auf, ob man eine Masterarbeit kaufen, ein Coaching buchen oder lieber doch komplett selbst schreiben sollte. Entscheidend ist, ob du die Musterarbeit wirklich nur als Lernhilfe nutzt – oder sie unrechtmäßig als eigene Prüfungsleistung einreichst.
Vergleich: Selbst schreiben, Unterstützung nutzen oder Text einkaufen?
Um die eigenen Optionen besser einzuordnen, kann ein nüchterner Vergleich helfen. Die folgende Tabelle bewertet drei häufige Szenarien aus Sicht von Aufwand, Risiko und Lerngewinn:
|
Option |
Aufwand für dich |
Risiko an der Hochschule |
Lerngewinn für dich |
|
Komplett selbst schreiben |
hoch |
sehr niedrig |
sehr hoch |
|
Mit Coaching / Mustervorlage arbeiten |
mittel |
gering, wenn offen genutzt[3] |
hoch bis mittel |
|
Fertigen Text einkaufen und abgeben |
gering |
sehr hoch (Täuschungsversuch) |
sehr niedrig |
Die Tabelle zeigt: Je stärker du die Denk- und Schreibarbeit abgibst, desto mehr steigt das Risiko, gegen Prüfungsordnungen zu verstoßen – und desto weniger nimmst du fachlich mit.
Was sagen Hochschulen dazu? Der rechtliche Rahmen
Fast alle Hochschulen formulieren in ihrer Prüfungsordnung klar, dass Abschlussarbeiten eigenständig erstellt werden müssen. Wer fremde Leistungen ohne Kennzeichnung als eigene ausgibt, begeht einen Täuschungsversuch. Das kann folgende Konsequenzen haben:
- Bewertung „nicht bestanden“ der Arbeit
- Eintragung des Täuschungsversuchs in die Akte
- Aberkennung eines bereits verliehenen Grades in Extremfällen
- Ausschluss von weiteren Prüfungsversuchen
„Unterstützung durch Schreibberatung, Lektorat oder Mustertexte kann zulässig sein, solange die wissenschaftliche Leistung und die Verantwortung für den Inhalt eindeutig bei der studierenden Person liegen.“[4]
Die Grauzone beginnt dort, wo Mustertexte nicht nur als Orientierung dienen, sondern nahezu unverändert eingereicht werden. Selbst wenn eine Agentur in ihren AGB klarstellt, dass die Texte nur als Vorlage gedacht sind, entbindet das die Studierenden nicht von der Verantwortung, diese Vorgabe einzuhalten.
Psychologischer Druck: Wenn die Arbeit größer wird als das Leben
Neben rechtlichen Fragen spielt die psychologische Dimension eine große Rolle. Viele Studierende berichten, dass die Abschlussarbeit zu einem Symbol für „Alles oder Nichts“ wird: Berufseinstieg, Selbstwert und Zukunft scheinen an einem Dokument zu hängen.
Typische Gedanken in dieser Phase können sein:
- „Wenn ich das nicht schaffe, war das ganze Studium umsonst.“
- „Alle anderen kommen klar, nur ich hänge fest.“
- „Ich muss perfekt abliefern, sonst blamiere ich mich.“
Genau hier wirken Ghostwriting-Angebote wie eine Abkürzung aus der Überforderung. Ein reflektierter Umgang bedeutet jedoch, innezuhalten und zu prüfen, welche Art von Hilfe dich unterstützt, ohne deine Integrität zu gefährden.
Entscheidungs-Checkliste: Welche Hilfe ist für dich vertretbar?
Statt vorschnell in eine Richtung zu gehen, kann dir eine persönliche Checkliste helfen. Beantworte die folgenden Fragen möglichst ehrlich für dich selbst:
Checkliste (Ja/Nein):
- Verstehe ich mein Thema so gut, dass ich es in einem Kolloquium erklären könnte?
- Könnte ich meine Quellen und Argumente auch ohne fertigen Text nachvollziehen?
- Bleibt die Kernleistung – Forschung, Argumentation, Struktur – wirklich bei mir?
- Würde ich mich noch wohlfühlen, wenn meine Betreuungsperson genau wüsste, wie viel Hilfe ich hatte?
- Nutze ich die Unterstützung, um zu lernen, oder nur, um ein „Produkt“ abzugeben?
Je öfter du mit „Ja“ antwortest, desto eher bewegt sich deine Nutzung von Unterstützung im Rahmen dessen, was Hochschulen als legitim betrachten würden.[5]
Mustervorlagen sinnvoll nutzen: Lernhilfe statt Täuschung
Wenn du dich für externe Unterstützung entscheidest, kann eine Mustervorlage eine echte Lernhilfe sein – wenn du sie bewusst einsetzt.
So kannst du mit Mustertexten verantwortungsvoll arbeiten:
- Nutze die Vorlage, um Aufbau und roten Faden der Arbeit zu verstehen.
- Analysiere, wie Einleitung, Theorie, Methode und Diskussion strukturiert sind.
- Schreibe jeden Abschnitt in deinen eigenen Worten neu.
- Ergänze eigene Literaturrecherche und aktuelle Quellen.
- Prüfe mit einer Plagiatssoftware, ob du wirklich eigenständig formuliert hast.
Wichtig ist, dass du nicht in Versuchung gerätst, ganze Abschnitte zu kopieren. Je eigenständiger du arbeitest, desto besser verstehst du das Thema – und desto souveräner wirkst du später in Prüfungen oder Bewerbungsgesprächen.
Praktische Alternativen zu Ghostwriting
Bevor du dich für eine Mustervorlage oder andere Form der Schreibhilfe entscheidest, lohnt sich ein Blick auf Alternativen, die oft unterschätzt werden:
- Sprechstunde bei der Betreuung nutzen
Konkrete Fragen zur Struktur oder Eingrenzung des Themas klären oft mehr als du denkst. - Schreibzentrum oder Beratungsstelle der Hochschule
Viele Hochschulen bieten Workshops und individuelle Beratung zu Schreibblockaden an. - Lerngruppen bilden
Gemeinsame Deadlines, Austausch und Feedback aus der Gruppe können Motivation und Klarheit erhöhen. - Zeitmanagement überarbeiten
Realistische Zwischenziele und kleine tägliche Schreibschritte reduzieren den Druck auf den Abgabetermin.
Externe Hilfe ist damit nur eine Option unter vielen – nicht die einzige Lösung.
Fazit: Unsichtbare Hilfe sichtbar reflektieren
Die Frage ist nicht nur, ob du eine Arbeit extern erstellen lässt, sondern wie bewusst du mit Unterstützung umgehst. Eine Bachelorarbeit, die du mit Coaching, Mustervorlagen und Feedback erarbeitest, kann dich fachlich weiterbringen, wenn du die Inhalte wirklich verstehst und selbst weiterentwickelst. Ein vollständig eingekaufter Text dagegen mag kurzfristig entlasten, gefährdet jedoch deine akademische Integrität und deinen Abschluss.
Am Ende zählt, dass du einen Weg findest, der mit deinen Werten vereinbar ist, dich nicht in ständige Angst vor Entdeckung bringt und dir trotzdem hilft, Studium, Arbeit und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. Unsichtbare Co-Autoren wird es vermutlich immer geben – entscheidend ist, dass du die Hauptautorin oder der Hauptautor deiner eigenen Bildungsbiografie bleibst.

